von  Marcus Schmahl  | |   Als bevorzugte Quelle auf Google hinzufügen   |  Lesezeit: 5 Min
Noisquito: SINEEs neues Noise-FM-Filter bringt Bewegung in sterile Hi-Hats und Basslines

Noisquito: SINEEs neues Noise-FM-Filter bringt Bewegung in sterile Hi-Hats und Basslines  ·  Quelle: SINEE

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SINEE, eigentlich vor allem als Fortbildungsplattform für Musikproduzenten mit Online-Kursen und Tutorials bekannt, veröffentlicht mit Noisquito ein Plugin, das ein Problem löst, das wohl jeder Techno- und Electronic-Producer kennt: Ein Sound ist technisch sauber, sitzt korrekt im Frequenzbild, klingt aber trotzdem leblos. Statt einer zweiten Spur mit Noise oder Vinyl-Rauschen setzt Noisquito direkt am Filter an, das Rauschen wird nicht addiert, sondern moduliert das Signal selbst. Nach Chop Suey und Kikzilla ist es bereits das dritte Plugin des Kölner Anbieters.

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Warum ein sauberer Sound immer langweilig klingt

Der Ansatz von Noisquito unterscheidet sich fundamental von klassischen Noise-Layering-Tricks. Statt ein hörbares Zweitsignal über den Sound zu legen, dient das Rauschen hier als Modulator auf dem Filter. Am unteren Ende der Skala entsteht ein so eine Art Shimmer-Sound, den man eher spürt als hört, genau die Art von Unruhe, die einen digitalen Sound analog wirken lässt. In der Mitte wird daraus hörbare Körnung. Weit aufgedreht ersetzt die Textur den Ausgangssound komplett und wird selbst zur Klangquelle.

Für Techno- und Electronic-Producer dürfte das direkt Anwendungsfälle wecken: Hi-Hats, die im Mix zu metallisch und dünn wirken, Basslines, die sich gegen die Kick behaupten sollen, ohne lauter zu werden, oder Pads und Rumbles, die über acht Takte hinweg sonst kaum Entwicklung zeigen. Genau die Art Detailarbeit, die einen Track am Ende von „ganz okay“ zu „sitzt richtig“ bringt.

Easy- und Pro-Ansicht: Zwei Oberflächen für zwei Arbeitsweisen

Noisquito trennt bewusst zwischen zwei Anwendergruppen. Die Easy-Ansicht zeigt absichtlich nur das Nötigste: Preset und drei Macros, deren Beschriftung sich automatisch mit dem geladenen Preset ändert. Wer noch nie mit Noise-Modulation gearbeitet hat, lädt ein Preset, dreht an einem Regler und hört sofort etwas Sinnvolles, ohne dass sich etwas falsch einstellen lässt.

  • SINEE Noisquito
  • SINEE Noisquito
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Die Pro-Ansicht öffnet dagegen die komplette Engine: Charakter der Textur vom breiten Rauschen bis zur engen Körnung, Frequenzlage, Auflösung und Biss ins Signal, dazu ein Klangformer mit Cutoff, Resonance, Filtertyp und Drive. Beide Ansichten steuern denselben internen Zustand, wer in Easy anfängt und tiefer eingreifen möchte, schaltet einfach um und arbeitet an der gleichen Einstellung weiter.

Drei Effekte: Decay, Granular und Finish

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Ergänzt wird die Filter-Engine durch drei Effektsektionen. Decay arbeitet nach dem Prinzip eines Vocoders, Noise ist der Träger, das Eingangssignal steuert es, ein regelbares Release bestimmt, wie lange es ausläuft. Aus einem kurzen Klick wird so ein Zischen mit Ausklang. Granular ist ein tempo-synchrones granulares Delay mit Spray, das die Textur in Fragmente zerlegt und im Takt verteilt, praktisch für Sounds, die über mehrere Takte sonst kaum Bewegung zeigen. Finish schließlich ist ein Tilt-EQ für die Balance zwischen Tiefen und Höhen vor einer OTT-artigen Kompression, damit die Textur im Mix sitzt und bei Transienten nicht aus der Reihe tanzen.

Für Modulation stehen zwei LFOs, frei laufend oder tempo-synchron, sowie ein Envelope-Follower zur Verfügung, die sich auf praktisch jeden Parameter legen lassen. Der Envelope-Follower macht dabei das Eingangssignal selbst zur Steuerquelle, die Textur reagiert also direkt auf das, was gerade gespielt wird, ein MAP-Modus markiert per Klick alle modulierbaren Regler.

In der Praxis: So setzt ihr Noisquito im Techno-Mix ein

Wer im Techno- oder Electro-Kontext arbeitet, sollte Noisquito am besten direkt an drei typischen Problemstellen ausprobieren. Bei dünnen Hi-Hats reicht oft schon eine niedrige bis mittlere Noise-Menge im Bandpass-Modus, kombiniert mit etwas Granular-Mix, um aus einem sterilen Sample plötzlich einen durchsetzungsfähigen Sound für euren Mix zu erzeugen. Bei Basslines, die sich gegen die Kick behaupten sollen, lohnt sich der Envelope-Follower auf dem Cutoff, so öffnet sich die Textur genau dann, wenn der Bass tatsächlich spielt, und bleibt in den Pausen unauffällig.

Für lange Pads oder Drones, die über acht Takte hinweg sonst kaum eine Entwicklung durchlaufen, sorgt der tempo-synchrone Granular-Effekt mit moderatem Spray-Wert für organische Bewegung, ohne dass ihr händisch automatisieren müsst. Wer generell unsicher ist, wo er anfangen soll: Einfach eines der 54 Presets checken, an den drei Easy-Macros drehen und hören, was passiert, genau dafür ist die Easy-Ansicht gedacht.

Fazit

Noisquito verfolgt einen eigenen Ansatz und ist nicht nur ein weiteres Vinyl-Noise-Plugin. Gerade die Idee, Rauschen als Modulator statt als Zweitsignal zu nutzen, ist für elektronische Musik sehr sinnvoll. Die klare Trennung zwischen Easy- und Pro-Ansicht macht das Plugin sowohl für Einsteiger ins Sounddesign als auch für erfahrene Producer interessant, die genau wissen, was sie an Textur brauchen. Wer regelmäßig mit sterilen, zu sauberen Sounds kämpft, sollte sich die 14-tägige Testversion definitiv einmal anschauen.

Preis und Verfügbarkeit

SINEE Noisquito kostet zum Start 39,90 Euro inklusive MwSt. (regulär 49,90 Euro) und ist ab sofort über sinee.de erhältlich. Eine 14-tägige vollfunktionsfähige Testversion steht auf audiotools.sinee.de zur Verfügung. Die Lizenz ist personenbezogen und gilt für bis zu drei Rechner, die Aktivierung läuft einmalig online, danach arbeitet das Plugin offline.

Noisquito läuft als VST3 und AU unter macOS ab 10.13 oder höher sowie unter Windows x64. Mit an Bord sind 54 Presets, 14 UI-Themes samt hellem und dunklem Modus, schaltbares Oversampling und Hover-Hilfe in vier Sprachen.

Weitere Informationen

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