von  Marcus Schmahl  | |   Als bevorzugte Quelle auf Google hinzufügen   |  Lesezeit: 3 Min
Streaming-Betrug: Musikindustrie startet globale Gegenoffensive

Streaming-Betrug: Musikindustrie startet globale Gegenoffensive  ·  Quelle: Majority World CIC / Alamy

ANZEIGE

Der internationale Dachverband der Musikindustrie IFPI hat gemeinsam mit seinem deutschen Ableger, dem Bundesverband Musikindustrie (BVMI), sowie zahlreichen Branchenakteuren eine globale Offensive gegen systematischen Streaming-Betrug bei digitalen Musikdiensten gestartet. Mit der neuen Streaming Integrity Initiative (SII) reagiert die Musikwirtschaft auf ein Phänomen, das die Einnahmen von Artists direkt untergräbt und das Fundament des gesamten Streaming-Ökosystems bedroht.

ANZEIGE

Streaming-Betrug: Das Geschäft mit den Fake-Streams

Unter Streaming-Betrug fällt die gezielte Manipulation digitaler Musikplattformen, um durch gefälschte oder automatisierte Wiedergaben Einnahmen aus den Lizenzzahlungstöpfen abzuzweigen. Kriminelle Akteure nutzen dafür automatisierte Verfahren und Bot-Netzwerke, mit denen Musikstücke künstlich abgespielt werden. So fließen erhebliche finanzielle Mittel an Betrüger ab, statt bei den tatsächlichen Urhebern, ausübenden Artists, Songwritern, Musikverlagen und Labels zu landen. Neben dem direkten finanziellen Schaden verfälscht dieser Betrug außerdem Reichweitenmessungen, Charts und Empfehlungsalgorithmen.

Jetzt soll genau das unterbunden werden. Und das ist meiner Meinung nach auch sehr wichtig für unsere Musikbranche, um in Zukunft weiter zu existieren.

Warum ausgerechnet die Vertriebsdienste im Fokus stehen

Die neue Offensive setzt gezielt bei den digitalen Vertriebsdiensten für Musik an, nicht direkt bei den Streaming-Plattformen selbst. Diese Dienstleister fungieren als Zugangstor zum Markt, da sie Aufnahmen im Auftrag von Musikern und Labels entgegennehmen und an Plattformen wie Spotify, Apple Music oder Amazon Music weiterleiten. Genau durch diese Schlüsselposition können Vertriebspartner betrügerische Inhalte bereits vor der eigentlichen Veröffentlichung stoppen, deutlich effektiver, als erst im Nachhinein gegen bereits verbreitete Fake-Streams vorzugehen.

Fünf Pflichten für Vertriebspartner

Für die Branche legt die Initiative fünf konkrete Mindeststandards fest. Zentraler Baustein ist die Einführung strikter Identitäts- und Rechteprüfungen nach dem Vorbild des Finanzsektors, angelehnt an das dortige „Know Your Customer“-Prinzip, um Kunden zweifelsfrei verifizieren zu können. Zusätzlich verpflichtet die Selbstregulierungsaktion zur Inhaltsüberprüfung mithilfe moderner Erkennungswerkzeuge, um Urheberrechtsverletzungen, betrügerische Uploads und missbräuchliche KI-Inhalte frühzeitig zu identifizieren.

ANZEIGE

Daneben umfassen die Vorgaben wirksame Prozesse zur Untersuchung von Betrugsfällen sowie klare Maßnahmen gegen Wiederholungstäter. Ein rechtlich zulässiger Informationsaustausch zwischen den Unterzeichnern soll verhindern, dass Täter nach einer Sperre einfach zum nächsten Anbieter wechseln, bislang offenbar ein echtes Schlupfloch. Fünfter Punkt ist die Selbstverpflichtung zur kontinuierlichen Weiterentwicklung der eigenen Schutzsysteme, Betrugsmuster ändern sich schließlich ständig.

