von  Moogulator  | |  Lesezeit: 5 Min
FM-Bass erstellen

FM-Bass erstellen auf jedem FM-Synthesizer  ·  Quelle: Moogulator

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Es wird immer wieder behauptet, dass FM „nicht zu kontrollieren“ sei. Dieser Mythos stirbt langsam, angesichts der deutlich steigenden Menge an verfügbaren FM-Synthesizern. Es ist nämlich absolut nicht schwer, eben mal einen FM-Bass zu bauen, der mit wenigen Handgriffen funktioniert.

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FM-Bass – Womit machen?

Der „Lately Bass“ aus dem alten TX81Z / DX-11 war ein gern gesehener Disco-Kollege und in vielen Produktionen der Achtziger zu hören. Aber: selbst bauen ist extrem einfach. In Ableton Live ist der Operator schon lange enthalten. Es gibt so viele neue FM-Synths, dass man sich fragen muss: Nehme ich einen opsix, den Leviasynth, den Essence-FM oder gar den Digitone 2?

Das sind noch nicht einmal alle! Nutze gern auch eine App für einstellige Euro-Beträge wie DXiNFMDixieFM4 oder den Free-Klassiker Dexed. Alle liefern diesen Bass, und er wird überall ähnlich aufgebaut. Jeder dieser und weiterer Synthesizer ist nutzbar. Mit ihnen lassen sich die erklärten Sounds einfach auf andere FM-Synthesizer übertragen.

FM-Bass Methoden

Es gibt zwei schnelle Methoden, einen Sound zu erstellen. Eine nutzt zwei Operatoren, eine weitere alle, die möglich sind, als parallele Reihe, die dann per Filter banal und primitiv als Standard-VA-Synthesizer missbraucht werden. Die erste Methode klappt nur bei jenen Synths, die Filter anbieten (opsix, Leviasynth etc.).

Starte mit einem neutralen „Init Patch“ und setze den parallelen Algorithmus, hier 11: Kein Operator wird moduliert.

Additiv - Algorithmus 11 - alles ist gleich ohne FM
Quelle: Moogulator
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Für die simple Methode kannst du die Operatoren auf Sägezahn oder Rechteck stellen oder die Wellenformen auch mischen. Verstimme sie leicht gegeneinander und wähle den Algorithmus, in dem alle Operatoren Träger sind. In Operator ist das Nr. 11. Einen der Operatoren = Oszillatoren kannst du eine Oktave tiefer setzen. Er dient dann als Suboszillator, der auch mit obertonärmeren Wellenformen funktioniert.

Die Filterhüllkurve sollte perkussiv mit sofortigem Anschlag und etwas Decayzeit von etwa 270 ms eingestellt sein. Der Sustainpegel sollte abgesenkt sein. Etwas Anschlagdynamik macht den Sound bereits spielbar. Resonanz lässt du eher weg. Eine minimale Modulation durch einen LFO auf einen oder zwei der Operatoren macht den Klang lebendiger. Dies ist eine eher additive Methode und nutzt die FM nicht. Wenn du einen kleinen Ausklang willst, müssen alle Operatoren jeweils etwas Release bekommen, ebenso die Filterhüllkurve.

Additiver FM-Bass ohne FM ;)
Kleiner billiger Trick.
FM-Bass ohne FM · Quelle: Moogulator

Die konventionelle und echte FM-Methode funktioniert ohne Filter. Dabei werden Sinuswellen verwendet. Die Ur-FM-Synthesizer besitzen keine oder nur wenige Wellenformen außer Sinus und auch kein Filter. Sie haben mindestens vier Operatoren, andere haben sechs, manche sogar acht. Für den Standard-Bass brauchst du nur zwei Operatoren:

FM-Bass Einstellungen A: Träger Operator

Stelle den ersten Operator (Träger) auf eine sofort aktive Hüllkurve mit etwas Release (1 Sekunde) sowie maximalem Sustain und maximalem Pegel ein. So erklingt er stets und hat einen leichten Ausklang (400 ms bis 1 Sekunde).

