Lehle im Interview: Signalfluss Made in Germany.
Wie ein deutsches Unternehmen mit Signalwegen aufräumt
In meinen Highlights 2025 habe ich es schon angedeutet: Ich durfte mich tief, tief in die Wirrungen technischer Besonderheiten begeben und mit Burkhard Lehle der Lehle GmbH sprechen. Über Signalverlust, den Nachteil von Sonderanfertigungen und die Anfänge seiner Firma.
Lehle im Interview: Inhalt
Lehle ist ein deutscher Hersteller von Signal-Routing-Lösungen für Gitarre, Bass und andere Instrumente mit Sitz in Voerde am Niederrhein. Das Unternehmen hat sich auf Produkte spezialisiert, die dort ansetzen, wo viele Gitarristen ihren Klang unbemerkt verlieren: im Signalfluss zwischen Instrument, Effekten und Verstärker.
Statt klassischer Effektgeräte entwickelt der Hersteller Tools, die den Ton bewahren, nicht verfärben. Das ganz ist technisch nüchtern und musikalisch wirksam. Vermutlich ist das auch der Grund dafür, warum ich erst so spät von der Firma erfahren habe: Viel zu viele flashige Overdrives, Fuzz-Boxes und Co. haben meine Aufmerksamkeit auf sich gezogen.
Ingenieurskunst statt Klangmythen
Gegründet wurde Lehle von Burkhard Georg Lehle, der zunächst Musik und Physik studierte und dann lange als Gitarren- und Verstärkertechniker arbeitete. Diese Kombination prägt die Marke bis heute, wie ihr im Interview unten noch lesen werdet.
Die Produkte entstehen nicht aus Trends oder Marketing-Narrativen, sondern aus konkreten Problemen, die in realen Rigs auftreten: Brummschleifen, Signalverluste, unzuverlässige Schaltmechaniken. Typisch für Lehle ist dabei der konsequente Einsatz langlebiger Technologien wie Goldkontakt-Relais, Hall-Sensoren, VCAs oder eigens entwickelte hochohmige Übertrager.
Das Ziel ist stets dasselbe: ein stabiles, unverfälschtes Signal, unabhängig davon, wie komplex ein Setup wird.
Technik, die messbar überzeugt
Dass der Ansatz, den Lehle verflogt, nicht nur subjektiv überzeugt, zeigt sich auch im direkten Vergleich. In einem unabhängigen Video-Test auf dem Kanal von Vertex Effects, in dem verschiedene Volume-Pedale gegenübergestellt wurden, fuhr das Lehle mit Abstand den Gesamtsieg unter den aktiven Pedalen ein. Gelobt wurden vor allem die Klangtreue, die saubere Trennung der Signalwege und die hohe Verarbeitungsqualität der Variante Mono und Stereo. Aspekte also, die sich nicht durch Marketing erklären, sondern messen und hören lassen
Gerade in einem Umfeld, in dem viele Lösungen ähnlich scheinen, hebt sich Lehle dadurch ab, dass technische Entscheidungen nachvollziehbar begründet sind und im Ergebnis hörbar bleiben.
Made in Germany – aus Überzeugung
Lehle entwickelt und fertigt vollständig in Deutschland. Die Montage, Prüfung und Endkontrolle erfolgen am Niederrhein, größtenteils mit regionalen Zulieferern. „Made in Germany“ ist hier kein Etikett, sondern Teil eines Qualitätsverständnisses, das Zuverlässigkeit, Reparierbarkeit und langfristige Verfügbarkeit einschließt.
Teil 2: Das Interview

Um zu verstehen, warum Lehle genau so arbeitet und weshalb Signalfluss für Burkhard Lehle keine philosophische Frage, sondern eine physikalische ist, habe ich ausführlich mit ihm sprechen können.
Jan: Burkhard, wenn man deine Geschichte hört, beginnt alles erstaunlich unspektakulär. Wie fing es wirklich an?
Burkhard Lehle: Am Anfang stand tatsächlich die Anmeldung meiner Eltern bei einem Gitarrenkurs. Das war in dem Dorf, in dem ich aufgewachsen bin, ich war etwa zehn Jahre alt. Daraus hat sich später ergeben, dass ich Musik und Physik auf Lehramt studiert habe. Während des Studiums wurde mir aber klar, dass ich eigentlich nicht Lehrer werden will. Also habe ich angefangen, Gitarren und Verstärker zu reparieren.
