Vinyl digitalisieren: Schallplatten aufnehmen und als WAV oder MP3 speichern
Wie kann man Schallplatten digitalisieren und als MP3 oder WAV speichern?
Vinyl digitalisieren: Schallplatten sind so beliebt wie lange nicht mehr und werden wegen ihres besonderen Sounds, der haptischen Erfahrung und aus vielen weiteren Gründen geschätzt. Aber Platten haben auch ein paar Nachteile: Die Musik lässt sich nicht bequem mitnehmen und auf dem Smartphone abspielen, in deine persönlichen Cloud lässt sich Vinyl auch nicht uploaden. Und wer als DJ gerne mit USB-Stick und Mediaplayern spielt, weiß digitale Files ebenfalls zu schätzen. Die Lösung ist aber kein Hexenwerk, denn du kannst deine Schallplatten einfach digitalisieren. Wir zeigen dir, was du dafür brauchst und wie du dabei am besten vorgehst.
Das Wichtigste in Kürze
- Zum Digitalisieren von Schallplatten brauchst du einen Plattenspieler, eventuell einen Phono-Vorverstärker beziehungsweise einen Plattenspieler mit Line-Ausgang, ein Audiointerface und eine Software für die Aufnahme und Bearbeitung.
- Ein USB-Plattenspielerkann die einfachste Lösung sein, weil er direkt mit dem Computer verbunden wird und bereits über einen Phono-Vorverstärker verfügt.
- Bei einem klassischen Phono-Ausgang ist ein Phono-Preamp erforderlich, bevor das Signal in ein Audiointerface oder einen Computer gelangt – alternativ taugt dafür auch ein DJ-Mischpult mit Phono-Eingängen.
- Das Audiointerface sollte über zwei Line-Eingänge für eine Stereoaufnahme verfügen.
- Für die Aufnahme eignet sich bereits eine kostenlose Software wie Audacity.
- Für hochwertige Digitalisierungen empfiehlt sich eine Aufnahme mit 24 Bit und 44,1 kHz.
- Die Aufnahme sollte ausreichend Headroom besitzen und nicht in den roten Bereich aussteuern.
- Bei einem kompletten Album ist es sinnvoll, zunächst jede Plattenseite als eine durchgehende Aufnahme zu speichern und die einzelnen Songs anschließend zu exportieren.
- Nach der Aufnahme können DC Offset, Lautstärke, Knackser und andere störende Geräusche korrigiert werden.
- Für MP3-Dateien sollten Interpret, Album, Titel und weitere Metadaten gespeichert werden; Tools wie Kid3 können dabei helfen.
- Die unbearbeitete Originalaufnahme sollte immer als Backup erhalten bleiben.
Inhalt:
Warum Vinyl digitalisieren?
Es gibt einige gute Gründe, die eigenen Schallplatten aufzunehmen und in ein digitales Format zu bringen. Ein großer Vorteil von digitalen Audiofiles ist zum Beispiel, dass sich diese auf ein Handy oder einen Mediaplayer übertragen lässt. So kannst du deine Musik unterwegs, im Urlaub oder bei der Arbeit hören – schließlich lässt sich der Plattenspieler ja nicht überallhin mitnehmen.
Außerdem schonst du so deine Schallplatten vor zu viel Verschleiß. Grundsätzlich sollte Vinyl ja gespielt werden, aber seltene Stücke möchtest du vielleicht nur bei besonderen Anlässen auflegen.
DJs möchten Vinyl digitalisieren, weil sie mit digitalen Tracks heute sehr flexibel auflegen können und nicht extra schweres Vinyl schleppen müssen. In vielen Clubs stehen immer häufiger keine Turntable-Setups, und falls doch, kannst du dir oft nicht mehr sicher sein, wie gut das System funktioniert. Und wer sowieso primär digital auflegt, möchte bestimmt die Vinyl-only-Releases auch als Audiofile nutzen.
Ein weiterer Vorteil für DJs: In der DAW (oder dem Audioeditor) lassen sich eigene Edits erstellen. Vielleicht möchtest du das Intro etwas verlängern oder mit einer Software direkt ein paar Stems erstellen – alles kein Problem, sobald du das Vinyl digitalisiert hast.
Vinyl digitalisieren – das brauchst du

Du willst dein Vinyl digitalisieren? Dann setzen wir einfach mal voraus, dass du einen Schallplattenspieler und ein paar Platten besitzt. Was benötigst du noch, um deine Musik in Formate wie MP3 oder WAV zu bringen?
