Der Gitarrensound von „Last Resort“: Kling‘ wie Papa Roach mit Plugins, Budget-Setup oder Studio-Gear
Nu-Metal-Sounds mit diesem Equipment!
„Cut my life into pieces, this is my last resort!“ – Wer diese legendären Zeilen hört, wird sofort dahin verfrachtet, wo man das Lied zum ersten oder besten Mal gehört hat. Und für nicht wenige Anfänger und Anfängerinnen ist das Riff eines der ersten, die sie auf der Gitarre lernen. Dann kommt natürlich auch schnell die Frage nach dem Gitarrensound von „Last Resort“ auf. Wie klingt man wie Jerry Horton, Leadgitarrist von Papa Roach? Welche Plugins und welches Gear braucht es für den Sound der Nu-Metal-Band?
Das Wichtigste in Kürze
- Weniger Gain als gedacht. Der Gitarrensound von „Last Resort“ ist mittig und vergleichsweise clean, kein gescoopter Rectifier-Matsch.
- Jerry Hortons Rig aus der „Infest“-Zeit: Marshall JMP-1 Preamp, JCM900, Rocktron-Rack-Effekte, Schecter mit Seymour Duncan JB SH-4.
- Plugins: Nembrini JMP Pro für den Preamp, Softube Amp Room Marshall Suite für die JCM900-Seite, kostenlos über NAM-Profiles von Tone3000.
- Einsteiger: Boss Katana-Amps. Dazu das Marshall JCM900 Pedal oder ToneX-User-Presets.
- Studio: Marshall SN20H Studio 900 für den Amp-Part, Friedman IR-X oder Victory V4 The Sheriff als Röhren-Preamp statt des JMP-1.
Alles über den Gitarrensound von „Last Resort“
Die Entstehung von „Last Resort“
25. April 2000, „Last Resort“ erscheint. Und wird zu einem der größten Hits der Nu-Metal-Ära. Bands wie Korn und Limp Bizkit haben zwar auch einzelne wichtige Songs, hier geht es aber meistens viel mehr um das ganze Album, um die Texte, weniger um Hits. „Last Resort“, geschrieben von Bassist Tobin Esperance mit Lyrics von Sänger Jacoby Shaddix, verbindet ein Riff, das niemand vergessen kann, mit Inhalten, die so catchy, so direkt und zerbrechlich geschrieben sind, dass der Song genau das wird: ein Hit.
Sechsfach Platin ist „der Song „Last Resort“ bei den Verkäufen allein in den USA bis heute, fast 1,7 Milliarden Aufrufe hat er auf Spotify, nur Linkin Park und System of a Down haben Lieder, die noch populärer sind aus der Nu-Metal-Ära. „Last Resort“ schafft den Spagat, das Verzweifelte und Wütende, das zentral war bei vielen Songs dieser Bands, in ein Riff zu verpacken, das heute fast so verbreitet ist, wie „Smoke on the Water“.
Unter Fans und Anti-Fans der Band gibt es seit vielen Jahren eine Debatte, wie nah besagtes Riff übrigens an „Genghis Khan“ von Iron Maiden liegt. Hört man sich das ab 01:47 an, kann man zumindest einige Verwandtschaft erkennen. Tobin Esperance beschreibt im Video von Vice, dass er das Riff am Klavier geschrieben und Gitarrist Jerry Horton es später auf die Gitarre übertragen habe.
Der Gitarrensound von „Last Resort“: Jerry Hortons Equipment
Papa Roach nahmen ihr Album „Infest“ im Herbst 1999 in den NRG Studios in Hollywood zusammen mit Produzent Jay Baumgardner (Drowning Pool, Boysetsfire, Helmet) auf. Anders als bei vielen anderen Bands und Gitarristen gibt es über Jerry Hortons Studio-Rig aus der Zeit tatsächlich keine Quellen.
Allerdings gibt es ein Interview mit den Kollegen von Bonedo von 2017, in dem Horton über das analoge Gear spricht, das er vor seiner Axe-FX-Zeit genutzt hat. Grundsätzlich ist Horton schon ewig mit Schecter-Gitarren verheiratet, damals noch mit Seymour Duncan JB SH-4 an der Bridge, heute wahrscheinlich mit seinen eigenen Signature-Humbuckern an seinem Signature-Modell*.
Beim Gear erwähnt er den Marshall JMP-1 Preamp, dazu einen JCM 900 und damals sehr populäre Rack-Effekte von ROCKTRON. In einem Blogartikel von Boss zum Song wird erwähnt, wie ungewöhnlich clean und eben nicht Mesa/Boogie-like der Gitarrensound von „Last Resort“ ist. Mittig, „marshallig“ und, wie so oft in unserer Serie, ein Großteil des Sounds kommt aus den Fingern.
Das Riff in Drop-D will lange geübt und die Single Notes sauber getrennt werden, sonst geht die Definition verloren, der Sound auch.
