Synth-80: Der legendäre Roland MKS-80 Super Jupiter ist jetzt ein Plugin
Ein Solo-Entwickler bringt den seltenen Rack-Synth nach über 40 Jahren erstmals als Software
Der japanische Entwickler Jun Murakami hat mit Synth-80 die nach eigenen Angaben weltweit erste vollwertige Emulation des Roland MKS-80 Super Jupiter veröffentlicht, genauer gesagt der Rev.4-Version. Synth-80 kostet in der Einführungsphase bis zum 7. Juli 59 US-Dollar statt regulär 99 US-Dollar. Und das für einen Synth, auf dessen Software-Umsetzung die Branche ziemlich lange gewartet hat. Für alle Fans dieses legendären Sounds lohnt sich ein Check.
Synth-80: Alle Infos zur ersten Software-Emulation des Roland MKS-80 Super Jupiter
Der Roland MKS-80 Super Jupiter: Ein seltener Exot
Der MKS-80 erschien 1984 als Teil von Rolands Rackmount-MKS-Serie und ist klanglich eine ziemlich eigenwillige Mischung. Er vereint Elemente sowohl des Jupiter-8 als auch des Jupiter-6 in einem 8-stimmigen, polyphonen Analogsynthesizer. Dazu kommt eine Eigenheit, die für ein Analoggerät seiner Zeit ziemlich ungewöhnlich war: Fast jeder Parameter lässt sich per MIDI ansteuern. Den MKS-80 gab es zudem in zwei unterschiedlichen Revisionen, Rev 4 und Rev 5, jeweils mit eigenen VCOs, VCAs und Filtern. Im Schatten des deutlich bekannteren Jupiter-8 stehend, blieb er bislang ohne Software-Pendant, das sich in der DAW spielen lässt.

Synth-80: 100 Messprogramme für die perfekte Emulation
Hinter Synth-80 steckt Jun Murakami, eigentlich Jun Takahashi, der seit 1999 als Komponist für Film und visuelle Medien arbeitet, unter anderem für den Anime „Steins;Gate” und den Otsuichi-Film „GOTH”. Seit 2011 war er bei MAGES Inc. als Music Director und A&R für zahlreiche Künstler und Marken tätig, seit 2025 arbeitet er freiberuflich und hat sich verstärkt der Programmierung zugewandt. Synth-80 ist sein erstes veröffentlichtes Plugin.
Für die Analyse hat Murakami über 100 eigene automatisierte Messprogramme geschrieben, die jeden einzelnen Schaltkreis und Parameter eines echten MKS-80 Rev.4 abgeklopft haben. Die Feinabstimmung der DSP-Engine nahm er anschließend nach Gehör vor, gestützt auf über 25 Jahre Erfahrung als Komponist und Musikproduzent. Bei vielen Patches soll im direkten A/B-Vergleich kaum noch ein Unterschied zwischen Hardware und Software hörbar sein, von den feinen Eigenheiten der Filter bis zum charakteristischen Rauschen des Noise-Oszillators.
Aufbau und Bedienung: Bewusst simpel gehalten
Klanglich bildet Synth-80 den kompletten Signalweg des Originals nach, von zwei VCOs über ein Hochpassfilter bis zum 24dB/Oktave-Tiefpassfilter, dazu zwei Hüllkurvengeneratoren und ein LFO. Über den Key Mode lässt sich der Synth als einzelnes Instrument, im Dual-Modus oder als Split spielen.

Bei der Oberfläche hat sich Murakami bewusst gegen eine ausufernde Modulationsmatrix entschieden. Alle Parameter sitzen auf einem einzigen Screen, die Bedienphilosophie orientiert sich an Synth1 von Daichi. Fährt man mit der Maus über einen Regler, leuchten die verbundenen Module auf, sodass sich der Signal- und Modulationsfluss auf einen Blick erschließt, praktisch gerade für Einsteiger.
Vier Chorus-Typen und mehr: Die Effektsektion
Die Effekte gehören zu den wenigen Bereichen, in denen Synth-80 tatsächlich über das Original hinausgeht, und lassen sich sogar als eigenständiges Plugin namens Synth-80 FX laden. Im Zentrum stehen vier unterschiedliche Chorus-Typen: Synth Chorus orientiert sich am Schaltkreis aus Junos der 60er/106er-Reihe, Studio Chorus emuliert den legendären Roland Dimension D, Pitch Chorus lehnt sich an Eventide-Geräte an, und Digital Chorus bietet die meisten Parameter zur Feinabstimmung. Dazu kommen ein Reverb mit Hall-, Plate- und Room-Algorithmen sowie ein Kompressor nach dem ZeroComp-Algorithmus.
Editor und Librarian für echte MKS-80-Besitzer
Wer tatsächlich noch einen echten MKS-80 im Rack hat, bekommt mit Synth-80 gleichzeitig einen vollwertigen Editor und Librarian für die Hardware, inklusive Patch-Bulk-Dump, Bank-Builder und direktem Parameter-Austausch. Einzige Einschränkung: Der originale MPG-80-Editor lässt sich wegen der MIDI-Output-Spezifikation der Hardware nicht zusätzlich als Editor für das Plugin nutzen.
Fazit
Eine Software-Emulation des MKS-80 ist schon ziemlich überfällig gewesen, gerade weil der Synth neben dem übermächtigen Jupiter-8 immer ein bisschen untergegangen ist. Dass ausgerechnet ein Solo-Entwickler mit seinem ersten Plugin diese Lücke schließt, und das offenbar mit ziemlich viel Liebe zum Detail, finde ich richtig sympathisch. Wer CPU-Reserven übrig hat, sollte sich die Demo zumindest mal anhören.
Preis und Verfügbarkeit
Jun Murakami Synth-80 kostet aktuell in der Einführungsphase bis zum 7. Juli 59 US-Dollar (regulär 99 US-Dollar) und ist direkt hier über die Herstellerseite erhältlich, inklusive Demo zum Download und einer spielbaren Browser-Version direkt auf der Webseite. Sehr cool! Das Plugin läuft als Standalone, VST3 und AAX unter Windows sowie zusätzlich als AU unter macOS.
Hier gibt es Alternativen:
Weitere Informationen
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