Falls du einen Schallplattenspieler mit USB-Anschluss (hier ein paar Modelle bei Thomann*) besitzt, wäre die einfachste Methode, diesen mit dem Rechner zu verbinden und dann die Musik mit einer dafür geeigneten Software aufzunehmen.
Dafür bietet sich eine App wie Audacity an, eine kostenlose Software zum Aufnehmen, Bearbeiten und Exportieren von Audiofiles. Die Software läuft auf den gängigen Rechnern und ist hier erhältlich. Es gibt ein paar vergleichbare Programme für diese Aufgabe, in diesem Artikel findest du ein paar Empfehlungen.

Ein Audiointerface – gerne auch „Soundkarte“ genannt – ist sinnvoll, wenn du über den analogen Ausgang des Plattenspielers (in der Regel im Cinch-Format ausgeführt) das Vinyl digitalisieren musst oder möchtest. In dieser Übersicht zeigen wir dir die aktuell besten Audiointerfaces unter 300 Euro.
Beim Kauf eines Audiointerfaces solltest du darauf achten, dass dies wenigstens zwei Line-Eingänge bietet, damit du Aufnahmen in Stereo machen kannst. Einige Interfaces bieten zwei Eingänge, in einigen Fällen taugt aber nur ein Eingang für Line-Signale, der andere ist für Mikrofone oder Instrumente bestimmt.
Praktisch ist auch, wenn das Interface recht kompakt ist und über den (USB-) Anschluss mit Strom versorgt wird. Und ein Kopfhöreranschluss ist ebenfalls nützlich, um die Aufnahme direkt abzuhören. Hier sind ein paar günstige Modelle mit USB*, die sich gut zum Vinyl digitalisieren eignen.
Du musst außerdem prüfen, was für ein Signal dein Plattenspieler ausgibt. Immer mehr Modelle verfügen über einen (umschaltbaren) Line-Ausgang, üblicherweise sind Turntables aber mit speziellen Phono-Ausgängen bestückt. In dem Fall benötigst du einen Phono-Vorverstärker. Vielleicht nutzt du schon so ein Gerät, weil du damit den Plattenspieler in dein Setup integrierst – dann bist du bereits auf der „sicheren Seite“.
Es kann aber auch sein, dass dein Vinyl-Player an einem (DJ-) Mischpult angeschlossen ist. In diesem Fall verbindest du den Ausgang des Mixers einfach mit dem Eingang des Audiointerfaces. Bei klanglich guten Mischpulten hast du sogar den Vorteil, dass du den Sound mit den EQs direkt ein bisschen verbessern kannst – falls das für dein Empfinden nötig sein sollte.

Wenn du einen Phono-Preamp benötigst, findest du hier bei Thomann* eine Auswahl verschiedener Modelle in den unterschiedlichsten Preiskategorien. Es gibt dabei sogar Modelle wie ART USB Phono Plus PS*, die eine USB-Schnittstelle bieten und so wie eine Art Audiointerface funktionieren – du kannst damit also sogar das Vinyl digitalisieren!
Vor dem Kauf eines Vorverstärkers musst du aber auch noch überprüfen, ob du ein MM- oderMC-System am Plattenspieler nutzt, denn nicht jeder Preamp eignet sich für MC-Systeme. Die meisten Turntables verwenden aber Moving-Magnet-Systeme (also MM), wer die teureren MC-Systeme benutzt, weiß das vermutlich ganz genau und hat sich so ein System nach reiflicher Überlegung bewusst zugelegt.
Vinyl digitalisieren: Die Aufnahme
Okay, du verfügst über die gerade genannte Ausrüstung? Dann bist du bestens ausgerüstet und kannst dein Vinyl digitalisieren. Falls du die Schallplatte vorher noch ein bisschen säubern und von Schmutz befreien willst, ist jetzt ein guter Augenblick dafür. In diesem Artikel geben wir dir ein paar Tipps zum Thema Vinylpflege.
Du verbindest das aus dem Plattenspieler kommende Cinch-Kabel (High-End-Fans nutzen dafür spezielle NF-Kabel wie dieses hier*) mit dem Eingang am Audiointerface. Gut möglich, dass dein Interface über keine Cinch-Eingänge verfügt – in diesem Fall ist ein passendes Kabel von Cinch auf Klinke sinnvoll (findest du hier*).
