Die perfekte Demoaufnahme: So fängst du deinen Song am besten ein
Ideen, Inspiration und Equipmentvorschläge
Die Demoaufnahme, der schönste und zerbrechlichste Moment eines Songs. Wie fängt man eine musikalische Idee möglichst nah am Gefühl ein? Wie entwickelt man die Demoaufnahme weiter zu einem fertigproduzierten Song? Wo ist da überhaupt der Unterschied?
Dein Weg zur perfekten Demoaufnahme
Was ist eine Demo überhaupt?
In Zeiten von DAWs, professionellen Effekten und Instrumenten und weitverbreiteter, ebenso professionell klingender Audiotechnik muss man die Frage schon stellen: Was genau ist überhaupt eine Demo und wie unterscheidet sie sich von einem fertigen Song? Ich würde nach wie vor behaupten, dass wir, alle, die Musik produzieren, egal ob elektronisch oder akustisch oder hybrid, fast alle mit Demoaufnahmen zu tun haben.
Ein anderes Wort für Demo könnte Skizze sein oder Entwurf. Was bei der Songwriterin die Voice Memo mit Gitarre und Gesang ist, kann beim Hip Hop Producer der 8-Bar-Loop sein. Oder beim Metal-Produzenten das Riff mit programmierten Drums. Demos, kurz für (laut Wikipedia) „Demonstration“, sind die ersten Ideen von Songs, in denen ein Riff, eine Melodie oder ein Text eingefangen wird.
Quasi das Gekritzel auf dem Papier, bevor es ein Gemälde wird. Wir Normalsterblichen bekommen Demos berühmter Songs ganz selten zu hören. Diese halten als Vorlage für die ausproduzierten Lieder her, mal stärker, mal weniger stark verändert. Eine Demo hat oft etwas Unmittelbares, denn hier fängt man, ohne viel nachzudenken (im Idealfall) eine erste Melodie einfach so direkt ein, wie sie einem im Kopf herumschwirrt.
Was ist das Besondere an einer Demo?
Für nicht wenige, vor allem im elektronischen Bereich produzierende, ist der Übergang fließend. Die Demoaufnahme ist hier eine Skizze aus einigen geloopten Synths und Drums. Die sich oft ganz organisch von kurzem Loop zum Track in voller Länge entwickeln. Komponieren, Produzieren, Arrangieren, Mixen, Mastern – alles das kann verschwimmen und fließend ineinander übergehen.
Und doch hängt einer Demoaufnahme, der ersten Idee, oft ein Zauber inne. Das Unmittelbare, das Spontane, das Unverkopfte, das das Gefühl am direktesten einfängt, das beginnt man zu jagen und einzufangen, wenn es an die eigentliche Produktion geht.
Gerade, wenn es um Gesang geht, können erste Demoaufnahmen dadurch Fluch und Segen zugleich sein. Denn durch die Spontaneität, die Kreativität, die beim ersten Einsingen von Ideen oft herrscht, kommt nicht selten der wahre Kern eines Songs hervor. Den aber wieder bei den eigentlichen Aufnahmen einzufangen, ist nicht selten eine äußerst schwer zu knackende Hürde. Demoitis.
Demoitis: Wenn die Demoaufnahme zu „gut“ ist
Wenn der Song in der Demo, ob im 8-Bar-Loop oder als grobe Struktur (Intro-Strophe-Chorus-Bridge) aufgenommen ist und es bis zur eigentlichen Produktion etwas dauert, kann es passieren, dass sich Band oder Artist an der Demoaufnahme „festhört„. Egal, ob für die Produktion dann jemand von außen kommt oder man es selbst macht, dagegen anzukommen, kann zu ernsthaften Problemen beim Fertigstellen von Tracks führen. Da spricht man gerne auch von „Demoitis“.
Immer wieder habe ich Interviews mit den unterschiedlichsten Artists und Bands davon gelesen, dass man in der Produktion den Demo-Vibe einer Gesangsaufnahme oder eines Solos verzweifelt gejagt und Take um Take um Take aufgenommen hat. Nur um sich irgendwann einzugestehen, dass die Demoaufnahme vom Vibe her unerreichbar ist. Und die Sprachmemo dann teilweise im fertigen Song landet.
Das kann gut gehen. Das kann aber auch spätestens beim Mixing zu ernsthaften Problemen führen, wenn beispielsweise bei Demo und Produktion unterschiedliche Mikrofone in unterschiedlichen Räumen genutzt wurden.
