von  Jan Rotring  | |   Als bevorzugte Quelle auf Google hinzufügen   |  Lesezeit: 10 Min
Das Gear von Tony Iommi

Das Gear von Tony Iommi  ·  Quelle: Gonzales Photo / Alamy

ANZEIGE

Ich habe in letzter Zeit wieder viel Black Sabbath gehört und bin erneut an einem Punkt hängen geblieben: Der Sound von Tony Iommi ist der Hammer. Dieser Sound ist eigentlich gar nicht besonders stark verzerrt, trotzdem klingt kaum eine Gitarre schwerer als Iommis SG auf den frühen Sabbath Platten. Dazu kommt ein Gespür für Riffs, die mit Recht den Begriff „Heavy Metal“ geprägt haben. Grund genug, sich das Gear von Tony Iommi genauer anzusehen.

ANZEIGE

Technisch ist das Gear von Tony Iommi erstaunlich überschaubar: SG, Laney Röhrenamp, Treble Booster, dünne Saiten und später tiefere Tunings. Viel spannender ist allerdings, warum Iommi genau dieses Equipment spielte. Viele seiner Entscheidungen waren keine Soundexperimente, sondern Lösungen für ein sehr persönliches Problem.

Tony Iommi: Der Unfall, der den Metal veränderte

Sie sehen gerade einen Platzhalterinhalt von YouTube. Um auf den eigentlichen Inhalt zuzugreifen, klicken Sie auf die Schaltfläche unten. Bitte beachten Sie, dass dabei Daten an Drittanbieter weitergegeben werden.

Mehr Informationen

Als Jugendlicher arbeitete Tony Iommi in einer Fabrik in Birmingham, der Stadt, die viele Jahrzehnte später Brücken mit seinem Antlitz verzieren sollte. Bei einem Arbeitsunfall verlor der Linkshänder die Spitzen von Mittel und Ringfinger seiner Greifhand. Zunächst glaubte er, das Gitarrenspielen für immer aufgeben zu müssen.

Die Geschichte von Django Reinhardt, der trotz schwerer Verletzungen seiner Hand weitergespielt hatte, brachte ihn schließlich dazu, nach einer eigenen Lösung zu suchen. Iommi fertigte sich künstliche Fingerkuppen und begann, sein Instrument an seine Einschränkungen anzupassen.

Normale Saiten waren mit den Prothesen schwer zu greifen. Also experimentierte er mit dünneren Saiten und später mit tieferen Stimmungen, um die Saitenspannung weiter zu reduzieren.

Genau diese Anpassungen wurden schließlich Teil seines Sounds. Die weicheren Saiten, seine besondere Art von Bendings und Vibrato sowie die späteren tiefen Tunings halfen dabei, einen Gitarrenton zu formen, den wir heute selbstverständlich mit Heavy Metal verbinden. Entscheidend war für die ersten Sabbath Aufnahmen, dass Iommi durch den Unfall gezwungen wurde, sein Verhältnis zur Gitarre komplett neu zu denken.

Das Gear von Tony Iommi: Die Gitarren

ANZEIGE
Epiphone Tony Iommi SG Special
Quelle: Epiphone

Tony Iommi und die Gibson SG gehören untrennbar zusammen. Dabei hätte der Sound von Black Sabbath beinahe mit einer anderen Gitarre begonnen.

Während der Aufnahmen zum ersten Album wollte Iommi zunächst seine Fender Stratocaster einsetzen. Als deren Bridge Pickup ausfiel, griff er zu seiner Gibson SG Special. Die Notlösung wurde zu seinem Markenzeichen.

Affiliate Links
Gibson SG Special Vintage Cherry
Gibson SG Special Vintage Cherry
Kundenbewertung:
(12)

Gibson SG Special „Monkey“

Die wichtigste Gitarre im Gear von Tony Iommi ist seine 1964er Gibson SG Special, heute meist schlicht „Monkey“ genannt.

Ursprünglich war die Gitarre mit zwei P90s ausgestattet, wurde von Iommi jedoch umfangreich modifiziert. Gemeinsam mit Gitarrenbauer John Birch experimentierte er unter anderem mit Pickups, Abschirmung und Hardware. Die Monkey entwickelte sich so über die Jahre zu einem stark individualisierten Instrument.

