Envosound, jdrummer, Fuzz – 3 Freeware Plugins
Kostenlose Plugins der Woche
An diesem Freeware Sonntag geht es wieder einmal um kreative Tools, die Spaß machen und im Studio sofort für frische Ideen sorgen: Envosound bringt mit seinem nostalgischen Chiptune-Synthesizer echte Retro-Vibes in die DAW, während jdrummer mit einer umfangreichen Groove-Library den perfekten Schlagzeugpartner liefert. Und mit Fuzz von VZtec lässt sich schließlich der rohe Sound klassischer Gitarrenpedale digital nachbilden. Drei kostenlose Plugins, die unterschiedlicher kaum sein könnten, aber eines gemeinsam haben: Sie bringen Charakter, Energie und eine große Portion Inspiration in jede Produktion.
Falls ihr auf der Suche nach weiteren Freeware Plugins seid, schaut mal in unserer Sammlung vorbei!
Freeware Plugins der Woche
Tsuga Audio Envosound: Chiptune Sounds und Retro Arpeggios
Alle, die Chiptune-Sounds lieben und beim Gedanken an den Commodore C64 nostalgisch werden, sollten sich Envosound genauer ansehen. Der Software-Synthesizer des Herstellers Tsuga Audio fängt nämlich genau diesen Klangcharme früher Computerspiele ein und verbindet ihn mit modernen Tools für kreative Soundgestaltung. Anstatt sich an klassischen Synthesizer-Workflows zu orientieren, geht es hier darum, die typische Klangästhetik alter Soundchips neu zu interpretieren. Genau das macht Envosound für alle spannend, die elektronische Musik mit einem Hauch Retro und einem kräftigen Schuss Rhythmusgefühl produzieren möchten.
In den frühen Tagen der Videospiele arbeiteten Sounddesigner mit massiven Einschränkungen. Viele Systeme konnten nur einfache Wellenformen wie Square Waves erzeugen, meist monophon. Um dennoch harmonische Strukturen und komplexe Akkorde zu erzeugen, griffen Musiker zu einem Trick, der später zum Markenzeichen ganzer Genres wurde: rasante Arpeggios. Diese rhythmischen Tonfolgen ersetzten Akkorde und sorgten dafür, dass Melodien trotz der technischen Limitierungen lebendig und harmonisch wirkten. Genau hier knüpft Envosound an und bringt diesen charakteristischen Sound in die Gegenwart.
Envosound bietet nicht nur die typischen Schwingungsformen alter Soundchips, sondern erweitert sie um zusätzliche Varianten, die mehr klangliche Vielfalt erlauben. Besonders spannend ist der sogenannte relativistische Arpeggiator, der genau diese typischen Chiptune-Sequenzen erzeugt und dabei erstaunlich flexibel bleibt. Eine der markantesten Funktionen ist die beat-synchrone Clock: Sie passt das Tempo oder die Dichte des Arpeggios dynamisch an, ohne dass der Groove verloren geht. So lassen sich mit Envosound mühelos Übergänge und Spannungsmomente erzeugen, die an die Dynamik klassischer Spielemusik erinnern, aber perfekt in moderne Produktionen passen.
Neben dem Arpeggiator bietet Envosound ein Multimode-Filter, das per Hüllkurvegenerator gesteuert wird und den Sound somit organischer macht. Hinzu kommen Delay und Reverb, die für räumliche Tiefe sorgen, ohne den charakteristischen Retro-Klang zu überdecken. Wer mehr Kontrolle und Möglichkeiten wünscht, kann zur größeren Version namens Glaid greifen. Sie ist mit zwei Oszillatoren, einem erweiterten Modulationssystem und einem Step-Sequencer ausgestattet. Damit lassen sich komplexe Sequenzen oder MIDI-gesteuerte Arrangements umsetzen, die weit über das hinausgehen, was klassische Chiptune-Synths bieten konnten. Dieses Update kostet euch dann 29,99 US-Dollar.
Tsuga Audio Envosound gibt’s für macOS und Windows in den Formaten VST3 und AU.
Justin Ehrlichman jdrummer: Freeware SoundFont-basiertes Drum Machine Plugin
jdrummer von Justin Ehrlichman ist eines dieser Plugins, das beim ersten Start deutlich mehr bietet, als sein unscheinbarer Name vermuten lässt. Das kostenlose Drum-Plugin basiert auf SoundFont-Kits und liefert eine erstaunlich vielseitige Auswahl an akustischen, elektronischen und experimentellen Drumsets. Insgesamt stehen 28 Kits zur Verfügung, darunter klassische Rock-Drums, knackige, an 808 erinnernde Sounds und sogar orchestrale Percussion-Sets. Der Aufbau ähnelt dem bekannter Drum-Sampler, doch jdrummer konzentriert sich ganz bewusst auf Übersicht und schnelle Ergebnisse, ohne in komplizierte Menüs abzudriften.
