von  Lasse Eilers  | |  Lesezeit: 8 Min
Access Virus Alternativen: Ist der Virus unersetzlich?

Access Virus Alternativen: Ist der Virus unersetzlich?  ·  Quelle: Access

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Der Access Virus wird seit zwei Jahren nicht mehr hergestellt – eine Ära virtuell-analoger Synthese ist zu Ende gegangen. Jahrzehntelang war der Virus eine feste Größe in den Studios und auf den Bühnen dieser Welt. Welche Alternativen zum Access Virus bieten sich nach dem Produktionsstopp des Klassikers an? Gibt es überhaupt Alternativen, die den Virus auch nur annähernd ersetzen können?

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Seit 1997 stand der Access Virus für leistungsstarke virtuell-analoge Synthese. Acht Jahre später hob der Virus TI das Konzept auf eine neue Stufe und erweiterte die klanglichen Möglichkeiten nochmals enorm. Jetzt bot der Virus nicht mehr nur virtuell-analoge Synthese, sondern auch Wavetables sowie Grain- und Formant-Oszillatoren. Hinzu kamen duale Multimode-Filter, drei LFOs, eine umfangreiche Modulationsmatrix, eine üppige Effektsektion und ein Arpeggiator. Bahnbrechend war damals außerdem die Möglichkeit, den Virus TI über ein Plugin nahtlos in die DAW zu integrieren. Da die USB-Schnittstelle auch Audio überträgt, kommt der Audio-Stream direkt im Plugin an und man kann den Hardware-Synthesizer auf Wunsch genau wie einen Software-Synth nutzen.

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Dieses Gesamtpaket ist bis heute ziemlich einzigartig. Deshalb gleich ein kleiner Disclaimer vorweg: Natürlich kann keine der im Folgenden gelisteten Alternativen jeden Sound und jede Funktion des Access Virus TI 1:1 ersetzen. Die bis zu 90-stimmige Polyphonie macht dem Virus TI keiner der hier aufgeführten Synthesizer nach, ebenso wenig wie den 16-fachen Multi-Mode, die über 3800 (!) Preset-Speicherplätze und natürlich die „Total Integration“. Aber alle diese Instrumente sind sehr vielseitige und gut klingende polyphone Synthesizer, die ein breites Klangspektrum abdecken können – vielleicht die größte Stärke des Virus und ein Grund für seine anhaltende Beliebtheit.

 

The Usual Suspects OsTIrus: Kostenlose Emulation des Access Virus als Plugin

Hinter The Usual Suspects verbirgt sich ein Team von Software-Tüftlern, die eine virtuelle Emulation der DSP563xx-Chips von Motorola entwickelt haben. Auf diesen DSPs basieren zahlreiche virtuell-analoge Synthesizer wie Clavia Nord Lead 3, Waldorf Q, Novation Supernova und eben auch die Access-Virus-Familie. Das bedeutet: Sofern du im Besitz der Original-Firmware des Access Virus bist, kannst du dir den Synthesizer mit dem Plugin OsTIrus kostenlos in die DAW holen – und das auf macOS, Windows und Linux.

Das Plugin emuliert den DSP-Chip des Virus bis ins Detail. Die Sounds werden also tatsächlich exakt so berechnet wie einst beim Hardware-Synthesizer. Deshalb ist OsTIrus derzeit vielleicht die Alternative zum Access Virus, die dem Original klanglich am nächsten kommt.

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Wichtig: Zusätzlich zu dem kostenlosen Plugin benötigst du die Original-Firmware eines der Synthesizer der Access Virus TI-Serie. Da diese nicht frei verfügbar ist, stellen The Usual Suspects keinen Download-Link für die Firmware zur Verfügung. Das Plugin ist laut den Entwicklern als experimentelle Ergänzung zur Hardware gedacht. Daher müssen wir an dieser Stelle ausdrücklich darauf hinweisen: Wer sich die Firmware auf eigene Faust besorgt, handelt auf eigenes Risiko!

DSP56300 OsTIrus
The Usual Suspects OsTIrus: Kostenlose Virus-Emulation als Plugin · Quelle: GEARNEWS

Waldorf Iridium: Eine Alternative zum Access Virus?

