von  Dirk  | |   Als bevorzugte Quelle auf Google hinzufügen   |  Lesezeit: 9 Min
Der Sound von Aphex Twin Drukqs

Der Sound von Aphex Twin Drukqs  ·  Quelle: Edd Westmacott / Alamy

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Der Sound von Aphex Twin: In wenigen Tagen erscheint die Neuauflage von Drukqs, dem fünften Studioalbum von Richard D. James. Für uns ist das Reissue ein guter Anlass, uns damit zu beschäftigen, welches Equipment und welche Software-Tools den Sound dieses Albums prägen. Und wir schauen, was man heute braucht, um einen vergleichbaren Sound zu erzielen.

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Aphex Twin Drukqs: Ein zeitloser Klassiker für Fans von elektronischer Musik

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2001 veröffentlichte Aphex Twin sein fünftes Studioalbum für Warp Records. Drukqs umfasst 30 Stücke, die mühelos zwischen IDM, Electronica, Breakbeat-Gewittern, Ambient-Tracks und Klavierstücken wechseln.

Drukqs wurde mit gemischten Meinungen aufgenommen, gewann aber zunehmend an Aufmerksamkeit und eine größere Fangemeinde. Das liegt mit Sicherheit auch daran, dass einige Titel des Albums in den Soundtracks verschiedener Filme landeten und so auch vom Mainstream-Publikum wahrgenommen wurden.

Avril 14th ist das wohl bekannteste Stück und wurde zum Beispiel im Soundtrack von Marie Antoinette von Sofia Coppola benutzt oder ist im Trailer zu dem Film Her zu hören. Auch Kanye West bediente sich hierfür bei seinem Song Blame Game auf dem Album My Beautiful Dark Twisted Fantasy.

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Was es genau mit dem Titel „Drukqs“ auf sich hat, bleibt übrigens wohl ungeklärt. Aphex Twin selbst sagt jedenfalls, dass es sich um eine Wortschöpfung handelt und er dabei nicht an Drogen gedacht hat. Lassen wir einfach mal so stehen.

Der genaue Hintergrund oder eine mögliche Bedeutung des Titels soll hier aber auch nicht das Thema sein, denn wir beschäftigen uns mit dem Sound von Aphex Twin auf speziell diesem Album. Dabei spielen Synthesizer tatsächlich eine eher untergeordnete Rolle.

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Der Sound von Aphex Twin Drukqs: Tracker-Software statt Sequencer für die Produktion

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Viele der Titel auf Drukqs entstanden vermutlich schon in den Jahren vor der Veröffentlichung. Und dabei kam primär eine Tracker-Software zum Einsatz. Konkret handelt es sich um PlayerPro, der zu dem Zeitpunkt der Produktion den Sound von Aphex Twin geprägt hat. Der Tracker ist heute sogar immer noch als kostenlose Legacy-Software für Mac, Windows und Linux erhältlich. Oben siehst du ein Video von Aphex Twin, das er zu dem Track Vordhosbn geteilt hat und in dem PlayerPro zu sehen ist.

Gut möglich, dass Aphex Twin heute eher DAWs wie Ableton Live oder Bitwig Studio nutzen würde. Denn diese bieten mittlerweile gute Möglichkeiten für kleinteilige Soundbearbeitungen, die während der Entstehung des Albums nicht unbedingt so detailliert in einer DAW vorgenommen werden konnten. Oder zumindest nur mit sehr viel Aufwand.

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Es gibt auch immer noch eine sehr moderne Tracker-Software, die von vielen sehr geschätzt wird und Funktionen von Oldschool-Trackern mit allen modernen Features erweitert, die man sich heute so wünschen kann.

Renoise eignet sich hervorragend, um Step für Step kleine Sounds und Samples abzufeuern und setzt ganz im Stil von Trackern auf einen völlig anderen Workflow als typische DAWs mit ihrer horizontalen Timeline.

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Das Beste aus beiden Welten bietet der Entwickler zudem mit Redux an. Dabei handelt es sich um ein Plugin, das den „Tracker-Flow“ direkt in deine DAW bringt.

Mehr Infos zu Renoise und Redux findest du hier beim Hersteller. Die Software läuft auf macOS, Windows und Linux.

