von  Jan Rotring  | |   Als bevorzugte Quelle auf Google hinzufügen   |  Lesezeit: 11 Min
Das Gear von David Gilmour

Das Gear von David Gilmour  ·  Quelle: DaniFoto / Alamy

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Die besten Gitarristen aller Zeiten ohne David Gilmour? Undenkbar. Es wird Zeit, dass wir das Pink Floyd Mastermind unter die Gearnews-Lupe nehmen und schauen, wie er es schafft, mit so wenigen Tönen so viel Emotionen und Charakter zu transportieren. Black Strat, Hiwatt Amps, Effekte: Das Gear von David Gilmour ist einen genauen Blick wert!

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Ich nehme an, dass ich nicht allein bin: Wenn ich an Gitarrensoli denke, die mich wirklich berührt haben, lande ich früher oder später immer bei Pink Floyd und dem Spiel von David Gilmour. Nicht weil die Gitarrenparts besonders komplex gewesen wären, ganz im Gegenteil. Viele der berühmtesten Gilmour-Momente bestehen aus überraschend wenigen Noten. Doch genau darin liegt die Magie, denn jeder Ton, jedes Bending und jede noch so kurze Pause erfüllt einen Zweck.

Während andere Gitarristen ihre Virtuosität durch ein Feuerwerk von Noten bei 400 BPM demonstrieren, sind die Gitarrenparts von David Gilmour wie gutes Storytelling, quasi Gesangslinien ohne Worte. Für mich fällt das besonders bei Klassikern wie Comfortably NumbTime oder Shine On You Crazy Diamond auf. 

Dabei ist nicht nur sein Stil, sondern auch sein Equipment längst legendär geworden: Die schwarze Stratocaster, gewaltige Hiwatt-Verstärker und atmosphärische Effekte haben Generationen von Gitarristen geprägt und auch in mir mindestens einmal den Wunsch danach entstehen lassen, endlich mit einem verdammten Tremolo umgehen zu können. Doch fangen wir am Anfang an.

David Gilmour von damals bis heute

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David Gilmour wurde 1946 im englischen Cambridge geboren und begeisterte sich schon früh für Künstler wie Bob Dylan, die Beatles und die Rolling Stones. In der lokalen Musikszene lernte er unter anderem Syd Barrett kennen, der später Gründungsmitglied von Pink Floyd werden sollte.

1968 stieg Gilmour bei Pink Floyd ein, zunächst als Unterstützung für den psychisch zunehmend instabilen Barrett. Wenig später übernahm er dessen Rolle vollständig und wurde zu einer der prägenden Figuren der Band. In den folgenden Jahren entwickelte sich Pink Floyd mit Alben wie The Dark Side of the MoonWish You Were HereAnimals und The Wall zu einer der erfolgreichsten Rockbands aller Zeiten.

Auch nach dem Ausstieg von Roger Waters blieb Gilmour die kreative Konstante von Pink Floyd und veröffentlichte daneben mehrere erfolgreiche Soloalben. Mit Luck and Strange erschien 2024 sein bislang letztes Album.

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Warum David Gilmour sofort erkennbar ist

David Gilmour erkennt man regelmäßig nach etwas 0,4 Takten. Der wichtigste Grund dafür ist seine Phrasierung. Gilmour behandelt die Gitarre fast wie eine menschliche Stimme und seine Soli bestehen aus klaren musikalischen Aussagen, zwischen denen ausreichend Raum bleibt. 

Ebenso legendär ist sein Vibrato. Breit, kontrolliert und unglaublich musikalisch verleiht es selbst einzelnen gehaltenen Tönen eine enorme Ausdruckskraft. Zusammen mit seinen präzisen Bendings entsteht ein Stil, der sofort als Gilmour zu erkennen ist.

Dazu kommt noch ein außergewöhnliches Gespür für Dynamik. Viele seiner Soli entwickeln sich langsam und erreichen ihren Höhepunkt erst nach mehreren (wunderbaren) Minuten. Genau diese Geduld und der stetige Aufbau machen Stücke wie Comfortably NumbTime oder High Hopes so wirkungsvoll.

