von  Marcus Schmahl  | |   Als bevorzugte Quelle auf Google hinzufügen   |  Lesezeit: 12 Min
Abschied von Juan Atkins: Der Mann, ohne den es Techno heute so nicht gegeben hätte

Abschied von Juan Atkins: Der Mann, ohne den es Techno heute so nicht gegeben hätte  ·  Quelle: ZUMA Press Inc / Alamy

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Juan Atkins ist leider letzte Woche gestorben. Der Techno-Pionier aus Detroit starb im Alter von 64 Jahren, wie seine Agentur Greensmith Artists am 1. November 2026 bestätigte. Atkins, der Gründer des Projekts Cybotron, veröffentlichte als Model 500 mit „No UFO’s“ einen der großen und legendären Ur-Tracks der elektronischen Dance Music und gab Techno im Jahre 1988 mit seinem Track „Techno Music“ seinen Namen. Angefangen hat er mit einem Korg MS-10, den er mit 15 Jahren kaufte. Aber das ist noch nicht alles, denn so hat er seine Tracks gebaut.

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Was wir über den Tod von Juan Atkins wissen

Laut Presse und Medien wurde Juan Atkins am 31. Oktober in seinem Hotelzimmer in Mexiko-Stadt leblos aufgefunden. An diesem Abend sollte er dort im Yu Yu Club auflegen. Die Todesursache ist bisher noch nicht bekannt.

Kevin Saunderson, der eng mit ihm gearbeitet hat, nannte ihn den Urheber des Techno. Derrick May schreibt auf Social Media, dass ihm Atkins bis zuletzt gearbeitet und nie über gesundheitliche Probleme geklagt hatte. Das wäre typisch für ihn gewesen. Sven Väth, Richie Hawtin und andere große DJs und Produzenten des Genres sind ebenso sehr bestürzt über seinen Tod.

Von Belleville nach Berlin: Sein Weg in Kurzform

Juan Atkins wurde am 12. September 1962 in Detroit geboren und wuchs in der nahgelegenen Stadt Belleville auf. Als Kind spielte er schon in Funk-Bands Gitarre und Bass. In der Junior High traf er dann Derrick May und Kevin Saunderson. Die drei gründeten später die Band Belleville Three und starteten somit die Techno-Geschichte. Seinen ersten Synthesizer, den Korg MS-10, kaufte gemeinsam mit seiner Großmutter Lily, die leidenschaftlich ihre Hammond B-3 spielte.

The Belleville Three - Juan Atkins, Kevin Saunders und Derrick May
The Belleville Three – Juan Atkins, Kevin Saunders und Derrick May · Quelle: ZUMA Press Inc / Alamy

Seine Einflüsse klingen natürlich heute fast wie eine Zeitreise durch die Musikgeschichte: Parliament und Funkadelic, Kraftwerk, die Zukunftsvisionen von Alvin Toffler und die Radioshow von Electrifying Mojo. Das klingt für uns heutzutage wie eine Zusammenkunft alter Legenden.

1980 gründete er mit Rik Davis das Projekt Cybotron, das aber nur bis 1985 hielt. Anschließend startete er sein Label Metroplex und veröffentlichte als Model 500 den Track „No UFO’s“. Diese Produktion brachte den Detroiter Sound über den großen Teich nach Großbritannien. Die daraus entstandene Compilation „Techno! The New Dance Sound of Detroit“, auf der 1988 der Track „Techno Music“ erschien, war der Start von Techno. Und das weltweit!

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Später zog es Atkins natürlich auch in die Berliner Szene: 3MB mit Thomas Fehlmann und Moritz von Oswald, dann Borderland ebenso mit von Oswald. Er spielte natürlich auf dem Movement in seiner Heimat Detroit, bei Dekmantel, beim Houghton und viel mehr. Dazu hatte er Gigs mit vollem Orchester. Bis zuletzt hörte er nie auf, Musik zu produzieren. Er lebte seine Musik.

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Mein Abschied von Juan Atkins

Ich selbst bin mit den Tracks von Model 500 und Cybotron aufgewachsen. Sie haben mich sehr geprägt, und über sie bin ich überhaupt erst zur elektronischen Musik gekommen. Atkins war (und ist immer noch) für mich der Inbegriff des Techno-Sounds von damals, und dieser Sound hat sich bis heute gehalten.

