von  Lasse Eilers  | |   Als bevorzugte Quelle auf Google hinzufügen   |  Lesezeit: 7 Min
Motorola-Synthesizer

Access Virus TI: Einer der Motorola-Synthesizer  ·  Quelle: Access

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Einige der besten Synthesizer der 1990er und 2000er basieren auf DSP-Chips eines Herstellers, den man eher mit Handys verbindet als mit Musik. Manche Motorola-Synthesizer werden sogar bis heute hergestellt!

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Hinweis: Dieser Artikel von Adam Douglas erschien ursprünglich auf gearnews.com. Übersetzung und Ergänzungen: Lasse Eilers.

 

Gerade erst haben The Usual Suspects wieder Schlagzeilen gemacht – diesmal mit Blue Giant, einer kommenden Emulation der Novation Supernova. Zuvor hatte das Entwicklerteam bereits die digitalen Herzen von Klassikern wie dem Access Virus/Virus TI, dem Nord Lead 2X und dem Waldorf Q bis ins Detail analysiert und als Software nachgebaut. Grund genug, sich einmal mit den Hintergründen zu beschäftigen. Denn bei genauerem Hinsehen haben diese Synthesizer viel mehr gemeinsam, als man auf den ersten Blick denken könnte.

The Usual Suspects Blue Giant
The Usual Suspects Blue Giant · Quelle: YouTube / Numero Uno

Als die virtuell-analoge Synthese Mitte der 1990er-Jahre aufkam, wehte ein frischer Wind durch die Musikläden und Studios. Nach den Jahren der gesichts- und reglerlosen Workstations und Rack-Synthesizer war es wunderbar, endlich wieder mehr Bedienelemente zum Schrauben und Experimentieren zu haben. Virtuell-analoge Synthesizer boten jedoch mehr als nur eine intuitive Benutzeroberfläche: Sie lieferten einen satten Sound im analogen Stil, der viel organischer war als alles, was aus Samples bestand. Zusätzlich wurde dies nun durch die Möglichkeiten der Digitaltechnik ergänzt – mehr Polyphonie, mehr Modulation, mehr von allem.

Der Nord Lead der bis dahin wenig bekannten schwedischen Firma Clavia war die Initialzündung. Danach lieferten sich die Hersteller ein Wettrennen darum, wer den besten VA-Synthesizer bauen konnte. Neben namhaften Firmen wie KORG, Roland, Yamaha und Waldorf mischten auch Newcomer wie Access und Novation mit, denen der VA-Boom die Gelegenheit bot, sich einen Namen zu machen.

Motorola-Synthesizer
Clavia Nord Lead · Quelle: Nord Keyboards

Jeder der in den Folgejahren entstandenen VA-Synthesizer war auf seine Art einzigartig. Die Instrumente unterschieden sich im Aufbau, im Klang und im Bedienkonzept. Und doch hatten viele von ihnen etwas gemeinsam: Die virtuell-analogen Synthesizer mehrerer Firmen basierten alle auf Chips desselben Herstellers: Motorola. Dessen Signalprozessoren der DSP5600-Serie – insbesondere die 563XX-Chips – waren das Herz gleich mehrerer großer VA-Klassiker.

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Dass sie die gleichen Chips verwenden, bedeutet natürlich nicht, dass die Motorola-Synthesizer alle gleich klingen. Anders als analoge Synthesizer-Chips greifen die digitalen Signalprozessoren nicht direkt in den Klang ein – sie errechnen ihn nur. Wie der Sound entsteht, wird durch die Algorithmen definiert, mit denen die Chips gefüttert werden, und hier gibt es deutliche Unterschiede zwischen den Instrumenten.

Werfen wir also einen Blick auf die Motorola-Synthesizer, mit denen die virtuell-analoge Revolution ihren Anfang nahm!

