Octaver Pedal im Kaufberater: Mehr als nur Tiefe
Ich dachte immer, der Nutzen und Einsatzzweck von Effektgeräten ist stets irgendwie offensichtlich. Ein Overdrive sorgt für mehr Verzerrung, ein Delay erzeugt Wiederholungen und ein Chorus macht den Sound breiter. Nachdem ich ein bisschen rumgespielt habe ist mir aber klar geworden: Beim Octaver Pedal wird es dagegen deutlich spannender. Zwar erzeugt es zusätzliche Oktaven, doch je nach Bauart kann daraus ein druckvoller Basssound, ein singendes Hendrix-Solo, ein aggressiver Octave Fuzz oder sogar eine beinahe synthetische Klanglandschaft entstehen. Unser Kaufberater für alle Optionen im Reich der Octaver!
Octaver Pedal Kaufberater: Inhalt
Für mich gehören Octaver Pedale schon lange zu den vielseitigsten Effektgeräten überhaupt. Kaum ein anderer Effekt verändert den Charakter einer Gitarre so grundlegend und eröffnet gleichzeitig so viele musikalische Möglichkeiten.
Leider sorgen Begriffe wie polyphon, analog oder der beliebte Octave Fuzz bei vielen Gitarristen für Verwirrung. Wer einfach zum erstbesten Pedal greift, stellt häufig erst zuhause fest, dass es für den eigenen Stil gar nicht die richtige Wahl ist.
In diesem Kaufberater schauen wir uns deshalb zunächst an, wie Octaver überhaupt funktionieren, welche Konzepte dahinterstecken und worauf ihr beim Kauf achten solltet. Erst danach widmen wir uns den spannendsten Pedalen für unterschiedliche Einsatzgebiete.
Was macht ein Octaver eigentlich?

Die Aufgabe eines Octaver Pedals ist im Grunde schnell erklärt: Es analysiert das Gitarrensignal und erzeugt zusätzlich eine oder mehrere Noten (bzw. ein Signal) im Abstand einer Oktave. Je nach Einstellung liegt diese eine Oktave höher, eine Oktave tiefer oder gleichzeitig über und unter dem Originalsignal. Das eigentliche Gitarrensignal bleibt dabei erhalten und wird mit den neu erzeugten Stimmen gemischt und ergänzt.
Die klanglichen Möglichkeiten von Octaver Pedalen unterscheiden sich allerdings erheblich. Eine Oktave nach unten verwandelt die Gitarre beinahe in einen Bass (sorry, ich weiß, ich Bassisten legt da ein entschiedenes Veto ein… ist aber so) und eignet sich hervorragend für Duo-Besetzungen, Looper oder besonders druckvolle Riffs.
Eine Oktave nach oben klingt deutlich aggressiver und erinnert an die berühmten Soli von Jimi Hendrix oder klassische Octave Fuzz Sounds. Manche Pedale erzeugen sogar mehrere zusätzliche Stimmen gleichzeitig und erweitern den Gitarrensound weit über seine klassischen Grenzen hinaus.
Unterschiedliche Arbeitsweisen beim Octaver Pedal
Ebenso entscheidend wie die erzeugte Oktave ist die Arbeitsweise des Pedals. Ältere oder bewusst klassisch aufgebaute Modelle erkennen häufig nur einzelne Töne zuverlässig.
Werden Akkorde gespielt, entstehen die typischen Tracking-Fehler, die viele Vintage-Octaver bis heute so charmant machen. Moderne Geräte erkennen dagegen auch komplexe Akkorde sauber und eignen sich dadurch deutlich besser für aktuelle Rock-, Ambient- oder Worship-Setups.
Bevor wir also konkrete Pedale vergleichen, lohnt sich eine andere Frage: Welchen Sound möchtest du überhaupt erreichen? Denn obwohl alle Geräte unter dem Begriff Octaver Pedal laufen, verfolgen sie ganz unterschiedliche musikalische Konzepte.
Ein kurzer Octaver-Überblick

Für Blues, Classic Rock oder Soli im Stil der späten Sechziger ist ein klassischer Octave Up oft die erste Wahl. Sein leicht kratziger, obertonreicher Klang harmoniert hervorragend mit angezerrten Röhrenverstärkern oder einem guten Fuzz und gehört seit Jahrzehnten zu den bekanntesten Gitarrensounds überhaupt.
