von  Jan Rotring  | |  Lesezeit: 4 Min
Sound speichern

Sound speichern  ·  Quelle: Robert Kemp

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Es ist einer dieser magischen Momente. Der Amp steht genau richtig, das Pedalboard fühlt sich plötzlich logisch an, der Raum spielt mit – und dein Sound ist da. Nicht gut. Nicht brauchbar. Sondern perfekt. Du spielst einen Akkord und denkst: Genau so. Für immer. Jetzt den Sound speichern.

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Zehn Minuten später ist er weg.

Willkommen im ewigen Dilemma aller Gitarristen: Warum speichern wir unsere besten Sounds nie – oder zumindest nie so, dass sie reproduzierbar sind? Und noch wichtiger: Wie kommt man diesem Ideal wenigstens näher, ohne den Spaß am Schrauben zu verlieren?

Das Problem ist nicht dein Gear – es bist du

Der erste Irrtum: Gitarristen glauben, ihr Sound liege im Equipment und Sound speichern ist easy. In Wahrheit entsteht er irgendwo zwischen Händen, Lautstärke, Tagesform und Raum. Drehst du denselben Amp heute auf Zimmerlautstärke und morgen im Proberaum auf Bandpegel, verhält er sich faktisch wie ein anderes Gerät.

Warum das so ist, lässt sich ziemlich nüchtern zusammenfassen:

  • Dein Gehör passt sich ständig an – was eben noch brillant war, klingt Minuten später normal.
  • Lauter wird schnell mit besser verwechselt, selbst wenn objektiv nichts besser wird.
  • Tagesform, Müdigkeit und Euphorie verändern deine Wahrnehmung stärker als jedes Pedal.

Der perfekte Sound ist kein fester Zustand, sondern ein flüchtiger Moment. Und genau deshalb lässt er sich so schlecht konservieren. 

Presets sind keine Garantie – sondern Momentaufnahmen

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Sound speichern - Das klang doch gestern noch anders?
Sound speichern – Das klang doch gestern noch anders? · Quelle: frantic / Alamy

Digitale Presets versprechen Ordnung und Sicherheit. In der Realität heißen sie oft „Crunchpart_3_final_FINAL_v2“ und klingen am nächsten Tag trotzdem komplett daneben.

Das liegt nicht an schlechter Technik, sondern am fehlenden Kontext. Ein Preset speichert weder den Raum, in dem du gespielt hast, noch die Lautstärke, noch das Zusammenspiel mit anderen Instrumenten. Es hält nur eine Momentaufnahme fest – ohne zu wissen, warum sie funktioniert hat.

Ein Preset, egal ob in der DAW oder auf dem Quad Cortex abgelegt, ist ohne Referenz wie ein Foto ohne Angaben zur Belichtung. Es sieht gleich aus, fühlt sich aber anders an. Presets funktionieren nur dann zuverlässig, wenn das Umfeld gleich bleibt. Und das ist etwas, woran sich gerade Gitarristen traditionell nicht halten. 

Nicht umsonst werden auch bei den professionellsten Gigs und Setups stets und ständig Soundchecks durchgeführt, Abmischungen vorgenommen und Nuancen angeglichen. Willkommen in der Welt der Live-Musik.

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Markierungen helfen – aber nur deinem Gedächtnis

Ja, die klassischen Edding-Striche, Tape-Markierungen und Fotos von Amp und Pedalboard sind erlaubt. Sie sind kein Zeichen von Schwäche oder Verzweiflung, sondern von Erfahrung. Aber sie speichern keinen Sound – sie speichern eine Erinnerung.

Markierungen helfen dir, schneller an einen vertrauten Punkt zurückzukehren. Sie sind ein Startpunkt, kein Ziel. Wer glaubt, damit den perfekten Ton einzufrieren, wird enttäuscht. Wer sie nutzt, um Zeit zu sparen, hat verstanden, wofür sie da sind.

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Der ehrlichste Weg: Sound als Prozess akzeptieren

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Der vielleicht wichtigste Schritt ist gleichzeitig der unbequemste: Hör auf, deinen perfekten Sound festhalten zu wollen.

Jeder Raum verändert ihn. Jede Band verändert ihn. Jeder Song verlangt etwas anderes. Der beste Sound ist selten der, den du einmal hattest – sondern der, der jetzt funktioniert. Gitarristen, die das akzeptieren, schrauben weniger verzweifelt und spielen mehr Musik.

Fazit: Du speicherst keinen Sound – du trainierst dein Ohr

Am Ende bleibt eine simple, aber unbequeme Erkenntnis:

  • Du kannst keinen perfekten Sound archivieren und bei Bedarf abrufen, nur gute Ausgangspunkte schaffen.
  • Erfahrung ersetzt Presets, weil sie dir schneller sagt, was wie warum wann funktioniert.
  • Der beste Sound ist immer kontextabhängig

Vielleicht ist genau das der Grund, warum wir unsere besten Sounds nie speichern:
Weil sie nicht gespeichert werden wollen.

Und ganz ehrlich:
Das ist vielleicht auch gut so.

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