von  Jan Rotring  | |  Lesezeit: 4 Min
Delay für Gitarristen

Delay für Gitarristen  ·  Quelle: Joe Wood / Alamy Stock Foto

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Delay gehört zu den Effekten, die beinahe jeder Gitarrist besitzt und trotzdem oft nur halb versteht. Dabei kann ein gutes Delay für Gitarristen weit mehr sein, als ein einfaches „Echo“. Es kann Soli größer machen, Rhythmusparts lebendiger wirken lassen oder ganze Klanglandschaften erschaffen. Gleichzeitig gibt es allerdings kaum einen Effekt, der ein gutes Gitarrensignal schneller zerstören kann, wenn er falsch eingestellt ist.

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Grund genug also, sich das Thema einmal praxisnah anzuschauen. Keine komplizierte Mathematik, keine endlosen Ambient-Experimente, sondern ein kleiner Workshop mit drei klassischen Delay-Sounds, die wirklich jeder Gitarrist kennen sollte. Zunächst aber zu den wichtigsten Grundlagen.

Die wichtigsten Grundlagen beim Delay

Bevor wir uns konkrete Sounds und Einsatzbereiche vom Delay für Gitarristen anschauen, lohnt sich ein kurzer Blick auf die typischen Fehler und Grundregeln im Umgang mit Delay.

Weniger Mix als man denkt

Der häufigste Anfängerfehler: Das Delay ist zu laut eingestellt. Ein gutes Delay arbeitet oft eher im Hintergrund. Viele professionelle Sounds bestehen aus überraschend leisen Wiederholungen, die man erst bewusst wahrnimmt, wenn sie fehlen.

Als Faustregel gilt daher: Je mehr Gain du nutzt, desto vorsichtiger solltest du mit dem Delay-Mix umgehen.

Feedback sparsam einsetzen

Viele Wiederholungen klingen alleine zuhause beeindruckend, machen im Bandkontext aber schnell alles undefiniert.

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Gerade für Rhythmusgitarren reichen oft:

  • ein bis drei Wiederholungen
  • moderates Feedback
  • kurze Delay-Zeiten

Mehr Atmosphäre entsteht nicht automatisch durch mehr Echo (-Wiederholungen).

Delay-Zeit immer rhythmisch denken

Delay funktioniert am besten, wenn die Wiederholungen rhythmisch zum Song passen.

Viele moderne Pedale bieten dafür eine Tap-Tempo-Funktion. Und genau die sollte man auch nutzen. Ein Delay, das rhythmisch „gegen“ den Song arbeitet, wirkt fast immer unruhig oder störend.

Delay vor oder hinter dem Amp?

Gerade bei verzerrten Sounds gehört Delay meistens in den FX-Loop oder hinter die Zerre.

Ansonsten werden auch die Wiederholungen stark verzerrt und matschen schnell zusammen. Für Vintage- oder Garage-Sounds kann genau das allerdings auch gewollt sein.

Genug der Theorie, kommen wir zum praktischen Einsatz.

Beispiel 1: Slapback Delay für größere Rock-Sounds

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Der erste Klassiker stammt ursprünglich aus Rockabilly und alten Studio-Produktionen, funktioniert heute aber praktisch überall.

Das sogenannte Slapback Delay erzeugt eine einzige, sehr kurze Wiederholung direkt hinter dem Originalsignal.

Typische Einstellungen:

  • Delay Time: 80 bis 140 ms
  • Feedback: sehr niedrig
  • Mix: dezent

Anwendung:

Perfekt für:

  • Rock
  • Indie
  • Blues
  • Country
  • Classic Rock

Der Effekt klingt weniger wie ein echtes Echo, sondern eher wie eine zweite Gitarre, die minimal versetzt mitspielt. Clean-Sounds wirken dadurch sofort größer und Crunch-Sounds bekommen mehr Tiefe.

Besonders analoge oder Tape-Delays funktionieren hier hervorragend. Genau diese leicht instabilen Wiederholungen machen den Reiz vieler Vintage-Setups aus. Auch moderne Tape-Delay-Geräte wie der T-Rex Replicator leben genau von diesem organischen Verhalten. 

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T-Rex Replicator D´Luxe Tape Echo
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Beispiel 2: Dotted Eighth Delay im Stil von U2

Meister des Delays: The Edge (U2)
Meister des Delays: The Edge (U2) · Quelle: James Jeffrey Taylor / Alamy Stock Foto

Spätestens hier wird Delay wirklich spannend.

Der berühmte Dotted-Eighth-Sound wurde vor allem durch The Edge weltbekannt und funktioniert bis heute fantastisch für cleane Rhythmusparts.

Das Delay sitzt dabei rhythmisch punktiert zwischen deinen eigentlichen Anschlägen und erzeugt dadurch zusätzliche Bewegungen im Riff.

Typische Einstellungen:

  • Delay synchron zum Songtempo
  • Notenwert: punktierte Achtel
  • Feedback: moderat
  • Mix: mittig

Anwendung:

Ideal für:

  • cleane Arpeggios
  • Indie
  • Worship
  • Alternative Rock
  • atmosphärische Rhythmusgitarren

Das Faszinierende daran: Man spielt oft erstaunlich wenig, klingt aber sofort deutlich komplexer.

Wichtig ist dabei vor allem Präzision. Zu viel Gain oder unsauberes Timing zerstören diesen Effekt sehr schnell.

Beispiel 3: Ambient Delay für Flächen und Atmosphäre

Ambient-Gitarrenmusik: Soundlandschaften aus sechs Saiten
Ambient-Gitarrenmusik: Soundlandschaften aus sechs Saiten · Quelle: Carloscastilla / Alamy Stock Foto

Jetzt wird es groß. Ambient-Delays arbeiten mit langen Wiederholungen und viel Raumgefühl. Gerade moderne Shoegaze-, Post-Rock- oder Ambient-Sounds leben davon.

Typische Einstellungen:

  • Delay Time: lang
  • Feedback: hoch
  • Mix: eher hoch
  • zusätzlich viel Reverb

Anwendung:

Perfekt für:

  • Ambient
  • Shoegaze
  • Post-Rock
  • Soundtracks
  • Intro-Flächen

Gerade Stereo-Delays erzeugen hier enorme Breite. Moderne Genres arbeiten oft massiv mit solchen Klangflächen. 

Ein Tipp für die Kontrolle: Die Höhen der Wiederholungen leicht reduzieren. Dadurch bleibt das Delay für Gitarristen groß, ohne den eigentlichen Gitarrensound zu überdecken.

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Fazit: Delay ist Rhythmusgefühl

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Viele betrachten Delay für Gitarristen als simplen Effekt, dabei ist es eigentlich eher ein rhythmisches Werkzeug. Vor allem die richtige Delay-Zeit entscheidet darüber, ob ein Sound professionell oder chaotisch wirkt. 

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