Das Gear von David Gilmour: Gitarren

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Das Spiel von David Gilmour ist einmalig und ein echter Meilenstein in der Musikgeschichte, keine Frage. Aber Feeling und Spielweise allein reichen nicht, Instrumente braucht es eben auch.

Das Gear von David Gilmour besteht aus einigen der bekanntesten Instrumente aller Zeiten — starten wir mit den Gitarren

Die Black Strat: Die vielleicht berühmteste Stratocaster der Rockgeschichte

Das Gear von David Gilmour: Black Strat
Das Gear von David Gilmour: Black Strat · Quelle: Fabio Diena / Alamy

Wenn man über das Gear von David Gilmour spricht, führt kein Weg an einer ganz bestimmten Gitarre vorbei: der legendären Black Strat. Kaum ein Instrument ist so eng mit dem Sound eines einzelnen Gitarristen verbunden wie diese schwarze Fender Stratocaster mit Ahornhals.

Gilmour kaufte die Gitarre Anfang der 1970er-Jahre gebraucht in New York. Was zunächst wie eine gewöhnliche Stratocaster wirkte, entwickelte sich im Laufe der Jahrzehnte zu einer der bekanntesten E-Gitarren der Musikgeschichte. Allerdings blieb sie nie lange im Originalzustand.

Wie viele leidenschaftliche Soundtüftler experimentierte Gilmour ständig mit seinem Instrument. Im Laufe der Jahre erhielt die Black Strat verschiedene Hälse, unterschiedliche Tremolosysteme und zahlreiche Pickup-Konfigurationen. Besonders prägend wurde schließlich ein Seymour Duncan SSL-5 am Steg, der bis heute als wichtiger Bestandteil seines späteren Lead-Sounds gilt.

Heute gehört die Black Strat zu den berühmtesten Instrumenten der Rockgeschichte. 2019 wurde sie bei einer Auktion für knapp 14,5 Millionen US-Dollar verkauft und ist damit die teuerste jemals versteigerte Gitarre überhaupt. Im Moment. Wertanlage, irgendwer?

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Weitere wichtige Gitarren im Gear von David Gilmour

Die Gitarren des David Gilmour
Die Gitarren des David Gilmour · Quelle: Malcolm Park / Alamy

Auch wenn die Black Strat fast alle Aufmerksamkeit auf sich zieht, bestand das Gear von David Gilmour aus deutlich mehr als nur einer einzigen Gitarre.

Besonders bekannt ist die sogenannte Red Strat, eine weitere Fender Stratocaster, die während der Aufnahmen zu The Wall und in den frühen 1980er-Jahren regelmäßig zum Einsatz kam. Ihr heller und durchsetzungsfähiger Klang ergänzt die Black Strat perfekt und ist auf zahlreichen Studioaufnahmen zu hören.

Für druckvollere Sounds griff Gilmour immer wieder zu Gibson Les Paul Goldtops. Vor allem in den 1970er-Jahren kamen diese Instrumente bei einigen der sustainreichsten Soli seiner Karriere zum Einsatz. Wer sich fragt, warum manche Lead-Sounds etwas fetter und mittiger wirken als gewohnt, landet häufig bei einer Les Paul.

Auch akustische Gitarren spielen in Gilmours Karriere eine wichtige Rolle. Besonders die Martin D-35 ist eng mit dem Sound von Wish You Were Here verbunden. Der warme und ausgewogene Klang der Dreadnought wurde zu einem festen Bestandteil vieler Pink-Floyd-Klassiker und gilt auch heute noch als die Blaupause für einen guten Rock-Akustik-Sound.

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Das Gear von David Gilmour: Verstärker

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Während viele Gitarristen der 1970er-Jahre auf fette Marshall-Türme setzten, ging David Gilmour einen anderen Weg. Das Herzstück seines Sounds war über Jahrzehnte ein Verstärker, der vergleichsweise selten im Rampenlicht steht: der Hiwatt DR103.

