von  Jan Rotring  | |   Als bevorzugte Quelle auf Google hinzufügen   |  Lesezeit: 6 Min
Saitenlage einstellen

Saitenlage einstellen  ·  Quelle: Cristian Storto / Alamy Stock Foto

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Kaum etwas fühlt sich beim ersten Anspielen einer Gitarre so beeindruckend an wie eine extrem niedrige Saitenlage. Die Saiten liegen gefühlt direkt auf den Bünden, schnelle Läufe gehen plötzlich leichter von der Hand und selbst große Bendings benötigen weniger Kraft. Gerade bei modernen Gitarren wird eine möglichst flache Einstellung deshalb gerne als DAS Qualitätsmerkmal verkauft. Dabei ist die Sache komplizierter. Wer die Saitenlage einstellen möchte, sollte nicht versuchen, einen möglichst niedrigen Wert zu erreichen. Entscheidend ist vielmehr, wie viel Platz die Saite zum Schwingen braucht und wie die eigene Gitarre tatsächlich gespielt wird.

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Ich habe selbst schon Gitarren in der Hand gehabt, deren Setup auf den ersten Blick fantastisch wirkte. Niedrige Saitenlage, butterweiches Spielgefühl, kaum Kraftaufwand. Nach einigen Minuten mit etwas kräftigerem Anschlag kam dann die Ernüchterung: Es schnarrte, Bendings starben ab und manche Töne fühlten sich merkwürdig kraftlos an. Sustain? Fehlanzeige. Eine etwas höhere Saitenlage hätte der Gitarre vermutlich besser gestanden.

Saitenlage einstellen: Was bedeutet eigentlich niedrig?

E-Gitarren Setup für Eilige
E-Gitarren Setup für Eilige · Quelle: Shutterstock / Zamrznuti tonovi

Mit der Saitenlage ist zunächst schlicht der Abstand zwischen Saite und Bundoberkante gemeint. Gemessen wird häufig am zwölften Bund. Klingt einfach, ist aber nur ein einzelner Wert innerhalb eines kompletten Gitarren Setups, wie er auch in einem PLEK-Setup durchgeführt wird.

Denn ob sich beispielsweise eine bestimmte Saitenhöhe gut spielen lässt, hängt unter anderem von Halskrümmung, Bundierung, Saitenstärke, Mensur und Anschlag ab. Auch der Griffbrettradius spielt bei Bendings eine Rolle. Zwei Gitarren können deshalb auf dem Papier nahezu identische Werte besitzen und sich trotzdem vollkommen unterschiedlich anfühlen.

Das erklärt auch, warum pauschale Empfehlungen zur perfekten Saitenlage nur begrenzt helfen. Sie sind gute Ausgangspunkte, aber keine Naturgesetze.

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Warum die Saite überhaupt Platz braucht

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Eine angeschlagene Gitarrensaite bewegt sich nicht einfach nur seitlich hin und her. Sie schwingt mit einer bestimmten Auslenkung, die unter anderem davon abhängt, wie kräftig wir sie anschlagen.

Wer sehr leicht spielt, kann deshalb häufig eine niedrigere Saitenlage einstellen. Bei einem kräftigen Anschlag benötigt die Saite dagegen mehr Platz über den Bünden. Fehlt dieser, berührt sie während ihrer Schwingung die folgenden Bundstäbchen.

Das Ergebnis kennen wir alle: Die Gitarre schnarrt. Interessanterweise muss ein wenig Schnarren zunächst gar kein Problem sein. Eine unverstärkte E-Gitarre kann akustisch durchaus Nebengeräusche produzieren, die über den Verstärker praktisch nicht mehr wahrnehmbar sind. Entscheidend ist also nicht, ob irgendwo ein leichtes metallisches Geräusch entsteht, sondern ob der eigentliche Ton darunter leidet.

Problematisch wird es, wenn Töne deutlich kürzer ausklingen, unsauber werden oder Bendings regelrecht absterben.

Niedrige Saitenlage verändert das Spielgefühl

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Niedrige Saitenlage für schnelles Spielen? · Quelle: Ibanez

Eine flache Saitenlage hat natürlich Vorteile: Besonders schnelle Läufe, Legato und technisch anspruchsvolle Passagen können sich leichter spielen lassen. Der notwendige Kraftaufwand ist gering und die Wege der Saite bis zum Bund sind kurz, Schmerzen beim Gitarrespielen können sich reduzieren.

