Gitarren doppeln: Wie du für mehr Breite und Druck bei E-Gitarrenaufnahmen sorgst
Mit welchen Tools und Effekten bekommst du den ultimativen Rocksound?
Du hast deine erste E-Gitarre, ein passendes Audiointerface dazu und möchtest deine ersten Riffs aufnehmen. Schnell merkst du, dass die Aufnahme im Vergleich zu deinen Vorbildern schmal und klein klingt. Häufigster Tipp: Gitarren doppeln! Neben Vocals ist das mehrfache Aufnehmen von E-Gitarren eines der verbreitetsten Mittel, um diesem Instrument mehr Größe und Druck zu verleihen. Wir zeigen, was du dabei beachten solltest.
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Was bringt Gitarren doppeln?
Endlich die Riffs aus dem Proberaum in die DAW bringen und die ersten Songs aufnehmen und abmischen: Ist es bei dir soweit? Hast du für die ersten Demos schon die Drums programmiert, die DAW eingestellt und die Gitarren an das Audiointerface angeschlossen? Dann kann’s ja losgehen!

Ob du ein kommerzielles Plugin wie IK Multimedia ToneX* und Amplitube, NI Guitar Rig* oder eine der Plugins von Neural DSP nutzt, eine Freeware wie den NAM Player oder einfach die Amp- und Pedal-Tools deiner DAW ist dabei am Anfang egal. Aber du wirst schnell bemerken, wenn du deinen Gitarren-Sound mit dem deiner Vorbilder vergleichst, dass diese oft viel breiter und druckvoller klingen.
Du hast doch aber alle Pedale und Plugins so eingestellt, wie es auch Tom Morello, James Hetfield oder Tim Henson machen?! Klar, der Sound kommt am Ende aus den Fingern, man sollte also die eigenen Riffs auch komplett aus dem Effeff spielen können. Dann aber stößt du bei der Recherche nach Tipps immer wieder auf diesen: Gitarren doppeln. Was das bringt?
Grundsätzlich ist die Idee hinter Gitarren doppeln die, dass man ein Riff mehr als einmal aufnimmt und die Audiospuren dann im Stereopanorama verteilt. Damit klingt das Riff nicht nur lauter, sondern durch die doppelte Verzerrung auch druckvoller und durch die leicht unterschiedlichen Spielweisen links und rechts auch besonders breit. Dabei gilt es jedoch, einiges zu beachten.
Kann man eine Gitarrenspur nicht einfach duplizieren und auf die andere Seite pannen?
Beim Gitarrendoppeln versuchen viele am anfangs die eine Spur einfach zu duplizieren und beide Kopien dann links und rechts zu pannen. Doch dabei kommt selten mehr heraus, als einfach ein doppelt so lautes Instrument. Denn die Idee beim Gitarrendoppeln ist, dass die kleinen Unterschiede zwischen zwei, drei oder dreizehn Versionen des Riffs genau die sind, die für die Breite und Größe sorgen.
Eine duplizierte Spur ist eine exakte digitale Kopie, wodurch quasi keine Unterschiede zu hören sind. Damit lässt sich der Effekt kaum erzeugen. Klar, man kann versuchen, vor den virtuellen Amp einen kurzen Delay (unter 20 ms) als Effekt zu legen oder im Amp-Plugin ein Delay zu laden, um durch diese Verzögerung einen hörbaren Verdopplungseffekt zu erzeugen.
Das wird allerdings nie die gleiche Breite und den gleichen Druck entwickeln, wie wenn du das Riff mehrfach einspielst und die eingespielten Kopien dann auf mehreren Spuren im Panorama verteilst.
Was sollte man beim Gitarrendoppeln beachten?
Damit der erwünschte Effekt eintritt, musst du einiges beachten. Am wichtigsten ist die saubere Spielweise. Denn spielst du das Riff zu verstolpert und dynamisch anders als in der ersten Version, wirst du nach dem Panning ein im Stereopanorama herumflitzendes Doppelriff hören. Hier kannst du mit dem Take-Ordner- und Comping-Workflow deiner DAW auch Takt für Takt einspielen, damit es möglichst gleich klingt.