Damit zeigt die Monkey auch, wie ungewöhnlich der frühe Sabbath Sound aus heutiger Sicht eigentlich war. Wir verbinden Metal gern mit Humbuckern und High Gain. Einer der Sounds, die das Genre begründeten, entstand dagegen mit einer SG SpecialP90 ähnlicher Pickup Technik, einem Booster und einem sehr lauten Röhrenamp.

Jaydee Custom SG „Old Boy“

Eine weitere wichtige Gitarre ist die von John Diggins gebaute Jaydee Custom SG, oft „Old Boy“ genannt.

Optisch bleibt sie der SG treu, wurde jedoch gezielt auf Iommis Spielweise abgestimmt und über viele Jahre zu einem seiner wichtigsten Live Instrumente. Genau daran zeigt sich ein Grundprinzip seines Setups: Die Instrumente mussten nicht irgendwelchen traditionellen Spezifikationen entsprechen, sondern für seine besondere Greiftechnik funktionieren.

Gibson Tony Iommi Signature SG

Klar, dass man dem Mann die Bude einrannte, um besondere Editionen „seiner“ Gitarren rauszubringen: So entstanden verschiedene Tony Iommi Signature Modelle von Gibson sowie günstigere Varianten von Epiphone.

Interessant sind dabei vor allem die auf Iommis Anforderungen abgestimmten Pickups, Halsformen und Setups. Für seinen Sound ist eine Signature SG allerdings keineswegs zwingend notwendig. Viel wichtiger sind Tuning, Saiten, Amp und Spielweise.

Affiliate Links
Gibson SG Special Ebony
Gibson SG Special Ebony
Kundenbewertung:
(6)

Das Gear von Tony Iommi: Laney Amps

Sie sehen gerade einen Platzhalterinhalt von YouTube. Um auf den eigentlichen Inhalt zuzugreifen, klicken Sie auf die Schaltfläche unten. Bitte beachten Sie, dass dabei Daten an Drittanbieter weitergegeben werden.

Mehr Informationen

Neben der SG gehört ein zweiter Name fest zum Gear von Tony Iommi: Laney. Mir persönlich als begeisterter Laney-Spieler natürlich überaus sympathisch. Besonders spannend finde ich, wie wenig Gain der frühe Sabbath Sound eigentlich besitzt. Wir hören ihn heute mit Ohren, die an Rectifier5150aktive Pickups und mehrfach gedoppelte Gitarrenspuren gewöhnt sind. Iommis Setup war dagegen beinahe primitiv.

Laney LA100BL Supergroup

Der entscheidende Amp der frühen Jahre war der Laney LA100BL Supergroup, ein puristischer 100 Watt Röhrenverstärker.

Ein moderner High-Gain-Amp ist das nicht. Die Verzerrung entsteht vor allem dadurch, dass der Verstärker sehr laut gefahren wird. Röhren und Lautsprecher beginnen zu komprimieren und harmonische Verzerrungen entstehen — willkommen im echten Overdrive.

Dadurch bleiben die frühen Sabbath Sounds trotz ihrer Schwere erstaunlich offen und dynamisch. Einzelne Noten sind klar zu hören und Iommis Anschlag verschwindet nicht hinter einer Wand aus Gain.

Bei vielen Sabbath Riffs funktioniert daher auch ein überraschend einfacher Trick: Gain runterdrehen. Groove, Pausen und Anschlag werden sofort deutlicher.

Laney GH100TI und TI100

Später entwickelte Laney gemeinsam mit Iommi die Signature Modelle GH100TI und TI100.

Beide bieten deutlich mehr Gain und Flexibilität als der alte Supergroup und passen damit zum kräftigeren, moderneren Sound seiner späteren Jahre. Das Grundprinzip bleibt jedoch ähnlich: viel Leistung, reichlich Headroom und ein ausgeprägter Mittenbereich.

Das Geheimnis vor dem Amp: Der Treble Booster

Eine entscheidende Zutat fehlt allerdings noch, um das Gear von Tony Iommi komplett zu erfassen: der Treble Booster.

Iommi verwendete eine modifizierte Variante des klassischen Dallas Rangemaster Prinzips. Dabei wird das Signal nicht einfach nur heller. Die tiefen Frequenzen werden reduziert, Mitten und Höhen stärker betont und gleichzeitig wird der Eingang des Amps kräftiger angefahren.