Im Stoner Rock, Garage Rock oder modernen Alternative-Bereich kommen dagegen häufig Octave Fuzzes zum Einsatz — man denke an das großartige „Songs for the Deaf“. Hier steht weniger die saubere Tonverdopplung im Vordergrund als vielmehr ein rauer, beinahe zerstörerischer Klangcharakter. Gerade Soli und markante Riffs gewinnen dadurch enorm an Präsenz und setzen sich hervorragend im Bandmix durch.
Wer ohne Bassisten spielt oder regelmäßig mit einem Looper arbeitet, profitiert dagegen meist von einer Oktave nach unten. Moderne Octaver erzeugen erstaunlich überzeugende Bassfrequenzen und eröffnen gerade kleinen Besetzungen völlig neue Möglichkeiten.
Darüber hinaus gibt es polyphone Octaver, die komplette Akkorde erkennen und mehrere Stimmen gleichzeitig erzeugen können. Sie eignen sich besonders für Ambient-, Worship- oder experimentelle Sounds und erweitern den Klang einer Gitarre deutlich über die klassische Oktavverdopplung hinaus: Klanglandschaften mit der E-Gitarre.
Analog oder digital: Zwei Philosophien
Früher oder später stößt jeder, der auf der Suche nach einem Octaver Pedal ist, auf die Frage, ob es ein analoger oder digitaler Octaver werden soll. Beide Konzepte verfolgen zwar dasselbe Ziel, unterscheiden sich jedoch deutlich in ihrer Arbeitsweise und damit auch im Klang.
Klassische analoge Octaver arbeiten mit diskreten Schaltungen und wurden ursprünglich vor allem für einzelne Töne entwickelt. Das Ergebnis ist ein lebendiger, manchmal leicht unberechenbarer Klang, der bis heute unzählige Blues-, Rock- und Garage-Aufnahmen prägt. Gerade dieses leicht unperfekte Verhalten gehört für viele Gitarristen zum Charme eines Vintage-Octavers.
Digitale Octaver analysieren das Gitarrensignal dagegen wesentlich präziser. Sie erkennen auch komplexe Akkorde zuverlässig, bieten häufig mehrere gleichzeitig erzeugte Oktaven, unterschiedliche Klangmodi oder Presets und eignen sich dadurch hervorragend für moderne Spielweisen.
Interessanterweise ist damit keines der beiden Konzepte grundsätzlich überlegen. Wer den rauen Charakter eines klassischen Octave Fuzz sucht, wird mit einem perfekt arbeitenden Digitalpedal oft nicht glücklich. Umgekehrt stoßen analoge Geräte bei komplexen Akkorden oder modernen Effektlandschaften schneller an ihre Grenzen.
Die Entscheidung sollte deshalb weniger von der verwendeten Technik als vielmehr vom gewünschten Klang abhängen: Analoge Octaver überzeugen durch Charakter und Eigenleben, digitale Modelle durch Präzision, Vielseitigkeit und eine deutlich zuverlässigere Tonerkennung.
Kaufberatung: Die besten Octaver Pedale für Gitarristen

Ok, genug gesabbelt, jetzt wird es Zeit für den eigentlichen Kaufberater. Dabei verzichten wir bewusst auf eine klassische Reihenfolge nach Preis, Bewertung oder Hersteller. Viel wichtiger ist die Frage, welches Pedal zu welchem Einsatzzweck passt. Schließlich sucht nicht jeder Gitarrist denselben Sound.
Der beste Allrounder: Boss OC-5
Klar, Boss. Was sonst? Der Boss OC-5 verbindet den Charakter der legendären OC-Serie mit moderner Signalverarbeitung und gehört damit zu den vielseitigsten Pedalen seiner Klasse. Und ganz nebenbei ist es mein absoluter Lieblings-Octaver aller Zeiten. Stand heute.
Besonders praktisch ist die Wahl zwischen einem klassischen Vintage-Modus und dem modernen Poly-Modus. Während der Vintage-Modus den leicht rauen Charakter früher Boss-Octaver nachbildet, überzeugt der Poly-Modus mit einer deutlich präziseren Tonerkennung und sauberem Spiel auch bei Akkorden. Dadurch eignet sich das Pedal gleichermaßen für klassischen Rock, moderne Produktionen und experimentellere Sounds.
Wer nur einen einzigen Octaver auf dem Pedalboard haben möchte, findet im Boss OC-5 einen hervorragend gelungenen Allrounder.
