von Jan Rotring | Geschätzte Lesezeit: 5 Minuten
Impulse Response für Gitarre

Impulse Response für Gitarre  ·  Quelle: Adam Gasson / Alamy

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Das Mikro steht vor der 4×12, der Drummer schimpft über den Lärm, der Rest verdreht die Augen – und am Ende klingt’s trotzdem matschig. Willkommen im Leben eines Gitarristen. Doch inzwischen gibt es Alternativen zur Abnahme von Amps per Mikro: die Impulse Response für Gitarre. Sie verspricht den Sound einer perfekt mikrofonierten Box, ganz ohne Abstrahlwinkel, Lärm und Ärger. Aber ist eine Impulse Response für Gitarre wirklich besser als die gute alte Box? Zeit für einen Realitätscheck.

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Was ist eine Impulse Response für Gitarre?

Kurz gesagt: Eine Impulse Response für Gitarre ist ein digitales Abbild davon, wie ein Lautsprecher, ein Mikrofon und ein Raum auf ein Signal reagieren. Dafür wird ein kurzer Impuls – meist ein relativ unmusikalischer Sweep oder Rauschen – durch die Box geschickt, mit einem Mikro abgenommen und als Datei gespeichert. Diese Datei kann dann von Software oder Hardware genutzt werden, um deinem Gitarrensignal die akustische Signatur einer Box + Mikro + Raum zu verpassen. 

Eine Impulse Response für Gitarre ist keine Amp-Simulation. Dein Preamp, Modeler oder Röhrenamp bleibt weiterhin nötig – die IR kümmert sich nur um den „letzten Schritt“ der Signalkette: die Lautsprecher und die Mikrofonierung. 

Im Grunde liefern IRs also eine Momentaufnahme eines Sounds, der beliebig abgerufen werden kann.

Vorteile von Impulse Responses für Gitarre

Mooer Radar Speaker Cab Simulator Pedal
Quelle: Mooer / Youtube

Warum also schwören so viele Gitarristen inzwischen auf Impulse Responses? Zunächst ist da die Klangvielfalt zu nennen: Von Greenbacks auf V30s wechseln oder die Mikrofone ganz bequem von SM57 auf Royer 121 switchen ist so digital und ohne Schleppen möglich. 

Auch die Reproduzierbarkeit ist ein riesiger Vorteil: Der Sound (zumindest der „Boxen“, meine Amps sind teilweise etwas wetterfühlig…) ist immer gleich. Egal, ob im Wohnzimmer, im Studio oder in der Festivalhalle: die Impulse Response für Gitarre klingt identisch. 

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Und schließlich ist da der Elefant im Raum: Preis/Leistung. Ganz ehrlich — für ein paar Euro bekommt man Sounds, die mit echten Boxen, Mics und Preamps mehrere (zehn-) tausend Euro kosten würden. Und die Auswahl ist riesig: Celestion Digital verkauft eigene IR-Packs, Two Notes hat eine ganze Plattform und Anbieter wie Neural DSP oder Amplitube integrieren hunderte IRs gleich in ihren Produkten. 

Doch, wie immer, ist nicht alles Gold, was glänzt. 

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Nachteile von Impulse Responses für Gitarre

Denn so perfekt das alles klingt – auch IRs haben ihre Tücken. 

Zu allererst fehlt das Gefühl: Eine (oder zwei) Marshall 4×12 Box im Rücken ist ein physisches Erlebnis. Impulse Responses für Gitarre können das nicht ersetzen. Zumindest für mich hapert es da immer am guten, alten Mojo.

Auch ist eine Impulse Response für Gitarre lediglich ein statisches Abbild, gewissermaßen ein eingefrorener Sound. Sie bildet genau eine Mikrofonposition ab. Keine großartige Dynamik und der Raum atmet nicht mit. 

Und schließlich ist da die technische Hürde. Um IRs sinnvoll zu nutzen, müssen zwangsweise Interface, ein IR-Loader oder ein Modeler eingesetzt werden. Wer nur „Gitarre in den Amp, fertig“ gewohnt ist, muss sich umstellen. Möglichkeiten, um direkt auf dem Pedalboard mit entsprechenden Pedalboard-Amps und IR-Loadern zu arbeiten, habe ich hier einmal angerissen: I’m an Amp in a Box

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Impulse Responses für Gitarre im Studio vs. Live

Impulse Response für Gitarre - Live
Impulse Response für Gitarre – Live · Quelle: Christian Bertrand / Alamy

Im Studio sind Impulse Responses für Gitarre inzwischen fast Standard. Und besonders im Homerecording sind sie für mich persönlich Gold wert, weil sie Lautstärkeprobleme lösen und trotzdem „echte“ Boxensounds liefern. Ganz ohne die Familie mehr als unbedingt notwendig gegen mich aufzubringen. Und auch in großen Produktionen werden sie häufig als Ergänzung oder mindestens als Backup des „echten“ Sounds eingesetzt. 

Live

Auf der Bühne sieht’s dann etwas differenzierter aus: FOH-Techniker lieben IRs (zumindest die beiden, mit denen ich in Vorbereitung auf diesen Text gesprochen habe), weil sie konsistent und einfach abzumischen sind. Kein wackliges Mikro, kein Übersprechen von Drums oder Bass. 

Wer den Bühnen-Sound vermisst, den eine Box liefert, kann sich auf Hybrid-Ansätze stürzen: Amp + Loadbox + IR-Out ins Pult und zusätzlich auf der Bühne eine kleine Box. Nur fürs „Gefühl“. 

Praxisbeispiele & Gear-Tipps für Impulse Responses

Wer Lust bekommen hat, kann sofort loslegen – die Auswahl an Tools ist riesig. Beispiele:  

Das Schöne an der ganzen Sache: Man kann auch eigene Impulse Response für Gitarre aufnehmen. Wer also seine Lieblingsbox und Mikrofonierung digital „einfangen“ will, kann genau diesen Sound konservieren und dann bei der nächsten Tournee weltweit in den Stadien abfeuern. Oder halt daheim im Keller. 

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Fazit: Ist Impulse Response für Gitarre besser als die klassische Box mit Mikro?

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Mehr Informationen

Impulse Response für Gitarre ist längst keine Spielerei mehr, sondern ein fester Bestandteil moderner Gitarrentechnik. IRs bieten Klangvielfalt, Praktikabilität und Konsistenz, die echte Boxen und Mikrofone nur schwer liefern können. Gleichzeitig fehlt ihnen oft das physische Erlebnis, das viele Gitarristen an einer aufgedrehten Box lieben. 

Ob Impulse Responses für Gitarre also „besser“ sind, hängt stark vom Einsatz ab: Im Studio sind sie unschlagbar, live eher Geschmackssache. Vielleicht ist die eigentliche Frage gar nicht, ob IRs besser sind – sondern ob wir Gitarristen bereit sind, unser geliebtes Mikro zwischenzeitlich mal loszulassen. Was meint ihr? Schreibt es mir in die Kommentare. Mich interessiert vor allem, wer Impulse Response für Gitarre live nutzt und wer sich noch auf die gute, alte bewegte Luft aus 4x12er Boxen verlässt. 

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