von  Jan Rotring  | |   Als bevorzugte Quelle auf Google hinzufügen   |  Lesezeit: 5 Min
Locking Mechaniken: Ein lohnenswertes Upgrade

Locking Mechaniken: Ein lohnenswertes Upgrade  ·  Quelle: PhotoStock-Israel / Alamy Stock Foto

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Hardware-Upgrades: Das allergrößte Lieblingshobby aller Gitarristen. Zumindest bei mir ist das so. Neue Pickups, bessere Potis, hochwertige Sättel und irgendwann auch: Locking Mechaniken. Kaum ein Bauteil genießt einen ähnlich guten Ruf. Schließlich sollen sie die Gitarre stimmstabiler machen, Saitenrisse verhindern und das Instrument insgesamt auf ein neues Niveau heben. Doch obwohl Locking Mechaniken zweifellos zu den sinnvollsten Upgrades gehören können, lösen sie längst nicht die Probleme, die ihnen häufig zugeschrieben werden. Wer glaubt, eine schlecht stimmende Gitarre werde allein durch neue Mechaniken plötzlich perfekt, dürfte eine Enttäuschung erleben. Schauen wir uns also einmal an, was Locking Mechaniken tatsächlich leisten und warum ihr größter Vorteil oft ein ganz anderer ist.

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Was sind Locking Mechaniken überhaupt?

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Auf den ersten Blick unterscheiden sich Locking Mechaniken kaum von herkömmlichen Stimmmechaniken. Der eigentliche Unterschied versteckt sich im Inneren.

Während bei einer klassischen Mechanik die Saite mehrfach um die Achse gewickelt wird und sich durch diese Wicklungen selbst festklemmt (mal mehr, mal weniger gut und dauerhaft), besitzen Locking Mechaniken einen kleinen Klemmmechanismus. Die Saite wird durch die Mechanik geführt, mit einer Schraube, einem Klemmmechanismus oder einem Rändelrad fixiert und anschließend lediglich auf Stimmung gebracht. Mehrere Wicklungen sind in den meisten Fällen gar nicht mehr notwendig. Bye-bye häßliche, unaufgeräumte Kopfplatte mit Perücke.

Durch diese Art der Befestigung entsteht zunächst der Eindruck, die Saite könne sich weniger bewegen und müsse deshalb automatisch stimmstabiler sein. Ganz falsch ist dieser Gedanke grundsätzlich auch gar nicht, er greift allerdings deutlich zu kurz.

Denn die Wicklungen auf der Mechanik sind in den seltensten Fällen die eigentliche Ursache für Verstimmungen. Es sei denn natürlich, man lässt den Saitenschneider gänzlich ruhen und wickelt zweieinhalb Meter Saite über die Mechanik.

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Der eigentliche Vorteil zeigt sich beim Saitenwechsel

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Der größte Gewinn durch Locking Mechaniken ist dagegen überraschend unspektakulär: Saitenwechsel werden deutlich schneller.

Jeder, der regelmäßig Gitarren wartet oder mehrere Instrumente besitzt, kennt den Ablauf: Alte Saiten herunter, neue einfädeln, mehrfach um die Achse wickeln, auf Spannung bringen, Nachstimmen und anschließend mehrfach Nachdehnen, Nachstimmen, Nachdehnen, Nachstimmen, ihr kennt das Spiel.

Mit Locking Mechaniken entfällt ein Großteil dieses Prozesses. Die Saite wird durchgeführt, fixiert und anschließend gestimmt. Mehr ist nicht notwendig. Das spart Zeit und reduziert gleichzeitig mögliche Fehler beim Aufziehen. Gerade Anfänger profitieren davon, weil zu viele oder zu wenige Wicklungen praktisch ausgeschlossen sind.

Wer häufig unterschiedliche Saitensätze ausprobiert oder seine Gitarren regelmäßig für Aufnahmen vorbereitet, wird diesen Komfort schnell zu schätzen wissen. Nach einigen Monaten möchte man eigentlich nur ungern wieder darauf verzichten. Ich persönlich habe das Sakrileg begangen und bei meiner 1987er Paula diese Hipshot Locking Mechaniken zu verbauen weil … es einfach praktischer ist. 