Für Vintage-Fans (und auch für Gitarristen!): MXR Vintage Bass Octave
Ja, es ist ein Bass-Pedal. Aber tut euch den Gefallen und testet das Teil mal mit einem schönen Classic-Rock Riff! Das MXR Vintage Bass Octave verfolgt einen bewusst klassischen Ansatz und konzentriert sich auf einen warmen, organischen Grundsound.
Trotz seines klassischen Charakters überzeugt das Pedal mit einem überraschend präzisen Tracking und verbindet Vintage-Sound mit moderner Alltagstauglichkeit. Gerade Blues, Classic Rock und Vintage-orientierte Produktionen profitieren vom angenehm runden Klangbild und der unkomplizierten Bedienung. Wer dagegen regelmäßig polyphone Gitarren-Parts oder komplexe Akkordflächen erzeugen möchte, dürfte mit einem modernen Digitalpedal besser bedient sein.
Und nochmal: Ja, es ist ein Bass Pedal. Ist mir egal.
Für moderne Sounds: Electro Harmonix Nano POG
Wenn es um polyphone Octaver geht, gehört die POG-Serie von Electro Harmonix seit Jahren zu den Referenzen. Der Nano POG bietet nahezu perfektes Tracking und erkennt selbst komplexe Akkorde oder Fingerstyle-Passagen zuverlässig.
Dadurch entstehen breite Klangflächen, zwölfsaitige Gitarren-Simulationen oder fast schon keyboardartige Sounds, ohne dass das Pedal an Natürlichkeit verliert. Besonders Gitarristen, die gerne mit Hall, Delay oder Modulation arbeiten, finden hier einen vielseitigen Begleiter, der sich hervorragend in moderne Effektketten integriert. Und ein sauschönes Pedal noch dazu.
Der beste Octave Fuzz: MXR Slash Octave Fuzz
Ein Octave Fuzz verfolgt einen völlig anderen Ansatz als ein klassischer Octaver. Hier geht es nicht um möglichst saubere Tonverdopplung, sondern um einen aggressiven, obertonreichen Sound mit jeder Menge Charakter.
Das MXR Slash Octave Fuzz kombiniert einen kräftigen Fuzz mit einer Oktave nach oben und liefert genau den bissigen Klang, den man von klassischem Rock, Garage Rock oder Hendrix-inspirierten Soli kennt. Besonders Einzeltöne setzen sich damit hervorragend durch den Mix und entwickeln eine enorme Präsenz.
Wie bei den meisten klassischen Octave-Fuzzes fühlt sich das Octaver Pedal mit sauber gespielten Einzeltönen deutlich wohler als mit komplexen Akkorden. Genau dieses Verhalten gehört allerdings zum Konzept und macht einen großen Teil seines Charmes aus.
Der Preis-Leistungs-Tipp: TC Electronic Sub’N’Up

Der TC Electronic Sub’N’Up zählt seit Jahren zu den beliebtesten Octavern der Mittelklasse und überzeugt mit einem hervorragenden Verhältnis aus Preis, Funktionsumfang und Klangqualität.
Neben einer Oktave nach oben stehen gleich zwei Oktaven nach unten zur Verfügung. Das Tracking arbeitet zuverlässig und die Bedienung bleibt trotz des großen Funktionsumfangs angenehm übersichtlich. Einsteiger finden sich schnell zurecht, gleichzeitig bietet das Octaver-Pedal genügend Reserven für fortgeschrittene Spieler.
Ein echtes Alleinstellungsmerkmal ist die TonePrint-Funktion. Eigene Presets oder Sounds bekannter Künstler lassen sich bequem auf das Pedal übertragen und erweitern die Einsatzmöglichkeiten erheblich. Wer möglichst viel Octaver Pedal für vergleichsweise wenig Geld sucht, bekommt hier eines der überzeugendsten Gesamtpakete.
Die Premium-Lösung: Electro Harmonix POG2
Unter Gitarristen genießt der Electro Harmonix POG2 seit vielen Jahren Kultstatus. Das Pedal ist weit mehr als ein klassischer Octaver und entwickelt sich schnell zum kreativen Zentrum eines Pedalboards.
Mehrere Oktaven lassen sich unabhängig voneinander mischen, zusätzlich stehen Filter, Attack-Regler und Presets zur Verfügung. Dadurch entstehen mühelos orgelähnliche Sounds, zwölfsaitige Gitarren oder außergewöhnliche Layer, die weit über die Möglichkeiten klassischer Octaver hinausgehen.