Wer die Initiative unterstützt

Unterstützt wird die Streaming Integrity Initiative von den drei großen Major-Labels Sony Music, Universal Music und Warner Music, dazu kommen Branchenverbände wie IMPALA und Merlin. Beteiligt sind außerdem zahlreiche Vertriebsdienste, darunter Absolute Label Services, ADA, AWAL, CD Baby, CmdShft, Ditto Music, FUGA, GoDigital, HYBE, IDOL, InnerCat Music, Redeye, Revelator, RouteNote, Secretly Distribution, Symphonic, The Orchard, Too Lost und Virgin Music. Eine ziemlich beeindruckende Liste, die zeigt, wie ernst das Thema branchenweit inzwischen genommen wird.

BVMI-Vorstandsvorsitzender Florian Drücke unterstreicht, dass Streaming-Betrug den fairen Wettbewerb verzerre und eine internationale Antwort erfordere. Die Initiative schließt dabei an die bereits breiter aufgestellte Kampagne End Streaming Fraud der IFPI an, mit der Bewusstsein für die wachsende Bedrohung durch Streaming-Betrug geschaffen werden soll.

Ein Wort zur Wirksamkeit

So sinnvoll die fünf Mindeststandards auch klingen, die Initiative basiert bislang vor allem auf freiwilligen Selbstverpflichtungen der Unterzeichner, eine unabhängige, verpflichtende Kontrollinstanz gibt es nicht. Ob der angekündigte Informationsaustausch gegen Wiederholungstäter in der Praxis tatsächlich funktioniert, oder Betrüger einfach neue Wege finden, wird sich erst noch zeigen müssen. Nichtsdestotrotz ist ein Anfang für diese wichtige Initiative gesetzt. Weiter so!

Glaubt ihr, dass eine branchenweite Selbstverpflichtung wie diese tatsächlich etwas gegen Streaming-Betrug ausrichten kann, oder braucht es dafür eher regulatorischen Druck von außen?

Weitere Informationen

ANZEIGE

2 Kommentare zu “Streaming-Betrug: Musikindustrie startet globale Gegenoffensive”

    Markus sagt:
    0

    A completely uncritical article. If this is this paid for content or a free journalism is not clear?

    Make no mistake, as problematic it is with fraud in streaming, these measures will surely make life even harder for independent musicians.

    The algorithms will continue to flag original music as copyright infringement for completely ridiculous reasons that have absolutely nothing to do with the law.

    It will continue to misidentify independent artists as using bots when they are not and protect the major labels.

    Since the responsibility is put on the distributor instead of having any real accountability for the streaming services the distributor will always choose to minimise the risk while at the same time using as little money as possible to do so.

    And as always the ones who get screwed are the musicians.

    Very disappointing that gearnews writes such an uncritical puff piece for the industry.

    Jonas sagt:
    0

    Ich verstehe nicht warum die das Model nicht einfach ändern. Keine kostenlosen Account (bzw. diese wirklich nur Werbe finanziert). Dann einfach das Geld was ein Nutzer zahlt durch die Anzahl oder dauert der gehörten Musik aufteilen. Bots könnten dann kein Einkommen mehr erstellen – da diese nicht selbst zahlen können bzw. selbst mit einem Bezahls Account nicht mehr Geld genieren können als sie ausgeben)
    Das Model ist fairer für kleine Interpreten, fairer für den Nutzer und Betrugs sicherer. Einzig die Einnahmen würden schwanken (kann sein das ich einen Monat nur ein Lied höre und damit ein Lied auf einmal 10€ generiert) aber das wäre insgesamt besser als diese Kleinstbeträge die unter anderem dadurch entstehen, dass große Interpreten quer subventioniert werden…

Schreibe einen Kommentar

Damit die Diskussion fair und transparent bleibt, schalten wir nur Kommentare frei, die mit einem echten Namen und einer gültigen E Mail Adresse verfasst wurden.

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert