KI-Kennzeichnung: Zwei neue Labels sollen euch verraten, ob KI mitgesungen hat
IFPI, RIAA und Co. einigen sich auf zwei Labels, die großen Streaming-Marktführer fehlen aber noch
Die großen Musikverbände der Welt haben sich endlich auf ein einheitliches System zur KI-Kennzeichnung von KI-generierter Musik geeinigt. IFPI, RIAA, A2IM, WIN, IMPALA, die Grammys, SAG-AFTRA und die Human Artistry Campaign präsentierten gemeinsam zwei Labels: „KI-generiert“ und „KI-unterstützt“. In Deutschland trägt der BVMI die Initiative mit. Klingt erstmal nach einem Schritt in die richtige Richtung, wirft aber gleichzeitig einige Fragen auf.
KI-Kennzeichnung ist bald Pflicht – Das Wichtigste in Kürze
- IFPI, RIAA, A2IM, WIN, IMPALA, die Grammys, SAG-AFTRA und die Human Artistry Campaign haben ein gemeinsames Kennzeichnungssystem für KI-Musik vorgestellt
- Zwei Labels: „KI-generiert“ (KI erzeugt Kernkreativität wie Leadgesang oder zentrale Instrumente) und „KI-unterstützt“ (Mensch bleibt kreativer Kern, KI unterstützt punktuell)
- Songtexte und Kompositionen sind vom System ausdrücklich nicht erfasst, selbst komplett KI-komponierte Stücke bleiben ungelabelt, wenn Menschen singen und spielen
- Die Labels sollen künftig auch auf Cover-Artworks erscheinen, ähnlich den Grafiken „Explicit Lyrics“
- Streaming-Marktführer wie Spotify, Apple Music, YouTube und Amazon sind bislang nicht Teil der Initiative
- Laut Deezer bestanden im April 44 Prozent der neu hochgeladenen Tracks aus KI-generierter Musik, fast viermal so viel wie ein Jahr zuvor
KI-Kennzeichnung für Musik: Alles zum neuen Label-System von IFPI, RIAA und BVMI
Zwei Labels, ein Ziel: KI-Kennzeichnung – Endlich Klarheit für Hörer
Das Konzept unterscheidet zwischen zwei Kategorien. „KI-generiert“ gilt bereits dann, wenn etwa der Leadgesang oder zentrale Instrumentalparts per Prompt erzeugt wurden, ein kompletter, vollständig promptgenerierter Song ist dafür nicht erforderlich. „KI-unterstützt“ heißt dagegen, dass die Aufnahme im Wesentlichen von Menschen stammt und Gesang sowie Hauptinstrumente von Menschen eingespielt wurden, KI aber für einzelne Ausdruckselemente zum Einsatz kam.
Laut BVMI-Vorstandsvorsitzendem Florian Drücke wünschen sich 83 Prozent der Fans genau diese Art von Klarheit. Deezer hatte im April berichtet, dass KI-generierte Tracks bereits 44 Prozent aller neu hochgeladenen Musik ausmachten, fast viermal so viel wie im Jahr zuvor. 43 Prozent der User, die von anderen Diensten zu Deezer wechselten, hatten laut Deezer bereits KI-Songs in ihren Playlists. Apple Music wiederum gab an, dass mehr als ein Drittel der hochgeladenen Tracks „zu 100 Prozent KI“ seien. Die Zahlen zeigen, dass KI-Musik für einen erheblichen Teil der Streaming-Kundschaft längst Alltag ist.
Was das System bewusst ausklammert
Genau hier beginnt für mich die Kritik. Die neuen Labels gelten ausschließlich für den Einsatz generativer KI bei der Tonaufnahme selbst. Songtexte, Kompositionen, Musikvideos und Cover-Artworks deckt das System aktuell ausdrücklich nicht ab, dafür gibt es eigene Branchenverbände, die in den Veröffentlichungen der Musikindustrie gar nicht erst erwähnt werden.