Vor allem im Studio oder auf großen Pedalboards spielt der POG2 seine Stärken aus. Der hohe Preis wirkt zunächst abschreckend, relativiert sich jedoch schnell angesichts der enormen Vielseitigkeit. Wer regelmäßig mit komplexen Sounds arbeitet und das Maximum aus einem Octaver herausholen möchte, findet hier nach wie vor eine der besten Lösungen am Markt.
Worauf solltest du beim Kauf achten?
Nicht jeder Octaver passt automatisch zu jedem Gitarristen. Entscheidend ist weniger die Anzahl der Funktionen als vielmehr die Frage, ob das Octaver Pedal zum eigenen Spielstil und zum geplanten Einsatzgebiet passt.
Ein wichtiger Punkt ist die Tonerkennung, häufig auch als Tracking bezeichnet. Sie entscheidet darüber, wie schnell und sauber das Pedal gespielte Noten verarbeitet. Moderne Geräte erkennen selbst schnelle Läufe oder komplexe Akkorde nahezu verzögerungsfrei, während klassische Vintage-Modelle bewusst etwas ungestümer reagieren. Gerade dieser leicht unperfekte Charakter gehört für viele Gitarristen allerdings zum gewünschten Klangbild.
Ebenso wichtig ist die Polyphonie. Wer hauptsächlich Soli oder einzelne Riffs spielt, kommt auch mit einem monophonen Octaver bestens zurecht. Für Akkorde oder komplexere Voicings empfiehlt sich dagegen ein polyphones Modell, das mehrere gleichzeitig gespielte Töne zuverlässig erkennt.
Auch die Bedienung sollte zum eigenen Workflow passen. Getrennte Regler für Originalsignal und Oktaven ermöglichen eine deutlich feinere Abstimmung, während Presets oder unterschiedliche Klangmodi vor allem Live-Gitarristen mehr Flexibilität bieten.
Ein letzter Blick gilt der Signalkette. Die meisten Octaver arbeiten am zuverlässigsten möglichst weit vorne im Pedalboard, also noch vor Overdrive oder Distortion. So erhält das Pedal ein möglichst sauberes Eingangssignal und kann seine Stärken voll ausspielen.
Typische Fehler beim Einsatz eines Octavers
Ein Octaver Pedal reagiert deutlich sensibler auf das eigene Setup als viele andere Effektgeräte. Klingt das Pedal zuhause anders als in den bekannten Demos, liegt das meist nicht am Gerät selbst, sondern an dessen Einsatz.
Der häufigste Fehler ist zu viel Gain vor dem Octaver. Muss das Pedal ein bereits stark verzerrtes Signal analysieren, leidet die Tonerkennung spürbar. Gerade analoge Modelle reagieren darauf mit Nebengeräuschen oder hörbaren Aussetzern. In den meisten Fällen funktioniert ein Octaver deshalb deutlich besser vor Overdrive- oder Fuzz-Pedalen.
Auch die Spielweise spielt eine wichtige Rolle. Klassische monophone Octaver fühlen sich mit sauber angeschlagenen Einzeltönen deutlich wohler als mit komplexen Akkorden. Wer dieses Verhalten kennt, wird deutlich schneller zu überzeugenden Ergebnissen kommen.
Ebenso wird der Effektanteil häufig überschätzt. Eine dezent beigemischte Oktave wirkt im Bandkontext meist deutlich musikalischer als ein vollständig vom Effekt dominierter Sound. Oft reicht schon ein kleiner Anteil aus, um Soli größer erscheinen zu lassen oder Riffs mehr Fundament zu verleihen.
Fazit: Welcher Octaver ist der richtige?

Ein Octaver Pedal gehört zu den vielseitigsten Effektgeräten auf dem Markt. Je nach Bauart kann es den Klang einer Gitarre dezent verbreitern, einen überzeugenden Bass ersetzen oder aggressive Fuzz-Sounds und experimentelle Klangwelten erzeugen.
Der beste Octaver ist deshalb nicht der mit den meisten Funktionen, sondern derjenige, der eure musikalische Idee unterstützt. Wer weiß, ob er Basslinien, Hendrix-Soli, moderne Akkordarbeit oder einen klassischen Octave Fuzz sucht, findet heute für nahezu jedes Budget das passende Pedal.
Am Ende gilt wie so oft: Nicht das Pedal macht den Sound, sondern die Art, wie ihr es einsetzt. Genau diese enorme Vielseitigkeit macht den Octaver seit Jahrzehnten zu einem festen Bestandteil unzähliger legendärer Gitarrensounds und zu einem Effekt, der auf weit mehr Pedalboards gehört, als man zunächst vermuten würde.
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