Deine Gitarre rauscht und brummt? Mit diesen 7 Tricks in der Nachbearbeitung löst du das Problem!
Endlich rauschfrei rocken
Eines der größten Probleme bei Gitarrenaufnahmen: die Gitarre rauscht und brummt. Wir hatten uns schon ausgiebig mit de Thematik „Störgeräusche“ beschäftigt, aber viel wichtiger als die Ursachenforschung ist doch die Behebung! Sprich, du hast Gitarrenspuren, in denen das Rauschen und Brummen deutlich zu hören ist. Was kann man tun?
Das Wichtigste in Kürze
- Wenn die Gitarre rauscht, checkst du zuerst die DI-Spur ohne Plugins. Klingt sie sauber, suchst du den Fehler in der Plugin-Kette.
- Die wirksamste Maßnahme ist das Editing: Schneide alle Stellen heraus, an denen die Gitarre nicht spielt, und füge jedem Clip Fades hinzu.
- Das Noise Gate gehört vor das Amp-Plugin oder wird per Sidechain vom trockenen Signal gesteuert.
- Gegen Netzbrummen helfen schmale EQ-Absenkungen bei 50 Hz und den Obertönen.
- Denoiser wie iZotope RX oder die Acon Restoration Suite 2 sind der letzte Schritt vor einer neuen Aufnahme.
Die Gitarre rauscht und brummt: Warum ist das so?
Genau genommen rauscht ja nicht die Gitarre selbst, sondern das Signal, das du hörst. Und hier gibt es, wie mein Kollege Jan schon vor einigen Jahren gezeigt hat, eine Vielzahl an Einflüssen auf dem Weg von Pickup bis DAW. Schauen wir uns kurz die wichtigsten an, und die Möglichkeiten, dass Rauschen und Brummen gar nicht erst aufkommt.
- Singlecoil: Spielst du auf einem Singlecoil, dann kann es in sehr vielen Fällen sein, dass du gegen das Brummen im Signal nicht viel tun kannst. Viele nutzen hier ein Noise Gate, um zumindest auf der Bühne dem Geräusch Herr zu werden. Denn es stört ja eigentlich nur, wenn die Gitarre schweigt.
- Elektronik. Es braucht nicht viel, damit es in der eng zusammengepferchten Elektronik um die Pickups herum unter dem Pickguard zu Einstreuungen kommt. Hier kann ein Setup oder zumindest ein Durchtesten des Signalwegs viel ausmachen.
- Kabel. Zu schlechte Kabel, zu lange Kabel, zu schlecht abgeschirmte Kabel, defekte Patch-Kabel auf dem Board, lockere Anschlüsse: Die Anzahl der Fehlerquellen für Rauschen oder Brummen ist beim Thema Kabel hoch. Sind die Fehlerquellen bei der Gitarre selbst ausgeschlossen, heißt es Kabel tauschen.
- Audiointerface. Ein Beispiel aus meiner Aufnahmepraxis bei Demos: Ich hatte mir das Nux Mighty Plug Pro zum Jammen zu Hause und für schnelle Demoaufnahmen besorgt und es dröhnte und rauschte fürchterlich, sobald es am Rechner angeschlossen war – bis ich das Netzteil meines Laptops entfernt habe. Auch kann es passieren, dass das Gain am Interface zu hochgedreht ist, und so das Grundrauschen der Gitarren zu sehr verstärkt wird.
Diese Fehlerquellen sind nur die wichtigsten Stellen, an denen du schauen kannst, wenn es heißt: die Gitarre rauscht, wie kann ich das Rauschen entfernen. Denn für alle Tipps zum Thema gilt: Viel besser und oft schneller ist es, von vornherein die Signalkette durchzugehen.
Es kann aber auch einfach sein, dass die Gitarristin im wohlverdienten Urlaub ist, du als Mixing Engineer gar keine Möglichkeiten mehr hast, die Gitarre neu aufzunehmen oder die Energie einfach nicht mehr da ist in der Band. Dann hat man, was man hat. Hoffentlich auch eine DI-Spur.