Spontanität vs. professioneller Sound
Und damit kommen wir zum Kern des Themas „Perfekte Demoaufnahme“: Der Spagat zwischen der Spontanität und Freiheit der ersten Aufnahme einerseits und (mit der Demoitis-Gefahr im Kopf) einem Setup, das dafür so optimiert ist, dass man blitzschnell aufnahmebereit ist und sofort auch Aufnahmen in mindestens guter Qualität machen kann.
Und hier geht es natürlich sehr auseinander, was so ein Setup betrifft, je nachdem, in welchem Genre man produziert. Für die Demoaufnahme am Rechner kann eine Vorlage (DAW-Template) ein großer Gewinn sein. Da stellt man für die Metal-Produktion eine ungefähre BpM (180) ein, lädt ein paar passende Metaldrums (wie Addictive Drums oder Superior Drummer), dazu Audiotracks für Bass, Gitarren, Gitarrendopplungen und Vocals.
Oder für den Trap-Beat die 808, Drums, einen Audiotrack für Loops, einen Audiotrack für Vocals, einer für Adlibs. Oder eine Vorlage für die Technoproduktion, wo alle Hardware-Synths im Studio bereits mit entsprechenden MIDI- und Audiotracks in der DAW verbunden sind, dazu die wichtigsten Drum-Samples. Solche Templates zu erstellen, um schnell loslegen zu können mit der Gewissheit, dass schon die spontane Idee klanglich nah am Endergebnis ist, kann bei der späteren Produktion enorm hilfreich sein.
Übung macht den Demo-Meister
Eine harte Wahrheit, zu der ich in meiner Gitarrensound-Serie auch immer wieder komme, ist das Thema Übung. Wenn man nicht einigermaßen an seinem Instrument und in seiner DAW geübt ist, kann es zu einer perfekten Demoaufnahme kommen. Die Wahrscheinlichkeit ist allerdings nicht sehr hoch.
Vielmehr verfängt man sich schnell in technischen Problemen oder der Frustration, nicht das einfangen zu können, was einem im Kopf vorspielt. Es kann, um es möglichst stolperfrei zu halten, daher auch sinnvoll sein, nicht das riesige Produktions-Template mit 60 plugin-überladenden Spuren zu laden. Sondern 3-4 Spuren oder einfach die Sprach-Memo-App auf dem Smartphone.
Dazu: mehr machen, weniger nachdenken. Was schwer klingt, kann mit etwas Demo-Übung ein sehr befreiender Workflow sein. Denn Fehler dürfen hier genauso gemacht und aufgenommen werden, wie Aufnahmen nicht ganz perfekt klingen. Hier spontane One-Takes einzufangen, den Song mal eben durchzusingen oder zu spielen mit allen Stolperern, kann eine Goldgrube für die richtigen Vibes sein.
Was du für die perfekte Demoaufnahme brauchst
Voice-Memo-App für die Popsongwriterin, kompakter Field-Recorder für den Proberaummitschnitt, DAW mit Vorlagen (passende Spuranzahl, fertige Routings, die wichtigsten Plugins für Drums und Vocals) für elektronische Producer – das sind in der Essenz die Dinge, die du je nach Genre für eine perfekte Demoaufnahme benötigst.

Bist du schon dabei, deine Demoaufnahme zu Hause, im Proberaum oder Studio direkt einzufangen? Dann kann eine auf schnelle Resultate getrimmte Produktionsstation sinnvoll sein. Für Demo-Vocals empfiehlt sich in den meisten Fällen ein dynamisches Mic wie das unkaputtbare SM58. Sängerin/Sänger nimmt es in die Hand, sitzt, steht (oder tanzt) vor dem Rechner und improvisiert.

Bei Gitarrenaufnahmen akustischer Natur kann die Smartphone-Aufnahme genauso reichen, wie die Abnahme über (falls vorhanden) das in der Westerngitarre verbaute Piezo-System. Bei E-Gitarren kommt es darauf an, ob man zur analogen Amp-Fraktion oder zur digitalen Mehrheit gehört. Je nachdem hat man dafür entweder einen Amp mit einem Mikrofon ständig abmikrofoniert oder eben das Go-To-Gitarren-Plugin in der DAW-Vorlage. Für Bass gilt das genauso.
Fazit
Man könnte fast behaupten, dass es, um Demoitis zu vermeiden, regelrecht empfehlenswert ist, eine eher „schlechte“ Demoaufnahme zu machen, damit der Schritt zum Ausproduzieren leichter fällt. Aber in der Realität sind Demoaufnahmen in sehr vielen Fällen weit mehr als die Basis für fertige Tracks.
Nicht selten werden Teile daraus, weil sie den Vibe am besten treffen, bis zum Ende mitgenommen. Daher ist die (möglichst!) perfekte Demoaufnahme ein Ziel, dass wir als Producer alle haben sollten!
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