Dazu hat mir dieser Tipp eines guten Bekannten und Mixing Engineers sehr viel Mixing- und Aufnahmearbeit erspart: Verzerrung sinnvoll schichten. Denn spielst du beim Gitarrendoppeln auf der zweiten Spur mit den gleichen Einstellungen bei Distortion-Pedal und Amp, klingt das Riff schnell undeutlich und mumpfig.
Hier bringt es für das Endresultat extrem viel, wenn du bei beiden Spuren mit die Zerre eine ganze Ecke sanfter anfährst. Zusammen klingen beide Spuren dann fett und groß, im Einzelnen vielleicht sogar dagegen zahm. Aber umgekehrt wird schnell ein undefinierter Krachbrei daraus, wenn du zu viel Distortion schichtest.
Welche Tipps verbessern die Resultate beim Gitarrendoppeln?
Neben Timing und „Verzerrungsmanagement“ sollte beim Aufnehmen von Dopplung eines selbstverständlich sein: häufiges Stimmen. Sonst klingt das Riff schnell ungewollt nach Grindcore. Und oft ist es nicht nur einfach die geringer Verzerrung, die ein gedoppeltes Riff größer klingen lässt. Hier sind ein paar Tipps, die Gitarrendoppeln noch besser klingen lassen:
- Spiele das Riff in der zweiten Aufnahme mit einem anderen Pickup deiner Gitarre.
- Spiele das Riff in einer anderen Lage, also entweder eine Oktave höher oder durch ein Octaver-Pedal eine Oktave tiefer.
- Besteht das Riff aus Power Chords, spiele in einer dritten Spur nach dem Gitarrendoppeln nur die Grundtöne durch ein Fuzzpedal und mische sie leise in der Mitte dazu.
- Mische verschiedene Amp-Sounds in deinen Dopplungen, beispielsweise einen mittenlastigen Marshall-Sound auf der einen Seite und einen Dual-Rectifier-Sound auf der anderen.
Und nicht immer gilt die Devise: Viel hilft viel. Manchmal verwischt die Doppelung zu sehr, manchmal reicht ein leichtes Panning aus, damit die Backing Vocals und der Hall besser hörbar sind.
Ist Gitarrendoppeln auch live möglich?
Eine recht unschöne Erfahrung für Publikum und Artist ist der Moment, in dem Bühnenrealität auf Studioproduktion trifft. Denn wo man zu Hause oder im Studio drölf Gitarren für einen Wall of Sound geschichtet hat, ist man auf der Bühne dann vielleicht doch der einzige Gitarrist. Was tun?
Eine oft eher kritisch beäugte Möglichkeit sind Backing-Tracks. Wo man also in der Strophe allein die Gitarre spielt, kommen im Chorus die anderen zehn vom Band. Das kann funktionieren, verlangt aber natürlich von allen Bandmitgliedern genaues Timing, auch sind so die Längen aller Passagen strikt festgelegt. Aber der Effekt kann trotzdem genau der richtige sein.
Dazu gibt es Pedale wie den KMA Machines Geminus Tracker*, der Stereo-Double-Tracking besonders natürlich klingend erzeugt. Auch Pedale wie der Keeley 30ms*, TC Electronic Mimiq oder der Multi-Effekt Zoom MS-70CDR+* bringen Doubler-Effekte mit. Hier gilt es, genau zu testen, ob der jeweilige Doppler-Effekt die gewünschte Wirkung beim Riff auch erzeugt.
Fazit
Gitarrendoppeln ist eine verbreitete Produktionstechnik in vielen Rock- und Metal-Spieltarten. Natürlich gibt es dazu aber auch Genres und Songs, wofür sich diese Dopplungen weniger eignen. Man stelle sich cleaneFunk-Licks oder sanftes Jazz-Gezupfe vor: da würden schon leicht verschoben gespielte Doubles komplett die Wirkung beeinflussen!
Wie macht ihr das? Was sind eure Erfahrungen beim Thema Gitarrendoppeln? Und vor allem, wie löst ihr das live? Schreibt es uns in den Kommentaren!
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