Relica 2, Orra Tone Zone, Okay Distortion: 3 starke Freeware Plugins der Woche
Chiptune-Synthese, intelligentes Tonforming und maximale Verzerrung kostenlos
Diese Woche im Freeware Sonntag: Relica 2 bringt den Sound klassischer 8-Bit-Spielkonsolen zurück in eure DAW, Orra Tone Zone ist eines der mächtigsten kostenlosen Tonal-Shaping-Tools, die ich je gesehen habe, und Okay Distortion zerlegt eure Sounds mit fünf verketteten Verzerrungsstufen in ihre Einzelteile. Drei sehr unterschiedliche Plugins, aber alle mit einem klaren Versprechen: maximaler Charakter ohne Preisschild. Falls ihr darüber hinaus auf der Suche nach weiteren Freeware Plugins seid, schaut mal in unserer Sammlung vorbei!
Kostenlose Plugins zum Freeware Sonntag
Hivetune Relica 2: Der ultimative Retro-Gaming-Synthesizer?
Hivetune Relica 2 ist der Nachfolger des vor einigen Jahren erschienenen Originals, und der Sprung zwischen den beiden Versionen ist beachtlich. Wie schon der erste Teil ist Relica 2 ein Synthesizer, der den Sound klassischer 8-Bit-Spielkonsolen in die DAW bringt. Wer beim Klang alter NES-Soundtracks sofort ein nostalgisches Kribbeln bekommt, wird hier sehr glücklich.
Zur Auswahl stehen vier Oszillatorwellenformen: Square, Sawtooth, Triangle und Sine. Interessant dabei: Pulsweitenmodulation lässt sich auf alle vier Wellenformen anwenden, was für einen Chiptune-Synthesizer schon recht ungewöhnlich ist und entsprechend viele klangliche Möglichkeiten eröffnet. Dazu gibt es einen ADSR-Hüllkurvengenerator und einen Bit Crusher für den typischen 8-Bit-Charakter. Im Vergleich zum Vorgänger lässt sich Anti-Aliasing jetzt ein- und ausschalten: ausgeschaltet klingt es roh und authentisch nach alter Hardware, eingeschaltet moderner und polierter.
Neu in Version 2 sind außerdem ein Rauschgenerator, ein Vibrato-Modul mit mehreren LFO-Formen und Portamento. Das Highlight für alle, die klassische Chiptune-Arpeggios im Kopf haben: ein BPM-synchroner Arpeggiator, der genau jene Akkordsequenzen ermöglicht, die alte Spielsoundtracks so unverwechselbar gemacht haben. Tipp: Kombiniert den Arpeggiator mit dem Bit Crusher und dreht Anti-Aliasing aus. So klingt Relica 2 am authentischsten nach originalem NES-Sound und eignet sich perfekt für Lo-Fi- und Chiptune-Produktionen.
Hivetune Relica 2 ist für macOS und Windows in den Formaten VST3 und AU erhältlich.
Orra Tone Zone: Kostenloses Tonal-Curve-Correction-Plugin
Das Tone Zone von Orra Audio gehört zu den leistungsstärksten kostenlosen Tonal-Shaping-Plugins, die mir in letzter Zeit untergekommen sind. Das Konzept dahinter ist so simpel wie wirkungsvoll: Das Plugin analysiert euren Track per 40-Band-Spektralanalyse und vergleicht das Ergebnis mit einer Zielkurve. Zur Auswahl stehen 24 genrespezifische Kurven, oder ihr ladet einfach einen eigenen Referenztrack.
Im Detail funktioniert das so: Ein einziger Correction-Regler schiebt euren Frequenzgang schrittweise in Richtung der gewählten Zielkurve. Vier Slots ermöglichen den schnellen Vergleich verschiedener Einstellungen. Zur Feinjustierung gibt es zusätzlich einen parametrischen 6-Band-EQ mit ziehbaren Nodes sowie eine Sättigung pro Band im Analog-Stil, die zwischen drei Modi wählen lässt: Tube, VCA und British. Das ist für ein kostenloses Plugin wirklich beeindruckend.
Praktisch gesehen ist Tone Zone besonders nützlich beim Abmischen von Tracks, die spektral noch nicht da sitzen, wo man sie haben möchte. Anstatt stundenlang am EQ zu schrauben, zeigt das Plugin sofort, wo die Abweichung zur Referenz liegt, und korrigiert automatisch in die richtige Richtung. Das spart Zeit und schult gleichzeitig das Gehör, weil man den Vorher-Nachher-Vergleich direkt im Plugin hat. Für alle, die gerade das Abmischen lernen, ist das fast schon ein Lehrgang in Frequenzmanagement.
Orra Tone Zone ist für macOS und Windows in den Formaten VST3, AU und AAX erhältlich.
Okay Distortion: Wie viel Verzerrung darf es sein?
Das Okay Distortion von Okay Synthesizer ist ursprünglich als Teil des Bingo Drum Machine Plugins entstanden und jetzt als eigenständiges Freeware-Plugin verfügbar. Das Konzept ist denkbar direkt: fünf Verzerrungsstufen in Serie, dazu eine Feedback-Schleife. Wer schon mal daran gedacht hat, einen Sound komplett zu zerlegen, bekommt hier das passende Gerät dafür.
Im Detail bietet Okay Distortion ein pedalartiges Distortion-Modul, das klanglich irgendwo zwischen einem DS-1 und einem RAT anzusiedeln ist, einen Wavefolder, einen Soft- und Hard-Clipper, einen Bit Crusher und einen Sample-Rate-Reducer. Ein übergeordnetes Hauptmodul regelt den Gesamtmix und die Feedback-Intensität. Was das Ganze besonders interessant macht: Die Reihenfolge der einzelnen Module lässt sich frei verändern, was den klanglichen Spielraum erheblich erweitert.

Praktisch gesehen ist Okay Distortion weniger ein präzises Mixing-Werkzeug als ein Sounddesign-Spielplatz. Besonders auf Drums, Synthesizer-Basslinien oder Percussion-Gruppen entstehen damit schnell Ergebnisse, die sich deutlich vom Original entfernen. Wer den Feedback-Anteil hochdreht und die Modulreihenfolge durchprobiert, landet schnell bei Sounds, die man so nicht erwartet hätte. Ein bisschen chaotisch, aber genau das ist der Punkt.
Okay Distortion ist für macOS und Windows in den Formaten VST3 und AU erhältlich.
Weitere Freebies wie Relica 2, Angebote und Tipps & Tricks…
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