von  Marcus Schmahl  | |  Lesezeit: 4 Min
dadamachines TBD-16: Kompakte Open-Source-Groovebox für 499 Euro

dadamachines TBD-16: Kompakte Open-Source-Groovebox für 499 Euro  ·  Quelle: dadamachines

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dadamachines kehrt mit einem Instrument zurück, das viele in der elektronischen Musikszene schon länger herbeigesehnt haben: TBD-16 ist eine kompakte, vollständig quelloffene (!) Groovebox, die in der Handfläche verschwindet, aber klanglich mit deutlich größeren Geräten mithalten will. 499 Euro, Vorbestellungen laufen bereits, und zur Superbooth 2026 ist das Gerät am Stand Z385 zu erleben.

dadamachines TBD-16

dadamachines ist kein unbekannter Name in der Elektronikszene. Gründer Johannes Lohbihler ist bekannt für das Automat-Toolkit, ein modulares System aus Solenoid-Aktuatoren, mit dem sich nahezu jeder Gegenstand in ein Percussion-Instrument verwandeln lässt. In der Zwischenzeit war er auch bei KORG Berlin an frühen Entwicklungsprojekten beteiligt. Mit dem TBD-16 kehrt er zu seinen Wurzeln zurück: ein Gerät, das sofort spielbereit ist, aber gleichzeitig vollständig offen und hackbar bleibt.

Was ist TBD-16 überhaupt?

TBD-16 basiert auf der CTAG-TBD-Open-Source-Plattform, ursprünglich entwickelt von Robert Manzke, und ist im Kern eine eigenständige Desktop-Groovebox mit eingebautem Sequencer, über 50 DSP-Plugins, Stereoeingang und -ausgang sowie Ableton-Link-Unterstützung über WiFi 6. Das Gerät misst 110 x 110 x 25 mm, wiegt entsprechend wenig und passt damit bequem in jede Jackentasche.

Das Gehäuse besteht aus eloxiertem Aluminium auf der Oberseite und pulverbeschichtetem Stahl auf der Unterseite, macht also einen robusten Eindruck. 30 taktile RGB-Buttons, vier hochwertige Endlosencoder, ein 2,4-Zoll-OLED-Display und ein dediziertes Lautstärkerad bilden die Bedienoberfläche. Anschlussseitig gibt es Stereo-Line-Ein- und -Ausgang, einen Kopfhörerausgang, je zwei TRS-MIDI-Ein- und -Ausgänge im Minijack-Format, zwei MicroSD-Slots, USB-C für die Stromversorgung und einen USB-Host-Anschluss für externe Controller. Ein cleveres Power-Bank-Halterungssystem macht den TBD-16 auch im mobilen Einsatz unabhängig vom Stromnetz.

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Drei Prozessoren, eine offene Plattform

Unter der Haube arbeiten drei dedizierte Prozessoren parallel. Der ESP32-P4 mit Dual-Core-RISC-V-Architektur übernimmt das Echtzeit-Audio-DSP, der RP2350 (Raspberry-Pi-Chip, ebenfalls Dual-Core) steuert die Hardware-Oberfläche, MIDI und Sequencing, und der ESP32-C6 ist für WiFi und Ableton Link zuständig. Jede dieser Ebenen ist unabhängig voneinander programmierbar. Die Latenz liegt laut Hersteller unter einer Millisekunde.

Das ist nicht nur technisch beeindruckend, sondern hat auch praktische Konsequenzen: Wer eigene Controller-Apps bauen will, nutzt den RP2350 mit Arduino und PlatformIO. Wer eigene DSP-Plugins schreiben will, arbeitet in C++ für den ESP32-P4 und kann das zunächst im Desktop-Simulator testen, ohne das Gerät überhaupt zu besitzen. Die Firmware ist vollständig unter GPLv3 lizenziert, die Web-UI-Tools unter LGPL.

Groovebox-App und Sound-Engines

Ab Werk läuft auf dem TBD-16 eine vollständige Groovebox-App mit Step- und Live-Sequencing, Per-Step-Parameter-Locks, polyrhythmischen Patterns mit unabhängigen Längen pro Spur sowie einem Mixing-System mit Effektsends, eingebautem Delay, Reverb und Master-Kompressor. Preinstallierte Controller-Unterstützung gibt es für das Novation Launchpad Mini MK3 und das Launchkey Mini MK4.

Controller-kompatibel
Controller-kompatibel · Quelle: dadamachines

Die Sound-Engines, intern als Machines bezeichnet, umfassen unter anderem Synth-Kick, analoge Bassdrum, FM-Kick, digitale und analoge Snare, Hi-Hats, eine 303-artige Acid-Line, einen Mono-Synth, einen Wavetable-Lead und einen 24-Engine-Macro-Voice in der Tradition von Mutable Instruments Plaits und Braids, entwickelt von Émilie Gillet, aber mit neuer AHR-Hüllkurve. Ein Rompler und ein externer Audio-Passthrough auf Spur 16 runden das Bild ab. Neue Engines können jederzeit hinzugefügt werden, und wer die Vult-DSP-Sprache kennt, findet dort bereits erste Anknüpfungspunkte.

Eigene Apps und der Spaßfaktor

Was TBD-16 von anderen Grooveboxes abhebt, ist die Möglichkeit, komplett andere Apps per SD-Karte aufzuspielen, ohne irgendwelche Hacks oder Sondermodi. So lässt sich das Gerät in einen externen Sequencer für den Elektron Machinedrum verwandeln, als MIDI-Controller und Audiointerface für iPhone und iPad nutzen oder als reinen Multieffekt-Prozessor betreiben. Und ja, wer möchte, kann auf dem TBD-16 auch Doom spielen. Das ist kein Witz, sondern eine offizielle App-Option und sagt viel über den Geist hinter dem Gerät aus.

  • dadamachines TBD-16
  • Auch als Game-Konsole einsetzbar
  • dadamachines TBD-16

Fazit

dadamachines TBD-16 ist eines jener Geräte, die man sofort versteht oder gar nicht. Wer eine offene, hackbare Groovebox sucht, die trotzdem sofort spielbereit ist, findet hier etwas wirklich Ungewöhnliches. Das Preis-Leistungs-Verhältnis bei 499 Euro ist angesichts der Hardware-Ausstattung und des vollständig offenen Software-Stacks bemerkenswert. Zur Superbooth 2026 dürfte TBD-16 für einige Aufmerksamkeit sorgen.

Preis und Verfügbarkeit

Der dadamachines TBD-16 kostet 499 Euro (inklusive MwSt.) und ist aktuell in Vorbestellung erhältlich, ohne Anzahlung. Zur Superbooth 2026 ist er am Stand Z385 zu erleben. Ein konkreter Liefertermin ist noch nicht bekannt. Wir halten euch hier natürlich und wie immer auf dem Laufenden.

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