Auch seine Bühnenpräsenz war bis zum Schluss legendär. Dass er in Mexiko-Stadt noch in der DJ-Booth stehen wollte, das passt zu ihm.

Danke, Juan.

Wie er mit MS-10, TR-808 und Pro-One klang, schauen wir uns jetzt hier an. Dazu lohnt sich ein Blick auf unsere Serie Dieses Gear nutzen Legenden.

Mit diesem Gear baute Juan Atkins den Detroit-Sound

Seine Heimat Belleville war eher ländlich. Musiker zum Jammen oder zum Gründen einer Band, wie es damals üblich war, gab es nicht. Also musste er sich hundertprozentig auf die Technik verlassen. 1979 startete Juan Atkins zu Hause mit zwei Kassettendecks, einem Synthesizer und einem Vierkanal-Mixer. Eine Aufnahme die alles verändern sollte. Alle Drum-Sounds programmierte er selbst. Was daraus entstand, solltet ihr eigentlich kennen (falls nicht, dann bitte reinhören): Cybotron, Model 500 und Techno! Hier stelle ich euch die Hardware vor, mit denen seine Tracks entstanden sind. Leider gibt es nicht viele Belege, aber diese hat er in seinen Interviews immer wieder erwähnt.

Korg MS-10: Omas Geschenk und das erste Studio

Seine Großmutter Lily, selbst auch mit Musik verwurzelt, spielte passioniert eine Hammond B-3. Sie war es, die ihrem Enkel einen Korg MS-10 schenkte. Und das in einem Alter von etwa 14 Jahren. Später bezeichnete Juan Atkins diesen Synthesizer als sein Lieblingsgerät. Und das nicht ohne Grund. Dieser Synth spielte auch in meinen Anfängen eine große Rolle und der Sound ist bis heute einzigartig. Der MS-10 ist ein monophon Synthesizer, mit dem man keine Akkorde spielen kann. Das passte genau in sein Konzept, denn aus der Hardware holte er die bekannten UFO-artigen Effekte und Sounds. Darüber hinaus nutzte er die Kiste auch für Drums.

Aufgenommen hat er das Ganze mit einem Zweispur-Recorder und einem Mixer. Mehr hat man damals nicht zur Verfügung gehabt und deswegen auch nicht gebraucht. Er spielte die Sounds mehrfach im Overdub-Modus in den Recorder, bis das Demofür ihn perfekt und rund war. Genial einfach. Teilweise wünsche ich mir diese Arbeitsweise für heutige Produktionen wieder zurück.

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Roland TR-808 und TR-909: Atkins war bei den Anfängen dabei

Juan Atkins hatte sowohl die 808 als auch die 909 im Einsatz. Und das sogar schon in den Stunden als sie neu erschienen. Wer fette Drums wollte, kam damals (wie auch heute immer noch) um diese Maschinen nicht herum. Er sieht sich selbst als technischen Innovator. Und das bedeutet natürlich das Equipment eben absolut neu sein muss. Die 808 erzeugte den Haupt-Sound in den Tracks „Clear“ und „Cosmic Cars“. Wer mehr über die die legendären Drum Machines erfahren will, findet bei uns verschiedene Artikel zu den Maschinen: Drum Machines für Techno-Produktionen und Artikel Mythos TR-909. Und hier findet ihr alles über den Hersteller und Entwickler Roland.

Boss DR-55: die erste Drum Machine

Aber bevor Juan Atkins seine 808 kaufen konnte, arbeitete er mit der kleinen DR-55. Sie war seine erste Drum Machine, die er sogar in vielen Interviews als Favoriten titulierte. Aber warum? Er meinte, dass er damit zum ersten Mal komplette Rhythmen selbst programmieren konnte. Deswegen hatte er für sein Studio gleich zwei davon gekauft.

Sequential Pro-One: Bassline und Trigger-Trick

Atkins erzählte ebenso in einigen Interviews über die Entstehung seines Tracks „Clear“. Den Startpunkt setzte er mit der bekannten Sequenz des Sequential Pro-One, den er über den Trigger-Ausgang der 808 startete. Die fette Bassline kam ebenfalls vom Pro-One. Der Synthesizer besitzt nämlich einen integrierten Sequencer und verband damals Drum Machine und Synthesizer. Eine DAW, wie wir sie heute kennen, gab es nicht.