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Besonders praktisch bei Tremolosystemen

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Floyd Rose Tremolo – Fluch und Segen^ · Quelle: gökay güven / alamy

Noch deutlicher wird der Vorteil bei Gitarren mit Tremolosystem – habe ich gehört. Denn als waschechter Les-Paul-Verehrer spiele ich sowas natürlich niemals.

Ganz gleich, denn egal ob klassisches Fender-Tremolo oder modernes Zweipunkt-System: Jede unnötige Wicklung auf der Mechanik bedeutet zusätzliches Material, das sich unter Belastung minimal bewegen kann. Locking Mechaniken reduzieren diese Wicklungen auf ein Minimum und schaffen dadurch ein etwas direkteres Verhalten der Saite.

Wichtig ist allerdings die richtige Einordnung. Nicht die Mechanik selbst macht das Tremolo stimmstabil. Vielmehr beseitigt sie eine kleine mögliche Fehlerquelle innerhalb eines deutlich komplexeren Systems. Ein sauber gefeilter Sattel, gut geschmierte Kontaktpunkte und ein korrekt eingestelltes Tremolo bleiben weiterhin die entscheidenden Faktoren.

Lohnt sich das Upgrade überhaupt?

Wie so oft lautet die Antwort: Es kommt darauf an. Wer eine hochwertige Gitarre besitzt, deren Mechaniken bereits sauber arbeiten und die lediglich gelegentlich nachgestimmt werden muss, wird klanglich keinerlei Unterschied feststellen. Auch die reine Stimmstabilität verbessert sich meist deutlich weniger, als Werbeprospekte vermuten lassen.

Ganz anders sieht es aus, wenn regelmäßig Saiten gewechselt werden oder das Instrument häufig auf der Bühne eingesetzt wird. Hier spart der Klemmmechanismus bei jedem Wechsel Zeit und reduziert den Stress kurz vor dem Soundcheck erheblich.

Hinzu kommt ein weiterer Aspekt, der häufig unterschätzt wird: Locking Mechaniken vermitteln schlicht ein angenehmes Gefühl beim Arbeiten am Instrument. Der Saitenwechsel wirkt sauberer, schneller und kontrollierter. Gerade Gitarristen, die ihre Instrumente selbst warten, entwickeln dafür oft eine erstaunliche Wertschätzung.

Nicht jedes Upgrade muss schließlich den Klang verändern. Manchmal reicht es völlig aus, wenn die tägliche Arbeit mit der Gitarre einfacher wird. Oder das man es einfach mal ausprobieren will — für mich ein absolut valides Argument für Gitarren-Ugrades.

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Mein Fazit

Saitenwechsel
Saitenwechsel · Quelle: Vera Aksionava / Alamy Stock Foto

Locking Mechaniken gehören für mich zu den sinnvollsten Komfort-Upgrades, die man einer Gitarre spendieren kann. Gleichzeitig zählen sie aber auch zu den am meisten missverstandenen Hardware-Komponenten.

Sie sind keine Wunderwaffe gegen Verstimmungen und ersetzen weder einen sauber gefeilterten Sattel noch ein ordentlich eingestelltes Tremolosystem oder korrekt aufgezogene Saiten.

Wer jedoch regelmäßig Saiten wechselt, seine Instrumente selbst wartet oder einfach eine komfortablere Handhabung schätzt, wird den Unterschied schnell bemerken. Der eigentliche Gewinn liegt nicht in einer dramatisch besseren Stimmstabilität, sondern im unkomplizierten Umgang mit dem Instrument.

Gute Hardware muss nicht spektakulär sein. Für mich reicht völlig aus, wenn sie dafür sorgt, dass man sich weniger mit der Technik beschäftigen muss und dafür mehr Zeit zum Spielen hat. Und man endlich mal wieder basteln darf.

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