von stephan | 3,8 / 5,0 | Geschätzte Lesezeit: 6 Minuten

 ·  Quelle: Yamaha

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Yvette Young ist eine unkonventionelle Gitarristin, Songwriterin und Künstlerin. Als Frontfrau ihrer Band Covet zelebriert sie Math Rock, ihre Solovideos auf YouTube und Instagram, in denen sie ihr frisches und präzises Spiel gekonnt präsentiert, erhalten regelmäßig mehrere Millionen Aufrufe. Daneben wird sie gern als Werbefigur gebucht, z.B. für Logitechs Werbespot beim Super Bowl oder von Yamaha.

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Moderne Gitarrenhelden

Im Rahmen meiner Tätigkeit für Gearnews stoße ich regelmäßig auf Namen, von denen ich zuvor noch nie gehört habe. Daher stellte sich mir irgendwann die Frage, wer eigentlich aktuell zu den „jungen Wilden“ der Gitarrenwelt gehört. Aus diesem Grund beleuchte ich zur Abwechslung mal frische Spieler, die nicht seit Dekaden, sondern erst seit wenigen Jahren in der Szene Aufmerksamkeit erregen.

Viele großartige Gitarristen und Bassisten ziehen an mir vorüber, weil ihre Bühne zum großen Teil Apps wie Instagram oder TikTok sind. Nachdem ich euch in den ersten beiden Ausgaben Mateus Asato und Tim Henson vorgestellt habe, folgt heute die stets hervorragend gelaunte, herrlich unkompliziert geradeheraus sprechende Überfliegerin Yvette Young.

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Yvette Young

Die 1991 geborene US-Amerikanerin stammt aus einer musikalischen Familie. Schon im frühen Alter von vier Jahren nahm sie erste Klavierstunden, mit sieben kam die Violine hinzu. Ihre Anfänge sind stark klassisch geprägt und streng: Nach der Schule musste sie nicht nur ihre Hausaufgaben erledigen, sondern auch täglich rund 4 Stunden üben. Ihre Eltern schickten sie so lang zu Klavierwettbewerben, bis sie begann, Musik zu hassen. Kein Wunder, dass sie heute die Meinung vertritt, dass Musik nicht kompetitiv sein sollte. Sie verabscheut Wettbewerbe und ist der Überzeugung, sie eliminieren jegliche Freude an Musik.

Gitarre und Eigenkompositionen als Heilmittel

Der enorme Druck, sehr gute Schulnoten und Gewinne bei Wettbewerben zu erreichen, machten Yvette buchstäblich krank. Sie entwickelte eine lebensgefährliche Essstörung, wegen der sie mit Herzstörungen ins Krankenhaus eingeliefert wurde. Während ihres Klinikaufenthalts brachte sie sich selbst das Gitarrenspiel bei – komplett nach Gehör.

Fortan lernte sie in ihrem eigenen Tempo und anstatt die vielen Regeln der alten Musik zu befolgen, ging sie ihren eigenen Weg, schrieb eigene Kompositionen und therapierte sich damit ein Stück weit selbst. Die strenge Ausbildung brachten ihr aber auch Vorteile, da sie von den mühsam antrainierten Fähigkeit auch auf der Gitarre profitierte: Fingerfertigkeit, Gehörbildung, theoretisches Verständnis, Kontrapunkt, etc.

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Stil und Technik

Fingerpicking, Doppelhändiges Tapping und anspruchsvolle Taktarten sind genauso fester Bestandteil ihres Stils, wie komplexe Tunings und polyrhythmische Linien. Grund dafür sind einerseits natürlich die klassische Ausbildung, zum anderen waren ihre Anfänge auf der Gitarre sehr anders, als es wohl die meisten Gitarristen erleben. Da sie nicht in einer Band spielte und von Beginn an ausschließlich nach Gehör im Selbststudium lernte und komponierte, versuchte sie, als Solokünstler so fulminant wie möglich zu klingen, um die Illusion weiterer Instrumente zu erschaffen.

Erstaunlicherweise macht sie das alles auch noch mit einem lädierten kleinen Finger ihrer linken Greifhand. Dieser war einst gebrochen und durfte nicht korrekt verheilen, weil Yvette für einen anstehenden Wettbewerb weiter üben musste. Der Finger gibt ihr heute mehr Reichweite, muss aber hin und wieder „beweglich gemacht werden“, weil er sich verkanntet. Wahnsinn!

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Open Tunings

Yvettes Herangehensweise an Open Tunings ist ebenso einzigartig: Nicht selten stimmt sie ihre Gitarre auf sehr untypische Weise, um sie selbst herauszufordern oder schlichtweg, um den Klang in ihrem Kopf umsetzen zu können. „Gewöhnlichere Stimmungen“, die bei ihr häufiger vorkommen, sind F,A,C,G,B,E oder F,A,C,G,C,E. Die Inspiration dazu kam von der japanischen Band Toe. Der Song „Shibuya“ ist beispielsweise in D,A,D,F#,A,E (mit einem Capo im 2. Bund) gestimmt.

