Sounddesign – wie baue ich einen neuen Klang?
Wie baue ich einen Sound? Der Weg von links nach rechts.
Sounddesign -irgendwann langweilen die Werks-Presets. Also ist die beste Idee, den Init-Button zu drücken und aus einer neutralen Stellung einen neuen Klang zu bauen, den ich im Kopf habe. Wie kann ich dabei vorgehen, um Sounds zu bauen? Magiefrei und simpel.
Selber Sounds erstellen – Sounddesign
Wie baue ich Sounds? Sounddesign-Grundlagen
Gibt es beim Sound-Bau Regeln? Natürlich nicht. Aber es ist auf keinen Fall falsch, die Basics der Synthese-Methoden zu kennen, die für deinen Synthesizer gelten. Wavetables, Oszillatoren, Obertöne, Hüllkurve, LFO. Du kennst das und weisst, was das ist und wie es wirkt. Das kann ich hier in der kurzen „Zeit“ nicht erklären. Wenn nicht, gibt es dies – das fängt wirklich bei „0“ Wissen an:
Intuitiv-Sounddesign?
Natürlich kannst du intuitiv an allem „herumdrehen“, dann würde das eher ein Zufallsspiel mit „Happy Accidents“ werden, also wenn etwas zufällig „gut klingt“ und passt. Das wird seltenst der Fall sein. Das wäre sicherlich kein Sounddesign mehr, sondern raten und hoffen. Gezielt und mit klaren Vorstellungen ist tatsächlich am „besten“ geeignet, um ans Ziel zu gelangen – dafür ist gut, diesen Klang im Kopf zu haben oder vielleicht auch als Audio – du möchtest eben den Klang nachbauen. Technisch gesehen geht es hier nur um die „Psychologie“ ein klares Ziel zu haben, als es irgendwann brauchbar zu finden.
Bestehende Presets zu ändern ist selbstverständlich nicht „falsch“, jedoch ist idealerweise die Funktionsweise aller Modulationsverbindungen und Einstellungen am besten für dich bekannt, dennoch kann man so sehr einfach ein paar Hüllkurvenzeiten nachregeln oder den Klang etwas nachbessern. Gerade die Modulationsmatrix muss aber oft neu umgebaut werden, wenn der Klang auch eher ganz anders ist. Dennoch empfehle ich die neutrale leere Grundstellung für jeden neuen Sound.
Bei FM-Synthesizern können die Algorithmen getauscht werden, sodass sehr drastisch ein anderer Klang entsteht, was aber auch eher ein Zufallsverfahren ist. Einige Synthesizer haben auch eine Würfelfunktion, auch für einzelne Bereiche oder sogar Mutationsvarianten. Aber mit denen beschäftigen wir uns hier nicht, da sie keine Zielvorstellung für das Sounddesign als Grundlage haben.
Sounddesign-Grundeinstellung
Erst einmal gehe ich von einem „normalen“ Synthesizer aus, (egal ob Soft- oder Hardware). Für FM gelten andere Regeln und für andere Syntheseformen ebenso. Das Vorgehen ist bei FM von unten nach oben, also von den Trägern zu den Modulatoren und jeweils Operator für Operator (Oszillator mit Lautstärkehüllkurve). Dazu lohnt sich ein weiterer Artikel. Natürlich kannst du auch mit Samples arbeiten oder Kombinationen. „Verboten“ gibt es nicht.
Aber generell ist eine Grundstellung die beste Option fürs Sounddesign. Subtraktive Synthesizer sind mehr oder weniger „gleich“. Hier ist, wie du sie erreichst, wenn der Synth keine „Initialize“ Funktion hat. Manche haben den „Manual Mode“ und können dann direkt so genutzt werden, wie die Regler aktuell stehen:
Ich gebe mal zwei sehr „optische“ Beispiele für 2 Standard-Synthesizer und eine Grundstellung aus der man gut starten kann: Odyssey und (Roland) Jupiter-6, die aber mit jedem anderen auch funktionieren. Hier kommt es weder auf Hersteller noch Gerätetyp an.

