Experimentelle Musik: Krasse Künstlerinnen und legendäre Synthesizer
Außergewöhnliche Musikerinnen, wilde Klangexperimente und ein beeindruckender DIY-Synthesizer
Guten Tag, es ist Sonntag, Sie hören und sehen heute seltsame und andere Dinge. Quasi experimentelle Musik für die Welt. Mal geht es um besondere und krasse Musik, mal um Musikerinnen, aber auch um das Krasseste überhaupt, nämlich einen Synthesizer wirklich selbst zu bauen. Experimentelle Musik kann schließlich auf sehr unterschiedliche Weise entstehen.
Experimentelle Musik und legendäre Synthesizer
Diane Daher: Experimentelle Musik mit Harfe und Effekten
Dies ist eindeutig nicht einfach nur eine Harfe. Hier also eine Performance von Diane Daher mit einer Art Poetry-Sprecheinlage und verzerrter und prozessierter Harfe. Da das nicht allzu oft vorkommt, ist dies der erste beste Test, welche Effekte sie wohl hier einsetzt. Man sieht einen dezenten Fußschalter und ein Fulltone OCD V2. Krasse Musik, Lebendbeispiel 1.
Das Stück ist von 2018, in „Altenglisch“ und ein Ausschnitt aus „The Sirens of the Last Age„. Das Stück hat den Namen Módearfoþ.
Suzanne Ciani: Eine Legende der Buchla-Synthesizer
Suzanne Ciani ist nicht einfach nur eine Musikerin, die ein Instrument benutzt. Sie steht besonders für ihre Arbeit mit Buchla-Synthesizern und für experimentelle Musik. Aktuell tourte sie auch in Europa mit einem Buchla 200e, also dem „neuesten“. Sie sagt, sie sei mit Buchla verwachsen, auch mit Don Buchla als Person. Ihr Touché war nicht reparierbar und ihr System war damals das „alte“ 200.
Wenn man ihr zuhört, hat sie wirklich eine Menge interessanter Dinge getan. Besonders auch mit Vierkanal-Ton. Wie hat sich das Publikum über die Zeit verändert? Von „nie gehört“ bis heute, wo Leute Synthesizer wirklich schon oft gehört haben?
Sie hat mit dem Roland MC-8 Musik „programmiert“. Und natürlich gibt es noch eine Nerdfrage: Was hält sie von Serge gegenüber Buchla? Die Westcoast-Systeme.
Interessant, dass die Interviewer ihr ein altes 100er-System vor die Nase gestellt haben. Kultig ist es auf jeden Fall:

Sie mag eigentlich gar nicht so gern Eurorack. Und hatte wegen eines Diebstahls dennoch einige Änderungen vorgenommen und mit Roland und Yamaha gearbeitet. Außerdem gibt es auch ein legendäres Video, in dem sie mit einem Prophet-5 Fernsehzuschauern erklärt, wie ein Synthesizer klingen kann. Damals dachte sie nicht, dass sie zu ihrem Urinstrument zurückkommen würde. Heute ist es aber offensichtlich.

Lab 60: Krasser DIY-Synthesizer mit acht Stimmen
Baust du Synthesizer? Hier ist eine Art Juno mit acht Stimmen, der in einem Casio-CT-670-Gehäuse sitzt und für DIY durchaus respektabel aussieht. „Labyrinth of Spirits“. Er hat zwei ADSR-Hüllkurven, zwei Oszillatoren mit Suboszillator und einen Fader für die Wellenformwahl. Damit ist er natürlich kein Juno, denn der hat bekanntlich nur einen Oszillator. Zum Ende hin gibt es einige Soundbeispiele.
Sein Filtermodus lässt sich zwischen Tiefpass und Bandpass umschalten und offensichtlich auch „morphen“, was für ein State-Variable-Filter sprechen würde. Dennoch klingt das alles deutlich nach Roland. Es sieht danach aus, als würde die Alpha-Juno-Idee, jeweils einen eigenen Pulsbreiten-LFO pro Oszillator zu verwenden, auch hier zum Einsatz kommen. Als weitere Quelle ist ein Rauschgenerator verbaut (Bereich Oszillator 2). Das Gerät hat natürlich MIDI, das über einen Atmel-Prozessor eingebunden wird. Der TSynth stand auch Pate. Der hat übrigens zwölf Stimmen.
Hier ist der Klang und ein Baubericht mit vielen Klangbeispielen. Zwei Monate Fehlersuche waren nötig, und der Synth ist polyphon. Das ist eine sehr respektable Arbeit. Juno-typisch ist übrigens auch ein analoger Chorus von GLIGLI eingebaut, der ebenfalls für DIY-Tiefenarbeit bekannt ist, wie die Pro-One-Mod. Speicher und Ähnliches laufen über einen Teensy-Prozessor. Experimentelle Musik kann man damit natürlich auch machen, aber eigentlich ist das ein Schönklinger. Und hier kannst du hören, ob ich recht habe:
The Art of Noise: Drei Fairlights, PPG und Memorymoog
The Art of Noise hatten auf der Bühne wohl die meisten Fairlights, dazu einen PPG Wave 2.0, Memorymoog und Clownslook. Alles auf der Bühne mit Jools Holland bei „The Tube“ 1984. Ja, geht das denn nicht mit nur einem Fairlight? Was für eine Schlacht. Experimentelle Musik mit einem beeindruckenden Aufgebot an Synthesizern.
Die spätere Sendung „Later with Jools“ war eine hoch angesehene Show, in der man als Band wirklich gern mitgemacht hat.
