von  Jan Rotring  | |  Lesezeit: 5 Min
Booster oder Overdrive

Booster oder Overdrive  ·  Quelle: Shutterstock / Thiago Benassi

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Der Sound aus dem Verstärker gefällt eigentlich ganz gut, aber irgendetwas fehlt noch? Mehr Druck, mehr Durchsetzungskraft oder vielleicht einfach ein bisschen mehr Charakter? Dann ist die Frage, was hilft: Booster oder Overdrive?

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Die naheliegende Lösung scheint oft ein Overdrive-Pedal zu sein. Schließlich gehört ein Overdrive seit Jahrzehnten zur Standardausrüstung vieler Gitarristen.

Doch gerade in Kombination mit einem guten Röhrenverstärker kann eine andere Lösung oft deutlich besser funktionieren: ein Booster. Diese kleinen, oft unscheinbaren Pedale werden von vielen Gitarristen unterschätzt. Dabei können sie einen Verstärker auf eine Weise zum Leben erwecken, die ein Overdrive-Pedal nur schwer erreicht.

Der Unterschied zwischen Booster oder Overdrive liegt nämlich nicht nur im Klang, sondern vor allem darin, wo die Verzerrung entsteht.

Was ein Overdrive-Pedal eigentlich macht

Ibanez Tube Screamer
Ibanez Tube Screamer · Quelle: Gerard O’Connor / Alamy

Ein klassisches Overdrive-Pedal erzeugt seine Verzerrung im Pedal selbst. Das Eingangssignal der Gitarre wird verstärkt, komprimiert und bewusst in eine leichte bis mittlere Sättigung gefahren. Anschließend wird dieses bereits verzerrte Signal an den Verstärker weitergegeben.

Das führt zu einigen typischen Eigenschaften, die viele Gitarristen sofort mit Overdrive-Pedalen verbinden:

  • zusätzliche Verzerrung
  • stärkere Kompression
  • ein charakteristischer Grundsound
  • oft ein deutlicher Mittenfokus
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Gerade dieser Mittenbereich ist bei vielen Overdrives bewusst ausgeprägt. Ein klassisches Beispiel ist der berühmte „Mid-Hump“ des Ibanez TS9 Tube Screamer, der Gitarren im Bandmix besonders durchsetzungsfähig macht.

Ein weiterer Klassiker, der diese Disziplin exzellent beherrscht, ist der Boss SD-1 Super Overdrive, der seit den frühen 1980er Jahren auf unzähligen Pedalboards zu finden ist. Beide Pedale zeigen gut, wie stark ein Overdrive den Grundcharakter eines Gitarrensounds formen kann.

Das kann großartig klingen – vor allem wenn man einen eher cleanen Verstärker in Richtung Crunch bewegen möchte. Gleichzeitig bedeutet es aber auch, dass ein Overdrive immer eine eigene Klangsignatur mitbringt.

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Was ein Booster macht

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Ein Booster funktioniert deutlich einfacher: Statt selbst Verzerrung zu erzeugen, erhöht er lediglich die Signalstärke der Gitarre.

Das stärkere Signal trifft anschließend auf den Verstärker oder das nächste Pedal in der Signalkette. Die eigentliche Verzerrung entsteht dabei nicht im Pedal, sondern in der Vorstufe des Verstärkers.

Gerade Röhrenverstärker reagieren auf ein stärkeres Eingangssignal sehr musikalisch. Die Vorstufe beginnt früher zu sättigen, der Ton wird dichter und der Amp wirkt insgesamt lebendiger.

Typische Eigenschaften eines Boosters sind daher in der Folge:

  • mehr Lautstärke oder Gain
  • kaum zusätzliche Klangfärbung
  • sehr dynamisches Spielgefühl
  • natürliche Interaktion mit dem Verstärker

Bekannte Beispiele für solche Pedale sind der Xotic EP Booster, der sich klanglich am legendären Echoplex-Preamp orientiert, oder der klassische MXR Micro Amp, der seit den 1970er Jahren für einfache, transparente Signalverstärkung steht.

Gerade vor einem guten Röhrenamp kann ein Booster deshalb erstaunlich viel verändern, obwohl er technisch betrachtet ein sehr simples Gerät ist.

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Booster oder Overdrive: Vor dem Verstärker

Die häufigste Anwendung eines Boosters ist die Platzierung vor dem Verstärker. In dieser Position erhöht das Pedal die Signalstärke der Gitarre, bevor das Signal die Vorstufe erreicht.

Das Ergebnis ist ein Amp, der früher in die Sättigung geht. Der Ton wird dichter, reagiert sensibler auf den Anschlag und fühlt sich oft deutlich lebendiger an.

Viele klassische Rock-Sounds funktionieren genau so: Statt mehrere Verzerrer zu stapeln, wird der Verstärker einfach ein Stück stärker „angeschoben“.

Der große Vorteil dabei ist, dass der Grundcharakter des Verstärkers erhalten bleibt. Der Booster verändert den Klang kaum, sondern nutzt die vorhandenen Eigenschaften des Amps.

Der zweite Trick: Booster im Effektweg

Booster oder Overdrive: Xotic EP Booster
Booster oder Overdrive: Xotic EP Booster · Quelle: xotic.us

Eine weitere sehr beliebte Anwendung ist der Booster im Effektweg eines Verstärkers.

In dieser Position befindet sich das Pedal hinter der Vorstufe. Das bedeutet, dass der Booster nicht mehr den Zerrgrad beeinflusst, sondern hauptsächlich die Lautstärke erhöht.

Genau deshalb wird diese Methode häufig als Solo-Boost genutzt: Der Sound bleibt nahezu identisch, setzt sich aber deutlich besser im Bandmix durch.

Gerade bei stark verzerrten Sounds kann das enorm hilfreich sein, weil zusätzliche Verzerrung den Ton oft nur matschiger macht. Eine reine Lautstärkeerhöhung funktioniert hier meist deutlich besser.

Booster oder Overdrive: Fazit

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Der Unterschied in der Debatte Booster oder Overdrive ist schnell erklärt: Overdrives erzeugen eigene Verzerrung, Booster verstärken lediglich das Signal.

Gerade vor einem guten Röhrenverstärker kann ein Booster jedoch oft natürlicher und dynamischer klingen. Der Amp bleibt im Mittelpunkt, während das Pedal nur dafür sorgt, dass er ein wenig härter arbeitet.

Das bedeutet nicht, dass Overdrives überflüssig sind. Sie bleiben wichtige Werkzeuge für bestimmte Sounds und Stilrichtungen. Wer jedoch nur mehr Druck, mehr Dynamik oder einen besseren Solo-Sound sucht, sollte einen einfachen Booster unbedingt einmal ausprobieren.

Egal, ob Booster oder Overdrive: Manchmal ist weniger Technik eben genau das, was den Sound am meisten verbessert.

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