Sound: Clean and lean

Während andere moderne Spieler häufig deutlich mehr Verzerrung und Compression in ihren Sound mischen, ist Yvette aus meiner Sicht mehr für ihren wunderschönen, perligen, glasklaren Cleansound bekannt, der vielleicht mal in den Edge-of-Break-Up übergeht. Was nicht bedeutet, dass nicht auch deftige Fuzz-Sounds vorkommen können.

 

 

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Ibanez THBB10 Signature Gitarre

Seit 2019 spielt Yvette zwei Talman Prestige-Gitarren von Ibanez, ein Tele- und eine Strat-Ausführung. Ironischerweise gibt es zum aktuellen Zeitpunkt keine anderen Talman-E-Gitarren im Programm, lediglich Bässe und Accus. Sie liebt den sogenannten Wizard Neck, der sich in ihren Händen für anspruchsvolles techniches Spiel besser eignet, als beispielsweise die Hälse von Fender. Der grüne Blickfänger ist inspiriert von Robin Williams und dem Film Flubber, weshalb die Lackierung auf den Namen Slime Green Sparkle hört.

Die Strat-Version könnt ihr hier bei Thomann erwerben: Ibanez YY10-SGS*

Ibanez YY10-SGS

Ibanez YY10-SGS

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Der VOX-Sound

Young begann ihre Gitarrenkarriere auf einem VOX AC4, ging über zu einem Fender Deluxe Reverb, sehnte sich jedoch nach mehr Headroom. Ergo war der AC15* mit seinem „chimey Sound“ das Mittel der Wahl, da er zudem hervorragend mit den Seymour Duncan Five Two Single Coils ihrer grünen Signature Talman harmoniert.

Vox AC15 C1

Vox AC15 C1

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Vox AC15 C2

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Pedals

Yvettes Kompositionen müssen zwar im Zweifel komplett ohne Board funktionieren. Doch sie nutzt sehr gern Effekte als Inspiration beim Songwriting und um ihre Klanglandschaften sowie einzelne Formteile durch Effekte gezielt zu steigern. All ihre Bodentreter aufzuzählen würde wohl den Rahmen sprengen, einige gibt es zudem nur in den USA. Grundsätzlich hat sie ein Studio Board mit komplexeren Pedalen und ein Live Board mit simpler aufgebauten Tretern, die live schnell angepasst werden können. Daher hier nur ein kleiner Auszug.

Besonders inspirierend findet sie das Walrus Audio Julia* (Chorus / Vibrato). Zu ihren absoluten Lieblings-Reverb-Pedalen gehört das Meris Mercury 7* und Delay-Seitig kommt sehr viel das MXR Carbon Copy Deluxe* zum Einsatz. Das MXR Bass Octave Deluxe* verleiht einzelnen Songteilen bei Bedarf mehr Gewicht und Schmutz.

Walrus Audio Julia V2

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Meris Mercury 7 Reverb Pedal

Meris Mercury 7 Reverb Pedal

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MXR M 292 Carbon Copy Deluxe

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MXR M288 Bass Octave Deluxe

MXR M288 Bass Octave Deluxe

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Wer kommt als nächstes?

Ich bin sehr gespannt, wie sich der noch junge Künstler in den kommenden Jahren entwickeln wird und freue mich darüber, dass er der Gitarrenwelt frischen Wind verleiht.

Kennt ihr noch weitere Beispiele junger Musiker, die hier vorgestellt werden sollten? Solche, die einer älteren Generation entgehen, weil sie über neue Wege ihre eigene Bühne erschaffen? Schreibt uns eure Tipps gern in die Kommentare! Habt ein schönes Wochenende!

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Bildquellen:
  • Ibanez YY10: Ibanez

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7 Antworten zu “Yvette Young: Klassischer Drill machte sie krank, Gitarre wieder gesund”

    Hans Schlötel sagt:
    0

    Sehr guter informativer Beitrag über eine tolle junge Ausnahmekünstlerin.

    Marco sagt:
    0

    Ein sehr schöner Beitrag, danke.

    Marc sagt:
    -1

    Darf man den Eltern solcher Kinder eigentlich die Ohren langziehen? Vielleicht hilft das ja, um jene Erziehungsberechtigten mal zum Zuhören zu bewegen, wenn ihre Kinder die eigene Gefühlswelt und die eigenen Wünsche offenbaren.

    Um so bemerkenswerter finde ich, dass diese junge Dame es geschafft hat, ihren Weg zu finden und diesen auch zu gehen. Respekt! Und solche authentischen Künstler sind es dann auch, die etwas bewegen und voranbringen können. Ich wünsche ihr alles Gute, viel Freude und Erfolg.

    Thomas sagt:
    0

    Ich sehe das zwiespältig. Klassischer Drill hat sie krank gemacht, ja, aber auch dorthin gebracht, wo sie heute künstlerisch und mit ihren Fähigkeiten steht. Sie wäre ohne diesen Drill nicht so befähigt worden auf der Gitarre, daher ist das ein Für und Wider.

    Ted sagt:
    0

    „Kein Wunder, dass sie heute die Meinung vertritt, dass Musik nicht kompetitiv sein sollte. Sie verabscheut Wettbewerbe und ist der Überzeugung, sie eliminieren jegliche Freude an Musik.“
    Unter anderem aus genau diesem Grund, habe ich überhaupt kein Verlangen, meine Musik zu veröffentlichen.

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