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Filip Skelecaster Uncle Knochen Bones E-Gitarre

 ·  Quelle: Skelecaster / Youtube

Onkel Filip ist jetzt eine E-Gitarre! Das ist doch mal eine Nachricht, die wir nicht einfach so im Internet liegen lassen können, dafür ist sie einfach zu ungewöhnlich. Außerdem spaltet sie die Kommentarsektion. Darf man eine E-Gitarre aus den Knochen eines Menschen bauen? Und wie klingt die Filip Skelecaster?

Skelecaster

Was tut man, wenn man die Knochen seines Onkels „per Post“ bekommt, nachdem dieser vor etlichen Jahren bei einem Autounfall ums Leben kam? Man könnte die Knochen vergraben oder einäschern. Oder man könnte eine E-Gitarre daraus machen. Warum auch nicht, denn der Onkel hat in diesem Beispiel den „Prince Midnight“ vor vielen Jahren zum Metal gebracht?! Quasi als Ehrerbietung.

Die Filip Skelecaster basiert laut dem Amateur-Gitarrenbauer auf dem echten Skelett des Onkels. Über die Echtheit wird natürlich in der Kommentarsektion gestritten, auch ich bin immer noch etwas skeptisch, da die Knochen in hervorragendem, zusammengesetztem Zustand inklusive perfekt verknöcherter Knorpel sind und auch sonst fast wie ein Modell fürs Anatomiestudium aussehen. Auch nach einem Autounfall mit Todesfolge würde ich einen anderen Zustand vermuten. Am Ende bin ich aber auch kein Gutachter vor Ort mit Fachkenntnis, sondern nur ein Dude, der das Videeo sieht und seine Meinung dazu abgibt.

 

Der Erbauer meint dazu:

So, I got the box of bones from Greece and didn’t know what to do at first. Bury them? Cremate them? Put them in the attic? All seemed like poor ways to memorialize someone who got me into heavy metal.“

So, I decided to turn Uncle Filip into a guitar, which proved to be challenging. I did a lot of research and no one has ever made a guitar out of a skeleton. So, I did it. I started out consulting with two guys in Dean Guitars’ wood shop in Tampa but they got cold feet.“

Anyways, now Uncle Filip can shred for all eternity. That’s how he would want it. I’m super proud of the project and how it serves to honor him, his life and his influence on me.“

Für mich klingt das wohl durchdacht. Und der Internetfame … in der aktuellen Zeit wird doch alles ins Netz geblasen und ich freue mich über derartige DIY-Projekte abseits der üblichen Pfade. Leider klingt die Telecaster-artige Gitarre etwas dumpf.

Und das Internet wäre nicht das Internet, wenn die Kommentare nicht auch etwas bissig wären. Meine Favoriten :

Everyone else in the metal community is a tryhard now.

Really can’t stand the sound. It’s almost completely bone dry.

This guy is getting alot of Ribbing for his creation.. But he had the backbone to finish it

Is bone saddle better than tusq?

Sie hätte ein paar Jahre eher mit Sicherheit auch in „From Dusk Till Dawn“ einen Gastauftritt gehabt.

Echte Menschenknochen am Instrument

Eigentlich ist es nur konsequent, auch alte Menschenknochen weiter zu verwenden. Schließlich hat kaum ein Gitarrist ein Problem damit, wenn die Gitarre einen echten Knochensattel mitbringt (das ist für viele sogar ein Qualitätsmerkmal) oder wenn Knochenleim für das Instrument genutzt wird. Auch in Lack steckt manchmal Gelatine. Darm-Saiten anyone? Viele essen sie in Form von Gelatine, sie werden auch ausgekocht, um das Knochenmark in der Kraftbrühe zu konsumieren.

Ich verstehe nicht, wie manche den Spagat zwischen den beiden Gedanken hinbekommen und das eine gut finden und das andere verabscheuen?! Ich versuche nach Möglichkeit, gar keine Bestandteile von toten Lebewesen in meinen Instrumenten verbaut zu haben, denn es gibt fast immer eine Alternative.

Aber das ist nur meine Meinung. Was denkst du dazu? Würdest du die Filip Skelecaster spielen? Ich kann gut verstehen, wenn man das nicht gut findet. Auf der anderen Seite muss man auch akzeptieren, dass es getan wurde.

In Deutschland wäre es ohnehin durch das Bestattungsgesetz schwierig, so ein Projekt umzusetzen. Zumal es auch vielleicht wider den Wünschen des Toten wäre? Aber das Gesetz wird schon länger diskutiert und wenn man seinen Leichnam der Wissenschaft spenden kann, warum dann nicht auch solchen „wissenschaftlichen“ Projekten?