Das Ergebnis: Der Laney verzerrt aggressiver, ohne im Bass matschig zu werden. Genau diese Kombination aus Treble-Booster und lautem Röhrenamp ist ein wesentlicher Teil des frühen Sabbath Sounds.

Das Grundprinzip kennen wir heute noch vom Tube Screamer vor einem High-Gain-Amp: Frequenzen werden bereits vor der eigentlichen Verzerrung geformt.

Wer Iommis Sound zuhause ausprobieren möchte, braucht deshalb nicht zwingend einen historischen Laney. Ein britisch abgestimmter Amp mit wenig Gain und ein passender Booster bringen einen bereits erstaunlich weit.

Effekte: Überraschend wenig

Das Gear von Tony Iommi: Nur echt mit SG
Das Gear von Tony Iommi: Nur echt mit SG · Quelle: Gonzales Photo / Alamy

Ein riesiges Pedalboard gehört nicht zum klassischen Gear von Tony Iommi. Das Fundament entsteht mit Gitarre, Booster und Amp.

Eine wichtige Ausnahme ist das Wah Wah, das Iommi vor allem für Leads und teilweise als festen Filter einsetzt. Später kamen DelayModulation und verschiedene Rack Effekte hinzu, um die Sounds aus mehreren Jahrzehnten Sabbath live reproduzieren zu können.

Für den klassischen Sound bleibt es jedoch simpel: Amp, Booster und eventuell ein Wah reichen vollkommen.

Affiliate Links
Dunlop Crybaby GCB95
Dunlop Crybaby GCB95
Kundenbewertung:
(1421)

Dünne Saiten, schwere Riffs

Sie sehen gerade einen Platzhalterinhalt von YouTube. Um auf den eigentlichen Inhalt zuzugreifen, klicken Sie auf die Schaltfläche unten. Bitte beachten Sie, dass dabei Daten an Drittanbieter weitergegeben werden.

Mehr Informationen

Bei tiefen Tunings denken wir heute automatisch an dicke Saiten. Tony Iommi ging, wie bereits oben ausgeführt, aus praktischen Gründen genau den anderen Weg.

Um seine Finger zu entlasten, spielte er ungewöhnlich dünne Saiten, später auch speziell auf ihn abgestimmte Sätze. Zusammen mit C# Standard entsteht dadurch ein ausgesprochen weiches (manche würden sagen „schwammiges“) Spielgefühl.

Das widerlegt nebenbei einen meiner liebsten Gear Mythen: Dicke Saiten machen nicht automatisch einen fetten Sound.

Iommis Saiten reagieren stark auf Anschlag, Bendings und Vibrato. Genau diese Beweglichkeit trägt erheblich dazu bei, dass sein Sound weniger steril und straff wirkt als viele moderne Metal Produktionen.

Wer das testen will, sollte sich ausgiebig mit dem Thema Setup auseinandersetzen. Saitenlage und Intonation wollen entsprechend angepasst und reguliert werden. Empfohlene Saitensätze, um an das Gear von Tony Iommi ranzukommen sind übrigens 008er

Affiliate Links
La Bella Tony Iommi D# Tuning
La Bella Tony Iommi D# Tuning
Kundenbewertung:
(9)
La Bella Tony Iommi C# Tuning
La Bella Tony Iommi C# Tuning
Kundenbewertung:
(10)

Warum Tony Iommi so tief stimmt

Die Erfinder des schweren Sounds: Black Sabbath
Die Erfinder des schweren Sounds: Black Sabbath · Quelle: Avuspeed Motorsport / Alamy

Tiefe Tunings gehören heute zum Metal wie verzerrte Gitarren. Bei Iommi hatten sie zunächst einen praktischen Grund: Weniger Saitenspannung bedeutete weniger Kraftaufwand für seine verletzten Finger.

Die ersten beiden Black Sabbath Alben entstanden noch überwiegend in E Standard. Auf Master of Reality ging es dann drei Halbtöne nach unten auf C# Standard.

Dadurch verändert sich nicht nur die Tonhöhe. Die Saiten werden weicher, reagieren anders auf den Anschlag und geben den Riffs diesen leicht beweglichen, schweren Charakter.

