Boom Bap Beats wie in den 90ern: Was brauchst du dafür?
Gear und Software für Beats im Stil von DJ Premier, Peter Rock und Alchemist
Das „Comeback“ der 1990er macht sich in vielen Bereichen bemerkbar. Neben Mode gehört da natürlich auch Musik zu. Im Hip-Hop dominierte zu dieser Zeit (neben G-Funk) Boom Bap die Szene. Wir zeigen dir heutiges Equipment, Plugins und weitere Zutaten für authentisch klingenden Boom Bap.
Inhalt:
Boom Bap Beats wie in den 90ern
In den späten 1980ern und in den 1990ern war der „Golden Era“-Sound des Boom Bap im Hip-Hop überall zu hören. Der Name leitet sich von den markanten Drum-Sounds ab – dem satten „Boom“ der Kick und dem knackigen „Bap“ der Snare – wohlgemerkt ohne den typischen 808-Bass, der heute den Sound bestimmt.
Stattdessen sind gesampelte Drum-Loops und weitere Elemente von Soul-, Funk- oder Jazz-Platten charakteristisch, der Klang kommt dabei oft etwas roh und grobkörnig rüber. Produzenten wie DJ Premier, Pete Rock, J Dilla, The Alchemist oder KRS-One haben diesen Sound entscheidend geprägt – der Name geht der Legende nach auch auf den Titel „Return of the Boom Bap“ von KRS-One zurück.
Heute wird dieser Hip-Hop-Stil zunehmend wiederentdeckt und von immer mehr Producern aufgegriffen. In dem Sinne können wir also wieder von einer „Rückkehr des Boom Bap“ sprechen. Und genau aus diesem Grund gehen wir in in dem folgenden Artikel ein bisschen auf Produktionsmittel ein, mit denen du heute diesen Sound hinbekommst.
Wir stellen dir Gear vor, das sich aus unserer Sicht perfekt für die Produktion von Boom Bap Beats eignet. Die Vorschläge sind wie immer nicht als ein „so-muss-das“ zu verstehen sein, sondern dienen vielmehr als Anregung – deshalb erwähnen wir auch ein paar Alternativen – speziell wenn es um die Wahl des Samplers geht.
Denn Boom Bap lebt von Samples, also ist es naheliegend, dass die Empfehlungen mit einem Sampler beginnen. Dass du eine DAW zum Aufnehmen und Abmischen besitzt, setzen wir einfach mal voraus.
AKAI MPC Key 37: Drum-Sampler und Keyboard vereint
Boom Bap Beats werden von Samples und damit dem Sound von Samplern dominiert – dabei spielten ursprünglich drei Gerätschaften eine besondere Rolle.

Am prominentesten sind die Drum-Sampler AKAI MPC und E-mu SP-1200. Speziell die MPC 2000XL und die MPC 3000 lieferten in den 1990ern einen wesentlichen Beitrag zu dem markanten Hip-Hop-Stil. Ebenso die berühmte SP-1200 – die ähnlich wie der AKAI S950 einen „crunchigen“ 12-Bit-Sound abliefert. Im Vergleich zu heutigen Groove-Boxen und Samplern sind diese Geräte noch ziemlich rudimentär, genau das macht aber auch ihren besonderen Charme aus.
Die genannten Sampler sind heute natürlich nur noch gebraucht zu haben, die MPC 3000 und SP-1200 sind zudem extrem kostspielig und nur schwer zu bekommen. Wer nicht 4000 Euro und mehr auf den Tisch legen will und einen modernen Workflow bevorzugt, greift auf heutige Alternativen zurück. Die SP-1200 gibt‘s als ebenfalls teuere Neuauflage, der moderne ISLA Instruments S2400 Nachbau ist aktuell wieder schwer zu bekommen und kostet auch relativ viel Geld. Eine günstige Plugin-Alternative gibt‘s wohlgemerkt mit dem RX1200 Plugin*.
Wir möchten aber etwas anderes vorschlagen, denn die AKAI MPC ist immer noch quicklebendig und tführt mit neuen Modellen das Erbe fort. Brandneu ist die MPC Live, mit der MPC Key 37 bekommst du aber eine Variante, die für Boom Bap Beats alles Wichtige mitbringt und sogar gleich ein Keyboard mit 37 Tasten integriert hat.
