Legendäre Effektgeräte: 10 Pedale, die jeder Gitarrist kennen muss
10 Pedale, die den Sound der letzten Jahrzehnte prägten
Es gibt eine ganze Reihe von berühmten Gitarren, sagenumwobenen Amps und sogar unangefochtene Mikrofon-Stars. Doch es gibt auch legendäre Effektgeräte. Um einen Überblick zu den wohl wichtigsten Pedalen zu bekommen, findest du in diesem Kaufberater 10 Pedale, die wirklich jeder Gitarrist mindestens kennen, wenn nicht sogar zwingend besitzen sollte.
Legendäre Effektgeräte: Inhalt
Klar, Effekte sind nicht alles, aber ich kenne wirklich keinen Gitarristen, der keine Freude dabei empfindet, ein neues Pedal ins Setup zu schleifen.
Doch es gibt mittlerweile wohl mindestens so viele Effektpedale wie Sand am Meer. Wie soll man da den Überblick behalten? Ganz einfach: Mit einem Blick auf 10 legendäre Effektgeräte, die jeder Gitarrist kennen muss. Meine Liste ist selbstverständlich und wie immer über jeden Zweifel erhaben, wissenschaftlich zu 100% belegt und nicht zu diskutieren. Ansonsten gibt’s natürlich die Kommentare, wenn ihr es anders seht…
Um das ganze ein bisschen greifbarer zu machen, habe ich mich pro Effekt auf einen ganz bestimmten Song gestürzt — als Hör-Referenz, gewissermaßen.
Ibanez Tube Screamer (TS808 / TS9)

Er muss dabei sein, wenn wir über legendäre Effektgeräte sprechen: Der Tube Screamer ist weniger Verzerrer als Werkzeug und wer legendäre Effektgeräte sucht, kommt nicht um den kleinen grünen Kasten herum. Sein charakteristischer Mittenfokus, das zurückgenommene Bassfundament und die sanfte Kompression machen ihn ideal, um Röhrenverstärker anzuschieben, statt sie zu ersetzen.
Der Tube Screamer wurde im Song Pride and Joy von Stevie Ray Vaughan nicht als klassischer Verzerrer eingesetzt, sondern als dynamischer Boost vor einem bereits angezerrten Röhrenverstärker. SRV nutzte den TS808 vor allem, um seinen Fender-Combo stärker in die Endstufensättigung zu treiben und dabei den Anschlag zu verdichten.
Charakteristisch ist der Mittenfokus des Tube Screamers, der genau den Frequenzbereich betont, in dem sich die Gitarre im Bandgefüge durchsetzt. Gleichzeitig werden extreme Bässe beschnitten, wodurch der Sound straffer und kontrollierter wirkt. In Pride and Joy ist der Effekt subtil, aber entscheidend: Der Ton bleibt offen, reagiert direkt auf die Anschlagsdynamik und wirkt trotzdem druckvoll und präsent.
Der Tube Screamer ist hier kein Soundgenerator, sondern ein musikalischer Verstärker dessen, was bereits da ist – ein Paradebeispiel für seinen ursprünglichen Einsatzzweck.
Boss DS-2 Turbo Distortion
Der Boss DS-2 ist kein Pedal für feine Nuancen. Er steht für Aggression, Energie und kompromisslosen Ausdruck. Mit seinem zweiten Turbo-Modus bringt er die Mitten massiv nach vorne und sorgt dafür, dass Powerchords und Riffs auch in dichten Arrangements bestehen.
Der Boss DS-2 wurde im Song Around the World von den Red Hot Chili Peppers von John Frusciante eingesetzt, insbesondere im Turbo-Modus, der den Mittenbereich deutlich anhebt. Anders als beim klassischen DS-1 liefert der DS-2 in dieser Einstellung mehr Durchsetzungskraft und Aggressivität.
In Around the World wird der DS-2 nicht für High-Gain-Flächen genutzt, sondern für knackige, rhythmische Riffs, die sich klar vom Bass absetzen müssen. Der Sound ist rau, kantig und bewusst nicht glatt – ideal für Frusciantes minimalistische, perkussive Spielweise.
Der DS-2 übernimmt hier die Rolle eines stilprägenden Verzerrers, der nicht auf Sustain oder Eleganz setzt, sondern auf Attack, Präsenz und Energie.
Pro Co RAT
Da ist sie, die Ratte! Die Pro Co RAT entzieht sich im Grunde jeder klaren Kategorisierung. Sie liegt irgendwo zwischen Overdrive, Distortion und Fuzz – und genau darin liegt ihre Stärke. Mit ihrem Filter-Regler lässt sich der Sound präzise formen, von bissig und sägend bis warm und fast fuzzig: Legendäre Effektgeräte ohne die Ratte? Unmöglich!
Die Pro Co RAT ist zentraler Bestandteil des Gitarrensounds von Killing in the Name von Rage Against the Machine. Tom Morello nutzte die RAT in diesem Song als primäre Verzerrungsquelle, kombiniert mit einem ansonsten relativ clean eingestellten Amp.
Typisch für die RAT ist ihre Fähigkeit, Aggression und Kontrolle zu vereinen. In Killing in the Name liefert sie den sägenden, leicht komprimierten Distortion-Sound, der selbst bei palm-muted Riffs klar und definiert bleibt.
Der Filter-Regler der RAT wurde dabei so eingestellt, dass Höhen nicht schrill wirken, sondern bissig und fokussiert.
Der Effekt ist hier kein Beiwerk, sondern tragendes Fundament des gesamten Songs. Ohne die RAT würde der charakteristische Druck und die Wucht des Riffs schlicht fehlen.
Electro-Harmonix Big Muff Pi

