Custom Firmware boomt: So verwandeln Mods Octatrack, SP-404MKII und Co.
Von Octatrack über MPC bis SP-404MKII: Was die neuen Mods können
Custom Firmware für Hardware war lange ein Nischenthema für Tüftler mit Assembler-Kenntnissen. Das ändert sich gerade rasant: Innerhalb weniger Tage erschienen neue Mods für Elektron Octatrack, Digitakt und Model:Cycles, Roland SP-404MKII, Akai MPC500, 1010music Blackbox, M-VAVE FM-1 und mehr. Elektron reagiert auf diese Custom Firmware mit deutlichen Worten, und die Gefahr, ein Gerät zu bricken, ist real. Die Liste ist lang, und sie wächst täglich. Hier stellen wir euch einen Auszug aus den zurzeit interessantesten Mods vor.
Custom Firmware für Hardware: Diese Mods gibt es und das ist das Risiko
Custom Firmware per Vibe-Coding: Warum plötzlich so viele Mods erscheinen
Diese Menge an neuer Custom Firmware entsteht natürlich durch den Einsatz von KI und Vibe-Coding. Beides erleichtert es enorm, eine Original-Firmware zu analysieren und umzuschreiben. Wer früher wochenlang Binärdateien sezieren und Speicherkarten kartieren musste, lässt heute einen Assistenten die Vorarbeit erledigen. Elektron spricht selbst von einer Welle, die offenbar zum Teil KI-gestützt entstand.
Ich finde solche Custom Firmware spannend, und das nicht nur als User, sondern auch für die Entwickler selbst. Ein Vorbild liefert Ableton Move: Mit Move Everything / Schwung läuft neben der offiziellen Firmware eine zweite Ebene, auf der die Community Synths und Effekte unterbringt. Movy spendiert dem Gerät inzwischen sogar 16 Tracks mit einem Sequencer im Elektron-Stil. Ich hoffe, dass solche Projekte Hersteller inspirieren, selbst in diese Richtung zu denken.
Viele aktuelle Custom Firmware folgt demselben Prinzip: Ihr ladet eure eigene Kopie der offiziellen Firmware herunter, ein Tool patcht den neuen Code hinein, und ihr spielt das Ergebnis aufs Gerät. Fertige Elektron-, Roland- oder Akai-Dateien liefern die Entwickler in der Regel nicht mit. Die Originalfunktionen bleiben meist erhalten, die Mods kommen obendrauf. Hier die wichtigste Custom Firmware, sortiert nach Hersteller.
Elektron: Neue Mods für Octatrack, Digitakt und Model:Cycles
Octatrack: Modwerk und octabam
Aus Octamod wurde Modwerk.app. Der Name passte nicht mehr, weil das Projekt längst mehr als den Octatrack abdeckt. Auf der Seite durchsucht ihr Mods nach Gerät, lest nach, was sie leisten, und stellt eure eigene Konfiguration zusammen. Zu jedem Modul gibt es Anleitungen, Screenshots, Tutorials und Credits für die ursprünglichen Autoren. Dazu kommen ein Forum mit einem Bereich pro Elektron-Gerät und ein gemeinsames SDK für alle, die eigene Mods bauen wollen.
Die Firmware-Verarbeitung läuft lokal im Browser, und zwar mit eurer eigenen Original-OS-Datei. Eure Firmware verlässt das Gerät also nie. Unterstützt werden zunächst Octatrack MKI und MKII, Digitakt mk1 sowie Digitone mk1 und Keys. Für Digitakt II und Digitone II läuft die Recherche. Modwerk versteht sich als inoffizielles Community-Projekt, unabhängig von Elektron. Sehr interessant!
Eine der Grundlagen ist octabam, ein Fork von octamax. Das Projekt schreibt eigene DSP-Effekte für den Octatrack MKII und patcht sie ins offizielle OS. ChonVerb ist ein Reverb mit den Modi Room, Plate, Hall und Big, dazu kommen Pre-Delay und Mid/Side-Breite. Der eigentliche Clou ist der Send-Bus: Alle acht Tracks speisen einen gemeinsamen Hall und ein gemeinsames Delay, was die Hardware so nie vorsah. BongDelay ist laut README allerdings noch ein ungetesteter erster Entwurf. Die Entwickler warnen deutlich: Ein nicht offizielles OS kann den Octatrack lahmlegen und die Garantie gefährden.
Ach so: Einige Tüftler arbeiten sogar schon an einem Mod, der es erlauben soll, die neue Elektron Outbox-8 an den Octatrack anzuschließen, um so perfekte Aufnahmen eures Livesets zu realisieren.
Das Original, den Elektron Octatrack MKII, gibt es auch hier bei Thomann*.