Der Sound von Aphex Twin: Auf Drukqs hören wir viel Klavier, meistens aber heftig bearbeitet

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Bei dem Namen Aphex Twin denken viele erst mal an analoge Synthesizer, Drum-Machines und Sampler. Aber tatsächlich hört man bei Drukqs viele akustische Klänge, besonders von einem Klavier. Stilistisch ließ sich Richard D. James von Künstlern wie Erik Satie oder auch John Cage inspirieren.

Allerdings nutzte der britische Künstler den Klaviersound auf eine ganz spezielle Art, denn er saß hierfür nicht am Instrument und spielte seine Kompositionen ein. Stattdessen kam ein Yamaha Disklavier zum Einsatz.

Beim Disklavier handelt es sich um ein selbstspielendes Klavier, das von Aphex Twin über MIDI gesteuert wurde. Dieses exklusive Musikinstrument kannst du dir auch heute kaufen (Thomann führt aktuell zwei Modelle*) – allerdings brauchst du dafür den notwendigen Platz und ein bisschen Kleingeld. Dazu kommt, dass sich Richard D. James nicht gescheut hat, ein paar „Modifikationen“ an dem Instrument vorzunehmen.

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In früheren Interviews berichtet er, dass einige Aufnahmen mit dem noch „puren“ Instrument aufgenommen wurden, um es im nächsten Schritt zu präparieren.

Beim „Präparieren“ werden einzelne Saiten mit Material wie Gummi, Filz, Papier oder auch kleinen Gegenständen versehen, um so den Sound zu verändern. Definitiv ein Schritt, den ich nur mit äußerster Vorsicht an einem knapp zwanzigtausend Euro teuren Klavier vornehmen würde!

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Für die Aufnahmen selbst hat Aphex Twin mit unterschiedlichen Positionen der Mikrofone gearbeitet, um so zusätzlich für verschiedene Klangfarben zu sorgen und gezielt die Ambience einzufangen. Teilweise wurde ein Mikrofon dafür direkt in den Korpus des Instruments gelegt.

Wer kein Disklavier zuhause stehen hat und schon mal gar nicht auf die Idee kommt, sein Instrument zu präparieren, greift zu Alternativen. Ganz offensichtlich bieten sich hier Sample-Librarys und Sample-Instrumente an.

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Wer zum Beispiel Native Instruments Kontakt* benutzt, bekommt von Amazound die Acoustic Pianos Library. Diese bietet für gerade mal 9 US-Dollar eine Sammlung von akustischen Pianos, dabei sind sogar Samples von einem Disklavier!

Die sehr umfangreiche BiVib – Audio-Tactile Piano Sample Library von der Züricher Hochschule der Künste ist sogar kostenlos erhältlich. Hierbei handelt es sich um eine riesige Kontakt-Library, die binaurale Samples eines Disklaviers enthält.

Native Instruments selbst bietet mit Randy’s Prepared Piano bereits eine Library an, für die das Piano sogar schon präpariert wurde. Bei ModeAudio findest du ebenfalls eine Sample-Sammlung, die sich um ein präpariertes Klavier dreht. Das ist natürlich nur eine kleine Auswahl, neben unzähligen Piano-Librarys gibt es mit Sicherheit auch viele mit Sounds von präparierten Instrumenten.

Ich würde jedenfalls erst mal mit einer günstigen Library experimentieren, eventuell sogar Standard-Sample-Instrumente benutzen, wie sie bei fast jeder DAW heute schon zur Grundausstattung gehören. Mit einem gezielten Layering oder zusätzlichen Effekten können die Klaviersounds dann aufgebrezelt werden, um diesen besonderen Charakter zu erzielen.

Der Sound von Aphex Twin Drukqs: Aufwendig programmierte Drums und Breakbeats

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Neben den Klaviersounds übernehmen Drums eine zentrale Rolle bei diesem Album. Die klingen hier häufig nach „echtem“ Schlagzeug – meist aber heftig bearbeitet und oft auch total vertrackt gespielt.

Bei vielen Tracks gehen die Drums stilistisch aber nicht mal so sehr in Richtung „Drill ’n‘ Bass“ (wie beim Richard D. James Album), sondern klingen sogar ziemlich entspannt.

