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Es gibt Dinge, die haben im Studio ihren festen Platz: das Mischpult zum Beispiel oder der Rechner und das Masterkeyboard. Aber dann gibt es noch ein paar unverzichtbare Utensilien, die immer gerade woanders rumliegen, als da, wo man sie sucht. Hier unsere Top 5 der Dinge, die im Studio immer gesucht werden.

Unordnung im Studio? Kennst du selbstverständlich nicht! Du weißt natürlich immer, wo deine Sachen sind. Und in einem professionellen Mietstudio hat sowieso alles einen festen Platz. Soll ja schließlich aufgeräumt aussehen, wenn die Kundschaft kommt. Aber erstens stimmt das nicht – ich hab ein bisschen Chaos sogar schon in richtig legendären Studios gesehen – und zweitens ist mein eigenes Studio der Ort meiner Kreativität, in den ich nur selten jemanden reinlasse. Und der braucht Chaos!

Hier aus meiner ganz persönlichen Erfahrung also 5 Dinge, die ich immer woanders im Tonstudio wiederfinde als gedacht.

1. Der Schraubendreher

Braucht man wozu im Studio? Wenn du dir diese Frage stellst, nennst du wahrscheinlich deinen Rechner mit USB-Keyboard und einem Boxenpaar auch schont Tonstudio. Du darfst diesen Artikel gerne zu Ende lesen, musst aber anschließend den Schreibtisch deines Rechners aufräumen! ;)

Meine Lieblingsversion des Schraubendrehers kommt von der Firma Roland und lag in den 90ern den Erweiterungs-Soundkarten für ihre JV-Synthesizer bei. Man kann den Metallstift aus dem Griff ziehen und einfach umdrehen, je nachdem, ob man Schlitz oder Kreuzschlitz braucht. Ich finde diesen Schraubendreher ungemein praktisch, wenn ich mal schnell ein Gerät aus einem Rack schrauben muss. Mit der einen Seite die Kreuzschraube rausgedreht, mit der anderen Seite die Kiste vorsichtig (!) aus dem Rack gehebelt.

In der Theorie besitze ich zwei solche Schraubendreher, denn ich habe meinen JV-2080 mit zwei neuen und originalverpackten Extensions erweitert. Und da war ja jedes Mal eins dieser praktischen Haushaltsutensilien dabei.

Soweit die Theorie … denn in der Praxis kann ich wieder mal keinen finden, auch nicht um ihn zu fotografieren. Ich war mir so sicher, dass er auf diesem einen Rackschrank lag …

Ein Kreuzuschraubendreher

Der von Roland war wieder mal weg, also musste ein handelsüblicher Schraubendreher herhalten.

2. Das Stimmgerät

Wenn man nur eine Gitarre besitzt, kauft man sich heutzutage am besten einen dieser kleinen Clip-Tuner für die Kopfplatte und betoniert ihn dort fest. Bei mir stehen 6 E-Gitarren, ein E-Bass und eine Akustikgitarre im Studio. Dazu kommen noch ein paar weitere, teils obskure Instrumente, die alle nach einem chromatischen Stimmgerät rufen. Na, wer errät, welches Saiteninstrument auf D-A-D gestimmt wird?

Und so hab ich hier noch so einen kleinen Kasten, der immer von Instrument zu Instrument wandert. Mal verrichtet er seine Arbeit mit dem internen Mikro, mal mit angeschlossenem Kabel. Und nie liegt er da, wo ich es dachte. Auf dem Foto siehst du übrigens ein mit meinem Tuner baugleiches Gerät. Denn, genau, ich konnte mein Stimmgerät gerade nicht finden und griff auf ein Herstellerbild zurück.

Korg CA-30 Chromatic Tuner im Neuzustand

Ein solches chromatisches Stimmgerät befindet sich auch in meinem Studio.

3. Der Schminkpinsel

Wie jetzt? Du trittst deinem Lexicon 480L und deinem Urei 1178 ungeschminkt gegenüber? Banause! Okay, okay, ich auch nicht – ich hab nämlich gar kein 480er! Aber so ein weicher Pinsel, der sonst meist dazu genutzt wird Rouge aufzutragen, liegt sehr wohl in meinem Studio – irgendwo. Klar, die Mausschubser-Generation, die alles im Rechner mischt, braucht so was nicht im Studio. Aber wer jemals eine Neve 88RS oder von mir aus auch seine SSL Duality abstauben musste und die Potis nicht verstellen durfte, weiß: Es gibt zum Staubwischen nichts Besseres. Gleichzeitig den Sauger in die Nähe gehalten und der Staub verschwindet, ohne dass dabei die Regler und Knöpfe des Pults verstellt werden.

Funktioniert selbstverständlich auch mit kleinen Geräten wie einem Mackie 1202 VLZ und nahezu allen Synthesizern und gibt’s vorzugsweise im Drogeriemarkt deiner Wahl!

Um aber lästige Fragen zu vermeiden, steht das Ding in der Regel nicht gut sichtbar an einem zentralen Platz im Studio, sondern fristet sein Dasein irgendwo hinter … ja wo war das Teil denn jetzt nun wieder?

Schminkpinsel im Tonstudio

Staubwischen ohne Potidreher geht mit einem Schminkpinsel.

4. Das Plektrum

Okay, ich geb‘s zu. Das ist eher eine allgemeine Gitarristenkrankheit, die aber auch im Studio grassiert. Ich habe tütenweise Plektren hier, fein säuberlich in einer großen Kiste mit diversen Ersatzteilen für meine Gitarren. Doch wenn ich mal eben eins brauche, ist wieder keins greifbar. Und die Kiste? Die steht „irgendwo da hinten“, da komme ich gerade nicht dran.

Vielleicht liegt es daran, dass ich eher Tastenmensch als Gitarrist bin. Vielleicht hat ein echter Gitarrist immer eins in der Hosentasche. Und vielleicht würde es helfen, so viele Plektren im Studio zu verteilen, dass ÜBERALL eins liegt … Du glaubst gar nicht, wie lange ich für das Foto zu diesem Artikel nach einem Plektrum suchen musste! Immerhin fand ich ein Werbegeschenk.

Plektrum von Kemper amps

Ein Plektrum, fürs Foto fand ich immerhin ein Werbegeschenk.

5. Das CD-Laufwerk

Wenn es in einem Haushalt noch so etwas gibt, dann kann es dafür nur noch wenige Gründe geben: Das war schon immer da, für die Hörspiele der Kinder oder es gibt in diesem Haus ein Tonstudio. Waren das noch Zeiten, als jeder Rechner ein CD-Laufwerk eingebaut hatte. Schließlich ging viele Jahre nix ohne die Silberscheiben. Doch inzwischen landet ein Mastertrack nicht mehr auf CD, sondern wird direkt in hoher Auflösung durch das Netz geschickt. Datennachschub kommt meist ebenfalls direkt aus dem Online-Store auf den Studiorechner.

Doch manchmal passiert es dann eben doch noch, dass man eine CD in die Finger bekommt, deren Inhalt auf den Rechner soll. Sei es Sample-Nachschub, ein Demo-Song oder doch mal die CD einer Lieblings-Band, weil man sich deren Musik doch lieber als „Hardware“ kaufen wollte. (Ich empfehle hier übrigens die Vinyl-Variante!).

Dafür gibt es inzwischen diese USB-Varianten, mal als reines Lesegerät, mal auch als Brenner. Aber die Dinger sind inzwischen so klein und schon fast wieder unhandlich geworden, dass ich regelmäßig in der Lage bin, sie perfekt zu verstecken. Irgendwo um meinen Rechner zwischen den ganzen externen Festplatten muss das Gerät doch sein … Zum Glück habe ich mein Laufwerk fürs Foto gefunden. Das ist zwar etwas größer und kann nicht mal Silberscheiben brennen, dafür liest es aber auch DVDs und Blu-rays.

Blue-ray Lesegerät

Dieses Laufwerk ist zwar etwas größer, geht aber auch schwerer verloren und liest CDs, DVDs und Blu-rays.

Nachtrag:

Eine Sache verschwindet bei mir übrigens nie: Kopfhörer. Dafür habe ich beim schwedischen Fachhändler für Musikerspezialanfertigungen das passende Utensil (war das überhaupt von Ikea?) gefunden: Am Tisch, auf dem mein Mischpult steht, befindet sich ein – inzwischen schon älterer, aber dennoch voll funktionstüchtiger – Garderobenhaken mit Platz für mindestens zwei voll ausgewachsene Kopfhörer – sehr praktisch!

Kopfhörerhaken im Tonstudio

Wichtiges Studioutensil: der Kopfhörerhaken

 

Und was verschwindet bei euch so regelmäßig im Tonstudio um dann an völlig unvermuteter Stelle wieder aufzutauchen?

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KvBNikolai KaeßmannAgonNikolai KaeßmannDanny Recent comment authors
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Danny
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…eigentlich nichts, denn der Trick liegt darin, den Dingen einen festen Ort zu geben. Dann gewöhnt man sich schnell daran, immer dorthin zu gucken, wo die Dinge sein sollen. Man muss sie dann nur noch immer auch artig dort ablegen.

Dass ich das hier so altklug vortrage, ändert übrigens nichts daran, dass ich selbst oft so einiges verlege.

KvB
Gast
KvB

Bei mir dasselbe.

Agon
Gast

Die Taschenlampe für hinters Rack!!! Sie ist immer dann weg wenn ich was umstecken muss… Ansonsten liegt sie gut sichtbar auf dem Brett, auf dem meine Bildschirme stehen.

Nikolai Kaeßmann
Gast
Nikolai Kaeßmann

Oh ja, ein echter Klassiker, danke! :D