Digitakt MK1: Digisophie
Der Digitakt MK1 ist offiziell längst durch den MK2 abgelöst, aber die Community lässt ihn nicht los und schreibt Custom Firmware für ihn. Soejrd verpasst ihm mit Digisophie einen metallischen Percussion-Synth. Er basiert auf Sophie für Schwung von Matt Estela und läuft auf dem OS 1.53. Vier Modelle stehen bereit: Fuse, Boom, Pipe und Shard. Acht Parameter lassen sich per Parameter-Lock automatisieren, darunter Tune, Fold, Sweep, Metal und Feedback. Die Stimme läuft durch Amp, Filter, Mixer und Effekte des Digitakt, bleibt also im vertrauten Workflow.
Für die Installation braucht ihr den Sophie-Mod, den Elekloader und euer eigenes Original-OS 1.53. Soejrd rät, vorher Projekte und Sounds zu sichern und eine Stock-Firmware zur Wiederherstellung bereitzuhalten. Ein guter Rat.
Den Nachfolger Digitakt II findet ihr ebenfalls bei Thomann*.
Model:Cycles: Modded Cycles und Model-TG
Für den Model:Cycles gibt es gleich zwei Custom Firmware Projekte. Modded Cycles von 18nelli18 steckt das Model:Samples-OS in die Cycles-Firmware. Der FM-Drumsynth startet dadurch als Sampler (!), in den ihr eigene Samples ladet. Neu ist außerdem USB-Audio mit einem eigenen Kanal pro Track (48 kHz, 32 Bit), sodass ihr alle sechs Spuren getrennt in der DAW aufnehmt. Dazu kommen ein Latching-Mute-Modus, eine Trig-Vorschau und scrollende Namen im Sound-Browser. Experimentell ist noch eine siebte Maschine, und sogar Syntakt-Engines sollen sich aus eurer eigenen Syntakt-OS-Datei einbinden lassen. Wow!

Model-TG von TinyGreg setzt ebenfalls auf eine siebte Maschine. Der Sampler spielt Stereo-Samples mit sieben Modi ab, darunter Granular, Stretch, Pluck nach Karplus-Strong und Wavetable. Dazu kommen ein Slice-Editor, internes Resampling, eine Retrig-Seite mit Beat-Repeat und zwölf Master-Effekte. Alle FM-Maschinen bekommen Attack sowie einen Filter mit Cutoff und Resonanz. Scale Lock, Sample-Upload per Elektron Transfer und eine System-Seite mit CPU-Anzeige sind ebenfalls an Bord. Multitrack-USB-Audio fehlt dort, das bietet nur Modded Cycles. Beide Custom Firmware Versionen sind kostenlos.
Das Original, den Elektron Model:Cycles, bekommt ihr natürlich auch bei Thomann*.
Roland SP-404MKII: DOOM OS bringt Raster-Sequencer und Mixer
Der Niederländer Quintus Oostendorp von Klangfeld Labs schreibt mit DOOM OS eine Custom Firmware als Schatten-OS für die SP-404MKII. Es basiert auf Firmware 5.52, steckt aktuell in der Alpha 0.6 und ersetzt das Original nicht. Den Zugang öffnet ihr per REMAIN plus SUB PAD, und das Patchen übernimmt ein eigener Patcher.
Herzstück ist ein grafischer Pattern-Sequencer: eine Zeile pro Pad, eine Spalte pro Step, der Playhead läuft live darüber. Ihr tippt auf ein Pad, um einen Step zu setzen, und formt ihn mit den Reglern. Ein Piano-Roll, Live-Recording mit Rehearse-Modus, ein Mixer mit Pegelanzeige pro Track und eine Effekt-Automation für die CTRL-Regler gehören ebenfalls dazu. Bis zu acht eigene Shortcuts und ein Hilfemodus sollen die vielen Tastenkombinationen entschärfen. Eine Alpha-Version gehört allerdings eher auf ein Testgerät als in eure Live-Kiste. Quellcode und Patcher findet ihr auf GitHub.
Die Roland SP-404MKII bekommt ihr auch hier bei Thomann*.
1010music Blackbox: Lo-Fi-Modi, Akkorde und Conditions
Die Blackbox MK1 wurde mit der Blackbox 2 abgelöst, die auf der Superbooth angekündigt war und im Sommer in den Versand ging. Justin Joe hält den Vorgänger mit der Custom Firmware Blackbox Mod am Leben. Er läuft auf der 1010music-Firmware 3.1.9, die Stock-Funktionen bleiben also erhalten.