Tipp 1: Check die DI-Spur
Denn wenn die Gitarre rauscht, dann im Idealfall nur dann auffällig, wenn die Plugins in der DAW alle aktiv sind. Sprich, der erste Check im Song-Projekt deiner DAW sollte in die Gitarrenspuren gehen und dort dann zum trockenen Signal.
Ist das Rauschen kaum bis gar nicht zu hören, wenn die Plugins alle deaktiviert sind, dann hast du sehr viele Möglichkeiten, das Problem zu lösen. Dann aktivierst du einfach von vorne nach hinten in der Signalkette ein Plugin nach dem anderen.
Tipp 2: Werde zum Edi-Tier
Einfach gesagt: Lösche alle Stellen in der Aufnahme, wo die Gitarre nicht spielt. Weil nur da ist das Rauschen am deutlichsten zu hören, ganz ohne Gitarre. Sprich, man geht in der DAW in der Spur an jede Stelle, wo keine Gitarre spielt, die Aufnahme aber weiterlief. Und löscht sie.
Gerade, wenn man Gitarren doppelt, kann nämlich sonst allein, weil man drei, vier, fünf Gitarrenspuren schichtet, bei nicht editierten Spuren schnell auch das Rauschen und Brummen in der vermeintlichen Stille zu hören sein.
Hier kommt es sehr auf das Genre und den Spielstil an, wie man editiert. Da gibt es knallhartes Abschneiden und Geraderücken im Metalcore à la Architects. Da gibt es aber auch sehr großzügiges Schneiden mit längeren Fade-outs bei filigranem Fingerpicking oder ewig ausklingenden Jazz-Akkorden.
Auch und vielleicht sogar gerade beim straffen Metal-Edit sind kleine Fade-ins und Fade-outs an jedem Clip Pflicht, sonst knackt’s.
Tipp 3: Noise Gate (mit Sidechain)
Wer faul ist, nutzt ein Noise Gate. Das, einmal richtig eingestellt, macht automatisch das, was Tipp 2 noch als mühsame Handarbeit beschrieben hat. Fast jede heutige DAW bringt ein Noise Gate Plugin mit, auch viele Gitarren-Plugins wie die Amplitube, TONEX oder die Plugins von Neural DSP haben eins integriert.

Der Threshold bestimmt die Lautstärke, aber der sich das „Geräuschtor“, wie Noise Gate auf deutsch heißen würde, öffnet, alles darunter (hoffentlich nur das Rauschen und Brummen), wird nicht durchgelassen. Setze den Attack möglichst schnell, damit Akkordanschläge auch voll durchkommen. Hold und Release sollten eher längere Zeiten bekommen, damit Noten und Akkorde auch ausklingen können.
Idealerweise sitzt das Noise Gate in der Signalkette VOR dem Amp-Plugin (falls ihr so arbeitet). Denn nur so kann es auch auf die Spieldynamik des Originalsignals reagieren. Auch möglich: Noise Gate hinter dem Amp-Plugin, aber per Sidechain auf das trockene Signal vor dem Amp-Plugin reagierend. So wird alles verzerrt, die stillen, rauschen Parts aber entfernt. Deine Gitarre rauscht immer noch? Dann lies weiter!
Tipp 4: EQ und Filter
Per EQ oder Filter in Gitarrenaufnahmen einzugreifen, wenn die Gitarre rauscht, kann der Heilsbringer sein – wenn man vorsichtig vorgeht. So kann man dem gefürchteten Netzbrummen gerade bei sehr leisen Single-Note-Passagen mit gezielten, schmalen Absenkungen bei 50 Hz (und den Obertönen bei 100 Hz, 150, 200 und 300 Hz) gut etwas entgegensetzen.
Beim Rauschen und Nebengeräuschen kann man mit einem Low-Cut unter 80 Hz zumindest die niedrigen Frequenzen oft gut entfernen, ohne das sich am Signal klanglich viel ändert (genreabhängig!).
In den Höhen wird es schwieriger. Hier mit einem Low-Pass-Filter regelrecht anzuschneiden, kann das Solo unschön dumpf klingen lassen. Ein High-Shelf-Filter mit leichter Absenkung über 5 kHz kann da manchmal schon vollkommen ausreichen, wenn es das Arrangement zulässt.
Mehr Tipps für diesen Bereich findest du dazu in unserem Workshop zum Thema.