Nun startest du in der Software (wie eben Audacity hier als Beispiel) die Stereoaufnahme. Die heute gängigen Audiointerfaces unterstützen hohe Auflösungen – ich persönlich würde 24 Bit und 44,1 kHz für die Aufnahme wählen. Wer eine noch höhere Auflösung beim Vinyl digitalisieren wünscht, muss dies in der Software entsprechend einstellen und natürlich checken, ob das Interface dies unterstützt. Ansonsten ist 16 Bit und 44,1 kHz natürlich auch in Ordnung – das ist der Standard bei früheren Soundkarten und übrigens die gleiche Auflösung, die bei Audio-CDs verwendet wird.
Wenn du nicht nur einzelne Titel, sondern ein ganzes Album aufnimmst, ist meine Empfehlung, dass du jede Seite des Albums als eine Datei aufzeichnest. Wenn du dann nämlich am Ende die Lautstärke anpasst, bleibt die Musik in dieser Hinsicht konsistent. Du kannst dann als letzten Schritt die einzelnen Titel im Audioeditor markieren und jeden für sich exportieren.
Zum Vinyl digitalisieren gehört die richtige Aussteuerung der Lautstärke. Die Aufnahme sollte nämlich nicht übersteuert und verzerrt klingen. Deshalb solltest du die Lautstärke so einstellen, dass die lautesten Parts der Platte nicht die Pegel am Interface oder in der Recording-Software in den roten Bereich bringen. Also lieber etwas leiser, aber auch nicht zu leise! In der Software für die Aufnahme kannst du ja meistens die Pegel sehen, hier sollten so ungefähr -6 bis -3 dB ein guter Richtwert sein. In der Nachbearbeitung kannst du nachträglich die Lautstärke anpassen.
Vinyl digitalisieren: Bearbeitung nach der Aufnahme

Wenn die Aufnahme steht, solltest du die Datei direkt einmal speichern und erst dann an die Bearbeitung und den Export gehen. Hier empfiehlt sich, von vornherein mit eindeutigen Namen wie „Artistname – Albumtitel – Songnummer – Songtitel“ zu arbeiten. Dann behältst du einfach besser die Übersicht. Es ist praktisch, wenn du weitere Bearbeitungsschritte nicht mit der gespeicherten Originalaufnahme durchführst. Lege also besser eine Kopie an – auch wenn einige Editoren nicht-destruktiv arbeiten!
Im nächsten Step entfernst du den sogenannten DC Offset. Dabei handelt es sich um eine unerwünschte Gleichspannung, die bei der Aufnahme entstehen kann und im Prinzip mit einem Klick in dem Audio-Editor entfernt wird. In Audacity findest du diese Funktion bei der Normalisierung, zu der wir im nächsten Punkt kommen.
Die Normalisierung ist der übliche Weg, um die Lautstärke auf einen „guten“ Level zu bringen. Dabei wird oft ein Wert von 0 dB als Zielwert genommen – ich empfehle aber hier etwas „Luft“ zu lassen und für ein bisschen Headroom zu sorgen. Wähle also lieber einen Wert, der bei ungefähr -0,3 dB liegt – so muss du beim Exportieren in das MP3-Format nicht das Entstehen von Inter-Sample-Clipping fürchten. Einige empfehlen sogar -1 dB, ich persönlich bin mit -0,3 dB bisher aber immer gut gefahren.
Nun kannst du im Prinzip bereits die einzelnen Titel als MP3 exportieren – hierbei solltest du bereits Artist- oder Band-Namen, Albumtitel, Songtitel und weitere Infos in Tags speichern. Diese lassen sich später mit einem kostenlosen Tool wie Kid3 (hier die Website) noch weiter verfeinern (inklusive Cover-Bild).

Audacity bietet übrigens auch einige Tools zum zusätzlichen „Bereinigen“ der Aufnahme, falls du Klicks oder andere störende Geräusche vor dem Export aus der Aufnahme entfernen willst. Hier empfehle ich, unbedingt mit einem Backup der Aufnahme zu arbeiten – für den Fall, dass dabei nicht das gewünschte Ergebnis herauskommt.
Wer noch mehr aus der Aufnahme herausholen will, geht mit gezielten Tools an die Bearbeitung und benutzt einfache Audiokorrektur- und Mastering-Werkzeuge. In diesem Workshop auf Bonedo wird dieser Aspekt detaillierter ausgeführt, falls du das Thema vertiefen willst. Dort findest du zudem ein paar weitere Tricks und Empfehlungen.