„Am Anfang steht oft kein großer Plan sondern ein ganz konkretes Problem.“
Jan: Du hast dann mehrere Jahre einen Repair-Shop betrieben. Wie wichtig war diese Zeit für das, was später Lehle wurde?
Burkhard: Sehr wichtig. Ich habe drei Jahre lang einen Repair-Shop in Vollzeit betrieben. Das war extrem lehrreich, weil man dort täglich mit ganz realen Problemen konfrontiert wird. Nach dieser Zeit habe ich nach einem Produkt gesucht, das ich selbst herstellen kann, auch aus ganz pragmatischen Gründen. Ein Laden mit festen Öffnungszeiten ist nicht besonders familienkompatibel.
Jan: Der berühmte erste Lehle-Switcher entstand dann eher zufällig, oder?
Burkhard: Ja, absolut. Das war 1998. Ein Kunde kam in den Laden und wollte einen Switcher für zwei Amps, der nicht brummt. Das war keine große Produktidee, sondern ein konkretes Problem. Aber genau daraus ist alles entstanden.
„Produkte entstehen nicht aus Marketing, sondern aus Bedarf.“
Jan: Was war von Anfang an dein Anspruch an solche Produkte?
Burkhard: Mein persönlicher Anspruch war immer, Produkte zu bauen, die schlicht sinnvoll sind. Wenn ich schon mehrere Verstärker besitze, macht es mehr Sinn, diese sauber zusammen zu nutzen, als noch einen zusätzlichen Amp zu kaufen. Gleichzeitig müssen Produkte lange halten und im Idealfall reparierbar sein. Im Laufe der Zeit kam dann auch Design als wichtiges Thema dazu, aber immer als Teil der Funktion.
Jan: Lehle wird unter uns Gitarristen oft mit dem Thema Signalfluss in Verbindung gebracht. Warum ist das für dich so zentral?
Burkhard: Wir stellen ja nicht nur Produkte für Gitarristen her. Auch andere Saiteninstrumente oder Klangerzeuger spielen bei uns eine Rolle. Aber grundsätzlich geht es immer um denselben Vorgang: Eine Saite wird in Schwingung versetzt, daraus entsteht ein elektrisches Signal, und dieses Signal unterliegt nunmal klaren physikalischen und elektronischen Regeln.
Jan: Wo entstehen aus deiner Sicht die meisten Probleme?
Burkhard: Je länger und komplexer ein Signalnetzwerk wird, desto mehr Faktoren muss man berücksichtigen. Wir glauben, dass das Signal, das aus dem Instrument kommt, bestmöglich konserviert werden sollte. Wenn ein Rig nicht als fragiles System verstanden wird, sondern im Bauklötzchenstil zusammengebaut ist, bleibt vom ursprünglichen Signal irgendwann nur noch ein Bächlein übrig. Und das hört man.
Jan: Gleichzeitig scheint das Bewusstsein für dieses Thema zu wachsen.
Burkhard: Ja, mein Eindruck ist tatsächlich, dass sich immer mehr Musiker mit gutem Signalfluss beschäftigen. Das sehen wir auch an unseren Verkaufszahlen, die, abgesehen von der Coronadelle, seit Jahren stetig steigen.
„Wenn das Rig kein System ist, verliert man unterwegs den Ton.“
Jan: Wenn man von einer „Lehle-DNA“ sprechen möchte, wie würdest du sie beschreiben?
Burkhard: Schlicht, einfach, stabil. Und die Funktion steht immer im Vordergrund. Bei uns gibt es zuerst das Produkt und dann den Text. Wir halten uns sehr stark an technische Fakten. Voodoo-Mojo, Fabulieren oder Hype, das liegt uns fern.
Jan: Lehle-Produkte gelten als extrem zuverlässig. Was steckt technisch dahinter?
Burkhard: Wir analysieren gezielt die Schwachstellen mechanischer Bauteile. Potentiometer, Schalter, alles, was sich bewegt. Wo es möglich ist, ersetzen wir diese durch verschleißfreie Lösungen. Zum Beispiel VCAs statt Potentiometer oder Hall-Sensoren statt mechanischer Konstruktionen. Auch unsere Taster in Verbindung mit Relais sind seit fast 25 Jahren im Einsatz. Am Ende soll sich der Kunde darauf verlassen können, dass das Gerät funktioniert, egal ob auf der Stadionbühne, im Club oder zu Hause.
„Der Übertrager war technisch wie wirtschaftlich ein Risiko. Aber ein notwendiges.“

Jan: Gab es ein Produkt, das euch besonders gefordert hat?
Burkhard: Ganz klar der hochohmige Übertrager. Dafür musste ich sehr tief in die Physik eintauchen. Das größte Problem war, dass es für E-Gitarrenübertrager keinen Markt gab. Viele Komponenten lassen wir speziell für uns anfertigen oder nutzen Bauteile, die eigentlich für ganz andere Anwendungen gedacht waren. Wir haben sehr viele Muster und Musterserien gebaut, bei gleichzeitig sehr knappen finanziellen Ressourcen. Heute ist dieser Übertrager das Herzstück von etwa einem Drittel unserer Produkte.
Jan: Wenn du drei Lehle-Produkte nennen müsstest, die uns Gitarristen besonders helfen könnten, welche wären das?
Burkhard: Als erstes ganz klar der LEHLE P-SPLIT III, weil er unseren Übertrager enthält und passiv, zuverlässig und unauffällig funktioniert. Dann das LEHLE MONO VOLUME oder MONO VOLUME S. Die Hall-Sensor-Technologie mit VCA ist verschleißfrei und extrem zuverlässig. Und als drittes der LITTLE LEHLE III. Das ist ein echtes Multitool: AB-Switcher, Effektlooper, Mute-Taster, die Anwendungsmöglichkeiten sind enorm.
Jan: Apropos Anwendungsmöglichkeiten: Welche Probleme lösen eure Produkte, die vielen Musikern gar nicht bewusst sind?
Burkhard: Ganz klar Signalverlust und Brummschleifen. Brummschleifen hört man sofort, Signalverlust schleicht sich dagegen ein. Oft kommt der Aha-Moment erst, wenn man das Instrument direkt in den Amp steckt und plötzlich Augen und Ohren aufgehen. Dann beginnt die Fehlersuche. Und oft landet man dann bei uns.
„Signalverlust merkt man erst dann, wenn man ihn plötzlich nicht mehr hat.“
Jan: Ihr arbeitet mit vielen Künstlern. Gibt es Anekdoten, die dir besonders in Erinnerung geblieben sind?
Burkhard: Davon gibt es sehr viele. Wir haben ein Faible für alles außerhalb des Mainstreams, etwa die Klanginstallationen von Sunn O))) oder eine Komposition von Ui-Kyung Lee für zwei Gitarren und vier Lehle-Volume-Pedale. Eine meiner liebsten Geschichten ist aber ganz pragmatisch: Bei Marsimoto legte der Tech am Ende der Show einen LEHLE P-SPLIT auf die Tasten des Keyboards, sodass die Band von der Bühne konnte, während das Keyboard weiter klang.
Jan: Sonderanfertigungen oder Signature-Serien bietet ihr trotzdem nicht an. Warum?
Burkhard: Sonderlösungen bergen halt immer das Risiko, den Kostenüberblick zu verlieren. Und wenn so ein Gerät kaputtgeht, wird es kompliziert. Seriengeräte sind tausendfach getestet und weltweit schnell austauschbar. Deshalb setzen wir auf flexible Tools, die sich je nach Anwendung kombinieren lassen. Starre Custom-Lösungen liegen am Ende oft jahrelang im Keller.
„Flexibilität entsteht nicht durch Sonderlösungen, sondern durch kluge Werkzeuge.“

Jan: Zum Schluss: Worauf bist du persönlich am stolzesten, wenn du auf Lehle blickst?
Burkhard: Ganz klar auf mein Team. Wir sind über die Jahre wirklich gut zusammengewachsen und haben viele Herausforderungen gemeinsam gemeistert. Aktuell bauen wir sogar ein neues Firmengebäude in Eigenregie. Trotz Themen wie US-Zöllen konnten wir weiter produzieren und den Absatz steigern. So etwas schafft man nur gemeinsam.
Jan: Danke für das Gespräch Burkhard. Und natürlich viel Erfolg für 2026!
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