von  Jan Rotring  | |   Als bevorzugte Quelle auf Google hinzufügen   |  Lesezeit: 6 Min
Treble Booster - Das Geheimnis von Iommi und Co.

Treble Booster - Das Geheimnis von Iommi und Co.  ·  Quelle: Gonzales Photo / Alamy

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Ein Regler. Mehr braucht es offenbar nicht. Zumindest dann nicht, wenn man sich anschaut, wie viele legendäre Gitarrensounds mit einem Treble Booster entstanden sind: Brian May, Tony Iommi, Rory Gallagher oder Ritchie Blackmore haben auf unterschiedliche Weise auf diese erstaunlich simple Schaltung gesetzt. Dabei ist der Name eigentlich ziemlich irreführend. Denn ein Treble Booster macht nicht einfach nur mehr Höhen. Richtig eingesetzt verändert er vielmehr die Art, wie ein bereits arbeitender Röhrenamp verzerrt.

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Ich gebe zu: Lange Zeit habe ich Treble Booster für eines dieser Relikte aus alten Tagen gehalten. Interessant für Vintage-Fans, aber heute problemlos durch einen EQ oder Overdrive zu ersetzen. Ganz so einfach ist es allerdings nicht, denn wer versteht, was ein Treble Booster tatsächlich macht, versteht auch besser, warum einige der berühmtesten Rock-Sounds erstaunlich wenig mit modernen High-Gain-Konzepten zu tun haben. Mein kleiner Blick über den Tellerrand.

Was macht ein Treble Booster eigentlich?

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Die Grundidee ist, wie so oft, simpel: Ein Treble Booster hebt vor allem die oberen Mitten und Höhen an, während tiefe Frequenzen deutlich weniger verstärkt werden. Gleichzeitig erhöht er den Pegel des Gitarrensignals und schiebt damit die Eingangsstufe des Verstärkers kräftiger an.

Das Entscheidende passiert deshalb nicht unbedingt im bzw. durch das Pedal selbst, sondern im Verstärker dahinter: Schickt man ein stark angehobenes Gitarrensignal in einen bereits weit aufgedrehten Röhrenamp, können die ebenfalls verstärkten Bässe schnell weich, breit oder matschig werden. Ein Treble Booster reduziert diesen Effekt erheblich. Es treffen weniger tiefe Frequenzen auf die Eingangsstufe, während Mitten und Höhen den Amp stärker in die Verzerrung treiben.

Das Ergebnis: mehr Biss, bessere Definition und ein direkteres Spielgefühl.

Der Rangemaster und die Geburt eines Klassikers

Der wahrscheinlich berühmteste Vertreter dieser Gattung ist der Dallas Rangemaster aus den 1960er-Jahren. Das Original war noch nicht einmal ein klassisches Bodenpedal, sondern eine kleine Box, die auf oder neben dem Verstärker stand.

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Technisch war die Schaltung überschaubar, ein einzelner Transistor und wenige weitere Bauteile reichten aus, um Gitarrengeschichte zu schreiben. Besonders die damals verwendeten Germanium-Transistoren trugen zum charakteristischen Verhalten vieler früher Treble Booster bei.

Das Konzept passte perfekt zu den damaligen Verstärkern: Marshall, Vox oder Laney boten enorme Lautstärke, aber noch keine mehrstufigen High-Gain-Vorstufen heutiger Bauart. Wer mehr Verzerrung wollte, musste den Amp entsprechend laut fahren. Ein Booster vor dem Eingang war eine wirkungsvolle Methode, um mehr Gain und gleichzeitig mehr Durchsetzungsfähigkeit herauszuholen.

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Brian May, Tony Iommi und die Sache mit den Höhen

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Treble Booster im Hauptsetup: Brian May · Quelle: LademannMedia / Alamy Stock Foto

Dabei ist das Konzept zwar einfach, aber recht vielseitig, wie zwei bekannte Beispiele zeigen.