Das Standalone-Gerät verfügt genau wie die alten MPCs über 16 Pads, die auf den Anschlag reagieren und hier sogar eine RGB-Hintergrundbeleuchtung bieten. Im Gegensatz zu den Originalen ist hier alles neu und auf einem modernen Stand. Dazu zählen ein farbiges 7-Zoll-Multi-Touch-Display, vier Q-Link Encoder, WLAN- und Bluetooth-Support, acht CV/Gate Ausgänge (für Anbindungen an einen Modular-Synthesizer), ein 32 GB großer interner Speicher, SD-Card Slot, zwei USB-Anschlüsse, jede Menge Effekte und ein ganzer Stapel von vorab installierten Sounds.
Mittlerweile gibt es auch eine neue G2-Version, die mit einem neuen Prozessor, der vierfachen Rechenleistung, doppelt so viel RAM (4 GB) und einen 64 GB umfassenden internen Speicher die Leistung kräftig ausbaut. Bis zu 32 Plugin-Instanzen und 16 Stereo-Audiospuren lassen sich so mit dem Standalone-Sampler stemmen.
Zudem sind einige starke OS-Updates für die MPC-Reihe erschienen, die ebenfalls für etliche Optimierungen und einige neue Funktionen sorgen. In diesem Artikel findest du dazu mehr Infos.
Mit der MPC-DAW betreibst du modernes MIDI- und Audio-Recording, du kannst mit MPC Key 37 also bereits komplette Tracks erstellen. Wenn du vergleichbare Funktionen suchst, aber auf ein Keyboard verzichten kannst, ist die oben im Bild zu sehende MPC One+* eine gute Alternative.
AKAI MPC Key 37 und MPC Key 37 G2 bekommst du hier bei Thomann*. Und noch ein kleiner Tipp: Mit der kostenlosen MPC Beats DAW kannst du den Workflow der modernen MPCs kennenlernen – vielleicht kommst du ja auf den Geschmack.
Plugin(s) für den Sound von Boom Bap Beats
Kommen wir nun zu Plugins, die dabei helfen, dem Sound die richtige klangliche Patina zu verpassen. Diese Plugins haben gemeinsam, dass es um das Bearbeiten der Samples, Beats oder dem gesamtem Mix geht. Denn für einen amtlichen Boom Bap Beat wie in der Golden Era muss der Sound ein bisschen „Crunch“ und Klangfarbe verpasst bekommen.
Dabei geht es um ein bisschen Schmutz oder einen 12-Bit-Charakter. Die Wandler von einigen früheren Samplern hatten nämlich noch nicht so eine hohe Auflösung wie das heute der Standard ist. Und auch die Sample-Zeit war auf nur wenige Sekunden begrenzt. Die Producer nutzen deshalb Tricks und spielten die Platten beim Sampling mit 45 RPM statt 33 RPM ab. Im Sampler selbst wurde die Aufnahme dann wieder nach unten transponiert – also langsamer abgespielt. In Kombination mit der etwas geringeren Auflösung ergab sich so dieser ganz spezielle „körnige“ Klangcharakter.
Diesen Trick kannst du heute natürlich auch in der DAW nachbilden, es gibt aber auch Plugins, die speziell dafür entwickelt wurden, um einzelnen Spuren, Samples oder dem Mix eine gewisse Vintage-Patina zu verpassen.
Eines der besten Tools in dieser Hinsicht – und schon lange kein Geheimtipp mehr – ist Decimort 2 von der D16 Group. Hierbei handelt es sich um einen sogenannten Bitcrusher, der das Verhalten von unterschiedlichen Wandlern und ebenso Preamps und Filtern von Vintage-Samplern und anderen digitalen Gerätschaften emuliert.
Decimort 2 bietet dir in der riesigen Preset-Auswahl bereits sämtliche berühmte Sampler als Vorlage an, mit den vielen Parametern kannst du den Sound aber auch nach deinem Gusto verbiegen. Für authentischen Boom Bap können wir dieses Plugin nur empfehlen! Bekommst du auch hier bei Thomann*.
Nun ein paar weitere Plugins, die vielleicht nicht als Alternative, sondern vielmehr als Ergänzung zu sehen sind. Fangen wir mit dem kostenlosen iZotope Vinyl an – damit zauberst du Schallplatten-Geknister auf deine Spuren.