Klanglich bringt der Mod Fidelity-Modi mit SP-12-, S950- und MPC60-Charakter samt 12 Bit für körnigen Sound beim Runterpitchen. Dazu kommen ein resonanter 24-dB-Filter, weichere Sättigung, ein granulares Delay namens Munchi, ein weiterer Raumhall und sechs Kompressormodelle von Glue bis Limit. Pad 1 triggert vier Modulationsquellen, mit denen sich Ducking bauen lässt. Beim Spielen helfen 16 Akkordformen, die in der eingestellten Skala bleiben, und im Piano-Roll gibt es Elektron-typische Conditions von 1:2 bis 8:8. Sehr cool!

Justin Joe schrieb diese Custom Firmware nach eigener Aussage für den eigenen Bedarf, deshalb gibt es noch raue Kanten und einige Funktionen laufen nicht perfekt. Das solltet ihr einkalkulieren.
Die Blackbox 2 gibt es bei Thomann*.
Akai MPC500: Open500 rüstet den Klassiker nach
Die MPC500 stammt aus dem Jahr 2007 und vereint einen 48-Spur-Sequencer, einen 32-stimmigen Sampler und zwölf anschlagdynamische Pads. Open500 von m45k ist eine Custom Firmware in Form eines kleinen Loaders im offiziellen OS. Funktionen laden sich danach als Add-ons wie WAV-Dateien. Das HUB-Modul verwaltet sie, bis zu acht laufen gleichzeitig. Ein Hardware-Eingriff ist nicht nötig.
Sieben Module liegen bereit. Input Thru reicht ein Eingangssignal durch und pausiert beim Sampeln von selbst. Auto Chop schneidet Loops nach BPM in gleiche Slices, Trans-Chop sucht die Transienten und legt jeden Hit auf ein eigenes Pad. Pad Tools erlauben Tauschen, Kopieren und Löschen von Samples. Sample FX bringt acht Slots pro Sample mit Fades, Gain, Bitcrush, Downsample, Drive, Vinyl-Knistern und Silence Trim. Hinzu kommen zwölf Live-Masterfx im SP-404-Stil von Stutter bis Tape Stop und ein 16-Step-Grid-Sequencer, den ihr bei laufender Wiedergabe editiert. Der Klassiker lebt, und wie!
Die MPC500 ist längst Geschichte, aktuelle MPCs findet ihr aber bei Thomann*.
M-VAVE FM-1: Aus dem Pocket-Synth wird eine Groovebox
Der M-VAVE FM-1 ist ein Pocket-FM-Synth für rund 60 Euro, und er ist gerade der beliebteste Kandidat für Custom Firmware. Mehrere Versionen erschienen innerhalb weniger Tage. Zwei davon gehen weit über neue Sounds hinaus.
X0X von Charles Vestal
Charles Vestal, der hinter Schwung für Ableton Move steht, baut mit X0X eine Art ReBirth für die Hosentasche. X0X ist ein Fork der Felucca-Firmware von Leo Kuroshita, übernimmt deren Plattform und bringt ein anderes Instrumentarium mit: eine TR-909 mit elf Stimmen, eine TR-808 mit 16 Sounds, zwei TB-303 mit TB-3PO-Acid-Generatoren und einen Breakbeat-Generator von Mestela. Alle fünf Parts laufen gleichzeitig, jeder mit eigenem Sequencer, Polymeter und Swing. Parameter-Automation, Reverb- und Tape-Delay-Sends sowie ein Master-Kompressor mit Kick-Pump runden das Paket ab.
X0X ist in der Beta, und das merkt man. Bei dichten Patterns kann dem Prozessor die Luft ausgehen, der Worst Case liegt bei rund 102 Prozent. Immerhin kann der Web-Installer die M-VAVE-Firmware zurückspielen, und ein ständig abstürzender FM-1 startet im Safe-Mode.
Groove OS von Peter Gombos
Groove OS geht einen anderen Weg: Es kostet 29 US-Dollar und ist nicht quelloffen. Dafür bekommt ihr mit dieser Custom Firmware acht Tracks mit eigener Loop-Länge und bis zu 20 Stimmen, davon 12 FM und 8 virtuell-analog. Vier Engines stehen bereit: FM, VA, Acid und eine Drum-Machine. Der Sequencer reicht bis 64 Steps und acht Takte, mit Parameter-Locks, Chance und Würfel-Funktion für schnelle Variationen. Eine Perform-Seite verwandelt die Tastatur in ein Set-Interface mit Szenen und Punch-in-Effekten. Auf der Projektseite könnt ihr die Firmware direkt im Browser testen.
Zur Custom Firmware für den FM-1 gehört natürlich auch die Frage nach dem Preis. Ob 29 US-Dollar für Software auf einem 60-Euro-Gerät passen, sehen erste Stimmen aus der Community eher skeptisch.