Besonders bei Songtexten klafft dadurch eine offensichtliche Lücke: Ein Text kann komplett aus der KI stammen, ohne dass das gekennzeichnet werden müsste, singt ein Mensch ihn ein, greift laut BVMI nicht einmal das Label „KI-generiert“. Noch überraschender ist der Umgang mit Kompositionen: Ein Musikstück kann vollständig von einem KI-Modell erfunden worden sein und muss trotzdem nicht gekennzeichnet werden, solange Menschen singen und die Instrumente spielen. Gängige KI-Tools können mittlerweile problemlos auch Noten erzeugen, ein Stück kann also trotz vollständig menschlicher Performance komplett aus der Retorte stammen, ganz ohne Label. Bei einer Initiative, deren erklärtes Ziel Transparenz ist, wirkt gerade diese Lücke bei Text und Komposition schwer nachvollziehbar.
Immerhin soll sich das Kennzeichnungskonzept laut BVMI „entsprechend den Veränderungen der Technologie und der Anforderungen weiterentwickeln“. Praktisch umgesetzt werden sollen die Labels künftig übrigens nicht nur als Metadaten, sondern auch direkt auf Cover-Artworks, ähnlich den aus den USA bekannten „Explicit Lyrics“-Aufdrucken.
Freiwilligkeit als größte Schwachstelle der KI-Kennzeichnung
Der zweite kritische Punkt: Die Kennzeichnung ist komplett freiwillig, es gibt keine Verpflichtung für Labels, Distributoren oder Künstler. Verschärfend kommt hinzu, dass ausgerechnet die großen Streaming-Marktführer Spotify, Apple Music, YouTube und Amazon bislang nicht Teil der Initiative sind. Zuständig für diese Plattformen wäre die „Digital Media Association“ (DMA), die laut Wall Street Journal das Vorhaben vorerst nur „beobachten“ will und sich vor allem zuverlässigere Metadaten wünscht, die auf dem gesamten Weg vom Ersteller bis zum Fan integer bleiben müssten.
Spotify selbst hatte bereits eigene Maßnahmen ergriffen und eine Kennzeichnung für echte, verifizierte Künstler eingeführt, um sich gegen KI-Slop abzugrenzen. Die neuen Labels sollen nun aber vor allem von den etablierten Musikfirmen selbst vergeben werden, nicht von den Plattformen. Ohne die großen Streaming-Anbieter an Bord bleibt fraglich, wie konsequent die Kennzeichnung am Ende tatsächlich bei den Hörern ankommt.
Bemerkenswert ist außerdem, dass sich RIAA und die anderen beteiligten Organisationen ausdrücklich nicht gegen den Einsatz von KI in der Musik aussprechen, man wolle Künstlern die Nutzung solcher Technik weiterhin ermöglichen. Der Tenor bleibt Transparenz statt Verbot, was die Lücke bei Text und Komposition umso unverständlicher macht.
Fazit zu dem Thema KI-Kennzeichnung von Musik
Ein einheitliches Kennzeichnungssystem für KI-Musik ist grundsätzlich ein überfälliger Schritt, und dass sich so viele unterschiedliche Verbände weltweit auf ein gemeinsames Konzept einigen konnten, von den Majors über Indies bei IMPALA und WIN bis zu SAG-AFTRA und den Grammys, ist an sich bemerkenswert.
Trotzdem bleibt das System an entscheidenden Stellen wirklich lückenhaft: keine Erfassung von Songtexten und Kompositionen, keine Verpflichtung zur Nutzung, und die größten Streaming-Plattformen fehlen bislang komplett. Für echte Transparenz braucht es am Ende vermutlich mehr als zwei freiwillige Labels ohne Beteiligung von Spotify, Apple Music, YouTube und Amazon. Wir bleiben da für euch dran, da wir natürlich auch alle im Team betroffen sind. Was haltet ihr von dem Thema? Genug oder muss hier definitiv mehr passieren? Schreibt uns gerne eure (konstruktive) Meinung in die Kommentarsektion.
Weitere Informationen zu KI-Kennzeichnung
- Heise: Musikindustrie beschließt abgestufte Kennzeichnung von KI-Inhalten
- BVMI: Klarheit für Musikfans – Musikbranche präsentiert Konzept für die Kennzeichnung KI-generierter Musik
- RIAA: Music Community Introduces New Labeling Program
- Wall Street Journal: Record Companies Push to Label AI Songs on Streaming Platforms
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Ein Kommentar zu “KI-Kennzeichnung: Zwei neue Labels sollen euch verraten, ob KI mitgesungen hat”

ich würde es begrüssen, zB. bei Apple Music ein Haken zu setzten bei:
filtere alle AI verseucht Musik für mich heraus.
Dann muss ich mich damit nicht herumschlagen.