FM-Bass Operator A Träger Hüllkurve
FM-Bass Operator A Träger Hüllkurve · Quelle: Moogulator

FM-Bass Einstellungen B: Modulierender Operator

Der zweite Operator moduliert den ersten und hat die gleiche Frequenz (1:1). Deshalb ist der Algorithmus auf 8 gesetzt (oder vorerst auf einen, bei dem mindestens zwei OPs übereinander stehen). Seine Hüllkurve hat ebenfalls keinen Attack (0 ms), dafür ein Sustain im unteren Drittel des Maximums. Je höher er liegt, desto stärker wird das „Knurren“, etwa zwischen –12 und –26 dB in Abletons Beschriftungsdiktion.

Das Release liegt, für meinen Geschmack, bei etwa 400 ms. Es ist also deutlich kürzer als unser „simulierter VCA“ im ersten Operator mit 0,4 bis 2 Sekunden. Der Pegel ist hier maximal. Bei vielen FM-Synths ist etwas weniger oft auch sinnvoll – daher empfehle ich, das nach Geschmack herunterzuregeln. Der FM-Bass ist auch deshalb bedämpft, weil die Anschlagdynamik zu 79 % auf die Operator-Lautstärke wirkt. Damit passt der Bass wunderbar in viele Situationen, von Kraftwerk über Techno bis Disco.

FM Bass Operator B Modulator
FM Bass Operator B Modulator · Quelle: Moogulator

Eigentlich ist es hier bereits vollbracht. Der FM-Bass ist bereits da. Ab diesem Punkt geht es um…

Geschmack und Anpassung

Spiele mit dem Level und dem Decay des modulierenden Operators (hier „B“). In der Reihenfolge findest du ihn hier als cyanfarbene Minidarstellung der übereinanderliegenden Operatoren-Struktur (Algorithmus 1), bei dem alle Operatoren so angeordnet sind, dass sie sich gegenseitig modulieren (steuern). Drehe nur das Level des ersten hoch und das des zweiten so weit, bis die gewünschte höchste Obertonstruktur zu hören ist, die dir noch zusagt. Die Einstellungen findest du im markierten Teil links, wo du Hüllkurve und Frequenzen sehen kannst.

Wenn du es „holziger“ haben willst, also rechteckiger (Acid-Sound), kannst du dem Träger (Operator A) eine tiefere relative Frequenz von 0,5 statt 1 geben. Er klingt dann ähnlich wie der Bass in LFOs Track „We Are Back“, der allerdings kein FM-Bass, sondern ein Analog-Klassiker ist. Passe die Anschlagdynamik auf OP B und den Sustainpegel deinen Wünschen an.

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Mehr Informationen

Breiter FM-Bass – 4 OP

Wenn du den Klang breiter machen möchtest, dann stelle zwei parallele Stränge ein. In Abletons Operator ist das Algorithmus 8.

Algorithmus 8 - 2 parallele Stränge
Quelle: Moogulator

Für einen 6-OP-FM-Synth (z. B. opsix) kannst du ein drittes Paar hinzufügen, bei dem E und F übereinander stehen. Du musst nur die Träger, hier also A und C, etwas verstimmen. Es reicht, die Frequenz von A beizubehalten und C leicht zu verändern. Nun hat dein Bass Schwebungen.

Etwas klanglich angepasster und weniger schrill wird der Sound, wenn die Pegel der Modulatoren nicht 100 %betragen. Fahre sie etwas herunter (ca. –7 bis –10 dB für OP B und D). Mit zwei Operatoren sieht die Einstellung dann so aus. Auch die Hüllkurve ist noch etwas abgesenkt. Dieser Sound klingt nach einem Rechteck-Acid-Bass. Stelle die Werte ruhig leicht unterschiedlich ein!

FM-Bass Acid-Rechteck - abgesenkte Levels, Zwei Stränge verstimmt um 120
FM-Bass Acid-Rechteck – abgesenkte Levels, Zwei Stränge verstimmt um 120 · Quelle: Moogulator

Mehr Obertöne (Slap-Bass der Achtziger) und vieles mehr lassen sich mit einem weiteren Modulator erreichen. Experimentiere, es ist nicht allzu schwer. Nutze dafür immer leicht perkussive Hüllkurven.

Hier einige taugliche FM-Synthesizer…

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