Der Gitarrensound von „Last Resort“ mit Plugins
Wir sind bei einem Humbucker-Sound, sprich, ob ihr jetzt eine Strat oder Les Paul zur Hand nehmt, dürfte für den Großteil vom Gitarrensound von „Last Resort“ gerade am Anfang ziemlich wumpe sein. Gitarre, Kabel, Interface, DAW – das sind die Mindestvoraussetzungen (und Übung!). Achtet beim Anschluss der Gitarre ans Interface darauf, dass der Gain-Regler am Interface gerade so viel verstärkt, dass es auch bei lauten Stellen nicht übersteuert.
Für den JMP-1 gibt es von Nembrini den JMP Pro Valve Guitar Amplifier, den ihr als Teil des Nembrini Audio Pre Amplifier Bundle* gerade sogar im Angebot zusammen mit zwei weiteren Preamp-Plugins bekommt. Und, wenn es um alte Marshall-Legenden wie den JCM900 geht, dann gibt es da natürlich die Amp Room: Marshall Suite* von Softube.
Und auch hier gibt es wieder eine ganze Reihe an NAM-Profiles, die ihr im kostenlosen Gateway-Plugin laden könnt. Bei Tone3000 findet man Profiles unter anderem für JCM900 und JMP-1. Damit sollte man den Gitarrensound von „Last Resort“ gut nachahmen können.
Der Gitarrensound von „Last Resort“ mit Einsteiger-Gear
Es müssen nicht gleich die teuerste Hardware, die seltensten Pedale und legendärsten Amps sein, um dem Gitarrensound von „Last Resort“ näherzukommen. Wenn Boss in seinem Blog dem Song schon einen ganzen Artikel widmet, dann sei hier darauf hingewiesen, dass der Hersteller dort auch auf ein Preset für seine Katana-Amps* für „Last Resort“ hinweist, die man in der Boss Tone Exchange findet.
Für den JCM900 gibt es direkt von Marshall das entsprechende Pedal* für einen schmalen Taler. Und neben Katana findet man auch entsprechende User-Presets in der für ToneX*. Laut einer Diskussion auf Reddit soll das US Gold von Mooer* mit den richtigen Einstellungen dem JMP-1-Vibe außerdem auch sehr nahe kommen. Damit habt ihr eine solide Basis für den Gitarrensound von „Last Resort“.
Der Gitarrensound von „Last Resort“ mit Studio-Equipment
Was den JCM900 betrifft, ist dieser im Vergleich zu den endlosen Reissues seines Classic-Bruders JCM800 gar nicht so leicht in moderner Form aufzutreiben, lässt man das erwähnte Pedal von Marshall außen vor. Am ehesten wäre da der kompakte Marshall SN20H Studio 900 Head* zu nennen.
Der kleine 20-Watt-Bolide klingt sehr nach JM900, bringt einen DI-Out mit zum direkten Aufnehmen und hat auch noch eine dreistufige Leistungsreduzierung, falls man ihn auch mal (vorsichtig!) zu Hause spielen möchte. Beim JMP-1 muss man etwas kreativer werden, hier sollte man sich in Richtung anderer Röhren-Preamps wie dem Friedman IR-X* oder Victory Amplifiers V4 The Sheriff* orientieren.
Fazit
Das sind unsere Vorschläge für den Gitarrensound von „Last Resort“ von Papa Roach. Jetzt seid ihr an der Reihe. Welches Gear, welche Gitarren, welche Plugins nutzt ihr, um so wie Jerry Horton zu klingen?
Schreibt es uns in den Kommentaren!
FAQ: Der Gitarrensound von „Last Resort“
Welche Gitarre braucht man für den Gitarrensound von „Last Resort“?
Eine mit Humbucker am Steg. Jerry Horton spielte zur Zeit der Aufnahmen von „Last Resort“ eine Schecter mit einem Seymour Duncan JB SH-4, heute sein Signature-Modell mit eigenen Pickups.
Warum klingt mein Riff matschig, obwohl das Gear stimmt?
Zu viel Gain. Das Riff besteht aus schnellen Single Notes und Powerchord-Stakkatos; bei zu viel Zerre verschmieren die Töne ineinander.
Welches Plugin kommt dem Marshall JMP-1 am nächsten?
Nembrini JMP Pro bildet den Preamp inklusive der vier Kanäle nach. Kostenlos geht es über den Neural Amp Modeler: Auf Tone3000 gibt es Profiles sowohl vom JMP-1 als auch vom JCM900.
Ist „Last Resort“ ein guter Song für Anfänger?
Ja und nein. Das Riff bewegt sich über wenige Bünde, und man versteht schnell, wo die Finger hinmüssen. Aber genau deshalb hört man jeden unsauberen Ton. Es eignet sich gut, um Palm Muting und präzises Abstoppen zu üben.
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