Es gibt Fuzz und es gibt Muff — zumindest in der Wahrnehmung einer großen Mehrheit von Gitarristen.
Der Big Muff Pi ist in meinen Ohren untrennbar mit dem Gitarrensound von Cherub Rock der Smashing Pumpkins verbunden. Billy Corgan nutzte den Big Muff hier für die massiven, sustainreichen Lead- und Rhythmusparts, die den Song prägen.
Besonders auffällig ist die Kombination aus weicher Ansprache und enormer Klangdichte. Der Big Muff liefert in Cherub Rock keinen aggressiven Fuzz im klassischen Sinn, sondern einen breiten, fast schwebenden Soundteppich. Die leicht gescoopten Mitten sorgen dafür, dass die Gitarren riesig wirken, ohne andere Instrumente vollständig zu verdrängen.
Der Big Muff wird hier bewusst als Sound-Architekt eingesetzt – weniger für Durchsetzung, mehr für Größe, Atmosphäre und emotionale Wucht.
Dunlop Cry Baby Wah
Legendäre Effektgeräte, legendäre Gitarristen: Neben Jimi Hendrix ist wohl nur Kirk Hammett so eng mit dem Wah verbunden. Im Song Voodoo Child (Slight Return) von Jimi Hendrix ist das Wah-Wah kein Effekt im Hintergrund, sondern ein integraler Bestandteil der Performance. Hendrix nutzte das Dunlop Cry Baby, um den Ton formbar zu machen und ihn fast vokal klingen zu lassen.
Das Wah wurde hier rhythmisch und melodisch zugleich eingesetzt. Durch das gezielte Öffnen und Schließen des Frequenzfilters entstehen sprechende, schreiende Klangbewegungen, die unmittelbar auf Anschlag und Phrasierung reagieren. Der Effekt verstärkt nicht nur den Sound, sondern verändert aktiv die musikalische Aussage.
Voodoo Child gilt bis heute als Referenz dafür, wie ein Wah-Pedal nicht nur eingesetzt, sondern gespielt werden kann – als echtes Ausdrucksinstrument.
MXR Phase 90

Der MXR Phase 90 wurde etwa im Song Eruption von Eddie Van Halen eingesetzt, um dem ansonsten stark verzerrten Amp-Sound Bewegung und Tiefe zu verleihen. Der Phaser ist dabei nicht dauerhaft aktiv, sondern gezielt auf einzelne Passagen angewendet.
In Eruption sorgt der Phase 90 für eine subtile, zyklische Modulation, die dem Sound eine fast schwebende Qualität gibt. Besonders auffällig ist, dass der Effekt nicht als klassischer „Effekt“ wahrgenommen wird, sondern als Teil des Grundsounds von Van Halen. Der Einsatz bleibt bewusst dezent, um die Artikulation und Dynamik des Spiels nicht zu verwischen.
Der Phase 90 zeigt hier exemplarisch, wie Modulation nicht auffallen muss, um wirksam zu sein. Er erzeugt Tiefe und Bewegung, ohne den aggressiven Charakter des Gitarrentons zu entschärfen.
Legendäre Effektgeräte: Boss CE-2 Chorus
Was tut manscht alles, um ein bisschen mehr Breite in den Sound zu bekommen? Dabei kommt das legendäre Effektgerät Boss CE-2 nicht nur bei epischen Solo-Parts, sondern auch in eher düsteren Passagen wunderbar zur Geltung.
Der Boss CE-2 Chorus wurde im Song Come As You Are von Nirvana verwendet und ist zentral für den charakteristischen Gitarrensound des Intros. Kurt Cobain nutzte den CE-2, um dem Clean-Sound eine dunkle, leicht schwebende Breite zu verleihen.
Der Chorus ist dabei relativ langsam eingestellt und erzeugt keine ausgeprägte Tonhöhenmodulation, sondern vielmehr eine subtile Verdopplung des Signals. Dadurch entsteht ein leicht „wabernder“ Sound, der perfekt zur düsteren Grundstimmung des Songs passt.
Der CE-2 fungiert hier nicht als Effekt im Vordergrund, sondern als Stimmungswerkzeug. Ohne ihn würde das Riff deutlich trockener und weniger atmosphärisch wirken.
MXR Dyna Comp
Wie ein Kompressor funktionieren sollte, habe ich einmal hier beschrieben: Kompressor Pedale und ihre Funktionsweise
Der MXR Dyna Comp ist zum Beispiel im Song Sultans of Swing von den Dire Straits ein entscheidender Bestandteil des Gitarrensounds von Mark Knopfler. Der Kompressor wurde eingesetzt, um die Fingerpicking-Dynamik auszugleichen und einzelne Noten klarer hervortreten zu lassen.
Durch die Kompression werden leise Anschläge angehoben, während härtere Anschläge kontrolliert bleiben. Das Ergebnis ist ein sehr gleichmäßiger, transparenter Clean-Sound mit ausgeprägter Artikulation. Der Effekt ist kaum als solcher wahrnehmbar, beeinflusst den Gesamtsound jedoch massiv.
Der Dyna Comp zeigt hier seine klassische Stärke: mehr Kontrolle und Präsenz, ohne hörbare Klangverfärbung oder offensichtlichen Effektcharakter.
Boss DD-3 Digital Delay

Ein klassisches digitales Delay ohne viel Klimbim: Der Boss DD-3 wurde etwa bei Where the Streets Have No Name von U2 für das ikonische Achtel-Delay verwendet.
The Edge nutzte das digitale Delay, um ein rhythmisches Pattern zu erzeugen, das fast wie ein zusätzliches Instrument wirkt.
Das Delay ist präzise auf das Songtempo abgestimmt und wiederholt das Signal klar und unverfärbt. Dadurch entsteht ein pulsierender Gitarrensound, der sich perfekt mit Schlagzeug und Bass verzahnt. Der DD-3 wird hier nicht zur Erzeugung von Raum eingesetzt, sondern als rhythmisches Gestaltungsmittel.
Electro-Harmonix Holy Grail Reverb
Der Heilige Gral! Zumindest, was gut zu integrierende Reverb-Pedale angeht und damit zurecht Teil der Auflistung über legendäre Effektgeräte.
Der Electro-Harmonix Holy Grail Reverb kommt im Song Wicked Game von Chris Isaak zum Einsatz, um den Gitarrensound räumlich zu erweitern und emotional aufzuladen. Der verwendete Reverb-Typorientiert sich stark am klassischen Spring Reverb.
Der Hall ist relativ lang eingestellt, bleibt aber transparent und löst sich klar vom Direktsignal. Dadurch entsteht eine große, offene Klangfläche, die den minimalistischen Songaufbau unterstützt, ohne ihn zu überladen.
Der Holy Grail übernimmt hier die Rolle eines Atmosphäre-Erzeugers. Er verleiht dem Gitarrensound Tiefe und Weite und trägt maßgeblich zur melancholischen Wirkung des Songs bei.
Legendäre Effektgeräte, die jeder kennen sollte: Fazit

Ich geb’s ja gern zu — zumindest hier am Ende des Artikels: Man hätte vermutlich mindestens 50 andere Pedale ebenso gut aufzählen können. Ich persönliche halte diese Zusammenstellung jedoch für eine gute Schnittmenge aus unterschiedlichen Effekten und herausragenden Pedalen, die, jedes für sich genommen, einen großen Einfluss auf die moderne Gitarrenmusik hatten.
Ich bin gespannt, welche Pedale ihr in der Auflistung vermisst habt. Und für alle, die neugierig geworden sind: Alle legendären Effektgeräte solltet ihr mindestens einmal getestet haben. Also los, GAS ist nicht nur ein Wort!
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3 Antworten zu “Legendäre Effektgeräte: 10 Pedale, die jeder Gitarrist kennen muss”
Wicked Game 1989
Electro Harmonix Holy Grail 2002
WOW das sind ja alles ganz neue Eindrücke die man so in keinem anderen Forum, Artikel oder Youtube Video findet.
Wie macht ihr das nur immer solche Geheimtipps zu finden?
Wichtiger ist ein guter Verstärker, der auch ohne Pedale „meine“ Vorstellung von Sound abbildet.
Ich habe zu lange versucht mit Pedalen etwas abzubilden, was mein Verstärker nicht konnte.
Dazu ein Stimmgerät und ein Wahwah, fertig.