Der Hiwatt liefert enorme Lautstärkereserven, bleibt dabei aber bis in extreme Lautstärken hinein außergewöhnlich klar und dynamisch. Genau diese Eigenschaft machte ihn für Gilmour so interessant. Statt den Verstärker selbst stark zu verzerren, nutzte er ihn als leistungsstarke Plattform für Effektgeräte wie FuzzDelay und Modulation.

Dadurch entstand ein Sound, der selbst bei hohen Lautstärken transparent blieb (Headroom und so). Besonders bei Songs wie Shine On You Crazy Diamond oder Comfortably Numb kann man diese Kombination aus Klarheit und Sustain deutlich heraushören.

Bespielt wurden die Hiwatts meist von großen WEM-4×12-Boxen, die dem Sound zusätzliche Tiefe und Präsenz verliehen. Für bestimmte Aufnahmen kamen außerdem Fender-Verstärker und Leslie-Lautsprecher zum Einsatz, um noch mehr räumliche Dimension zu erzeugen.

Effekte: Hier wurde Musikgeschichte geschrieben

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Wenn die Black Strat das Herzstück von David Gilmours Sound ist und die Hiwatt-Verstärker das Fundament bilden, dann sind die Effektgeräte die Farben auf der Leinwand. Dabei ging es ihm nie darum, möglichst viele Geräte zu verwenden, sondern um Atmosphäre, Tiefe und Emotionen zu erzeugen. Viele der Sounds, die heute selbstverständlich erscheinen, waren in den 1970er-Jahren revolutionär.

Binson Echorec: Das Geheimnis von Echoes

Eines der wichtigsten Geräte im Gear von David Gilmour war das legendäre Binson Echorec. Anders als klassische Bandechos arbeitete das italienische Gerät mit einer rotierenden Magnetscheibe und erzeugte dadurch besonders warme und rhythmische Wiederholungen.

Vor allem auf frühen Pink-Floyd-Alben ist das Echorec allgegenwärtig. Das berühmte Ping-Pong-Delay aus Echoes oder die schwebenden Lead-Sounds vieler Live-Aufnahmen wären ohne dieses Gerät kaum denkbar gewesen.

Bis heute versuchen Hersteller, den Charakter des Echorec in Pedalen und Plugins nachzubilden. Das Original gehört mittlerweile zu den begehrtesten Vintage-Effektgeräten überhaupt.

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Fuzz Face und Big Muff

Während viele Gitarristen ihren Verzerrungssound hauptsächlich aus ächzenden Endstufen beziehen, nutzte Gilmour bevorzugt Pedale.

In den frühen Jahren kam häufig ein Dallas Arbiter Fuzz Face zum Einsatz. Der weiche, leicht komprimierte Charakter dieses Klassikers prägt zahlreiche Aufnahmen der frühen 1970er-Jahre.

Später wurde jedoch ein anderes, auch heute noch beliebtes Pedal zum festen Bestandteil seines Sounds: der legendäre Electro-Harmonix Big Muff Pi.

Kaum ein Effektgerät ist enger mit David Gilmour verbunden als dieser große silberne Fuzz-Kasten: Der Big Muff erzeugt dabei deutlich mehr Sustain als ein klassischer Overdrive und liefert genau jene endlosen Lead-Töne, die viele Gitarristen mit David Gilmour verbinden.

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Modulation und Atmosphäre

Gilmour live
Gilmour live · Quelle: Friedrich Stark / Alamy

Neben Delay und Fuzz setzt Gilmour immer wieder auf Modulationseffekte, um seinen Sounds zusätzliche Bewegung zu verleihen.

Besonders häufig kamen Klassiker wie der MXR Phase 90, verschiedene Uni-Vibe-Effekte und später auch Chorus-Pedale wie der Boss CE-2 zum Einsatz.

All diese Modulationen sind oft kaum bewusst wahrnehmbar, nimmt man sie jedoch weg, fehlt plötzlich ein wesentlicher Teil der räumlichen Tiefe.