Der Waldorf Iridium ist von den derzeit erhältlichen Hardware-Synthesizern wohl die Alternative, die dem Virus in Sachen Möglichkeiten am nächsten kommt – allerdings mit einem Bruchteil der Polyphonie (16 Stimmen bei den Keyboard- und Desktop-Varianten, 8 Stimmen beim Iridium Core). Wie der Virus TI bietet er neben virtuell-analoger Synthese auch Wavetables. Darüber hinaus stehen mit Resonator- und Kernel-Synthese sowie granularem Sampling weitere Syntheseverfahren zur Verfügung, die den Iridium zu einem außergewöhnlich vielseitigen Synthesizer machen.

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Auch die Modulationsmöglichkeiten des Iridium können sich sehen lassen: Neben je sechs LFOs und Hüllkurvengeneratoren gibt es einen komplexen Multistage-Modulator. Auch der integrierte Sequencer kann zu Modulationszwecken genutzt werden. Eine Modulationsmatrix mit 40 Slots dient der Zuweisung.

Den Waldorf Iridium gibt es in 16-stimmigen Keyboard- und Desktop-Varianten und als 8-stimmige Kompaktvariante Iridium Core. Alle bekommst du bei Thomann*.

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Waldorf Iridium Keyboard
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Waldorf Iridium
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Waldorf Iridium Core
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Novation Summit/Peak: Hybridsynthesizer mit FPGA-Oszillatoren

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Als vielseitige Hybridsynthesizer sind auch der Novation Summit und die Desktop-Variante Peak mögliche Alternativen zum Access Virus. Beide bieten drei digitale, FPGA-basierte New-Oxford-Oszillatoren pro Stimme, die sowohl virtuell-analoge Schwingungsformen als auch Wavetables liefern können. Ein Editor ermöglicht das Erstellen eigener Wavetables. Die dualen Filter und die VCAs sind hingegen analog. Somit kombinieren Summit und Peak klangliche Vielfalt mit einem druckvollen Analogsound. Alle wichtigen Parameter sind auf dem Bedienfeld in direktem Zugriff.

Novation Summit Access Virus Alternativen
Novation Summit · Quelle: Novation

Der 16-stimmige Summit ist bitimbral, kann also zwei Sounds gleichzeitig erzeugen. Diese Möglichkeit gibt es beim 8-stimmigen Peak nicht. Die Struktur der Klangerzeugung ist jedoch bei beiden Synthesizern identisch.

Die Hybridsynthesizer Novation Summit und Peak gibt es bei Thomann*.

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Novation Summit
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Novation Peak
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ASM Hydrasynth: Vielseitiger Wavemorphing-Synthesizer

Auch der ASM Hydrasynth kommt als Alternative zum Access Virus infrage – insbesondere die große Version Hydrasynth Deluxe. Als einziger Hydrasynth ist er bitimbral und bietet 16 Stimmen. Die anderen Versionen sind mit 8 Stimmen etwas eingeschränkter, bieten aber die gleiche leistungsstarke Sound-Engine.

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Zwar stehen die Wavemorphing-Fähigkeiten beim Hydrasynth klar im Vordergrund, aber dem Synthesizer lassen sich durchaus auch analogartige Klänge entlocken. Vor allem aber ist er extrem vielseitig. Neben den leistungsstarken Oszillatoren sind dafür vor allem die „Mutants“ (Waveshaper), die dualen Filter (Multimode und state-variable) und die enormen Modulationsmöglichkeiten mit je fünf LFOs und Envelopes verantwortlich. Die Effektsektion reicht zwar nicht an die des Virus heran, bietet mit zwei Effektblöcken (Pre und Post) und getrennten Effektketten für jeden Multi-Part (nur Hydrasynth Deluxe) aber viele Möglichkeiten.

Mit polyphonem Aftertouch, zuweisbaren Makros, einem Ribbon-Controller und nicht zuletzt der übersichtlichen Bedienung, die sich am Blockdiagramm des Synthesizers orientiert, ist der Hydrasynth auch für Performances bestens gerüstet.

Alle vier Versionen des ASM Hydrasynth sind bei Thomann* erhältlich.