Dabei werden alle Hüllkurven mit Sustain auf Maximum gesetzt, die Attacks/Releases auf 0 gesetzt, wie bei einer „Orgel„. Manche Synthesizer haben dafür „Gate„. Die Oszillatoren werden alle auf eine Grundwellenform wie Sägezahn gesetzt und nur einer wird im Mischer hochgeregelt, sodass man nur einen Sägezahn hört. Die Matrix ist leer und die LFOs sind ebenfalls neutral. Der Odyssey hat eine AR-Hüllkurve, die werden dann ebenfalls einfach auf 0 gesetzt, wie hier. Um zu starten würde ich dann die ADSR-Hüllkurve zuerst für VCA und Filter verwenden.
Jupiter-6 Grundstellung: Funktioniert natürlich mit jedem anderen Synthesizer von Minilogue bis Tennessee…

Für den klassischen Synthesizer hast du meist zwei bis drei Oszillatoren, Mischer, 1-2 Filter und jeweils zwei oder mehr Hüllkurven. Dazu noch Modulations-LFOs und vielleicht eine Modulationsmatrix. Die Oszillatoren haben manchmal FM, Crossmodulation, Sync oder Ringmodulation – die sind alle da, zusätzlich Obertöne zu erzeugen, die schaltest du daher erst einmal alle ab.
Ebenso haben einige digitale Wellenformen, die der erste Schritt darstellt, einen Klang zu erstellen. Der Rauschgenerator wird ebenfalls ausgeschaltet. Beim Jupiter ist er übrigens Teil des Oszillators 2, was eher unüblich ist. Die meisten haben Rauschen und Ringmodulation im Mischer und die bringst du ebenfalls alle auf 0-Stellung. So wie oben im Bild. Modulationen aus, auf 0, keine Pulsbreitenmodulation. Alles ist OFF.
Start: Sounddesign
Jetzt stellst du den schrillsten (obertonreichsten) Sound, den du anstrebst mit den Oszillatoren ein, erst einer, und erst wenn du den ausgereizt hast, blendest du einen zweiten ein. Gibt es eine Wellenform die passt? Sägezahn hat sehr viele Obertöne, Rechteck nur jeden zweiten Oberton. Finde das heraus, höre dich ein. Suche das passende. Gibt es eine Wave aus einem Wavetable? Dann ist das der Richtige.
Wenn das nicht reicht, brauchst du vielleicht FM oder Ringmodulation des zweiten Oszillators, um ausreichend Obertöne zu erhalten. Für die Breite „Fettheit“ und Schwebungen brauchst du den nächsten Oszillator. Sehr oft reicht der exakt gleiche Sound mit etwas Verstimmung zwischen 7 und 15 cent.
Enthält dein Klang einen Unterton, ein Bereich, der nicht mit einem einzigen Klang in einem Frequenzbereich erklärt werden kann? Ein eigenes Tuning des zweiten Oszillators kann viel bewirken. Die Oktavierung macht es sakraler, egal ob Bass oder Fläche. Und noch ist der Klang bei Tastendruck sofort da. Ab hier kannst du schon die Lautstärkehüllkurve anpassen oder auf die simple AR-Hüllkurve wechseln, so nichts anderes vorhanden ist. Etwas Release ist meist sinnvoll für den Ausklang, bei Bedarf Sustain etwas herunter und Decay kürzer setzen, wenn es eher ein Bass, ein perkussiver Klang werden soll, muss der Sustain Pegel herabgesetzt werden, damit Decay wirken kann. Lass später den VCA länger offen als das Filter, denn dann verliert der Klang keinen Druck. Die Filterhüllkurve ist noch immer „Orgel-Like“.
Filter spät einsetzen!
Die Magie von Intervallen, wie etwa 5 Halbtöne oder auch 7, können auch einen gewissen Pepp einbringen für den zweiten Oszillator (oder einen dritten). Alles, was man dazu sagen kann, kann hier nicht geschrieben werden. Ein dritter Oszillator kann noch weitere Zusatzideen bringen, wie etwas ein Sinus, der subtil einen „Sub“-Bass beisteuert. Suboszillatoren schwingen 1 Oktave fest unter dem Hauptoszillator, viele Synths berechen immer mehr aus dem Schema aus, aber einen orchestralen Breitmacher hast du damit schnell zur Hand, nutze ihn aber nur, „wenn es nicht“ anders geht:
Dinge wie Pulsbreitenmodulation und Wavetables können zur Andickung und Variation noch vor Einsatz des Filters genutzt werden. Das ist wichtig, das Rausfiltern von Obertönen nicht zu früh zu nutzen. Sehr viele Klangänderungen entstehen durch die Modulation all dieser Elemente, nicht nur die Wavetables, sondern auch FM-Stärke oder ähnliches.