AIR Music Technology Fly Tape II* läuft in der DAW aber auch direkt auf den oben genannten Standalone-MPCs und sorgt für einen Tape-Sound mit viel Charakter. XLN Audio RC-20 Retro Color* ist recht kostspielig, aber ein „Experte“ für alle möglichen Klangverfärbungen von Vinyl über Bandmaschinen bis zu VHS-Recordern. Und nicht vergessen – die meisten DAWs bieten ebenfalls schon Tools für Bitreduktion und vergleichbare FX – auch wenn diese eher nicht so umfangreich ausgestattet wie ein darauf spezialisiertes Plugin sind.
Samples und Loops für Boom Bap Beats
Kommen wir zu einem weiteren Essential: Boom Bap Beats der 1990er bestehen aus jeder Menge Samples von alten Platten und dazu diversen Scratch-Einlagen.
Besonders das Sampling ist heute aber rechtlich sehr bedenklich – besonders, wenn du mit deinen Beats auf Streaming-Diensten landen willst. Das kann sehr teuer werden oder Gerichtsverfahren nach sich ziehen, deshalb möchten wir nicht empfehlen, so zu arbeiten. Wenn du die Beats nur für dich zum Spaß machst und diese nur mit deinen Freunden teilst, ist natürlich nichts dagegen einzuwenden. Ganz im Gegenteil, denn eine Sampling-Session mit alten Vinyl-Scheiben ist sehr inspirierend.
Mit Websites wie Tracklib gibt es mittlerweile ja Anbieter, die sich auf Musikpassagen von bekannten Artists spezialisiert haben und damit eine moderne Art von Sampling anbieten. Dabei geht es vor allem auch um die Lizenzierung und den legalen Einsatz von Samples. Aber selbst dieser Weg ist relativ aufwendig und definitiv mit Kosten verbunden. Wie hoch diese ausfallen, hängt von der Anzahl der benutzten Samples ab und ebenso von den Artists.
Interessant ist dieser Ansatz auf jeden Fall, deshalb muss Tracklib einfach erwähnt werden. Hier ein schönes Video mit Bob James, einem der am meisten gesampelten Künstler überhaupt:
Beatmaking mit lizenzfreien Samples ist dagegen ziemlich „safe“ und durchaus auch sehr kreativ. Besonders, wenn du die Loops und Breaks wieder in einzelne Parts zerlegst und neu zusammensetzt – so wie Mark Ronson das in dem Video weiter oben demonstriert. Letztendlich darfst du nicht vergessen, dass viele Classics auch nur aus den immer wieder gleichen Breaks bestehen. Und diesen Sound fangen heutige Sample-Librarys ganz locker ein.
Es gibt haufenweise Samples und Loops, eine gute Anlaufstelle ist zum Beispiel die Website Loopmasters*. Hier lohnt es sich durchaus, auch mal in den anderen Genres zu stöbern, um Sounds etwas „abseits“ der typischen Funk- und Soul-Schubladen zu finden. Das Stöbern auf so einer Website ist vielleicht nicht mit dem Diggen nach Samples auf alten Schallplatten zu vergleichen, erspart dir aber auch viel Arbeit und mit kreativem Flippen der Samples kommen auf jeden Fall auch klasse Ergebnisse heraus.
Hier bei Thomann* findest du eine Reihe von Sound-Librarys, die sogar speziell auf die neuen MPC-Modelle zugeschnitten sind. Darunter sind auch ein paar Toolkits und Expansions*, die dir direkt passende Sounds für deine Beats liefern. Interessant ist auch die Vinyl Breaks From Mars Sammlung und ein „Geheimtipp“ sind die Breaks und Librarys von Pat Van Dyke.
Turntable (mit DVS) und Mixer für zusätzliche Scratches

Ein Plattenspieler und ein DJ-Mixer sind absolut kein Muss für Boom Bap Beats, auch wenn das in den 1990ern mit Sicherheit anders gesehen wurde. Das Sampeln von Passagen auf einer Vinyl-Platte ist natürlich immer noch ein riesiger Spaß und eine Praxis, die heute aber allenfalls noch im Underground oder im Privaten stattfindet. Oder wenn du es dir erlauben kannst, Geld und Aufwand für eine Lizenzierung aufzubringen. Wir sind ja gerade bereits kurz auf diese Aspekte eingegangen.
Aber auf vielen Klassikern des Boom Bap gibt es neben den Samples auch ganz viele Scratch-Passagen zu hören. Wer muss da nicht sofort an jemanden wie DJ Premier denken?