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Video

32 Antworten zu “Diese E-Gitarre ist aus den Knochen eines Menschen gebaut”

  1. mAx sagt:

    Das ist mir vom Klang her zu viel Body

  2. Gregor sagt:

    pervers und ekelerregend!

    • mAx sagt:

      Geht so.

      Wie Claudius schon gesagt hat:
      „Ich verstehe nicht, wie manche den Spagat zwischen den beiden Gedanken hinbekommen und das eine gut finden und das andere verabscheuen?! Ich versuche nach Möglichkeit, gar keine Bestandteile von toten Lebewesen in meinen Instrumenten verbaut zu haben, denn es gibt fast immer eine Alternative.“

      Finde sowieso den Umgang mit dem Tot merkwürdig. Verbrennen, Begraben oder über das Meer verstreuen ist ganz normal und legitim aber die Knochen zu nutzen ist abartig?

      • Klaus sagt:

        Diese Form, menschliche Knochen zu „benutzen“, ist schwerer Missbrauch. Die Tatsache, dass der oder die Verstorbene das nicht mitkriegt, macht es nicht besser. Sonst könnte man sich ja auch einfach an Komapatienten vergehen, die kriegen es ja auch nicht mit.
        Drastischer Vergleich, aber ich hoffe dadurch deutlich zu machen, warum das einige hier – mich eingeschlossen – nicht lustig finden.

        • claudius sagt:

          Der Unterschied bei Komapatienten und einem Skelett eines länger Verstorbenen ist dir hoffentlich klar. Die Argumentation nach bloßem Empfinden der betroffenen Person auszulegen würde ich aber nicht wagen und halte ich für ethisch diskussionswürdig bis verwerflich.

  3. -sp- sagt:

    Perfekt für Death Metal 🤟🏻

  4. Thomas Martin sagt:

    Wenn sie jetzt noch von wem gespielt würde, der ausser Attitüde noch Gitarrespielen drauf hat, wärs ne runde Sache…

    • claudius sagt:

      Ja, ein gitarrenbauender Freund meinte mal: „Meistens kann jemand Gitarre bauen oder spielen. Beides trifft in vollem Umfang nur selten zu und die werden dann Roadie.“
      Ich denke, das triffts sehr gut. ;)

  5. Benny Lava sagt:

    Mir würde es dabei ekeln. Nichts für mich.

  6. H2SO4 sagt:

    Abartig. Darüber zu berichten noch abartiger.

    • claudius sagt:

      Was macht es noch abartiger?

      • Klaus sagt:

        Abartig ist, dass ein offensichtlich mittel- bis schwergradig gestörter Mensch das macht.
        Noch abartiger ist, dass es Medien dankbar verbreiten, um damit Geld zu verdienen oder einfach Klicks zu generieren. Bei dem Urheber kann man annehmen, dass er psychisch behandlungsbedürftig krank ist, was sein Handeln erklärt (aber natürlich nicht entschuldigt).
        Die Verbreiter hingegen sind psychisch wahrscheinlich überwiegend halbwegs gesund. Das macht es „noch abartiger“.
        Hoffe, das war verständlich.

        • claudius sagt:

          Ich würde mir nicht wagen, aus der Ferne ein anderes Individuum zu diagnostizieren. In anderen Ländern gelten auch ander Rechte für Hinterbliebene und andere Sitten/Bräuche/Traditionen bzw. gesellschaftlichen Ansichten sind dort ggf. auch vorherrschend.

          • Klaus sagt:

            Hier hat ein Mensch des westlichen Kulturkreises aus einer Leiche ein Musikinstrument hingerotzt. Ich denke, da kann man schon eine Verdachtsdiagnose stellen.
            Den Verweis auf „andere Riten“ kann man in diesem Zusammenhang nicht bringen.

          • claudius sagt:

            Beispielsweise in den USA läuft schon Einiges anders. Auch z.B. das Recht der Hinterbliebenen, mit den Überbleibseln der Lieben zu machen, was sie wollen.

        • Henning sagt:

          Wo zwischen F00-F99 würden Sie ihre Verdachtsdiagnose einsortieren?
          Freue mich auf einen kollegiale Austausch.