Wer sich dem Tony Iommi Sound nähern möchte, sollte deshalb lieber einmal C# Standard ausprobieren, bevor Gain und Bass am Verstärker auf Anschlag gedreht werden. Bei Into the Void oder Children of the Grave hört man sehr schnell, wie wichtig das Tuning für den Sound ist.

Wie spielt Tony Iommi eigentlich?

Sie sehen gerade einen Platzhalterinhalt von YouTube. Um auf den eigentlichen Inhalt zuzugreifen, klicken Sie auf die Schaltfläche unten. Bitte beachten Sie, dass dabei Daten an Drittanbieter weitergegeben werden.

Mehr Informationen

Das wichtigste Bestandteil im Gear von Tony Iommi bleibt natürlich Tony Iommi selbst. 

Seine musikalische Basis ist überraschend klassisch: Blues und Pentatonik bestimmen viele seiner Soli. Bendings, Hammer Ons, Pull Offs und sein markantes Vibrato gehören fest zu seinem Stil.

Bei den Riffs zeigt sich seine eigentliche Stärke: Iommi arbeitet häufig mit einzelnen Noten, einfachen Motiven und gezielten Pausen statt ausschließlich mit großen Powerchords.

Dazu kommen dissonante Intervalle wie der berühmte Tritonus im Hauptmotiv von Black Sabbath. Entscheidend ist aber oft das, was er nicht spielt. Seine Riffs haben Platz.

Der Tony Iommi Sound mit modernem Gear

Keine Sorge, um dem Tony Iommi Sound nahezukommen, braucht es keine originale Monkey oder einen historischen Laney. Und auch eure Finger könnt ihr gerne heile lassen.

Eine SG oder eine andere mittig klingende Humbucker beziehungsweise P90 Gitarre ist eine gute Grundlage. Dazu passt ein britisch abgestimmter Amp, der offen und dynamisch bleibt.

Vor den Verstärker kommt ein Treble-Booster oder zumindest ein Booster beziehungsweise Overdrive, der die tiefen Frequenzen etwas strafft und den Amp anschiebt.

Dann wird auf C# Standard heruntergestimmt und der Gainregler zunächst weiter zurückgenommen, als man es für Metal vermutlich tun würde.

Das Grundrezept ist damit erstaunlich überschaubar: Gitarre, britischer Amp, Booster und Wah. Den Rest erledigen Anschlag, Timing und Riff.

Fazit: Das Gear von Tony Iommi und die Geburt des Heavy Metal

Gibson-Tony-Iommi-Signature-SG-Special
Quelle: Gibson

Am Ende besteht das klassische Gear von Tony Iommi aus erstaunlich wenigen Zutaten: SG, dünne Saiten, Treble-Booster und ein verdammt lauter Laney. Dazu kommen tiefere Tunings, etwas Wah und vor allem eine sehr eigene Spielweise.

Warum Iommi zu den besten Gitarristen aller Zeiten gehört, lässt sich trotzdem nicht mit einer Gear-Liste erklären. Seine Riffs sind häufig erstaunlich simpel, der Gain-Anteil zurückhaltend und die Soli deutlich vom Blues geprägt.

Iommi wollte Heavy Metal nicht mit seinem Equipment erfinden. Er wollte trotz einer schweren Verletzung weiter Gitarre spielen. Also passte er das Instrument seinen Möglichkeiten an.

Aus dieser Anpassung entstand ein Stil. Aus dem Stil entstand ein Sound. Und aus diesem Sound schließlich eine komplette Musikrichtung.

Dass einer der schwersten Gitarrensounds aller Zeiten unter anderem deshalb entstand, weil Tony Iommi seine Gitarre leichter spielbar machen musste, ist vielleicht die beste Pointe der ganzen Gear Geschichte.

Hinweis: Dieser Artikel zum Gear von Tony Iommi enthält Werbelinks, die uns bei der Finanzierung unserer Seite helfen. Keine Sorge: Der Preis für euch bleibt immer gleich! Wenn ihr etwas über diese Links kauft, erhalten wir eine kleine Provision. Danke für eure Unterstützung!

ANZEIGE

Schreibe einen Kommentar

Damit die Diskussion fair und transparent bleibt, schalten wir nur Kommentare frei, die mit einem echten Namen und einer gültigen E Mail Adresse verfasst wurden.

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert