Live-Techno mit Hardware: 3 Ideen für ein Perfect Match
Ideen für die Live-Performance mit Hardware
In unserer Serie Perfect Match stellen wir dir jede Woche ein Trio von interessanter Hardware oder Software vor, die aus unserer Sicht gut zusammenpasst. Dabei geht es immer um eine bestimmte Anwendung, eine musikalische Idee oder ein spezielles Konzept. Das heutige Thema dreht sich um ein Setup für Live-Techno mit Hardware. Wie könnte da ein guter Startpunkt aussehen? Wir machen dir einen konkreten Vorschlag inklusive interessanter Ideen.
Inhalt:
Live-Techno mit Hardware
Auch wenn es mit tollen DAWs wie Ableton Live heute sehr gute Möglichkeiten für die Live-Performance von elektronischer Musik gibt, wollen sich einige gezielt auf Hardware konzentrieren und den Rechner aus einem Setup verbannen. Das Stichwort lautet in dem Sinne also „DAWless“ und vor ein paar Tagen haben wir bereits ein Feature zu dem Thema veröffentlicht (siehe hier), das eine gute Ergänzung zu den Vorschlägen in diesem Artikel darstellt.
In diesem Perfect Match soll es um ein Setup für Live-Techno mit Hardware gehen, bei dem die DAW nicht eingeplant ist – aber auch problemlos eingebunden werden kann. Zudem stellen die Vorschläge eine Art Basis dar, die bereits viele Möglichkeiten für Performance bietet und auch bei einigen bekannten Acts zu sehen sind.

Das heute vorgestellte Gear ist nicht unbedingt als günstiges Einsteiger-Equipment zu verstehen, nach einer gewissen Einarbeitung wirst du aber bestimmt das Potential zu schätzen wissen. Und insgesamt ist das Setup so zusammengestellt, dass du nicht überfordert wirst und wirklich lange etwas davon hast.
Der dritte Vorschlag – konkret der Mixer – ist zudem nicht von Anfang an wirklich Pflicht, kann aber eine sinnvolle Anschaffung sein. Wir erklären dir auch warum. Steigen wir doch direkt ins Thema ein.
Elektron Analog Rytm MKII: Mehr als eine Drum-Machine für Live-Techno
Drums spielen bei Techno eine zentrale Rolle, deshalb sollte die Basis für Live-Techno mit Hardware auch eine Drum-Machine sein. Elektron Analog Rytm MKII ist für diese Aufgabe immer noch eine erstklassige Wahl.
Das Gerät kombiniert analoge Drums und Samples und bietet damit bereits eine starke Basis für knallende Drums und ebenso aber auch für noch eine Reihe von weiteren Sounds. Denn neben den Sound-Engines für Drum- und Percussion-Sounds – hier „Machines“ genannt – gibt es auch Synth-Engines, um zum Beispiel zusätzlich eine Bass- oder Lead-Spur zu erzeugen.
Elektron Analog Rytm MKII kann zudem nicht nur Samples abspielen, sondern über den Audioeingang auch welche aufnehmen. Außerdem verfügt diese Drum-Machine auch über eine Resampling-Funktion, was die kreativen Möglichkeiten noch vergrößert.
Es gibt einige Gründe, die Analog Rytm MKII speziell für Live-Techno so besonders macht. Dazu zählt natürlich auch der sehr druckvolle Sound. Auch wenn dies keine TR-909 oder TR-808 ist, bekommt diese Drum-Machine typische Techno-Kicks, Snares und Percussion geradezu spielend hin und bietet strenggenommen sogar noch mehr.
Aber auch die internen Effekte und der „magische“ Elektron-Sequencer tragen zu dem Erfolg bei. Mit den Effekten sorgst du für Dramaturgie beim Techno-Live-Set und der Sequencer macht mit Tricks wie Trigger-Conditions oder Probability bereits aus kurzen Loops sehr lebendige Patterns. Seit dem OS 1.70 Update bietet Analog Rytm auch euklidische Generatoren, die nicht nur bei Live-Techno sofort für interessante Vibes sorgen.
Dass hier neben dem Stereo-Ausgang auch Einzelausgänge bereitstehen, steigert die Flexibilität von Analog Rytm MKII, denn so kannst du den Drumcomputer gut in diverse Setups integrieren und zum Beispiel einzelne Sounds auf Kanäle am Mischpult zuweisen. Das ist auch sehr nützlich, um mit zusätzlichen individuellen Effekten zu arbeiten.

Mit Roland TR-1000 gibt es eine starke Alternative – allerdings kostet diese Drum-Machine auch noch mal deutlich mehr und im Augenblick musst du eine längere Wartezeit dafür in Kauf nehmen. Roland TR-8S* stellt eine interessante Alternative mit einem stärken Schwerpunkt auf Drums dar. Weitere denkbare Alternativen stellen Sample-Grooveboxen wie Novation Circuit Tracks*, Elektron Digitakt II* oder AKAI MPC* dar, hier arbeitest du dann primär mit Samples. Elektron Analog Rytm MK II bekommst du hier bei Thomann*.
