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 ·  Quelle: Norbert Weitz

Warum immer in die Ferne schweifen, wenn auch hier bei uns in Deutschland spannende Do-It-Yourself-Projekte passieren? Gearnews-Leser Norbert verwendet für seine Gitarren nicht nur Epoxidharz und eigens hergestellte gestockte Birke, er wagt sich sogar an den lebensgefährlichen Lichtenberg-Brennvorgang.

Wie alles begann …

Norbert ist 63 Jahre alt und von Beruf Lehrer und IT-Fachmann. Seit über 40 Jahren ist Holz sein Hobby. Lange Zeit hat er Möbel nach seinen Vorstellungen gebaut, praktisch seine ganze Einrichtung. Durch YouTube-Videos stieß er auf die Möglichkeiten, die sich aus der Kombination seines liebsten Werkstoffs und Epoxidharz ergeben und war sofort fasziniert. Zunächst entstanden weitere Möbelstücke.

Sein zweites Hobby ist Gitarre spielen. Der Schritt, sich ein Instrument selbst zu bauen, war einerseits also naheliegend, aber andererseits gefühlt unendlich weit weg, da er nicht das spezielle Know-how eines Gitarrenbauers besaß. Doch nachdem er sah, dass sich andere Leute einfach an so was heranwagen, dachte er sich: „Was hast du zu verlieren?

Sanfter Einstieg

Für Novizen im Gitarrenbau stellt besonders die Fertigung eines Halses und dessen korrekte Bundierung eine große Herausforderung dar. So wundert es nicht, dass Norbert sich vorerst auf den Bau eines Korpus beschränkte und den Rest vom Gitarrenbauer anfertigen ließ. Das Ergebnis ist dieser blaue Traum:

Gestockte Birke aus eigener Herstellung

Ein besonderes Merkmal kam durch Zufall zustande. Das verwendete Holz stammt von einer Birke, die er vor 10 Jahren gefällt hatte. Der Stamm wurde als Ganzes (ohne ihn aufzusägen) gelagert, wodurch es zu einem Pilzbefall kam. Man spricht von gestocktem Holz, auch Spalted Wood genannt. Im Querschnitt verarbeitet und im Zusammenspiel mit Epoxidharz entstand so eine einmalige Färbung und Schattierung.

Lichtenberg-Brennvorgang

Ab dem zweiten Instrument übernahm Norbert immer mehr Aufgaben selbst, bis schließlich nicht nur komplette Gitarren in Eigenregie entstanden, sondern er sogar mit Headless-Designs und dem höchst gefährlichen Lichtenberg-Brennvorgang experimentierte, bei dem lebensgefährliche Ströme durch das Holz gejagt werden. Alle Achtung!

Bei der Hardware setzt er auf hochwertige Komponenten: Locking-Tuner von Gotoh und Schaller*, Edelstahlbünde, Tonabnehmer von Seymour Duncan, Lollar (Imperial Set GO*) oder Noiseless-Pickups von Fender. Und was kommt als nächstes? Einen konkreten Fahrplan gibt es nicht. Weitere Möbel werden auf jeden Fall entstehen, Gitarren vielleicht auch. Das hängt auch davon ab, ob Norbert neue inspirierenden und herausfordernde Ideen hat.

Nachahmen empfohlen?

Potentiellen Nachahmern kann er aus seinen Erfahrungen eine Sache mit auf den Weg geben: Die Frusttoleranz sollte möglichst groß sein. „Je weniger Erfahrung man hat, umso mehr kann man lernen, aber nur mit Durchhaltevermögen. Wenn die Begeisterung groß genug ist, kann man viel erreichen.“

Falls euch Norberts Gitarren gefallen oder ihr eigene Erfahrungen mit Epoxidharz oder dem Lichtenberg-Verfahren gemacht habt, hinterlasst uns gern einen Kommentar.

Video

5 Antworten zu “High Voltage: Gitarren mit Lichtenberg-Brennvorgang”

  1. Jan sagt:

    Sieht megaaa cool aus. Habt ihr mehr infos über Norbert bzw was er sonst noch so gemacht hat?
    Gibt es die Blue Dream zu kaufen?

    • stephan sagt:

      Hallo Jan, schön, dass es dir gefällt! Norbert hat leider weder eine Webseite noch ist er in einem Forum unterwegs. Gern kannst / könnt ihr Leser versuchen ihn beispielsweise zu einem Forum-Beitrag zu überreden, um einen Austausch zu erzeugen. Den Rest muss dir Norbert selbst beantworten. Viele Grüße!

    • Norbert sagt:

      Hallo Jan,
      schön, dass dir die Gitarren gefallen. Die Gitarren verkaufe ich nicht, aber der gelbe (goldene) und der rote Gitarrenbody sind noch zu verkaufen. Man kann eine Gitarre nach seinen Wünschen (bzgl. Hals, Tonabnehmer, . . . ) bauen oder bauen lassen.
      LG Norbert

  2. Klaus sagt:

    … Beim Nachmachen sollte man sich darüber im Klaren sein, dass Epoxid-Harz beim Verarbeiten eine ziemlich giftige Angelegenheit ist und man auch beim Schleifen höllisch aufpassen muss, den Staub nicht einzuatmen.
    Die gebrannte Gitarren gefallen mir im Übrigen deutlich besser als die gegossenen. Sehr geil 👍

    • Norbert Weitz sagt:

      Hallo Klaus
      Vielen Dank für deine Hinweise.
      Epoxidharz ist während der Verarbeitung (d.h. die Einzelkomponenten und das nicht ausgehärtete Material) giftig.
      Deshalb sind Spezialhandschuhe, Schutzbrille und Atemschutz notwendig. Auf die Gefahr beim Schleifen hast du schon hingewiesen.
      Auch das Arbeiten im Hochvoltbereich ist sehr gefährlich. Auch hier gelten strengste Sicherheitsmaßnahmen, über die sich jeder selbst informieren muss.
      Das gleiche gilt auch für das Arbeiten mit gestocktem Holz, das zu gesundheitlichen Beeinträchtigungen führen kann.
      LG Norbert

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