Motorola-Synthesizer: Clavia Nord Lead

Eingeläutet wurde die virtuell-analoge Ära vom Clavia Nord Lead. Der in Zusammenarbeit mit Peter Jubel von Propellerhead Software entwickelte Synthesizer bildete analoge Schaltkreise mittels Algorithmen nach, die von DSP-Chips in Echtzeit berechnet wurden, was damals ein absolutes Novum war. Zwei Oszillatoren mit Sync und FM, ein Multimode-Filter, zwei LFOs, zwei Hüllkurven und ein Unison-Modus verliehen dem Nord Lead seinen satten Sound. Das Herzstück bildete ein Motorola 56002, dessen Leistung für eine Polyphonie von vier Stimmen ausreichte. Da das vielen noch nicht genug war, besserte Clavia beim Nachfolger Nord Lead 2 nach und stattete den Synthesizer mit gleich vier dieser Chips aus, was 16 Stimmen Polyphonie ergab.

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Auch in einigen anderen Instrumenten aus der Anfangszeit von Clavia stecken Motorola-Chips, etwa im Nord Lead 3 aus dem Jahr 2001 (sechs Motorola 56362), Nord Lead 2X (zwei 56362) und Nord Modular (vier 56303, erweiterbar auf acht). Der Micro Modular verfügte über einen 56303-Chip.

Inzwischen hat sich der Hersteller aber von Motorola-DSPs verabschiedet und verwendet nun eigens entwickelte Chips, wie beispielsweise im aktuellen Modell der Nord-Lead-Serie, dem Nord Lead A1 (hier bei Thomann*).

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Clavia Nord Lead A1
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Motorola-Synthesizer: Waldorf Q / Blofeld

Waldorfs erster Synthesizer, der 1989 erschienene Microwave, war ein Hybridsynthesizer mit digitalen Wavetables und analogen Curtis-Filtern. Beim Nachfolgemodell, dem Microwave II aus dem Jahr 1997, setzte das Unternehmen dann vollständig auf digitale Technik und nutzte dafür einen Motorola 56303 – also den gleichen Chip, der auch im Nord Lead zum Einsatz kam. Auch für den Microwave XT wurde dieser Chip verwendet.

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Da verwundert es nicht, dass Waldorf wieder auf den 56303 zurückgriff, als sich der Hersteller an die Entwicklung seines ersten virtuell-analogen Synthesizers machte. Der 1999 erschienene Q verfügt allerdings über drei davon: zwei für den Synthesizer und einen, der ausschließlich den Effekten gewidmet ist. Der microQ hingegen bewältigt alles mit nur einem einzigen Chip, dem schnelleren 56362. Auch bei einer späteren Revision des Q kamen diese Chips zum Einsatz.

Den Q gibt es schon lange nicht mehr, aber der nach wie vor beliebte Waldorf Blofeld enthält nicht nur die Wavetables des Microwave, sondern auch die virtuell-analoge Engine des Q. Und auch er ist natürlich ein Motorola-Synthesizer: Im Blofeld (hier bei Thomann*) arbeitet ein DSP56371.

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Waldorf Blofeld Black
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Waldorf Blofeld Plugin Download
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Motorola-Synthesizer: Novation Supernova

Zwar hatte Novation seinen ersten großen Erfolg mit der Bass Station gefeiert – einem durch und durch analogen Synthesizer, der mitten in den 1990ern wie ein Exot wirkte. Schon bald nutzte der Hersteller aber auch die Vorteile moderner DSP-Technologie. Das Ergebnis waren einige der leistungsstärksten VA-Synthesizer der 1990er- und 2000er-Jahre.

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Die Supernova, die 1998 auf den Markt kam, entstand mit Hilfe des OSCar-Entwicklers Chris Huggett, der nie Berührungsängste gegenüber der Digitaltechnik gehabt hatte. Mit 16-stimmiger Polyphonie (später 20), drei Oszillatoren pro Stimme und einer sehr umfangreichen Effektsektion war die Klangerzeugung sehr leistungshungrig. Diese Power schöpfte die Supernova aus ganzen acht 56303-Chips. Die abgespeckte Nova nutzte fünf 56362 und einen 56303 für die Effekte. Beim 2000 erschienenen Nachfolgemodell Supernova II, auf dem die Emulation von The Usual Suspects basiert, waren dann acht der schnelleren 56362-DSPs nötig; hinzu kam ein 56303 für die Effekte.

