Gitarren-Boutique: Metalcon Review, Wonderwall-Versteigerung, KI-Desaster
Das neueste aus der Welt der Gitarren- und Gear-Fanatiker!

Eine Messe nur für Metal-Producer?! Genau das passierte vergangenes Wochenende in Berlin und wir waren da. Lest unsere Metalcon Review in der heutigen Ausgabe der Gitarren-Boutique, wie das zweitägige Event ablief. Außerdem schauen wir uns an, zu welchem Preis die Gitarre aus „Wonderwall“ versteigert wurde. Und Josh Scott hat besorgniserregende Nachrichten über ChatGPT’s Wissen über die Geschichte von Gitarrenpedalen (Spoiler: Es hat keine Ahnung).
Diese Woche in der Gitarren-Boutique
Metalcon Review: Eine Metal-Producing-Messe
Nur, damit hier keine Missverständnisse aufkommen: Bei der Metalcon handelt es sich NICHT um eine schwarze Heavy-Metal-Messe mit satanischem Anstrich in der schwedischen Provinz. Vielmehr ist das Event quasi die Beatcon (dahinter stecken die gleichen Macher) für Metal-Produzenten. Und ich muss sagen: ich war überrascht, wie groß die Metal-Producing-Szene in Deutschland ist.

Weil, dass es da nicht wenige gibt, die Schwermetall-Bands (eigene und andere) produzieren, dass dachte ich mir schon, aber dass da eine Messe draus wird, die auch noch so gut besucht und noch besser gemacht ist, alle Achtung! Im House of Music auf dem RAW-Gelände in Berlin zeigten Gear-Hersteller wie Marshall, Genelec, Beyerdynamic, IK Multimedia, Walrus Audio oder KMA Machines, was es zum Aufnehmen und Produzieren von Metal braucht.
Auf zwei Stockwerken gab es je 10 Räume, die sonst als stundenweise anmietbare Proberäume und Studios genutzt werden. Dort zeigten die Hersteller neues Gear, dazu gab es kleine Workshops und Listening Sessions. Außerdem, und das möchte ich in diesem Metalcon Review als Highlight hervorheben, zeigte man tolle Workshops und Panels auf gleich drei Bühnen: Main Stage, Genelec-Lounge und Tech Stage.
Jens Bogren, Moses Schneider, Christoph Wieczorek und mehr
Denn zu den Panels und Workshops hatte man einige Hochkaräter aus der Metal-Producer-Szene eingeladen. Als ich Donnerstagnachmittag ankomme, zeigt Jens Bogren gerade Details aus seiner Zusammenarbeit mit Kreator und Opeth. Schon spannend, da direkt in Pro-Tools-Session schauen zu können und seinen Workflow mit verschiedenen Bands kennenzulernen.
Unterhaltsam moderiert von Produzent Mendel Bij De Leij (Aborted, Bloodline), erläutert Bogren auch, wie unterschiedlich die Rolle eines Produzenten sein kann. Da gibt es Bands, die sehr auf Feedback und gemeinsames Song-Optimieren aus sind (Kreator) und andere, deren Songs quasi unantastbar sind (Opeth), bei denen der Produzent eher auf Engineering und Performance achtet. Spannend!

Auch Mendels eigener Workshop zu „Metal Mix Clarity“ war danach praxisnah und sehr erhellend, ebenso Christoph Wieczoreks (ANNISOK) Talk über „Anatomy of a Modern Metal Band“. Auch am Samstag war ich für das Metalcon Review auf der Messe, es gab eine Mixing Masterclass von Jens Bogren, eine Listening Session von Moses Schneider (Kreator, Beatsteaks, Tocotronic) und Freunden bei PSI Audio und wieder Gear ohne Ende. Mein Fazit zur Metalcon Review: Das war atmosphärisch und organisatorisch eine sehr runde Sache! Ich freue mich auf die nächste Ausgabe!
Wonderwall für 100k
Kommen wir nach der kurzen Metalcon Review zum eigentlichen Thema unseres Blogs: Gear! Und hier geht es jetzt nicht um neues Equipment, sondern um ein Stück Musikgeschichte. Denn Noel Gallaghers EJ-200 aus den Neunzigern kam unter den Hammer.
Und sie übertraf die Schätzungen (60-80.000 US-Dollar) mit einem finalen Gebot von 96.000 US-Dollar noch einmal deutlich. Auch wenn dieses Modell nicht genau das ist, mit dem Noel „Wonderwall“ aufnahm (das Modell bekam Engineer Nick Brine nach den Aufnahmen zu (What’s the Story) Morning Glory?, weil die Gallagher-Brüder im Streit seine Akustikgitarre im Studio zerstört hatten), taucht es doch im Promo-Video zum Song auf.
Auch soll er vor den Aufnahmen zum Album mehrere der legendären Songs auf dieser Epiphone Inspired by Gibson Custom EJ-200 geschrieben haben. Wer auch immer die Auktion bei Sotheby’s gewonnen hat, bekommt das Modell samt Originalunterschrift von Noel vom 3. April 1996. History!
Josh Scott vs. ChatGPT
Josh Scott von JHS Pedals, Gitarren-YouTuber (knapp 600.000 Abonnenten) und Pedal-History-Nerd zeigt in seinem neuesten Video, wie lückenhaft und voller Fehler das „Wissen“ von KI-Chatbots wie ChatGPT über Gitarrenpedale und ihre Geschichte ist. Da könnte man jetzt sagen: Ja, klar, wer würde denn ChatGPT für so etwas nutzen?! Leser meiner Metalcon Review sicher nicht!
Die Antwort liegt auf der Hand: Alle die, die ganz am Anfang stehen und die Echtheit von Quellen damit nicht einschätzen können. Und was machen KI-Chatbots landauf und landab? Fakten und Quellen erfinden, wo ihnen Daten fehlen (halluzinieren), Quellen nicht nennen. Und das ist für Newbies bei so einem Nischenthema nicht ungefährlich.
In Josh’s Video erfindet ChatGPT den Ibanez Big Muff Pi, der Tube Screamer kommt von „Bibanez“, wichtige Eckpunkte, wann wer welches Pedal gebaut und genutzt hat, bringt es auch durcheinander. Also wundert euch nicht, wenn demnächst Neulinge in eurer Pedal-Nerd-Facebookgruppe oder eurem Lieblingsforum ein paar haarsträubende Dinge behaupten.
Weitere Ausgaben der Gitarren-Boutique
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