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ARP, Roland und Korg: Sounds aus dem Rack

Zu den schon genannten Synthesizern und Drum Machines hat Juan Atkins weitere alte Legenden, wie den ARP Axxe, den ARP Odyssey und den String-Synthesizer Roland RS-09 eingesetzt. Als Sequencer nutzte er zuerst den Korg SQD-1 und später den Roland MC-500.

MIDI war für Juan Atkins ein Geschenk des Himmels, wie für uns alle. Plötzlich konnte er alle seine Geräte miteinander verbinden und kommunizieren lassen (falls eine MIDI-Schnittstelle vorhanden war): Ein Zusammenspiel einer Roland Drum Machine mit einem Synthie aus dem Hause Korg oder Oberheim? Das war vorher kaum möglich. Live Jams waren an der Tagesordnung und das perfekte Einspielen perfekt sitzender Beats in Verbindung mit Synthesizer-Loops war laut Atkins hart, aber es prägte den Sound. Und das mit sehr viel Leben, Groove und den nötigen Vibes.

Die prägendsten Tracks von Juan Atkins

„Clear“: Cybotron und der Beat, den jeder kennt

„Clear“ wurde im April 1982 aufgenommen und erschien 1983 über das Label Fantasy. Juan Atkins produzierte den Track in Zusammenarbeit mit Rik Davis. Das war laut Medien und Interviews verschiedenster Produzenten der Szene der Ursprung des Techno. Später sampelte sogar Missy Elliott „Clear“ für ihren Mega-Hit „Lose Control“.

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„No UFO’s“: Kellerstudio und Absagen, aber trotzdem Erfolg

Im April 1985 erschien „No UFO’s“ als erste Veröffentlichung nach dem Ende des Projekts Cybotron. Rik Davis schlug einen rockigeren Weg ein, Juan Atkins wollte seine musikalische Richtung nicht verlassen. Seine kommenden Tracks entstanden dann provisorisch im Keller seiner Mutter im Osten Detroits. Leider hatte er damit vorerst kein Erfolg. Denn Labels lehnten die Demos ab. Und das legte den Grundstein seines eigenen Labels Metroplex, auf dem er die Tracks selbst veröffentlichte. Und das mit Erfolg!

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„Techno Music“: Ein neuer Name für ein großes Genre setzt sich durch

Das Wort „Techno“ benutzte Atkins schon 1984 im Cybotron-Track „Techno City“. Und das nicht ohne Grund. Die Musik klang eben sehr technologisch, Maschinen-inspiriert. Aber erst der Umweg über UK (und dem Rest Europas) prägte den Namen für das Genre. Und das sagte er zum Thema in einem Interview mit Resident Advisor:

„Ich habe meine Musik von Anfang an als Techno bezeichnet, weil ich immer das Gefühl hatte, dass meine Musik aus Technologie geboren wurde.“

Live und im Studio: von der Cybotron-Premiere bis zum Orchester

Die erste Cybotron-Liveshow überhaupt kündigte Atkins erst Ende 2018 an. Die Tour startete in London. Er spielte Weltweit als Headliner in großen, aber auch kleineren Clubs und auf Festivals, wie Movement in Detroit, Dekmantel, ADE und vielen mehr. Und er stand sogar mit vollem Orchester auf der Bühne. Als DJ spielte hatte er immer eine Drum Machine oder einen Synthesizer dabei, so wie ein DJ seine Lieblingsplatte niemals aus dem Koffer (oder vom Stick) entfernen würde.

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Was Atkins über Technik dachte

Atkins war einer der ersten Käufer moderner Technik, ein MIDI-Fan, aber auch ein Skeptiker zugleich. Er warnte nämlich oft, dass Bequemlichkeit mit neuer Technologie gerade in der Kunst träge machen kann, weil man damit weniger Grenzen ausreizt und man eingeengt wird. KI war für ihn ein No-go in der Musik. Und er hatte bis heute einen sehr hohen Anspruch. Seine Fans und Hörer sollten bei seiner Musik an weitaus mehr denken als nur an Spaß am Tanzen und Emotionen in der Musik. Denn seine Arbeit war immer mit sozialen und politischen Themen gespickt.

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Do It Yourself: So produzierst du wie Juan Atkins

Starter-Setup: „Cybotron-Basics“

Für wen: Ihr wollt als Einsteiger genau so klingen, wie Juan Atkins und sein Track „Clear“, aber ohne die hohen Gebrauchtmarktpreise zu zahlen oder teure Maschinen kaufen zu müssen?