Tipp 5: Resonanz-Dämpfer à la Soothe
Spektrale Bearbeiter wie Soothe 3 oder Fabfilter Pro-Q 4* haben in den letzten Jahren gezeigt, wie chirurgisch man mittlerweile in Audiosignale eingreifen kann, ohne dass der Eingriff hörbar ist. Hier kannst du mit etwas Übung sehr viele Nebengeräusche gut entfernen.
Aber auch hier gilt: Die Dosis macht das Gift! Denn zu starke Eingriffe dieser Spektralbearbeiter können das Gitarrensignal unsauber und schwammig klingen lassen. Dem wunderschönen Bluesriff geht dann jedes Flair verloren.
Tipp 6: Gitarre rauscht? Denoiser-Tools nutzen!
Wenn alle Tipps bis hierhin nicht das gewünschte Ergebnis bringen und man wirklich gar keine Option hat, die Gitarrenaufnahme noch einmal zu machen, dann müssen mächtige Denoising-Tools ran. Hier ist iZotope RX das Flaggschiff. Schon in der Elements-Version* gibt es das „De-Hum“-Tool, falls es nur um das Entfernen von Netzbrummen geht.
Falls die Gitarre rauscht und kratzt und mehr im Signal los ist, gibt es bei iZotope RX Standard* das speziell darauf zugeschnittene Tool „Guitar De-Noise“. Auch mit Steinberg SpectraLayers* bekommt man einige sehr mächtige Spektralwerkzeuge, um Gitarrensignale zu „heilen“.
Preisgünstiger, aber mit etwas Einarbeitung unter Umständen auch genauso effektiv, ist da noch die Acon Restoration Suite 2*. Auch Klevgrand Brusfri* kann hier das richtige Tool sein. Testet ausgiebig mit Demos!
Tipp 7: Audio to MIDI to Sampler
Wenn die Gitarre rauscht selbst nach all diesen Schritten, auch mit Editing-Tricks nichts mehr zu machen ist, wo man sauber klingende Parts heraustrennt, sie hoch- oder runterpitcht und dann an die verrauschten Stellen setzt (alles schon in den kommerziellsten Produktionen gesehen), dann gibt es eventuell nur noch eine Möglichkeit: Audio to MIDI.
Sprich, man wandelt das Gitarrenlick in MIDI-Noten um, entweder per Hand oder per DAW, sucht sich ein Gitarren-Sampler-Plugin und versucht dann, dem Timing des Originals möglichst nahezukommen. Und wer hier jetzt vielleicht die Nase rümpft, dem sei gesagt: Schaut mal bei den Session-Guitarrist-Instrumenten von NI für cleane Gitarre oder bei Metal-Gitarren-Samplern wie Odin III von Solemn Tones rein. Klanglich kommt man hier einer gespielten Gitarre oft erstaunlich nahe.
Fazit: Die Gitarre rauscht … nicht mehr?
Nach diesen sieben Tipps merkst du vielleicht, wie wichtig es ist, schon bei der Aufnahme darauf zu hören, ob die Gitarre rauscht.
Jetzt seid ihr gefragt, liebe Leserschaft: welche Lösungen habt ihr parat für das Problem? Also für den Fall, dass eine neue Aufnahme nicht möglich ist? Was macht ihr in der DAW?
Schreibt es uns in den Kommentaren!
Warum rauscht meine Gitarre in der DAW?
Meist verstärkt ein Amp-Plugin oder ein zu hoch eingestellter Interface-Gain das Grundrauschen der Gitarre. Weitere Ursachen können Singlecoils, Einstreuungen in der Elektronik, schlechte Kabel oder das Laptop-Netzteil zu nah am Audiointerface sein.
Wie kann ich Rauschen aus einer Gitarrenspur entfernen?
Schneide zuerst die Pausen heraus, dann folgen Noise Gate und EQ. Reicht das nicht, helfen Denoiser-Plugins, die das Rauschen gezielt herausrechnen.
Welche Frequenzen muss ich gegen Netzbrummen absenken?
Du senkst schmal bei 50 Hz ab und zusätzlich bei den Obertönen 100, 150, 200, 250 Hz und so weiter.
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