Gain Stacking: Mit gestapelten Verzerrern den besseren Sound bauen
Mit den richtigen Effekten den perfekten Zerrsound erreichen
Was alleine über den Amp noch fett und beeindruckend klingt, verliert im Bandkontext schnell an Kontur, Dynamik und Durchsetzungskraft. Genau hier setzt dieser kleine Workshop zum Thema Gain Stacking an. Statt ein einzelnes Pedal bis zum Anschlag aufzureißen, geht es darum, Verzerrung in sinnvollen Stufen aufzubauen, gezielt zu dosieren und musikalisch zu kontrollieren. Wer Verzerrung als Prozess versteht – und nicht als Endzustand – bekommt nicht nur mehr Klarheit im Sound, sondern auch deutlich mehr Kontrolle über Dynamik, Sustain und Spielgefühl.
Gain Stacking – Inhalt
Was beim Gain Stacking wirklich passiert
Beim sogenannten Gain Stacking werden zwei (oder mehr) Pedale mit moderatem Gain kombiniert, statt ein einzelnes Pedal bis zum Anschlag aufzudrehen. Das Ergebnis ist ein Sound, der dichter, dynamischer und kontrollierbarer reagiert. Historisch ist das nichts Neues: Klassische Ampsounds entstanden durch das Zusammenspiel aus Vorstufe, Endstufe und Lautstärke bei einem Röhren-Amp – unsere heutigen Pedale ahmen dieses Verhalten lediglich nach.
Ein zentraler Punkt dabei ist die Position eines Boosters. Ein Booster vor der Verzerrung sorgt für mehr Sättigung und Kompression, nach der Verzerrung hingegen primär für mehr Lautstärke. Dieses einfache Prinzip ist die Grundlage für sinnvolles Gain Stacking.
Beispiele für cleveres Gain Stacking
Im folgenden Teil kommen wir zu ein paar typischen Kombinationen, die auf dem Pedalboard gut funktionieren können — abhängig von den gewünschten Ergebnisse, versteht sich.
Wie immer verstehen sich diese Beispiele lediglich als das: Beispiele. Experimente sind erlaubt und schärfen das Bewusstsein über die Funktionsweisen unterschiedlicher Verzerrer-Pedale.
Booster & Overdrive – der musikalische Klassiker
Die Kombination aus Booster und Overdrive ist der wohl einfachste Einstieg ins Gain-Stacking. Der Booster schiebt den Overdrive leicht an, ohne dessen Grundcharakter zu zerstören. Das Ergebnis ist ein tragender Crunch, der sensibel auf Anschlag und Volume-Poti reagiert.
Gerade für Blues, Classic Rock oder genüssliche Soli ist diese Kombination ideal, weil sie Sustain erzeugt, ohne den Ton zuzuschmieren. Wichtig ist dabei Zurückhaltung: Beide Pedale mit wenig Gain einstellen, damit der Sound offen bleibt.
Booster & Distortion – Fokus statt Zerrwand

Distortion-Pedale liefern viel Gain – oft zu viel. Ein Booster vor einer Distortion kann helfen, den Sound zu straffen. Statt einfach mehr Verzerrung zu erzeugen, werden Mitten betont, der Bass kontrollierter und Akkorde klarer definiert.
Diese Kombination eignet sich besonders für Rock- und Alternative-Sounds, bei denen Durchsetzung wichtiger ist als rohe Aggression. Wer merkt, dass seine Distortion im Bandgefüge untergeht, sollte genau hier ansetzen.
Overdrive & Overdrive – zwei kleine Schritte sind besser als einer
Zwei Overdrives mit niedrigem Gain zu stapeln, klingt oft organischer als ein einzelnes Pedal mit viel Verzerrung. Der große Vorteil liegt in der Abstufbarkeit: Jeder Overdrive bringt eine eigene Färbung mit, die sich kombinieren lässt.
Besonders praktisch ist ein 4-Sound-Setup mit zwei Overdrives: Clean, Crunch, Crunch+ und Lead – allein durch An- und Ausschalten der Pedale. Mehr Flexibilität mit minimalem Aufwand, ohne umfangreichen Pedal-Stepptanz oder Preset-Wechsel.
Overdrive & Fuzz – Vintage trifft Kontrolle

Fuzz-Pedale sind launisch, wild und manchmal schwer zu bändigen. Ein Overdrive kann hier entweder als Vorbearbeitung dienen oder das Fuzz nachträglich zähmen. Vor dem Fuzz sorgt er für mehr Kompression, danach für Fokus und Lautstärke.
Diese Kombination ist stark abhängig von Pickups, Volume-Poti und Spielweise. Gerade deshalb lohnt sich das Experimentieren – denn hier entstehen oft die interessantesten Sounds. Zum Thema Fuzz findet ihr hier noch mehr Infos: Fuzz Pedale
Typische Fehler beim Gain-Stacking
Der häufigste Fehler ist schlicht zu viel Gain auf allen Pedalen. Verzerrung potenziert sich schneller, als man denkt. Ebenso problematisch: zu viel Bass vor der Verzerrung oder alle Pedale dauerhaft aktiviert. Verzerrung lebt von Kontrasten, nicht von Dauerfeuer.
Fazit: Gain Stacking ist ein Prozess

Gain Stacking bedeutet nicht, möglichst viele Pedale zu kombinieren, sondern Gain bewusst zu dosieren. Wer in Stufen denkt, bekommt mehr Dynamik, bessere Durchsetzung und musikalischere Sounds. Allerdings wurden nicht alle Pedale gleich gebaut: Einige Modelle harmonieren perfekt miteinander, während andere Kombinationen einfach grottig klingen. Und zumindest ich habe da noch keine allgemeingültige Weisheit herausbekommen. Hilft nur, das Pedalboard zu planen und die richtigen Effekte durch trial-and-error herauszufinden.
Oft braucht es dafür weniger Gear – aber deutlich mehr angeeignetes Verständnis. Also: Laborkittel an und los! Mehr zum Thema findet ihr auch bei den Kollegen von Bonedo: Stacking Overdrive Pedals
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