Empfohlene Kombination:

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Behringer RD-8 MKII
Behringer RD-8 MKII
Kundenbewertung:
(65)
Behringer Pro-1
Behringer Pro-1
Kundenbewertung:
(273)
Korg MS-20 mini
Korg MS-20 mini
Kundenbewertung:
(186)

Warum dieses Setup funktioniert: Das ist genau die Kombination aus Drum Machine, Pro-One inklusive Sequencer und einem Synthesizer von Korg, mit dem Atkins schon in den frühen Jahren arbeitete. Die Behringer RD-8 MKII besitzt zum Steuern anderer Geräte drei Trigger-Ausgänge und der Pro-1 einen integrierten Sequencer, mit dem ihr Synth-Lines abfeuern könnt. Mit Clock-Sync zwischen den Beiden könnt ihr dann diese Verläufe erzeugen, die im Club funktionieren und zugleich lebendig bleiben. Interessant ist im Mix-Prozess der Einsatz eines Tape Plugins, um den typischen Tape-Charakter zu erhalten, den Atkins während der Aufnahme auf ein echtes Tape erzeugte.

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Advanced Setup: „Detroit-Studio“

Für wen: Produzenten, die die legendären Sounds nicht nur nachbauen, sondern in der DAW zu einem eigenen Sound ausarbeiten wollen.

Empfohlene Kombination:

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Roland TR-8S
Roland TR-8S
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(240)
Behringer Odyssey
Behringer Odyssey
Kundenbewertung:
(141)
Ableton Live 12 Suite Download
Ableton Live 12 Suite Download
Kundenbewertung:
(24)

Warum dieses Setup funktioniert: Die TR-8S liefert euch die typische 808 und 909 in einem Gerät und der Odyssey bringt euch den fetten ARP-Sound. In Ableton Live könnt ihr das nachbauen (und natürlich noch vieles mehr), was bei Atkins Korg SQD-1 und Roland MC-500 erledigten.

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Referenz-Setup: „Wie im Original“

Für wen: Das ist das Optimum für Sammler und Fans, die so nah wie möglich an den Klang und den Vibe von Juan Atkins herankommen wollen.

Empfohlene Kombination:

  • Korg MS-10 (gebraucht, Vintage-Markt)
  • Sequential Circuits Pro-One (gebraucht, Vintage-Markt)
  • Roland TR-808 (gebraucht, Vintage-Markt)
  • Boss DR-55 (gebraucht, Vintage-Markt)

Warum dieses Setup funktioniert: Das sind die originalen Synthesizer und Drum Machines des „Techno-Meisters“. Damit ist sein Track „Clear“ entstanden. Aber Vorsicht: Preise und Zustand können stark variieren, deshalb lohnt sich vorher ein Blick in unseren Artikel zu modernen Vintage-Synthesizern.

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Fazit: Was ein 15-Jähriger mit MS-10, Kassettendecks und Mixer produzieren konnte

Juan Atkins hat uns allen gezeigt, wie weit man mit sehr wenig kommt, wenn man jedes Gerät bis ins Letzte ausreizt. Und das in einer Zeit, in der das Ganze undenkbar war. Aber ihr solltet euch immer im Hinterkopf behalten: Bleibt euch im Kopf treu und findet einen Weg zu euren eigenen Sounds. Das führt meist über ein Ausprobieren der Hard- und Software. Genau das nehme ich aus der Ära Atkins mit.

Welcher Track von Cybotron oder Model 500 hat euch zum Techno gebracht? Oder hat euch erst mein Artikel gezeigt, was Atkins für die Szene bewirkt hat? Schreibt uns euer Feedback gerne in die Kommentarsektion.

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Ein Kommentar zu “Abschied von Juan Atkins: Der Mann, ohne den es Techno heute so nicht gegeben hätte”

    Citric Acid sagt:
    0

    Ich habe in den frühen 90er ein Mixtape von Ihm gehabt. Mit allen seinen Tracks. Das hat mich nicht zu techno gebracht, hatte schon vorher in UK Acid House gehört so um 89. Aber das tape habe ich lange gehört und als ich es vor kurzem wider fand glänzen in den augen und ohren. Schade das er viel zu früh ging.

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