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Angecheckt: Orange Bass Butler

 ·  Quelle: Orange

Der Orange Bass Butler sorgte auf der diesjährigen NAMM für großen Wirbel unter den Tieftönern. Er folgt einem Konzept, das von den Basslegeden des Rock schon seit den 1960er Jahren praktiziert wird: Bi-Amping. Das Pedal verbindet cleanes Lo-End (und ein sattes Pfund Kompression) mit dem verzerrten Hi-End eines Gitarrenverstärkers. Das Ergebnis ist ein deftiger Rocksound in einem einzigen Pedal. Doch wie schlägt es sich im Vergleich mit der Konkurrenz?

Die Suche nach dem perfekten Rocksound

Was haben Basslegenden wie John Entwistle (The Who), Chris Squier (YES), Geddy Lee (Rush), Billy Sheehan (Mr. Big) und Doug Pinnick (King’s X) gemeinsam? Sie alle praktizieren seit Jahrzehnten das Prinzip der Signalaufteilung. Was früher ein aufwändiges, schweres und kostenintensives Unterfangen war, entwickelt sich seit wenigen Jahren zu einem neuen Trend in der Basswelt. Langsam, aber sicher werden die Blend-Regler der Bassverzerrer abgelöst und gegen Crossover-Pedale eingetauscht.

Auch ich bin seit Jahren auf der Suche nach einem dicken Rocksound, der trotz satter Distortion noch fett bleibt und sich im Bandgefüge durchsetzten kann. Nachdem ich endlich das Prinzip des Bi-Ampings entdeckt hatte, folgten aufwändige Experimente mit diversen Einzelgeräten. Doch glücklicherweise gibt inzwischen Preamps, die den umfangreichen Aufbau obsolet machen. Und so testete ich nach und nach fast alle verfügbaren Geräte dieser Klasse, bis ich beim Orange Bass Butler landete.

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Angecheckt: Orange Bass Butler

Dieses Pedal ist definitiv eine Erscheinung! Weil wir durch TC Electronic und Co. Minigehäuse fast schon als Standard eingetrichtert bekommen haben, wirkt der Bass Butler wie ein Relikt aus längst vergangener Zeit. Er ist groß, massiv und hat richtig Gewicht. Mich persönlich stört das nicht. Im Gegenteil, alles fühlt sich sehr hochwertig an. Doch fragt man sich natürlich, wie die Konkurrenz ihre Produkte in kompakterer Form verpacken kann. Auf jeden Fall mutiert der Butler sofort zum Vorzeigepanzer eines jeden Effektboards.

Da ich seit der NAMM bis zur Auslieferung des Pedals jedes auffindbare YouTube-Video gesehen hatte, brauchte ich die Bedienungsanleitung gar nicht erst auszupacken. Insgesamt ist die Klangformung wirklich intuitiv und geht leicht von der Hand. Richtig gut gefällt mir, dass der Kanal fürs Low End eine eigene Klangregelung hat. Die Klanggestaltung erweist sich trotz 2-Band EQ als überraschend flexibel und kann tatsächlich auch ohne den High-Channel gut genutzt werden. Ein Vorteil gegenüber manchem Konkurrent. Die Höhen sind zwar immer ein wenig beschnitten, doch ich bin ohnehin kein Fan britzeliger Crisp-Sounds.

Toller Zerrer, der auch natürlich kann

Während beispielsweise das Tech 21 DP-3X den Grundklang eures Instruments immer einen eigenen Stempel aufdrückt, könnt ihr mit dem Bass Butler viel besser die natürliche Stimme des jeweiligen Basses erhalten. Das ist definitiv ein Pluspunkt! Auch ist die Kompression feiner zu justieren und gefällt mir klanglich richtig gut. Das liegt vielleicht am größeren Headroom, denn das Gerät wird mit 18 V betrieben. Die auf den XLR-Ausgängen liegenden Lautsprechersimulationen haben bei mir zu keinem Zeitpunkt den Wunsch nach anderen IRs aufkommen lassen. Der Preamp mit seinem leckeren britischen Klangcharakter und zeigt sich deutlich flexibler als es die mäßigen NAMM-Demos vermuten ließen. Sehr gut!

 

Wunschlos glücklich?

Bei allem Spaß mit den wirklich guten Sounds habe ich dennoch Kleinigkeiten zu beanstanden. Die angesprochenen Punkte sind eher subjektiv und spielen möglicherweise keine Rolle für euch.

Die zwei 2 XLR-Ausgänge sind für die Anwendung im Studio wirklich toll! Oder wenn ihr einen festen FoH-Mischer habt, dem ihr wirklich vertraut. Für mich ist es jedoch in der Praxis so, dass ich in fremden Clubs einen möglichst fertigen Sound über ein einziges XLR-Kabel abgeben möchte. Das ist hier nicht ohne Zubehör möglich, hätte aber vielleicht mit einem internem DIP-Schalter gelöst werden können?

Auch hat der Preamp keinen Regler fürs Mastervolume. Wer seinen Sound einfach nur etwas leiser regeln möchte, muss beide Kanäle vorsichtig anpacken, um nicht den mühsam gebastelten Sound zu verändern. Das ist kein Problem, wenn ihr direkt in einen Bassverstärker geht, wohl aber, wenn ihr euch in eine Endstufe einklinkt. Davon abgesehen macht das Treterchen einen tollen Sound und ist mit der Konkurrenz absolut auf Augenhöhe. Auch im Test bei Bonedo gab es Bestnoten.

 

Alternativen

Neben den 19″- oder Desktop-Geräten gibt es inzwischen mehrere Preamps im Bodentreterformat, die mit dem Konzept der Signalaufteilung daherkommen. Darüber bin ich sehr, sehr froh! Die Funktionsweise ist bei allen etwas unterschiedlich, sodass ihr selbst entscheiden müsst, was für euch das Beste ist.

Gleich zwei Alternativen kommen aus dem Hause Tech 21: Das DP-3X, und der Geddy Lee YYZ Preamp*. Dough Pinnicks Signature Preamp ertönt alles andere als natürlich. Böse Zungen behaupten, durch ihn würde jeder Bass irgendwie gleich klingen. In der Praxis ist er flexibler als behauptet wird, aber längst nicht so wie der Butler. Dafür kann er einen wahrlich produktionsfertigen Sound aus den schlimmsten Übungskombos abliefern! Im Gegensatz zum Bass Butler ist der Comp sehr deftig und der Lo-Channel für sich allein fast nutzlos. Allerdings ist er super kompakt und hat sogar noch einen Tuner verbaut.

Der YYZ hat eine wunderbare Dynamik und kann wie kein Zweiter euren Jazz Bass richtig nach vorn bringen. Die Verzerrung klingt sehr musikalisch. Er kommt jedoch ganz ohne Kompression aus und bietet keinen XLR-Ausgang. Dafür würdet ihr also wieder ein weiteres Pedal benötigen.

Auch von Darkglass gibt es gleich drei Möglichkeiten: das Microtubes X*, Microtubes X7* und Microtubes X Ultra*. Ich muss gestehen, dass ich mir den Klang dieser Firma etwas überhört und deshalb die Geräte nicht getestet habe.

Falls ihr Erfahrungen mit diesen Geräten gemacht habt, teilt sie gern unseren Lesern und mir in den Kommentaren mit!

Weitere Informationen

Weitere interessante Produkte unserer „Angecheckt“-Reihe findet ihr hier. Ihr habt Vorschläge? Dann her damit!

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