von  Jan Rotring  | |  Lesezeit: 3 Min
Zu viel Gain - Besserer Sound für dein Setup

Zu viel Gain - Besserer Sound für dein Setup  ·  Quelle: hutterstock / Thiago Benassi

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Es ist eine dieser unbequemen Wahrheiten, die man als Gitarrist irgendwann akzeptieren muss: Mehr Gain macht den Sound nicht automatisch besser. Im Gegenteil. In vielen Fällen sorgt zu viel Gain dafür, dass der Ton an Klarheit verliert, im Bandkontext untergeht und plötzlich alles irgendwie… matschig klingt. Das Gemeine daran: Allein zuhause klingt viel Gain oft großartig. Fett, singend, fast schon wie auf der Platte. Doch sobald Bass und Drums dazukommen, bleibt davon erstaunlich wenig übrig. Was passiert also hier?

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Was Gain wirklich mit deinem Sound macht

Technisch betrachtet passiert bei zu viel Gain eine ganze Menge. Und leider ist nicht alles davon positiv. Denn mit steigender Verzerrung passiert Folgendes:

  • Die Dynamik wird komprimiert: Leise und laute Anschläge rücken näher zusammen
  • Der Attack wird weicher: Die Transienten verschwinden
  • Frequenzen überlagern sich stärker: Akkorde verlieren an Trennung
  • Nebengeräusche nehmen zu: Rauschen, Feedback und undefinierte Obertöne nehmen Überhand

Das Ergebnis ist ein Sound, der alleine beeindrucken kann, im Kontext eines Songs aber keinen Platz mehr findet. Gerade in modernen High-Gain-Settings, wie man sie aus dem Metal kennt, wird das schnell zum Problem. Denn gerade dort, wo es schnell, hart und heavy zugeht, lebt der Sound nicht nur von Gain, sondern vor allem von Definition und Tightness. Genau das wird im Kontext vieler Setups, bei der Auswahl von Overdrive, Distortion und Co. unterschätzt und grad zu Beginn der Karriere sträflich vernachlässigt.

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Warum weniger Gain oft besser funktioniert

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Jetzt kommt der Teil, der vielen erstmal gegen den Strich geht: Weniger Gain klingt oft größer.

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Warum? Weil dein Spiel wieder Raum bekommt und bei reduziertem Gain plötzlich Folgendes passiert:

  • Der Anschlag wird hörbar: Deine rechte Hand formt den Sound
  • Akkorde bleiben verständlich: Einzelne Saiten setzen sich ab
  • Palm Mutes werden präziser: Mehr „Punch“, weniger „Wummern“
  • Der Sound setzt sich im Mix durch: Weniger Frequenzmatsch

Viele professionelle Produktionen arbeiten genau so und was nach brutal viel Gain klingt, ist oft ein relativ moderates Setting, kombiniert mit sauberem Spiel und cleverem Layering.

Ein gutes Beispiel ist der klassische Rocksound von Angus Young. Kaum Gain im Vergleich zu modernen Maßstäben, aber dafür maximaler Druck, weil jede Nuance des Anschlags erhalten bleibt.

Die typischen Gain-Fehler

Die meisten Probleme entstehen nicht durch zu viel Gain allein, sondern durch die Kombination aus mehreren Faktoren.

Zu viel Gain und zu viel Bass
Das ist die klassische „Matsch-Kombination“. Viel Gain braucht Kontrolle im Low-End, sonst verschwimmt alles.

Zerre aus mehreren Quellen gleichzeitig
Overdrive-Pedal und Amp beide auf Anschlag: Ergebnis ist oft undefiniert statt fett. Gain-Stacking ist eine feine Angelegenheit, muss aber richtig angegangen werden.

Mitten rausdrehen
Klingt alleine „breit“, verschwindet aber im Bandmix komplett.

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So bekommst du deinen Sound in den Griff

Die gute Nachricht: Du musst kein neues Gear kaufen. Naja, du kannst natürlich. Vielleicht solltest du auch. Ein neuer Amp vielleicht. Aber in den meisten Fällen reicht ein kleiner Perspektivwechsel:

Gain reduzieren, Lautstärke erhöhen
Lass den Amp arbeiten. Weniger Verzerrung, mehr Endstufe.

Overdrive als Boost nutzen
Drive runter, Level hoch. Das macht den Sound tighter, nicht (noch) kaputter.

Mitten bewusst einsetzen
Sie sind dein Platz im Mix. Ohne Mitten bist du unsichtbar.

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Fazit: Kontrolle schlägt zu viel Gain

Zu viel Gain schadet der Kontrolle
Zu viel Gain schadet der Kontrolle · Quelle: Robert Hoetink / Alamy Stock Foto

Am Ende läuft alles auf eine simple Erkenntnis hinaus: Gain ist kein Ersatz für guten Sound.

Ein zu stark verzerrter Ton versteckt Schwächen kurzfristig, erzeugt aber langfristig neue Probleme. Ein kontrollierter, definierter Sound hingegen bringt dein Spiel nach vorne und sorgt dafür, dass du dich auch im Bandkontext durchsetzt.

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