von  Marcus Schmahl  | |   Als bevorzugte Quelle auf Google hinzufügen   |  Lesezeit: 4 Min
Rosetta 2 läuft aus: Was das Ende der Intel-Unterstützung für eure Plugins und DAWs bedeutet

Rosetta 2 läuft aus: Was das Ende der Intel-Unterstützung für eure Plugins und DAWs bedeutet  ·  Quelle: Apple

ANZEIGE

Apple hat mit macOS 27 Golden Gate, das im September 2026 erscheint, zur WWDC 2026 den Countdown eingeläutet. Rosetta 2 läuft mit macOS 28 im Herbst 2027 weitgehend aus. Was wie eine abstrakte Systemmeldung klingt, hat für viele Musikproduzenten, die auf einem Mac arbeiten, sehr konkrete Folgen: Plugins (vor allem Freeware!), die bis dahin nicht auf Apple Silicon aktualisiert wurden, hören auf zu funktionieren. Und davon gibt es laut einer Community-Datenbank noch über 18.800.

ANZEIGE

Das Wichtigste in Kürze

  • Rosetta 2 funktioniert vollständig bis einschließlich macOS 27 (Herbst 2026)
  • Mit macOS 28 (Herbst 2027) endet Rosetta 2 weitgehend
  • Intel-only Plugins funktionieren ab macOS 28 nicht mehr
  • macOS 26.4 und 26.5 warnen bereits aktiv vor betroffenen Apps
  • Über 18.800 Intel-only Mac-Apps sind noch in Umlauf
  • Jetzt Plugins mit Rosetta Check scannen und Handlungsbedarf identifizieren
  • Wer auf betroffene Plugins angewiesen ist: auf macOS 27 bleiben oder Alternativen suchen

Was Rosetta 2 überhaupt ist und warum es so wichtig war

Als Apple 2020 die ersten M1-Macs vorstellte, war das eine fundamentale Architekturwende. Die neuen Apple-Silicon-Chips arbeiten mit ARM-Code, die bisherigen Intel-Macs mit x86-Code. Für alle Software, die noch nicht für Apple Silicon neu kompiliert worden war, schuf Apple eine Übergangslösung: Rosetta 2, eine dynamische Übersetzungsschicht, die Intel-Code in Echtzeit für den Apple-Silicon-Prozessor übersetzt.

Rosetta 2 ist eine Übersetzungssoftware, die es ermöglicht, für Intel-Prozessoren entwickelte Mac-Apps auf Apple-Silicon-Macs auszuführen. Die Software übersetzt den Code in Echtzeit von der x86-Architektur in die ARM-Architektur der Apple-Chips. Für Musikproduzenten war das ein echter Lebensretter: Ältere Plugins, Effekte, Instrumente und sogar ganze DAWs liefen damit auf neuer Hardware weiter, ohne dass Entwickler ihre Software sofort neu bauen mussten.

Der Zeitplan: Was wann passiert

Hier ist es wichtig, genau zu lesen, denn es gibt eine verbreitete Verwechslung:

ANZEIGE

Apples aktuelle Ansage ist es, dass auch macOS 27 Rosetta 2 vollständig unterstützt. Intel-Apps laufen also noch mindestens bis Herbst 2027, oder länger, falls nicht sofort auf macOS 28 gewechselt wird.

Das bedeutet konkret: macOS 27 Golden Gate erscheint im September 2026 und läuft nur noch auf Apple-Silicon-Macs, beinhaltet aber noch vollständiges Rosetta-2-Support. Mit macOS 28, erwartet im Herbst 2027, endet Rosetta 2 weitgehend, mit einer engen Ausnahme für ältere, nicht mehr gewartete Spieletitel.

Der Haken: Golden Gate deinstalliert Rosetta 2 automatisch, wenn ihr es unter macOS 26 Tahoe installiert hattet, sodass diejenigen, die es weiterhin benötigen, es neu installieren müssen. Wer also auf macOS 27 aktualisiert und Rosetta 2 braucht, muss es aktiv neu installieren.

Was das für eure Plugins bedeutet

Das ist der Teil, der für uns Musikproduzenten wirklich relevant ist. Wenn ein Plugin nicht als Universal-2-Binärdatei aktualisiert wurde, also Code für beide Architekturen enthält, oder als native Apple-Silicon-Version vorliegt, wird es auf zukünftigen macOS-Versionen jenseits von macOS 27 schlicht nicht mehr funktionieren.

Betroffen sind vor allem:

Ältere VST2-Plugins

Achtung: VST2 ist ein altes Format und viele dieser Plugins wurden nie für Apple Silicon neu kompiliert. macOS 26 könnte die letzte Version sein, auf der VST2 in vollem Umfang läuft, da VST2-Intel-Plugins Rosetta erfordern würden.

Nicht aktualisierte Effekte und Instrumente

Wer eine große Plugin-Sammlung hat, wird unter macOS 26.4 und 26.5 bereits Warnmeldungen gesehen haben. Ab macOS 26.4 löst jedes Öffnen einer Intel-only-App einen System-Alert aus, der darauf hinweist, dass die Software in einer zukünftigen macOS-Version nicht mehr funktioniert.

FL Studio im Rosetta-Modus

FL Studio im Rosetta-Modus bedeutet, dass es und Drittanbieter-Plugins vom Betriebssystem emuliert werden, um auf Apple-Silicon-Macs zu laufen. In diesem Modus funktionieren alle Plugins, unabhängig davon, ob sie nativ mit Apple Silicon kompatibel sind oder nicht. Mit macOS 28 fällt diese Option weg.

Die gute Nachricht: Die großen DAWs sind längst auf Apple Silicon umgestellt. Logic Pro, Ableton Live, Pro Tools, