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 ·  Quelle: Gearnews / Ralf

Models und Boutiquen gehören ja irgendwie zusammen wie Topf und Deckel. Und der gewisse „Exklusivfaktor“ darf bei so etwas nicht fehlen. Oft ist Boutique auch ein anderes Wort für TEUER. Roland hat im Herbst mit dem Juno-06, JX-03 und JP-08 gleich drei Synthesizer in einer so genannten „Boutique Serie“ neu aufgelegt – selbstverständlich limitiert, wie es sich für Boutique-Produkte gehört. Dabei haben sie retro und moderne Modeling-Technik zusammen gebracht und einen gewissen Bonsai-Faktor voll zur Geltung kommen lassen: Die Module sind kaum größer als ein Taschenbuch. Und besonders teuer sind sie auch nicht. Sollen aber diese analogen Legenden wieder aufleben lassen. Das hat natürlich ordentlich polarisiert – und mich neugierig gemacht.

So klein, voll digital und batteriebetrieben – kann das überhaupt „echt“ klingen? Vor allem das legendäre analoge Flaggschiff Jupiter-8 aus den frühen 80ern (21 kg im Original) kann man sich kaum so klein vorstellen (jetzt: 0,97 kg!). Der stumpfe Joke:“ Ähh – haben sie den auch in meiner Größe da?“ ist bei Anblick des Zwerges kaum zu unterdrücken. Vollschrumpf durch Technik? Nach Ankündigung der Boutique Serie habe ich auch den ersten Erfahrungsbericht unseres Moogulators und in Folge die Testberichte überall verschlungen. Kritikpunkte: Die kurzen Faderbahnen (vor allem beim Jupiter) sollen es schwer machen, den „Sweetspot“ zu finden. Die vierstimmige Polyphonie soll einschränken. Nur Miniklinkenanschlüsse. Begrenzte MIDI-Implementierung. Der Arpeggiator des Original-Jupiters fehlt beim JP-08. Und der Preis war irgendwie verdächtig günstig. Der Klang kam allseits ganz gut weg. Und ich fand, dass der Mikrobensynth irgendwie cool aussieht. Ich konnte es also nicht lassen und ergatterte einen – Glück gehabt, da die Boutique Synths bei einigen Händlern schon ausverkauft sind. Die Versuchung, den Sound eines Jupiter-8 für relativ kleines Geld im Klangarsenal zu haben, war dann doch zu groß. Und als Plug-in: neeeeee. Da müssen schon echte Knöpfe zum Drehen dran sein. Aber wie soll man den Klang beurteilen – einen Jupiter-8 haben wohl die Wenigsten … und ich bin keiner von den Glücklichen.

Roland JP-08 – So klein, der passt locker auf die Schulter ...

Roland JP-08 – So klein, der passt locker auf die Schulter …

Ich habe einen alten Juno-60, dem nachgesagt wird, von der Stimm-Architektur der des Jupiters ähnlich zu sein. Klar, nur ein DCO (kein VCO) pro Stimme und weniger Features: Aber er soll ähnlich klingen können, wenn man identische Einstellungen vornimmt. Gesagt getan. Gleich mal den typischen Roland-Pulse ausprobiert – zuerst der Juno Pulse:

Jetzt der JP-08:

Der Vergleich mit dem Sägezahn. Zuerst wieder Juno Saw:

Die Saw des JP-08:

Und zum Abschluss der Rechteck. Zuerst Juno Square:

Und jetzt der Bonsai-Jupiter. Die Square des JP-08:

Das ist natürlich kein „wissenschaftlicher Test“. Aber mich interessiert eigentlich nur, wie es klingt. Und was soll ich sagen: Ich war echt überrascht, wie nahe der „echte analoge“ und der Jupiter-08 beieinander liegen. Für mich klingt der Jupiter etwas „nasaler“ und „schärfer“ – man kann bei entsprechend vollständiger Filteröffnung mehr Höhen bekommen als beim Juno. Ansonsten … Hut ab! Aber natürlich baut man Sounds nicht ausschließlich mit den Oszillatoren: Das Filter eines Synthesizers ist nicht minder entscheidend. Also gleich mal versuchen, einen Sound mit Resonanz und Sweep zu basteln. Zuerst wieder der Juno Filter Sweep:

Und nun der Jupiter Sweep:

Nicht schlecht, oder? Nächste Frage: Klingt ein Pad-Sound auch schön „analog“? Da kann der Jupiter mit seinen zwei VCOs natürlich eigentlich mehr. Es kommt also nur einer zum Einsatz. Zuerst wieder das Juno Pad:

Und danach die Variante vom virtuell analogen Modeler Jupiter-08:

Als letztes nochmal einen Bassvergleich mit einem Sequencer-Bass. Juno-Bass:

Und Jupiter Bass:

OK, OK – ich hör ja schon auf! :)Bei meinem Bass und Pad kann man sicher NOCH ein Quäntchen näher an den Juno ran kommen, aber für diesen Zweck sollte das so reichen. Da sind die kurzen Fader dann tatsächlich, ähh: kurz! Ich könnte noch Stunden weiter machen. Ich denke, es wird klar, dass Roland da einen überzeugenden Job gemacht hat. Der Jupiter hat natürlich viel mehr Möglichkeiten als ein Juno! Es bringt echt Spaß, mit dem Kleinen Sounds zu schrauben, und auch die kurzen Fader funktionieren überraschend gut: Man kommt recht schnell zum gewünschten Resultat (was mir beim großen JD-XA übrigens überhaupt nicht so gelang, obwohl da „echt analog“ mit dabei ist). Stören tut mich bislang eigentlich nur die limitierte Polyphonie (gerade, wenn man Double- oder Unisonomode nutzen möchte: Da hält er mit einem echten Jupiter nicht mehr mit). Ich hätte nicht gedacht, dass man mit Modeling so nah ran kommen kann – es klingt überzeugend. Ich weiß nicht, ob man das bei den MP3-Beispielen hören kann: Aber für meine Ohren klingt es nur etwas „komprimierter“ und „stabiler“, sowie wie oben erwähnt höhenreicher (aber zur Abhilfe ist ja das gut klingende Filter da …). Ich bin gespannt, was Roland 2016 noch so alles auf uns los lässt, die Technologie kann was!

von ralf

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wenn du Juno willst, müsstest du aber den JP06 nehmen, der klingt dann auch so. Die Junos haben mehr „Bassfundament“ und klingen auch etwas anders, dem kommt der JP06 natürlich näher und ist 100€ günstiger, Jupiter hat andere Qualitäten, wenn es auch aus damaliger Sicht der kleine Bruder des Jupiter war, so hat er heute deshalb seine Freunde gefunden. Probier’s mal aus. Hier im Thread gibt es noch einige Beispiele und Vergleiche von Juno 6, 60 und 106 sowie Jupiter 8 im Vergleich, ebenfalls JX3P und 8P zum Abgleich, damit man diese Nuancen kennt, und wie wichtig die einem sein… Read more »

James
Gast

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