Das Filter bestimmt zwar den Klang wesentlich, aber auf der Oszillator-Ebene gibt es sehr viele Klangelemente – die auch über die Zeit verteilt werden können, selbst bei simplen Synths, wie den hier gezeigten oder deren Clones kann man mit Sync und FM (oder Ringmodulation) und dem Mischverhältnis der Oszillatoren sowie deren Frequenzen extrem viel anstellen. Nutze das! Filtere erst DANN!
Die Buchla–Westcoast-Welt hat uns gelehrt, dass wir sehr viel im Oszillatorbereich lösen können. Sounds leben von der Veränderung über die Zeit. Die wird durch Hüllkurven und manchmal auch LFOs angeschoben. Wenn der krasseste Obertonanteil deines Wunschklanges da ist, kannst du vorfiltern oder mit Wavetables oder FM (…) den gleichen Job erledigen, ohne das oder die Filter zu verschwenden.
Das Mischen der Oszillatoren wird gern unterschätzt. Meist sollte man den zweiten Oszillator nur langsam einfaden und den idealen Punkt suchen, beide Pegel müssen nicht maximal sein, halte dir Platz. Hat dein Wunschsound hauchige oder rauschige Anteile? Heftigst? Dann brauchst du den Rauschgenerator. Der ist oft subtil.
Eine Snare braucht genauso Rauschen, wie so manche Flächen oder Bässe, um interessant zu bleiben. Aber der Pegel ist sehr viel kleiner. Fällt dir was auf? Die meisten Synthesizer sind genauso aufgebaut, die Oszillatoren liegen links, rechts daneben der Mischbereich, die Hüllkurven sind meist ganz rechts angeordnet, LFOs manchmal ganz links oder irgendwo „an der Seite„.
Diese Reihenfolge ist eine gute Stütze für Sounddesign. Gehe von „links nach rechts“ und arbeite alle Elemente so lange aus, bis sie wirklich so klingen, wie du sie haben willst.
Filter & Formant
Erst jetzt geht die Filterung los und leg die Hüllkurve dafür da drauf und stelle die Werte ein. Regel die Stärke der Modulation so, wie viel sich wirklich über die Zeit verändern soll. Und füge jetzt auch ein paar Modulationen ein, wie etwa LFO auf einen Oszillator, um etwas Leben einzubringen oder eine Modulations-Rad-Steuerung des LFOs auf die Tonhöhe – Vibrato ist eine gute und simple Methode, „lebendig“ Bewegung über das Wheel zu steuern. Achte unbedingt auf die Pegel, die jeweils ins Filter führen, denn analoge Synthesizer klingen mit hohem Pegel anders als mit weniger, meist weicher. Probier‘ es aus, ob dein Synthesizer darauf reagiert! Das ist ein Sounddesign–Element!
Beim Sounddesign gibt es einen wichtigen Basisfaktor. Um Geigen, Gitarren oder Stimmen zu erkennen, brauchst du Formanten. Die lassen sich teils über die Oszillatoren aber auch schlussendlich mit dem Filter oder zwei Filtern zusammen aufstellen. Das sind meist zwei oder drei Betonungen im Frequenzband, die du dir unbedingt auch in Audio-Files mal anschauen solltest, um Stimmen, Instrumente und Co. erkennen und nachbauen zu können. Dabei liegen die typischen Identifikations-Peaks in der Obertonstruktur mehr oder weniger fest.
Der untere Peak bewegt sich manchmal minimal. Wenn du die kennst, kannst du schnell auch zwischen Vokalen gezielt die richtigen Synthese-Maßnahmen erzielen, wie etwa der Unterschied zwischen einem Ah und einem Uh-Chor. Das alles solltest du zuerst mit den Oszillatoren und später mit den Filtern aufbauen. Die Filterresonanz eignet sich auch, um einen der „Peaks“ aufzubauen und diesen besonders gut zu steuern. Über die Tastatur kannst du sowas über das Filter-Keytracking leicht verteilen anhand der Tonhöhe.
Soviel als grobe Idee, viel Spaß beim Klangbau. Das Thema musste hier im Rahmen bleiben, aber gern lässt es sich mit weiteren Tipps ergänzen, auch für andere Syntheseformen wie FM…
Wie Sounddesign geht…