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Der Sound von Comfortably Numb

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Wenn es ein Gitarrensolo gibt, das David Gilmours Karriere definiert, dann ist es zweifellos das finale Solo von Comfortably Numb.

Seit Jahrzehnten taucht es regelmäßig in Listen der besten Gitarrensoli aller Zeiten auf. Und das völlig zu Recht. Denn dieses Solo vereint praktisch alles, was David Gilmour als Musiker ausmacht.

Interessanterweise ist dabei die technische Schwierigkeit überschaubar. Es gibt keine wilden Tapping-Passagen, keine rasenden Skalenläufe und keine Artistik um ihrer selbst willen. Stattdessen besteht das Solo aus perfekt gesetzten Melodiebögen, präzisen Bendings und einem Spannungsaufbau, der über mehrere Minuten funktioniert.

Der eigentliche (Klang-) Zauber entsteht dann durch die Kombination verschiedener Komponenten:

Die Grundlage bildet eine Fender Stratocaster. Das Signal läuft in einen Big Muff, der für das charakteristische Sustain sorgt. Anschließend trifft der Ton auf die saubere und leistungsstarke Plattform der Hiwatt-Verstärker. Delay-Effekte erzeugen zusätzliche Tiefe und lassen einzelne Noten förmlich im Raum schweben.

Das Ergebnis ist ein Lead-Sound, der gleichzeitig kraftvoll und transparent wirkt. Selbst bei langen gehaltenen Tönen bleibt jede Nuance hörbar.

Noch beeindruckender ist allerdings die Art, wie Gilmour diesen Sound einsetzt. Er spielt nicht gegen den Song an, jede Phrase baut auf der vorherigen auf und führt den Hörer Schritt für Schritt zum emotionalen Höhepunkt. Große Kunst. Und je mehr man den Song hört, desto größer wird’s. 

David Gilmour heute

David Gilmour und seine D-35 Signatures · Quelle: Martin

Auch mit fast achtzig Jahren ist David Gilmour noch immer musikalisch aktiv. Sein 2024 veröffentlichtes Album Luck and Strange zeigt eindrucksvoll, dass seine charakteristische Spielweise nichts von ihrer Wirkung verloren hat.

Natürlich hat sich sein Equipment im Laufe der Jahrzehnte verändert. Moderne Effektgeräte, digitale Systeme und zeitgemäße Studiotechnik haben längst Einzug in sein Setup gehalten. Doch die Grundidee seines Sounds ist unverändert geblieben.

Noch immer stehen DynamikMelodie und Atmosphäre im Mittelpunkt. Noch immer erkennt man David Gilmour nach wenigen Takten. 

Das Gear von David Gilmour: Der Ton zwischen den Noten

David Gilmour ist einer jener Gitarristen, die sich jeder einfachen Kategorie entziehen. Er ist kein Technik-Monster wie Steve Vai, kein Riff-Gigant wie Tony Iommi und kein Revolutionär wie Eddie Van Halen. Trotzdem gehört er für mich ohne jede Diskussion in die Liste der besten Gitarristen aller Zeiten.

Der Grund dafür liegt nicht in einzelnen Songs, legendären Gitarren oder einem besonders ausgefallenen Setup. Seine Spielweise lebt von GeduldDynamik und einem außergewöhnlichen Gespür für Melodien. Er weiß genau, wann er spielen muss und wann es besser ist, einfach nichts zu spielen.

Wer sich mit dem Sound von David Gilmour beschäftigt, lernt deshalb weit mehr als nur etwas über Gitarren und Verstärker. Man lernt, dass Zurückhaltung eine Stärke sein kann, dass Atmosphäre manchmal wichtiger ist als Geschwindigkeit und dass ein einzelner perfekt platzierter Ton mehr Wirkung haben kann als hundert Noten pro Sekunde. Was ist euer „David-Gilmour-Moment“? Schreibt es uns in die Kommentare! 

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