Aber nicht jeder Gitarrist sucht dieses Gefühl. Ich mag beispielsweise durchaus ein wenig Widerstand unter den Fingern. Gerade bei Bendings und kräftigen Rhythmusparts möchte ich die Saite deutlich spüren können. Liegt sie extrem niedrig, fehlt mir manchmal genau dieses Gefühl. Außerdem ist da der Wechsel zwischen Dreadnought und E-Gitarre nicht ganz so ein Spagat. 

Es gibt schlicht kein objektives Richtig oder Falsch. Ein Spieler, der hauptsächlich schnelle Leads spielt, kann vollkommen andere Vorstellungen von einem guten Setup haben als jemand, der kräftige offene Akkorde oder harte Rock Riffs spielt.

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Halskrümmung und Saitenlage gehören zusammen

Ein häufiger Fehler beim Saitenlage einstellen besteht darin, ausschließlich an der Brücke zu arbeiten. Die Saiten sind zu hoch, also wird die Brücke heruntergeschraubt. Schnarrt es anschließend, kommt sie eben wieder etwas hoch.

Dabei funktioniert ein gutes Setup als Gesamtsystem. Die leichte Krümmung des Halses schafft im mittleren Bereich zusätzlichen Raum für die schwingenden Saiten. Ist der Hals zu gerade oder sogar leicht nach hinten gekrümmt, kann eine eigentlich vernünftige Saitenhöhe trotzdem Probleme verursachen. Zu viel Halskrümmung kann wiederum dafür sorgen, dass sich die Gitarre unnötig schwer spielen lässt.

Deshalb sollte zunächst die Halskrümmung kontrolliert werden. Anschließend folgt die eigentliche Saitenlage. Erst wenn beides passt, lohnt sich die abschließende Kontrolle der Intonation.

Wie hoch sollte die Saitenlage sein?

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Natürlich hätte ich an dieser Stelle gerne eine Zahl, die für jede Gitarre funktioniert. Die gibt es leider nicht.

Hersteller veröffentlichen häufig Richtwerte für ihre Instrumente, die sich hervorragend als Ausgangspunkt eignen. Von dort würde ich mich allerdings immer nach dem eigenen Spielgefühl richten. Dabei reichen bereits kleine Veränderungen.

Wer die Saitenlage einstellen möchte, sollte deshalb nicht sofort große Korrekturen vornehmen. Lieber die Höhe vorsichtig verändern, die Gitarre anschließend wirklich spielen und besonders auf die problematischen Stellen achten.

Ich würde dabei vor allem drei Dinge testen:

  • kräftig angeschlagene Akkorde und einzelne Töne
  • Bendings in verschiedenen Bereichen des Griffbretts
  • leise und dynamisch gespielte Passagen

Funktioniert all das problemlos, ist es letztlich ziemlich egal, ob ein anderer Gitarrist seine Saiten noch einen halben Millimeter niedriger spielt.

Fazit: Die perfekte Saitenlage steht auf keinem Lineal

Saitenlage einstellen
Saitenlage einstellen · Quelle: Shutterstock / Boris Bulychev

Das ist für mich der wichtigste Punkt bei einem Gitarren Setup: Messwerte helfen dabei, Probleme zu finden und reproduzierbare Einstellungen vorzunehmen. Sie entscheiden aber nicht darüber, ob sich eine Gitarre gut anfühlt.

Eine extrem niedrige Saitenlage ist kein Qualitätsmerkmal für sich und eine etwas höhere Einstellung kein Zeichen für ein schlechtes Setup. Entscheidend sind Instrument, Spielweise und persönlicher Geschmack.

Bevor ihr also versucht, die Brücke noch ein kleines Stück weiter herunterzuschrauben, lohnt sich ein anderer Ansatz: Spielt die Gitarre bewusst kräftig, zieht ein paar Bendings und hört darauf, wie frei die Saiten tatsächlich schwingen können.

Die beste Saitenlage ist schließlich nicht die niedrigste, die technisch irgendwie funktioniert. Es ist die Einstellung, bei der ihr beim Spielen überhaupt nicht mehr über die Saitenlage nachdenkt.

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