Fazit
Wer Vinyl digitalisieren will, braucht dafür nicht viel: Ein Plattenspieler, eventuell einen Phono-Vorverstärker, ein Audiointerface mit zwei Line-Eingängen und eine bereits kostenlos verfügbare Recording-Software reichen für eine hochwertige Digitalisierung von Schallplatten aus. Für Archivaufnahmen empfiehlt sich eine WAV-Datei mit 24 Bit/44,1 kHz, während MP3 vor allem für die platzsparende Nutzung auf Smartphone, Computer oder Mediaplayer geeignet ist. Wichtig sind außerdem eine saubere Schallplatte, ausreichend Headroom bei der Aufnahme und ein Backup der unbearbeiteten Originaldatei.
FAQ-Sektion
Wie kann man Schallplatten digitalisieren?
Du verbindest deinen Plattenspieler über einen Phono-Vorverstärker beziehungsweise dessen Line-Ausgang mit einem Audiointerface und nimmst das Signal anschließend mit einer Software wie Audacity auf. Bei einem USB-Plattenspieler kann die Verbindung direkt über USB erfolgen.
Was braucht man zum Digitalisieren von Vinyl?
Für eine klassische Lösung benötigst du einen Plattenspieler, einen Phono-Preamp, ein Audiointerface, passende Kabel und eine Recording-Software. Verfügt dein Plattenspieler bereits über einen integrierten Phono-Vorverstärker oder USB, kann zusätzliche Hardware entfallen. DJ-Mixer mit Phono-Eingängen verfügen über oft gut klingende Phono-Vorverstärker.
Kann man Schallplatten direkt über USB digitalisieren?
Ja. Besitzt dein Plattenspieler einen USB-Ausgang, kannst du ihn direkt mit dem Computer verbinden und die Aufnahme beispielsweise mit Audacity durchführen.
Brauche ich einen Phono-Vorverstärker zum Digitalisieren von Vinyl?
Das hängt vom Plattenspieler ab. Gibt er ein reines Phono-Signal aus, benötigst du einen Phono-Vorverstärker. Bei einem Plattenspieler mit integriertem Phono-Preamp oder Line-Ausgang ist kein zusätzlicher externer Phono-Preamp erforderlich. DJ-Mixer mit Phono-Eingängen verfügen über Phono-Vorverstärker und machen so eine zusätzliche Anschaffung überflüssig.
Welche Aufnahmequalität sollte man für Vinyl verwenden?
Für eine hochwertige Archivaufnahme bietet sich 24 Bit/44,1 kHz an. 16 Bit/44,1 kHz ist ebenfalls möglich und entspricht der Auflösung einer Audio-CD.
Welches Format ist besser: WAV oder MP3?
WAV eignet sich besser als verlustfreies Archivformat, weil die Aufnahme nicht durch eine verlustbehaftete Kompression verändert wird. MP3 ist dagegen praktisch für Smartphone, Streaming oder mobile Player, benötigt aber deutlich weniger Speicherplatz.
Für eine langfristige Archivierung würde ich daher empfehlen: zunächst WAV sichern und daraus bei Bedarf MP3-Dateien erstellen.
Wie laut sollte man Vinyl aufnehmen?
Die Aufnahme sollte so ausgesteuert werden, dass die lautesten Stellen nicht übersteuern. Ein Richtwert von etwa -6 bis -3 dB Peak bietet ausreichend Sicherheitsabstand. Die endgültige Lautstärke kannst du anschließend in der Software anpassen.
Wie kann man Knackser aus einer Vinyl-Aufnahme entfernen?
Viele Audioeditoren bieten Werkzeuge zur Entfernung von Klicks und Knacksern. Audacity verfügt beispielsweise über entsprechende Funktionen. Dabei solltest du immer mit einer Kopie der Originalaufnahme arbeiten, damit die ursprüngliche Digitalisierung erhalten bleibt.
Sollte man Vinyl vor dem Digitalisieren reinigen?
Ja. Eine saubere Schallplatte reduziert Staub, Knackser und andere Störgeräusche bereits an der Quelle. Deshalb ist die Reinigung der Platte ein sinnvoller Schritt vor der Aufnahme.
Wie digitalisiert man eine komplette LP?
Am praktischsten ist es, zunächst jede Plattenseite als eine einzige WAV-Datei aufzunehmen. Danach kannst du die einzelnen Songs im Audioeditor markieren und separat exportieren. So bleibt die ursprüngliche Aufnahme erhalten und alle Titel einer Seite können konsistent bearbeitet werden.
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