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ASM Hydrasynth Deluxe
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ASM Hydrasynth Keyboard
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ASM Hydrasynth Explorer
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ASM Hydrasynth Desktop
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UDO Super-Serie: Binaurale Hybridsynthesizer als Alternative zum Access Virus?

Mit dem Super 6 und den davon abgeleiteten Super 8 und Super Gemini gelang UDO Audio ein mehr als eindrucksvolles Debüt auf dem Synthesizer-Markt. Und mit ihren sehr vielseitigen FPGA-Oszillatoren kommen die Hybridsynthesizer der Super-Serie durchaus auch als Alternativen zum Access Virus in Frage – vor allem die bitimbralen Vertreter Super 8 und Super Gemini. Zwar können sie nicht alles, was der Virus kann, aber sie klingen extrem gut und punkten nicht nur mit Vielseitigkeit, sondern auch mit ihrem komplett binaural aufgebauten Signalweg, der eindrucksvolle Stereo-Klänge ermöglicht. Auch Wavetables gehören zum Repertoire des Super 6 und seiner Kollegen.

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Mit Ausnahme der ersten Version des Super 6 (bei dem sich die Funktion nachrüsten lässt) sind die Synthesizer der Serie mit polyphonem Aftertouch ausgerüstet. Abstriche muss man einmal mehr bei der Stimmenzahl machen, was vor allem daran liegt, dass die UDO Super-Serie über analoge Filter und VCAs verfügt. Die maximal mögliche Polyphonie hängt zudem davon ab, ob man die Synthesizer mono- oder binaural betreibt. Beispielsweise bietet der Super 6 12 Stimmen, aus denen im binauralen Modus sechs werden. Beim Super 8 sind es 16 bzw. 8 Stimmen; beim Super Gemini 20 bzw. 10 Stimmen. Für den Super 8 ist ein Voice Upgrade Kit verfügbar, das den Synthesizer auf die gleiche Stimmenzahl wie den Super Gemini bringt.

Die UDO Audio Super-Familie ist bei Thomann* erhältlich.

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UDO Audio Super 6 Blue
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UDO Audio Super 8 White
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UDO Audio Super Gemini White
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Groove Synthesis 3rd Wave: Wavetable-Synthesizer als Virus-Alternative?

Der Groove Synthesis 3rd Wave (hier im Angecheckt) ist natürlich zuallererst ein Wavetable-Synthesizer – die Ähnlichkeit zum legendären PPG Wave ist kein Zufall. Trotzdem kommt der 3rd Wave in meinen Augen durchaus als Virus-Alternative in Frage. Denn die Oszillatoren des Synthesizers liefern auch virtuell-analoge Schwingungsformen – und da diese unter anderem durch ein von Dave Rossum designtes Analogfilter geschickt werden, klingt der 3rd Wave unglaublich mächtig und, sofern man möchte, überhaupt nicht digital.

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Auch in Sachen Modulation punktet der Synthesizer mit Vielseitigkeit. Der 3rd Wave hat je vier Hüllkurvengeneratoren und LFOs sowie eine Modulationsmatrix mit 16 Slots. Es gibt den Synthesizer in drei Versionen: als 24-stimmige und 4-fach multitimbrale Tastatur- und Desktop-Varianten sowie als 8-stimmigen, bitimbralen 3rd Wave 8M. Alle Varianten sind bei Thomann* erhältlich.

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Groove Synthesis 3rd Wave Desktop Module
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Groove Synthesis 3rd Wave 8M
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Gibt es überhaupt echte Alternativen zum Access Virus?

Wer heute nach modernen Alternativen zum Access Virus TI sucht, wird sofort feststellen: In Sachen Polyphonie und Multitimbralität kann kein heute erhältlicher Synthesizer dem Virus auch nur annähernd das Wasser reichen. Eine so hohe Stimmenzahl findet man sonst nur bei Synthesizer-Workstations – die kommen aber mit jeder Menge Ballast, den man vielleicht gar nicht benötigt, und zeichnen sich meist nicht durch eine sonderlich einfache Bedienung aus. Die Kombination aus einer extrem leistungsstarken DSP-Engine mit einer intuitiven Bedienung und einem grandiosen Sound, der irgendwie immer passt, macht den Virus bis heute ziemlich einzigartig. Schade, dass diese Ära nun zu Ende ist!

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