Heute ist die kleine MiniNova die letzte verbliebene Vertreterin der Nova-Serie. Sie bringt die Klangerzeugung der UltraNova, die ihrerseits auf der Supernova II basiert, in ein handliches Format. Und auch sie ist ein Motorola-Synthesizer: In der MiniNova steckt ein DSPB56724, ein mittlerweile von NXP vertriebener Sprössling der DSP56300-Familie. Die MiniNova gibt es bei Thomann*.

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Novation MiniNova
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Motorola-Synthesizer: Access Virus

Natürlich kann man nicht über das goldene Zeitalter der virtuell-analogen Synthese sprechen, ohne die Access Virus-Serie zu erwähnen. Angefangen mit dem Virus A im Jahr 1997 prägten die Synthesizer den Trance-Sound der späten 90er-Jahre. Eigentlich muss man nur noch einen Supersaw aus dem JP-8000 dazumischen (der allerdings ausnahmsweise kein Motorola-Synthesizer ist), und schon ist man Headliner der Love Parade.

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Alle Versionen des Virus verwendeten Chips von Motorola (oder von Freescale, wie die 2004 ausgegliederte Halbleitersparte von Motorola dann hieß). Die meisten holten die gesamte benötigte Leistung aus nur einem Chip heraus. Den Anfang machte der Virus A, der genau wie die Supernova, der Q und der Nord Modular einen DSP56303 enthielt. Auch beim Virus B war in den ersten Versionen der 56303 verbaut; später rüstete Access auf den 56311 auf. Der allseits beliebte 56362 fand seinen Weg in den Virus C.

Als es an die TI-Serie ging, entschied sich Access für den Freescale 56367. Der TI Snow hat einen davon; der TI und der TI2 jeweils zwei.

Motorola-Synthesizer: KORG MS2000 / microKORG

Auch der zur Jahrtausendwende erschienene KORG MS2000 gehört zur Familie der Motorola-Synthesizer. Der virtuell-analoge Synthesizer schöpft seine Kraft aus einem DSP56362. Dessen Leistung reicht für vier Stimmen mit je zwei Oszillatoren, die neben VA-Schwingungsformen auch DWGS-Waves liefern können, und einem Multimode-Filter. Auch die internen Effekte des MS2000 laufen auf demselben Chip.

KORG MS2000
KORG MS2000 · Quelle: Bonedo

Obwohl der MS2000 sehr gut aufgenommen wurde, war es sein kleiner Bruder, der die eigentliche Erfolgsgeschichte schrieb. Der winzige, 2002 erschienene microKORG verfügt im Wesentlichen über die gleiche Synthesizer-Engine – und das für deutlich weniger Geld als das Original. Und ja, auch er basiert auf einem DSP56362. Unglaublicherweise (und diversen Nachfolgemodellen zum Trotz) wird der ursprüngliche microKORG nach wie vor produziert und gehört damit zu den meistverkauften Synthesizern aller Zeiten.

Meistverkaufte Synthesizer: Korg MicroKorg
microKORG · Quelle: Korg

Beim Nachfolger microKORG 2 hat KORG sich übrigens von der traditionellen DSP-Architektur verabschiedet und setzt stattdessen auf ein „System on a Chip” (SoC), wie zum Beispiel auch beim Wavestate, Opsix und Modwave. Anders als die Vorgänger microKORG und microKORG S ist der microKORG 2 also kein Motorola-Synthesizer mehr.

Den KORG microKORG bekommst du bei Thomann*.

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Korg microKORG
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Korg microKORG S
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