So reagiert Elektron auf Custom Firmware
Am 16. September veröffentlichte Elektron ein Statement. Darin heißt es, dass das hauseigene Elektronauts-Forum nicht der Ort ist, um Hacks zu teilen oder die Modifikation von Firmware zu fördern, und zwar für aktuelle Maschinen wie für ältere Generationen. Das schließt Dateien, Tools, Repositories, Anleitungen und Hinweise auf deren Fundort ein. Entsprechende Beiträge entfernt Elektron. Zugleich zeigt die Firma Verständnis für die Neugier, zumal Experimentierfreude zur eigenen Firmengeschichte gehört. Die allgemeine Diskussion über Firmware-Modifikationen bleibt erlaubt.

· Quelle: Elektron
Zur Begründung nennt Elektron gegenüber der Presse die Welle neuer, offenbar teilweise KI-gestützter Custom Firmware auf aktuellen und älteren Geräten. Unzureichend getestete Software könne Geräte beschädigen und das geistige Eigentum gefährden. Außerdem würde der Eindruck entstehen, jede Firmware sei von Elektron abgesegnet, wenn Anleitungen und Links im eigenen Forum liegen. Ausgenommen sind laut Elektron langjährige Drittprojekte wie die Machinedrum-X-Firmware. Alles andere prüft die Firma im Einzelfall.
Das Statement verbietet also nicht, eigene Geräte zu modifizieren. Es regelt, was im Elektronauts-Forum und auf den Elektron-Kanälen stehen darf. In der Community gehen die Meinungen dazu auseinander. Die einen wollen ihre Geräte so nutzen, wie Elektron sie konzipierte, und fürchten eine Flut halb getesteter Custom Firmware samt Support-Aufwand. Die anderen sehen Custom Firmware als Freiheit am eigenen Gerät, und manche berichten, ihre Boxen nach einem Fehlversuch problemlos per Bootloader und Stock-Firmware wiederbelebt zu bekommen. Ich enthalte mich hier bewusst einer Wertung. Beide Lager bringen nachvollziehbare Argumente.
Garantie, Brick-Risiko und Recht: Wo Custom Firmware an Grenzen stößt
So schick die neuen Funktionen klingen, ein Eingriff in die Firmware bleibt ein Eingriff. Gerade in der Garantiezeit solltet ihr extrem vorsichtig sein. Eine fehlerhafte oder ungetestete Custom Firmware kann ein Gerät bricken, also einfach stilllegen. Ob und wie sich ein Gerät retten lässt, hängt vom Modell und vom Projekt ab. Einige Entwickler verweisen auf Recovery-Wege, aber garantiert ist das nirgends. Dazu kommt: Mehrere Projekte stecken noch in Alpha oder Beta, bei anderen räumen die Entwickler selbst Macken ein. Sichert vor dem Flashen Projekte und Sounds und haltet die Stock-Firmware bereit. Eine Garantie erhaltet ihr von Mod-Entwicklern nicht.
Außerdem müsst ihr den rechtlichen Aspekt bedenken: Das Nutzen urheberrechtlich geschützter Firmware ist nicht legal. Dass die meisten Projekte ohne mitgelieferte Original-Dateien auskommen und eure eigene Kopie voraussetzen, ändert an dieser Grundsatzfrage nichts.
Der ehrliche Kritikpunkt an der ganzen Welle: Tempo geht oft vor Sorgfalt. Bei Updates im Stundentakt bleibt kaum Zeit zum Testen, und ein gebrickter Octatrack ist kein Spaß. Wie seht ihr das: Würdet ihr eure Hardware für ein paar neue Funktionen mit Custom Firmware riskieren? Schreibt es uns in die Kommentare.
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2 Kommentare zu “Custom Firmware boomt: So verwandeln Mods Octatrack, SP-404MKII und Co.”
Ich find das Thema interessant, auch wenn ich selbst niemals so etwas flashen werde, da ich meine Geräte immer kaufe, weil das zu dem Kaufzeitpunkt enthaltene Featureset für mich persönlich perfekt ist. Updates vom Hersteller sind Bonus für mich.
Jede der hier vorgestellten Optionen wirkt erstmal super, bis ich merke, dass die meisten Funktionen von einem anderen Gerät in meiner Sammlung abgedeckt werden….sprich die halbfertigen Mods wären immer nur noch eine schlechtere Alternative mit Kompromissen…aber wer nur wenige Geräte besitzt und von denen mehr Funktionen verlangt sollte sich mal umschauen :) ich hoffe, das zu mindest irgendwann mal Firmware Files nach Ablauf des Supports vom Hersteller soweit geöffnet werden, wie ohne Zusatz Toolchains und Lizenzen möglich ist. Damit man auch in 20 Jahren noch nen Bug im Digitakt fixen kann ^^
Ja! Gute Idee. Bugfixing durch AI/Vibe-Coding erlauben, ist definitiv eine gute Sache (anstatt durch experimentelle Mods (noch mehr) Bugs in die „heiligen“ und auch teuren Kisten zu holen).