Brian May kombiniert seine Red Special seit Jahrzehnten mit Treble Boostern und Vox AC30-Verstärkern. Der Booster fährt den Vox stärker an und erzeugt einen fokussierten, obertonreichen Sound. Zusammen mit den ungewöhnlichen Pickup-Schaltungen seiner Gitarre entsteht daraus ein Klang, der sich selbst in riesigen Queen-Arrangements bemerkenswert gut behauptet.

Bei Tony Iommi ging es in eine andere Richtung: Seine frühen Black-Sabbath-Sounds entstanden unter anderem mit Laney-Verstärkern und einem modifizierten Booster. Gerade hier zeigt sich, warum die Bezeichnung Treble Booster etwas irreführend sein kann. Iommis Gitarrensound ist schließlich nicht dafür berühmt, dünn oder schrill zu klingen. Im Gegenteil: Er wirkt massiv.

Denn weniger Bass vor der Verzerrung bedeutet nicht automatisch weniger Bass im fertigen Gitarrensound. Eine kontrollierte Basswiedergabe vor den stark arbeitenden Verstärkerstufen sorgt dafür, dass einzelne Töne und Akkorde klarer bleiben. Der Sound kann dadurch sogar größer und druckvoller wirken.

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Warum nicht einfach den Treble-Regler aufdrehen?

Ein Treble Booster und der Höhenregler eines Verstärkers erledigen nicht dieselbe Aufgabe. Der Treble-Regler verändert den Frequenzgang innerhalb der Verstärkerschaltung. Ein Treble Booster bearbeitet das Signal dagegen bereits, bevor es die Eingangsstufe des Amps erreicht. Damit beeinflusst er, welche Frequenzen die folgenden Verstärkerstufen besonders stark zum Arbeiten bringen.

Ein moderner Overdrive kann etwas Ähnliches bewirken. Der klassische Einsatz eines Tube Screamers vor einem verzerrten Amp basiert teilweise auf demselben Prinzip: Bässe werden reduziert, die Mitten betont und der Pegel angehoben. Der Treble Booster ist gewissermaßen ein früher Verwandter dieses Prinzips.

Ein Treble Booster will den richtigen Amp

Vox AC30 60th Anniversary Teaser
60th Anniversary – AC15 und AC30 mit Schaltung von damals · Quelle: Vox Amps / Youtube

So schön die Arbeit mit einem Treble Booster auch sein mag, es gibt allerdings einen Haken: Treble Booster funktionieren nicht mit jedem Setup gleich gut. Vor einem vollkommen clean eingestellten und ohnehin höhenreichen Verstärker kann das Ergebnis dünn und aggressiv werden.

Interessant wird es erst, wenn der Amp bereits an der Grenze zur Verzerrung oder darüber hinaus arbeitet. Dann treibt der zusätzliche Pegel die Röhren stärker an, während die veränderte Frequenzverteilung verhindert, dass der Sound im Bass auseinanderfällt.

Auch die Position auf dem Pedalboard kann eine Rolle spielen. Klassische Germanium-Treble-Booster reagieren teilweise empfindlich darauf, was sich vor ihnen befindet. Viele dieser Schaltungen mögen es besonders gern, direkt mit den Pickups der Gitarre zu interagieren. Bei einem Vintage-orientierten Booster lohnt es sich deshalb, ihn möglichst weit vorne in der Signalkette auszuprobieren.

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Braucht man 2026 noch einen Treble Booster?

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Natürlich nicht. Moderne Overdrives, EQ-Pedale und digitale Modeler können ähnliche Aufgaben übernehmen und bieten meistens erheblich mehr Kontrolle. Trotzdem finde ich den Treble Booster gerade wegen seiner Beschränkung interessant.

Gitarre rein, Amp aufdrehen, einen Regler einstellen und spielen. Das Pedal versucht nicht, einen komplett neuen Zerrsound zu erzeugen. Stattdessen verändert es die Beziehung zwischen Gitarre und Verstärker.

Natürlich, ein Treble Booster macht aus einem mittelmäßigen Amp keinen großartigen Verstärker. Vor einem guten Röhrenamp aber, der bereits ordentlich arbeitet, kann dieses unscheinbare Pedal jedoch genau den kleinen Schubs liefern, der aus einem guten Crunch-Sound plötzlich einen erstaunlich großen Rock-Sound macht.

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