Der Gitarrensound von Satisfaction: So klingst du wie Keith Richards!
Welche Plugins, welches Einsteiger-Gear und welches Studio-Equipment?
Widmen wir uns in der Gitarrensound-Serie nach „Money for Nothing“ einem Song, dessen Riff schon ab der ersten Note absolut ikonisch ist! Wie der Gitarrensound von Satisfaction entstanden ist, warum Keith Richards das Riff eigentlich durch Bläser spielen wollte und wie ihr dem Sound näherkommt, schauen wir uns heute näher an!
Der Gitarrensound von Satisfaction
USA, here we come! Die Stones anno 1965
Im Jahr 1965 sind die Rolling Stones im Vereinigten Königreich längst Stars; in den USA, wie so oft bei britischen Bands, kennen sie bisher aber nur Eingeweihte und Musiknerds. Mick Jagger, Keith Richards, Brian Jones, Bill Wyman und Charlie Watts hatten sich in den ersten drei Jahren nach der Gründung 1962 vor allem auf Cover großer Blues- und R&B-Nummern konzentriert.
So war auch ihre erste Nummer 1 im UK, „The Last Time“, 1965 eine „Adaption“ des Songs „This May Be the Last Time“, der bereits 1955 von den Staple Singers aufgenommen wurde. In den USA hatte man bisher keinen Fuß auf den Boden bekommen, doch der Blick ging auch bei Jagger und Co. über den großen Teich.
Allen war klar, dass sie, um dort zu landen, eigene Songs brauchten. Auch ihr damaliger Manager Andrew Loog Oldham drängte die Stones schon länger dazu, selbst zu schreiben.
Keith Richards war damals zarte 21 Jahre alt. Zusammen mit Brian Jones war Keith einer von zwei Gitarristen und die Rollen in der Band waren noch nicht fest verteilt. Das sollte sich mit einem einzigen Riff ändern.
Making of (I can’t get no) Satisfaction
Wie so oft in der Geschichte des Rock ’n‘ Roll gibt es auch bei der Entstehungsgeschichte von „(I can’t get no) Satisfaction“ Mythen, Relativierungen und eventuelle Halbwahrheiten. Im Kern berichtet Richards, dass ihm die Idee zur Entstehung des Riffs in einem Hotelzimmer in Florida kam.
Keith wachte auf, schnappte sich seinen Philips-Recorder, spielte das Riff ein und schlief wieder ein. So soll er am nächsten Morgen, dem 7. Mai 1965, eine Aufnahme von sich gehört haben mit zwei Minuten Akustikgitarre und anschließend 40 Minuten Schnarchen. Sicher alles nüchtern.
Schon drei Tage später, am 10. Mai, nahm die Band eine erste Version in den Chess-Studios in Chicago auf. Hier spielte Brian Jones noch Mundharmonika. Noch einmal zwei Tage später gab es einen zweiten Versuch, dieses Mal in den RCA Studios in Hollywood. Besonderheit hier: Richards nutzte für den Gitarrensound von Satisfaction einen Maestro FZ-1 Fuzz-Tone von Gibson.
Allerdings, so geht die Sage, soll Keith eigentlich ein Bläser-Ensemble im Kopf gehabt haben für das Riff. Mit dem Fuzz hatte er lediglich versucht, dem klanglich näherzukommen. Der Rest der Band liebte Keiths Sound aber so sehr, dass er überstimmt wurde und „(I can’t get no) Satisfaction“ genau so, wie die Band ihn am 12. Mai 1965 aufgenommen hatte, dann gut einen Monat später erschien. Und zur ersten Nummer 1 der Band in den USA wurde.
Der Maestro Fuzz-Tone wandelte sich infolgedessen vom Ladenhüter zum absoluten Verkaufsschlager.
Das Equipment auf Satisfaction
Es dürfte wenig verwundern, dass wir im Vergleich zu manchen Effektmagiern von heute beim Gitarrensound von Satisfaction, wenn man sich die Originalbestandteile ansieht, eher minimalistisch unterwegs sind. Wie bereits erwähnt, ist das Fuzz hier entscheidend.
Das Maestro FZ-1 Fuzz-Tone sorgt für einen fast schon dünnen, eher nach einem Blasinstrument klingenden Sound ganz ohne Sustain, eher mit einem kratzigen, zerbrechenden Ausklingen, das einfach abbricht. Drei Germanium-Transistoren, „Volume“- und „Attack“-Regler an der Kopfseite – ein unverwechselbarer Sound.
Bei Amp und Gitarre wird es etwas diffuser in der Erzählung. So gibt es Fotos vom damaligen Tourmanager Bob Bonis von der RCA-Session, die Richards mit seiner 1959er Gibson Les Paul Standard mit Bigsby-Vibrato zeigen. Aber auch seine Epiphone Casino war als Backup mit dabei und könnte ebenfalls bei der Aufnahme zum Einsatz gekommen sein. Grundsätzlich also Humbucker-Sound.
Auf besagten Bildern sieht man neben Keith auch einen Fender Showman. Sprich, massiger Clean-Sound, Zerre vom Pedal. Wie kommt man also zum Gitarrensound von Satisfaction?
Der Gitarrensound von Satisfaction mit Plugins
E-Gitarre mit Humbuckern und Audiointerface vorausgesetzt, gibt es eine ganze Reihe von Lösungen, um den Gitarrensound von Satisfaction auch „in-the-box“ zu erreichen. Grundsätzlich geht es um die zwei Bausteine Maestro-ähnlicher Fuzz und Fender Clean-Amp aus den Sechzigern.
Ich weiß, dass ich mich hier wiederhole in der Serie, aber für eine vollumfängliche Suite an virtuellen Pedalen und Effekten ist IK Multimedia’s Amplitube 5* für viele der Vintage-Sounds einfach unschlagbar. Mit dem Pedal „FuzzOne“ und dem Amp „Silverplate 50“ bin ich dem Sound blitzschnell verdammt nah gekommen.
Als kostenlose Variante mit mehr Ausprobieren und Recherchen verbunden gibt es da natürlich auch NAM-Captures, sucht bei Tone3000 mal nach „Maestro“ oder „FZ-1“. Alle Details zu NAM gibt’s in unserem großen NAM-Guide.
Der Gitarrensound von Satisfaction mit Budget-Gear
Bei Fuzz-Geschmäckern muss man, sucht man eine Nachbildung des FZ-1, etwas aufpassen. Denn dieser Fuzz geht ganz bewusst NICHT in die Muff-Richtung beim Sound. Man findet zum Beispiel im Boss FZ-5* eine Nachbildung des FZ-1A. Der kam zwar nach der Veröffentlichung von „(I can’t get no) Satisfaction“ als Upgrade des FZ-1 auf den Markt, unterscheidet sich klanglich aber nur minimal.
Als Amp mit tollem Fender-Clean-Sound reicht ein Champion II 50* vollkommen aus. Sein Clean-Kanal bietet Fender-Wärme, ein Reverb, der nicht wenig in die Richtung des legendären Deluxe-Reverb-Halls geht, ist auch mit dabei.
Edles Studio-Gear für Satisfaction
Das größte Problem für eine möglichst originalgetreue Signalkette für den Gitarrensound von Satisfaction ist das Maestro-Fuzz. Gibson legte es zwar 2022 neu auf, es scheint aber bei Thomann und anderen Händlern vergriffen zu sein. Eventuell muss man hier also bei Gibson selbst schauen oder auf dem Gebrauchtmarkt. Manche Soundtutorials erwähnen noch das Digitech DOD Carcosa Fuzz* als moderne FZ-1-Alternative.
Auch ein Fender Showman gehört in die Kategorie „Sündhaft-teuer-gebraucht“ oder eben eine ähnlich klingenden Neuauflage. Der Fender ’65 Twin Reverb* wäre da eine aktuelle Alternative: Blackface-Schaltung und massig Headroom, damit der Amp nicht auch zerrt, schickt man seinen FZ-1-style Fuzz rein.
Fazit
Ihr seht, der Gitarrensound von Satisfaction lässt sich mit sehr wenig Aufwand nachbauen: Clean-Fender, Humbucker und ein Fuzz mit Maestro-FZ-1-Sound.
Welchen Song sollen wir uns als Nächstes vornehmen? Und wie bist du dem Sound von „(I can’t get no) Satisfaction“ nähergekommen?
Schreib es in die Kommentare. Alle bisherigen Folgen der Serie findest du unter Gitarrensound.
FAQ zum Gitarrensound von Satisfaction
Welches Fuzz-Pedal hat Keith Richards bei „Satisfaction“ benutzt?
Das Maestro FZ-1 Fuzz-Tone von Gibson.
Welche Gitarre spielte Keith Richards bei „Satisfaction“?
Fotos aus der Session zeigen Keith mit seiner 1959er Gibson Les Paul Standard mit Bigsby. Eine Epiphone Casino war als Backup dabei und wurde ebenfalls erwähnt.