Die 16 Pads reagieren dynamisch auf die Anschlagsstärke und ermöglichen so ein sehr lebendiges Spielgefühl. Jedes Pad verfügt über eigene Regler für Lautstärke, Panorama und Mute- oder Solo-Schaltungen. Dadurch lässt sich jedes Instrument innerhalb eines Kits besonders einfach präzise abstimmen. Zusätzlich lassen sich alle Pads auf separate Ausgänge routen, was für die Nachbearbeitung im Mix von entscheidender Bedeutung ist. Besonders interessant ist die Möglichkeit, eigene SoundFont-Dateien zu laden und so das Setup individuell zu erweitern. So bleibt jdrummer flexibel und offen für persönliche Drum-Sammlungen, was das Plugin weit über eine einfache Drum Machine hinaushebt.
Neben dem eigentlichen Drum-Sound überzeugt jdrummer vor allem durch seine integrierte Groove-Bibliothek. Diese Sammlung bietet zahlreiche vorgefertigte Rhythmen, die sich per Drag-and-drop direkt in eine DAW exportieren lassen. Das spart Zeit und hilft dabei, Songideen schnell mit passenden Drum-Tracks zu unterlegen. Besonders praktisch ist, dass sich komplette Arrangements aus mehreren Grooves und Fills zusammenstellen lassen, bevor sie als fertige MIDI-Spur in der eigenen Session landen. So entstehen fließende Übergänge und ein organischer Groove, der sich sowohl für elektronische Produktionen als auch für klassische Band-Arrangements eignet.
Eine weitere Funktion, die jdrummer aus der Masse der kostenlosen Drum-Plugins hervorhebt, ist das sogenannte Groove Matching. Mithilfe dieser Analysefunktion kann eine Audiodatei auf ihr rhythmisches Muster hin untersucht werden, woraufhin automatisch passende Grooves aus der internen Bibliothek vorgeschlagen werden. So entsteht innerhalb weniger Minuten ein Grundgerüst, das nicht nur zum eigenen Material passt, sondern sich auch rhythmisch sauber integriert. Das kann besonders für Produzenten, die oft mit Audio-Loops oder eingespielten Tracks arbeiten, enorm hilfreich sein. Klingt definitiv mehr als interessant.
Justin Ehrlichman jdrummer ist für macOS, Windows und Linux in den Formaten VST3 und AU verfügbar.
VZtec Fuzz: Ein analoges Fuzz Pedal als Plugin-Effekt?
Nach dem Overdrive-Pedal bringt der argentinische Hersteller VZtec mit Fuzz nun ein weiteres seiner analogen Effektgeräte in die digitale Welt. Das Plugin basiert auf dem gleichnamigen Pedal und überträgt dessen charakteristischen Sound detailgetreu in die DAW. Damit lässt sich der typische Fuzz-Klang der Hardware-Version nicht nur hören, sondern auch in unterschiedlichen Projekten direkt ausprobieren – und das ganz ohne zusätzlichen Aufwand oder teure Anschaffungen.
VZtec betont, dass die Software eine möglichst exakte Nachbildung des analogen Originals darstellt. Der Klangcharakter des Schaltkreises wurde präzise modelliert, sodass der virtuelle Effekt ebenso ungestüm und roh reagiert wie das Pedal selbst. Dabei stehen die gewohnten Regler für Volume, Gain, Bias und Tone zur Verfügung, um den Sound von dezentem Crunch bis hin zu zerrender Fuzz-Wand fein abzustimmen. Das Besondere ist jedoch die Vielseitigkeit des Plugins, die durch zwei zusätzliche Schalter noch erweitert wird.
Über den Voice-Schalter lassen sich zwei unterschiedliche Klangwelten aktivieren, die jeweils auf klassischen Fuzz-Vorbildern basieren. Die „Face“-Einstellung liefert warme, gesättigte Höhen mit einem eher offenen Frequenzgang, während die „Muff“-Position für dichtere, aggressivere Zerrtexturen sorgt. Hinzu kommt ein Octave-Schalter, der eine Oktavfunktion zuschaltet und somit die berüchtigten, obertonreichen Klänge eines Octafuzz simuliert. Dadurch entstehen schrille, fast vokalartige Effekte, die sich besonders gut für Soli oder Sounddesign-Experimente eignen. Und das als kostenlose Freeware!
VZtec Fuzz gibt’s für macOS, Windows und Linux in den Formaten VST3, AU, LV2 und AAX.
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