Reason Studios ReCycle
Reason Studios ReCycle · Quelle: Reason Studios

Dafür kommen hier ganz klar Samples und Loops zum Einsatz, die mit Tools wie dem zur Zeit der Produktion sehr beliebten ReCycle in kleine Bits und Pieces zerlegt wurden. ReCycle ist tatsächlich wieder erhältlich und das sogar kostenlos.

Im Prinzip beherrschen aber schon viele heutige DAWs das Zerlegen und Neu-Arrangieren von Loops sehr gut. Und mit Plugins wie Glitch² (mittlerweile ebenfalls kostenlos) lassen sich viele der krassen Effekt-Gewitter sogar recht komfortabel erzeugen.

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Die meisten DAWs bieten heute bereits eine große Auswahl von fertigen Drum-Kits und Loops. Klassische Breakbeats, die auch bei Stilen wie Jungle oder Drum ’n‘ Bass als Basis dienen, eignen sich sehr gut als Ausgangsmaterial.

Mit Slices und Time-Stretching lässt sich da schon eine gute Basis für komplexe Beat-Arrangements schaffen. Wer sich rechtlich nicht in Grauzonen bewegen will, findet bei Anbietern wie Loopmasters* bestimmt ein paar brauchbare Samples.

Weitere Sounds, die Aphex Twin auf Drukqs benutzt

Natürlich besteht Drukqs nicht nur aus „Klaviergeklimper“ und Drum-Programming, sondern einer ganzen Fülle von anderen Klängen und Geräuschen. Davon sind viele mit Sicherheit auch mit Synthesizern entstanden. Keine Frage!

Synthesizer wie KORG MS-20, Roland SH-101, Oberheim Matrix-1000, Novation BassStation oder Yamaha DX7 beziehungsweise DX100 werden neben Samplern wie Casio FZ-10 immer wieder im Zusammenhang mit dem Künstler genannt. Und einige davon wurden vermutlich auch bei Drukqs für einige Sounds verwendet.

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Teilweise sind auch einige Vocals zu hören, für den Titel Lornaderek wurde laut Wikipedia sogar angeblich die Nachricht von Richard D. James Eltern auf einem Anrufbeantworter benutzt. Meistens tauchen Stimmen als kleine Schnipsel auf, die natürlich auch wieder derbe bearbeitet wurden.

Dazu kommen Sounds aus Video-Games, Rave- und Jungle-Samples sowie einige Klänge, die nach Granular- oder Spektral-Bearbeitungen klingen. Zudem tauchen auf dem Album Samples von Songs anderer Artists auf, die Website WhoSampled nennt Namen wie Run DMC, Led Zeppelin, Weather Report oder Fausto Papetti. Teilweise hat Aphex Twin sich sogar bei seinen eigenen Tracks bedient, so sind bei 54 Cymru Beats Samples von der Windowlicker EP zu hören.

Der Sound von Aphex Twin auf dem Album Drukqs: Fazit

Mit Drukqs veröffentlichte Aphex Twin einen Klassiker, der heute wieder mit einer Wiederveröffentlichung gefeiert wird. Der Sound des Albums setzt stark auf Sounds von akustischen Instrumenten, dabei spielt der Piano-Sound von einem Disklavier eine zentrale Rolle. Das Klavier wurde für einige Stücke zusätzlich präpariert, um den Sound zu gestalten. Mit Sample-Instrumenten kann man heute diesen Sound komfortabel in der DAW erstellen, der Einsatz von Sample-Layering und Effekten sorgt dabei für Charakter.

Vertracktes Drum-Programming steht – typisch für den Künstler – ebenfalls im Fokus. Hier kommen viele Samples von akustischen Drum- und Percussion-Instrumenten zum Einsatz, die aber meistens mit synthetischen Sounds kombiniert werden. Auch hier bieten sich Sample-Librarys als Quelle für die Produktion an.

Das Album wurde primär mit dem Tracker PlayerPro produziert. Diese Software gibt es heute noch kostenlos als Legacy-Software, mit Renoise gibt es aber auch eine moderne Tracker-Software, die auf heutigen Rechnern läuft. DAWs wie Ableton Live oder Bitwig Studio bieten ebenso genügend Möglichkeiten, um vergleichbare Beats zu arrangieren.

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