Drift Ritual, Portacrunch 424, gFractor: 3 Freeware-Plugins für Sounddesign, Lo-Fi-Charme und cleane Mixe
Ein Synth, der teuer klingt, waschechter 4-Spur-Crunch und ein Analyzer für echte Mixing-Nerds
Noch ein kostenloser Synth, noch ein Tape-Emulator, noch ein Analyzer. Klingt erstmal nach Standardkost im Freeware Sonntag dieser Woche. Ist es aber nicht. Drift Ritual von Manu Riga, Portacrunch 424 von Schulz Audio und gFractor von Growl Audio haben mich alle drei überrascht, und zwar auf unterschiedliche Art. Der eine Synth klingt teurer als er ist, das zweite Plugin hat mich direkt in meine Anfangsjahre zurückgeschickt, und das dritte ist einfach ein sehr durchdachtes Tool fürs Ohr. Falls ihr darüber hinaus auf der Suche nach weiteren Freeware Plugins seid, schaut doch einfach mal in unserer Sammlung vorbei!
Kostenlose Plugins zum Freeware Sonntag
Manu Riga Drift Ritual: Dieser kostenlose Synth klingt wie ein teures Plugin
Ehrlich gesagt bin ich bei neuen Freeware-Synths mittlerweile eher skeptisch. Die meisten klingen okay, manche sogar richtig gut, aber selten hält mich eins länger am Preset-Browser fest als nötig. Bei Drift Ritual von Manu Riga war das anders. Schon beim zweiten Preset dachte ich: Moment, das kann doch nicht kostenlos sein.
Ist es aber. Name-your-own-price, ihr könnt das Plugin also für null Euro laden. Tut das trotzdem nicht. Spendet dem Entwickler etwas, dieses Plugin hat es definitiv verdient.
Unter der Haube stecken in Manu Riga Drift Ritual zwei hochwertige PolyBLEP-Oszillatoren plus ein Suboszillator, dazu Audio-Rate-Kreuzmodulation mit einem eigenen Hüllkurvengenerator für ziemlich wilde Klangfarben. Geformt wird das Ganze über ein Multimode-Filter mit Body-Regler und analogtypischer Filterträgheit. Auf der Hauptseite habt ihr direkten Zugriff auf den VCA- und VCF-Hüllkurvengenerator, ein separates Modulationspanel erlaubt zusätzliche loopbare Mod-Hüllkurven, LFOs, Aftertouch und Modwheel. Vier Makros lassen sich per MIDI-Learn in Sekunden einrichten.

Und dann sind dort noch die beiden internen Effekte: Bloom, ein harmonisches Delay, das sich an musikalischen Intervallen orientiert statt an starren Zeitwerten. Und Space, ein Reverb mit zwei Modi (Sanctum und Halo), der genau diese luftige Weite erzeugt, die Ambient-Produzenten so lieben. Presets für Pads, Leads, Basses, Plucks und Drones sind reichlich vorhanden. Sehr cool!
Im Studioeinsatz: Kombiniert Bloom mit einem langsamen Attack auf der VCA-Hüllkurve, dann entstehen Flächen, die sich fast von selbst weiterentwickeln, ganz ohne zusätzliche Modulation.
Manu Riga Drift Ritual ist für macOS und Windows in den Formaten VST3 und AU erhältlich.
Schulz Audio Portacrunch 424: Der klassische 4-Spur-Crunch für eure DAW
Meine ersten Recording-Gehversuche liefen auf einem 4-Spur-Kassettenrekorder, lange bevor ich überhaupt wusste, was eine DAW ist. Deswegen ist mir Portacrunch 424 von Schulz Audio sofort ins Auge gefallen. Das Plugin modelliert die Gain-Stufen des legendären Tascam Portastudio 424, und zwar bis runter zu einzelnen Transistoren, Operationsverstärkern und Kondensatoren.
Wichtig: Das ist keine Bandsimulation, dafür gibt es andere Plugins. Portacrunch 424 kümmert sich stattdessen um genau die Gain-Schaltkreise, die den Aufnahmen der Achtziger und frühen Neunziger ihre typische Wärme gegeben haben.
Wer schon mal an einem echten 424 gesessen hat, fühlt sich hier sofort zuhause. Input-Gain, Input-Level, Output-Gain und Output-Level lassen sich einstellen, dazu kommt der nachgebildete Zweiband-EQ des Originals. Kein überladenes Interface, einfach nur die Bedienelemente, die auch das Original hatte.
Wichtiger Hinweis für euch: Aktuell ist Portacrunch 424 kostenlos, der Entwickler weist aber ausdrücklich darauf hin, dass sich das jederzeit ändern kann. Ihr braucht einen Useraccount, um es herunterzuladen. Also lieber jetzt zugreifen. Praktischer Tipp: Schleift das Plugin einfach mal über euren gesamten Rough-Mix, nicht nur auf einzelnen Spuren. Genau da zeigt sich der Charakter am deutlichsten.
Portacrunch 424 ist für macOS und Windows in den Formaten VST, VST3, AU und AAX erhältlich.
Growl Audio gFractor: Mächtiger und flexibler Spektrumanalyzer
Kostenlose Spektrumanalyzer gibt es inzwischen wirklich reichlich, manchmal fast zu viele, um noch den Überblick zu behalten. gFractor von Growl Audio hat sich davon aber deutlich abgesetzt, und das liegt nicht am Aussehen, sondern an dem, was er tatsächlich kann.
Ihr wechselt zwischen Mid/Side-, Left/Right- und Transient/Tone-Analyse und könnt einzelne Komponenten separat beobachten, etwa nur den Side-Kanal oder ausschließlich die Transienten. Besonders praktisch: gFractor lässt euch euer Signal visuell gegen eine Sidechain-Referenz vergleichen, wodurch die spektralen Beziehungen zwischen zwei Spuren sofort sichtbar werden. Peak-Hold-Kurven lassen sich speichern und später als Referenz wiederverwenden.
Und dann ist da noch das komplette Stereo-Metering-Paket: Goniometer, Korrelationsmesser und sogar ein Tool, das die Stereobreite pro Oktave aufschlüsselt. Respekt, wirklich.
Praktischer Tipp: Nutzt den Sidechain-Vergleich, um euren Mix direkt gegen einen Referenztrack zu spiegeln. Das zeigt schneller als jedes Bauchgefühl, wo eure Frequenzverteilung noch hakt. Ein einziger Kritikpunkt bleibt: Bei so vielen Anzeigemodi verliert man als Einsteiger schnell den Überblick, was gerade wo angezeigt wird. Wer sich aber einmal eingearbeitet hat, will das Tool nicht mehr missen.
gFractor ist für macOS, Windows und Linux in den Formaten VST3, AU und Standalone erhältlich.
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