von  Jan Rotring  | |   Als bevorzugte Quelle auf Google hinzufügen   |  Lesezeit: 5 Min
Tonabnehmer verstehen

Tonabnehmer verstehen  ·  Quelle: Kabataan / Alamy

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Für viele Gitarristen besteht ein Tonabnehmer aus einem Magneten, etwas Kupferdraht und einer Portion Voodoo. Spätestens wenn die Diskussion auf Alnico V, Keramik, Vintage-Windings oder Boutique-Pickups kommt, wird es schnell unübersichtlich. Dabei folgt jeder Tonabnehmer letztlich denselben physikalischen Gesetzen. Und wirklich: Tonabnehmer verstehen ist nicht so schwer.

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Wer begreift, wie ein Pickup aufgebaut ist und welche Bauteile welchen Einfluss auf das Signal haben, kann viele Klangunterschiede deutlich besser einordnen. In diesem kleinen Nerd-Workshop schauen wir uns deshalb an, wie Tonabnehmer funktionieren und warum HumbuckerSingle Coils und P90s trotz ähnlicher Grundidee so unterschiedlich reagieren.

Das Grundprinzip: Wie aus einer schwingenden Saite Strom wird

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Im Kern arbeitet jeder passive Gitarrenpickup nach einem erstaunlich einfachen Prinzip.

Unter der Saite befindet sich ein Magnetfeld. Da Gitarrensaiten aus ferromagnetischem Material bestehen, beeinflussen sie dieses Magnetfeld. Sobald die Saite schwingt, verändert sich die Feldstärke permanent.

Um den Magneten herum befindet sich eine Spule aus dünnem Kupferdraht. Durch die Bewegung des Magnetfeldes wird in dieser Spule eine kleine Wechselspannung erzeugt. Genau dieses Signal verlässt die Gitarre über die Klinkenbuchse und landet schließlich im Verstärker.

Der Pickup „hört“ also nicht die Saite selbst. Er registriert lediglich die Veränderungen des Magnetfeldes, die durch die schwingende Saite verursacht werden.

Der Magnet: Die Basis des Systems

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Der Magnet bildet die Grundlage jedes Tonabnehmers. Seine Aufgabe besteht darin, ein möglichst stabiles Magnetfeld aufzubauen.

Zum Einsatz kommen meist Alnico-Magnete oder keramische Magnete. Dabei unterscheiden sich die Materialien vor allem durch ihre magnetische Stärke und die Art, wie das Magnetfeld aufgebaut wird. Dazu haben wir in der Vergangenheit schon einen kleinen Artikel rausgebracht: Pickup Magnete.

Wichtiger als viele Gitarristen vermuten ist allerdings die Tatsache, dass der Magnet niemals isoliertbetrachtet werden darf. Ein Alnico-V-Magnet klingt nicht automatisch aggressiver als ein Alnico-II-Magnet. Erst das Zusammenspiel mit Wicklung, Spulengeometrie und Elektronik bestimmt das Endergebnis.

Der Magnet liefert also die Grundlage, definiert den Klang aber nicht allein.

Die Wicklung: Hier entsteht der Charakter

Tonabnehmer verstehen - Wer macht nochmal was?
Tonabnehmer verstehen – Wer macht nochmal was? · Quelle: Cristian Storto / Alamy Stock Foto

Mindestens genauso wichtig wie der Magnet ist die Wicklung. Jeder Tonabnehmer besitzt tausende Windungen extrem dünnen Kupferdrahts. Die Anzahl dieser Windungen hat direkten Einfluss auf die elektrischen Eigenschaften des Pickups.

Mehr Wicklungen erzeugen:

  • höhere Ausgangsspannung
  • höhere Induktivität
  • stärkere Dämpfung hoher Frequenzen

Deshalb liefern moderne High-Output-Pickups meist deutlich mehr Pegel als klassische Vintage-Modelle. Gleichzeitig verschiebt sich der Frequenzbereich, in dem der Tonabnehmer besonders stark arbeitet.

Die oft zitierte Aussage „mehr Output“ beschreibt also nur einen Teil der Wahrheit. Tatsächlich verändert sich die gesamte elektrische Charakteristik des Tonabnehmers.

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Die Resonanzfrequenz: Der eigentliche Klangmacher

Jeder Tonabnehmer besitzt eine sogenannte Resonanzfrequenz. Sie entsteht durch das Zusammenspiel von Induktivität, Kapazität und elektrischem Widerstand.

Vereinfacht gesagt gibt es bei jedem Pickup einen bestimmten Frequenzbereich, der stärker betont wird als andere. Diese Resonanzspitze prägt maßgeblich den wahrgenommenen Klang.

Liegt die Resonanz höher, wirkt ein Tonabnehmer offen, brillant und klar. Liegt sie tiefer, entstehen stärkere Mitten und ein kompakterer Klangcharakter.

Viele der Eigenschaften, die Gitarristen als „glockig“, „warm“ oder „mittig“ beschreiben, lassen sich letztlich auf diese Resonanzspitze zurückführen.

Single Coil: Die einfache Lösung

Spule und Magnete in einem Single Coil Pickup
Spule und Magnete in einem Single Coil Pickup · Quelle: Kabataan / Alamy

Der klassische Single Coil besteht aus einer einzelnen Spule mit sechs Magnetpolen.

Durch seine vergleichsweise geringe Induktivität besitzt er meist eine höhere Resonanzfrequenz als andere Pickup-Typen. Das erklärt die oft beschriebene Transparenz und Klarheit.

Der Nachteil liegt in seiner Konstruktion. Da nur eine Spule (daher der Name…) vorhanden ist, werden elektromagnetische Störungen aus der Umgebung ebenfalls aufgenommen. Das bekannte 50-Hz-Brummen gehört deshalb seit Jahrzehnten zum Single-Coil-Erlebnis.

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Humbucker: Die elegante Problemlösung

Der Humbucker wurde ursprünglich entwickelt, um genau dieses Brummen zu beseitigen (und wieder: daher der Name).

Seine Konstruktion verwendet zwei Spulen, die elektrisch gegenphasig verschaltet sind. Gleichzeitig besitzen sie entgegengesetzte magnetische Polaritäten.

Das Nutzsignal der Saite addiert sich dadurch, während eingestreute Störgeräusche ausgelöscht werden. Durch die zweite Spule steigt gleichzeitig die Induktivität. Die Resonanzfrequenz verschiebt sich nach unten und erzeugt die charakteristische Mittenbetonung vieler Humbucker.

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Der Sonderfall P90

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Rein technisch betrachtet ist ein P90 ebenfalls ein Single Coil. Seine Konstruktion unterscheidet sich jedoch deutlich von einer Strat- oder Tele-Spule. Die Wicklung ist breiter und flacher aufgebaut, zusätzlich sitzen die Magnete unter der Spule statt direkt in ihr.

Dadurch entsteht eine andere Magnetfeldgeometrie und eine andere Induktivität. Das Ergebnis liegt technisch und klanglich zwischen klassischen Single-Coils und Humbuckern.

Der P90 zeigt hervorragend, wie stark die Bauform eines Tonabnehmers das spätere Ergebnis beeinflussen kann.

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Die unsichtbaren Mitspieler

Selbst der beste Tonabnehmer arbeitet nicht allein. Potentiometer, Schalter, Kabel und Tone-Potis beeinflussen das Signal ebenfalls. Besonders die Kapazität des Gitarrenkabels wirkt direkt auf die Resonanzfrequenz des Pickups.

Deshalb kann dieselbe Gitarre über verschiedene Kabel durchaus unterschiedlich klingen. Auch der Wechsel von 250-kOhm- auf 500-kOhm-Potis verändert das Verhalten eines Tonabnehmers messbar.

Fazit

Tonabnehmer verstehen bedeutet zu verstehen, dass sie weit mehr als Magneten mit etwas Kupferdraht sind. Ihr Klang entsteht durch das Zusammenspiel von Magnetmaterial, Wicklung, Spulengeometrie und angeschlossener Elektronik.

Wer diese Zusammenhänge versteht, erkennt schnell: Der Klang eines Pickups ist kein Mysterium und keine Magie. Es ist angewandte Physik

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