Synthesizer mit eingebautem Sequencer als Ergänzung

Mit Elektron Analog Rytm MKII kannst du bereits ein Live-Techno-Set spielen, aber mit einem zusätzlichen Synthesizer bekommst du einfach noch mehr Potential für die Performance.
Unser Vorschlag ist ein Klangerzeuger, der bereits über einen integrierten Sequencer verfügt und synchron zu der Drum-Machine läuft. Über ein MIDI-Kabel* verbindest du beide Geräte, der Drumcomputer fungiert dabei als Taktgeber.
Der Vorteil dieser Kombination: Du kannst mit beiden individuell arbeiten – also beispielsweise ein Pattern auf der Drum-Machine wechseln, während der Synthesizer weiterhin seinen eigenen Part spielt. Oder es läuft genau andersherum: Die Drums laufen weiter, während ein neues Pattern auf dem Synthesizer startet. Und mit ein bisschen Übung beherrscht du beide zusammen – genau das macht die Performance bei einem Live-Techno-Set aus. Das Prinzip erinnert ein bisschen an den Flow bei einem DJ-Set, wo es ja auch immer um Übergänge zwischen unterschiedlichen Elementen geht.
Vielleicht hast du ja auch gar nicht vor, alleine zu spielen: In diesem Fall können sich zwei Personen auf „ihre“ Hardware konzentrieren, zusammen interagieren und so den Sound formen.
Ein interessanter Gegenpol zum Analog Rytm MKII stellt Analog Four MKII* dar, der ebenfalls von Elektron hergestellt wird. Der Analogsynthesizer bietet vier Stimmen, die als eigenständige Parts laufen oder gemeinsam genutzt werden können, um so beispielsweise Akkorde zu spielen.
Analog Four MKII eignet sich nicht nur für Basslines, Melodien, Akkorde oder Pads, sondern beherrscht ebenso Drum-, Percussion- und FX-Sounds. Zusammen mit dem Analog RytmMKII hast du bereits ein richtiges Power-Set für Live-Techno.
Vielleicht ist aber eine weitere recht komplexe Maschine etwas zu viel für den Anfang und du möchtest einen eher einfachen Begleiter zu dem Drumcomputer. Erica Synths Bassline DB-01* könnte dann vielleicht etwas für dich sein.
Hierbei handelt es sich um einen analogen Bass-Synthesizer mit Sequencer, der ein bisschen wie eine aufgebohrte und moderne Variante der Roland TB-303 funktioniert. Du bekommst hiermit aber nicht nur typische Acid-Sounds hin, sondern auch viele andere synthetische Bässe und ebenso Drum-Sounds oder Drones. In der Handhabung ist das Gerät ein bisschen überschaubarer und lädt aber auch genau deshalb zum „Schrauben“ ein.
Ein bisschen klassischer geht es mit Roland JU-06A* zu, einer kompakten digitalen Nachbildung der fast schon legendären Juno-60 und Juno-106 Synthesizer. Eine vierstimmige Polyphonie lädt zu Pads und harmonischen Chords ein – dafür gibt es hier sogar eine Chord-Memory-Funktion!
In der Bedienung fällt auch dieser Synthesizer sehr überschaubar aus, lädt aber immer wieder zum Erstellen von interessanten Sounds ein, die sich hier auch als Presets jederzeit wieder laden lassen. Neben dem Arpeggiator und dem eingebauten Sequencer sind hier die Chorus- und Delay-Effekte praktisch für das Live-Techno-Set.
Ein Mischpult als Ergänzung für das Setup
Wie bereits angesprochen, bist du bereits mit dem Elektron Analog Rytm MKII gut für Live-Techno gerüstet, speziell wenn ein zweiter Synthesizer dazukommt. Dieser lässt sich durch die Eingänge an der Drum-Machine einschleifen – im Prinzip muss also nur die Analog Rytm an die Anlage angeschlossen werden.
Sobald aber mehr Gerätschaften dazukommen, ist ein Mixer erforderlich. Damit bekommst du aber weitaus mehr als nur einen Mischer für mehrere Eingangssignale. Ganz im Gegenteil – bei Live-Techno kann das Mischpult eine zentrale Rolle bei der Performance übernehmen!
Mit Fadern ziehst du ganz schnell einzelne Sounds in den Mix und nimmst sie wieder heraus und über Send-Regler schickst du gezielt Sounds in externe Effekte. Du siehst, dass ein Mischer nicht nur praktisch ist, sondern auch zu einer Art Instrument werden kann. Zudem hast du damit die Basis, um weiteres Gear zu integrieren. Mit einem Mischer und einem zusätzlichen Effekt potenzieren sich die kreativen Möglichkeiten nahezu.
Worauf solltest du bei einem Mischpult für Live-Techno achten? Theoretisch kannst du einen DJ-Mixer nutzen, so wie Surgeon das zum Beispiel bei seinen aktuellen Live-Sets macht. Aber ein eher kleiner Live-Mixer bietet mindestens genauso viele interessante Möglichkeiten – wenn nicht sogar noch mehr!