  7. Klaus sagt:

    Abartige Selbstprofilierung durch Grenzüberschreitung auf Kosten eines / einer Verstorbenen, der / die offensichtlich ihren Körper der Wissenschaft vermacht hat (anders ist der Zustand der Knochen nicht erklärbar).
    Irritierend auch die vergleichsweise unkritische Berichterstattung. Der Autor sollte sich auf Produkttests beschränken…

    • claudius sagt:

      Ich denke, die Rechtslage in Deutschland wurde hinreichend beschrieben. Dazu kommt die eigene Meinung, außerdem wird eingeräumt, dass andere Menschen andere Ansichten haben dürfen.

      Wo hättest du dir mehr kritische Berichterstattung gewünscht? Und im Vergleich zu was?
      (Und nein, bei Gearnews werden bis auf Ausnahmen bei „Angecheckt“ ca 4x im Monat keine Tests gemacht.)

  8. Schmendrick, der Wanderer sagt:

    Um auch mal Etwas zu schreiben, damit nicht nur die Nörgler hier Platz haben:
    Ich finde es weder pietätlos, noch abartig, noch sonst in einer Art und Weise schlimm.

    Klaus (und Co) sollte mal seine CSU-Weltsicht an die aktuelle Welt anpassen und seine gefühlt 50 Jahre gelernte Einstellung für sich behalten.

    Die Berichtersattung ist neutral genug (Gearnews war es doch eigentlich nie ganz, was ich gut finde). Nörgler werden immer etwas hineinlesen, nicht ärgern lassen, Claudius. Ich finde es gut, richtig und wichtig, dass medial über so etwas berichtet wird und Platz für eine eigene und andere Meinungen ist. Gearnews verfolge ich nun seit über 4 Jahren fast täglich und ich finde es klasse, dass hier auch mal aus der Hüfte geschrieben wird und mag euch alle sehr gern. Manchmal geht es auch an meine Grenzen (Sexismus und so) aber ich finde die andere Sichtweise bereichernd und freue mich, darüber zu lernen. Auch ist mir positiv aufgefallen, dass ab und zu gegendert wird und es eigentlich im Lesefluss nicht auffällt.
    Reicht jetzt aber mit der Lobhuddelei. Mehr Kontroverse und Hass schüren!!
    Also! Klaus und Konsorten, Stock raus und andere mal machen lassen und weniger aufregen. (-:

  9. Larifari sagt:

    Hmm…schwierig.
    Wenn der verstorbene ausdrücklich den Wunsch geäußert hätte, wäre es evtl vertretbarer.

    • Klaus sagt:

      Da es sich offensichtlich um ein anatomisches Präparat handelt, und nicht um „uncle skinny“, ist rel. klar, dass der Körperspender bzw. die Körperspenderin ihre Überreste der Lehre vermacht hat. Dsss nun so ein persönlichkeitsgestörter Volldepp da eine Egitarre draus baut, war mit Sicherheit nicht im Sinne der Spenderin bzw. des Spenders.

      • Larifari sagt:

        …wie gesagt..hätte / wäre.

        Wenn z.b. ein Slash sagen würde – bitte macht aus mir ne Gitarre, ich liebe den Scheiß und will auch nach meinem Tod noch auf der Bühne stehen und gute Vibes verbreiten – dann fände ich dass scheiße geil.

  10. silverbooger sagt:

    Zitat „ich versuche nach Möglichkeit, gar keine Bestandteile von toten Lebewesen in meinen Instrumenten verbaut zu haben, denn es gibt fast immer eine Alternative“ – Frage: Spielst Du aus Holz gefertigte Gitarren? Der Baum ( bzw. die Bäume), die für ein Instrument fallen, sind auch Lebewesen (gewesen), oder? Oder zählen die nicht? Wo ist die Grenze und warum?

  11. silverbooger sagt:

    Oh – ohne eine weitere Diskussion beginnen zu wollen – das wundert mich. Als Kategorie? ich würde nichts Lebendigem das Fühlen absprechen wollen… Wie auch? Aber diese Kategorisierung muss wohl jeder für sich vornehmen.

    • claudius sagt:

      Ich würde mich da einfach an den Stand der Wissenschaft halten und Pflanzen keine Gefühle/Schmerzempfinden zusprechen. Tiere werden für die Nutzung gezüchtet und getötet und vermutlich niemand würde Schweinen oder Kühen Schmerzempfinden abschreiben (das sind zumindest die Tiere, die man in Gelatine oder Knochensätteln wiederfindet). Ich finde den Gedanken nicht wirklich lecker – aber auch nicht schlimmer, als wenn menschliche Knochen verwendet werden. Einstellungssache. :)

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