Mit dem Scratching kommt sogar noch ein weiteres Skill-Level ind Spiel. Denn dahinter verbirgt sich eine ganze Kunstform, die viel Übung erfordert. Wahre Meister beherrschen also nicht nur das Beatmaking, sondern ebenso das Performen an den Turntables.
Vielleicht kommst du ja aber schon genau aus dieser „Ecke“ und hast ein dafür geeignetes Equipment bei dir stehen. Dann ist für dich vielleicht nur der Hinweis wichtig, dass auch Scratch-Passagen im Beat durchaus rechtlich problematisch sein könnten.
Einfache Baby-Scratches von einzelnen Drum-Sounds sind hingegen eher schwierig zu identifizieren. Außerdem sind diese auch für Einsteiger schnell umsetzbar und können durchaus schon einen Beat aufwerten.
Und genau aus diesen Gründen sind mindestens ein Turntable und ein passender DJ-Mixer vielleicht doch einen Blick wert. Wir machen hier auch keine halben Sachen und schlagen direkt den großen Klassiker von Technics vor. Gemeint ist der Technics SL-1200, den es aktuell in der MK7-Variante gibt. Mit dem SL-1210MKX wurde vor ein paar Tagen erst das neueste Flagship-Modell davon vorgestellt.
Ein Technics mit dem geeigneten Tonabnehmersystem und der passenden Nadel – siehe Ortofon VNL* – ist quasi schon die halbe Miete. Für richtig coole Cuts und Scratch-Performances ist ein Battler-Mixer genau richtig und die Basis für ein kleines DJ-Setup. Ein paar aktuelle Empfehlungen stellen wir in diesem Artikel vor.
Über „DVS“ bekommst du die Möglichkeit, digitale Tracks von deinem Rechner direkt über den Turntable mit speziellen Vinyl-Scheiben zu spielen, zu mixen und zu scratchen. Einige Battle-Mixer wie der Numark SCRATCH* bringen dafür alles von Haus aus mit.
Du kannst aber auch die meisten Turntable- und Mixer-Setups mit einem Interface wie Reloop Flux* ergänzen, um dann ebenso Serato DJ Pro und das Serato DVS Plugin nutzen zu können und die Lizenzen dafür gleich freizuschalten.
Warum ist DVS für Boom Bap Beats so interessant? Dass Scratches hier eine nicht unwesentliche Rolle spielen können, haben wir ja bereits erwähnt. Und mit einem „Digital Vinyl System“ (dafür steht die Abkürzung) ist es eben unkompliziert, deine eigenen Sounds oder Samples direkt über die Platte scratchen zu können, ohne diese extra auf Vinyl schneiden oder pressen zu müssen.
Aber wie bereits gesagt: Das hier ist nur ein Vorschlag für das „Sahnehäubchen“. Eine Alternative können nämlich auch hier passende Samples sein, die du dann passend zum Beat editierst. Hier bei Loopcloud* findest du solche Sounds.
Fazit
Für Boom Bap Beats im Stil der 1990er brauchst du eigentlich nicht viel. Theoretisch bekommst du diesen Sound heute komplett in der DAW hin, für ein authentisches Feeling sorgt aber ein Sampler wie die MPC. Dafür passt eine MPC Key 37 (G2) oder eine MPC One+ als Alternative ohne Keyboard. Um deinem Sound den typischen Vintage-Charakter zu verpassen, eignen sich Bitcrusher- und Textur-Plugins wie D16 Group Decimort 2 hervorragend. Und wer Breaks zerlegen will, ohne dabei Copyrights zu verletzen, benutzt lizenzfreie Sample-Packs. Wer die Beats noch mit ein paar Scratches garnieren möchte, liebäugelt mit einem Turntable wie dem berühmten Technics SL-1200, einem Battle-Mixer und einem DVS-System.
Weitere Infos zum Thema
- Die besten Sampler für Produktion und Performance
- Die besten Grooveboxen und Sampler für unterwegs
- Battle-Mixer für DJs
*Hinweis: Dieser Artikel enthält Werbelinks, die uns bei der Finanzierung unserer Seite helfen. Keine Sorge: Der Preis für euch bleibt immer gleich! Wenn ihr etwas über diese Links kauft, erhalten wir eine kleine Provision. Danke für eure Unterstützung!