Einige Artists nutzen zum Beispiel gezielt die Mikrofoneingänge für Sounds wie die Kick-Drum, um diese mit der Anhebung des Eingangssignals leicht (oder sogar hart) zu übersteuern. Send-Regler bieten eine perfekte Möglichkeit, um Effekte ein- und wieder auszublenden. Und einige Pulte bieten sogar die Option, dein Live-Techno-Set direkt aufzunehmen.
Praktisch ist, wenn der Mixer neben den typischen Mono-Kanälen auch Stereo-Kanäle bietet. So kannst du dann eine Drum-Machine wie Analog Rytm MKII zum Beispiel so „verteilen“, dass Sounds wie die Bass-Drum, Snare und Hi-Hats auf eigenen Monokanälen liegen, während die Effekte und andere Sounds in Stereo ausgegeben werden – inklusive Panaorama-Einstellungen.
Je mehr externe Effekte du über den Mixer einbinden willst, desto nützlicher sind Send-Wege und damit auch die Anzahl der Send-Regler. Einige Pulte bieten sogar interne Effekte, die manchmal sogar sehr gut zu Live-Techno passen!
Allen & Heath ZED 12FX* ist schon so etwas wie ein „Oldie“, immerhin gibt es dieses Mischpult schon seit fast 20 Jahren! Der Mixer liefert aber die essentiellen Features: Neben sechs Mono-Eingängen (die für Mikrofon- und Line-Signale taugen) gibt es drei Stereo-Eingänge, dazu kommen vier (!) Aux-Sends, ein eingebautes Effektgerät mit 16 Presets, ein Tap-Delay, 3-Band-EQs mit parametrischen Mitten (auch cool für Live-Klangbearbeitungen) und sogar PFL-Buttons zum Vorhören. Außerdem ist hier sogar ein USB-Audiointerface integriert, um Signale aus dem Rechner auf das Pult zu schicken oder direkt eine Aufnahme vorzunehmen.
Mit einer etwas minimalistischeren Ausstattung kommt Soundcraft EFX8* daher. Dieses Pult ist eher für kompakte Live-Techno-Sets gedacht und bietet acht Mono- sowie zwei Stereo-Eingänge. Neben den 3-Band-EQs mit parametrischen Mitten befindet sich hier nur ein Aux-Weg pro Kanal, zusätzlich gibt es aber ebenfalls noch eine interne Effekt-Einheit, die hier von Lexicon stammt und 32 Presets bietet. Für viele Setups bist du damit aber trotzdem schon gut gerüstet.
Noch mehr Mischpulte findest du hier bei Thomann* und kürzlich haben wir einen Kaufberater über Live- und Klein-Mixer unter 500 Euro veröffentlicht.
Fazit: Ein Perfect Match für Live-Techno mit Hardware
Wer Techno live performen will und dabei auf den Rechner und eine DAW verzichten möchte, bekommt heute viele spannende Gerätschaften dafür. Wir zeigen dir hier ein kleines Basis-Setup, das die wichtigsten Parts abdeckt und genug Spielraum für zukünftige Erweiterungen bietet.
Den Anfang macht eine Drum-Machine wie Elektron Analog Rytm MKII, die nicht nur druckvolle analoge Drum- und Percussion-Sounds bietet, sondern zusätzlich (analoge) Synth-Engines für Bässe, Leads oder FX-Sounds in petto hat. Außerdem kann dieser Drumcomputer auch Samples abspielen und bietet sogar die Option für Sampling und Resampling. Der Sequencer ist extrem ausgefuchst und zusammen mit den eingebauten Effekten ist Analog Rytm MKII super für Live-Techno geeignet.
Als Begleiter bietet sich ein Synthesizer mit integriertem Sequencer an. Damit spielst du Basslines, weitere Sequenzen oder andere Sounds ein. Und durch den eigenständigen Sequencer kannst du hiermit sogar im Duo performen. Drei Vorschläge geben wir dafür: Neben Elektron Analog Four MKII als passende Ergänzung zu der Drum-Machine stellt ein Synthesizer wie Erica Synths Bassline DB-01 eine vergleichsweise einfachere, aber trotzdem schlagkräftige Alternative dar. Für klassische Techno-Sounds passt auch super ein Synthesizer wie Roland JU-06A.
Mit einer Kombi aus Analog Rytm MKII und einem weiteren Synthesizer bist du schon sehr gut für ein Live-Techno-Set gerüstet, ein zusätzlicher Mischer bringt mehr Möglichkeiten für die Performance ins Spiel und stellt eine gute Grundlage für weitere Anschaffungen dar. Es gibt viele Modelle, die für deine Zwecke interessant sind, mit Allen & Heath ZED-12FX und Soundcraft EFX8 zeigen wir dir zwei Mischpulte, die sich gut in das Setup einfügen.
Zusammen ein Perfect Match für Live-Techno!
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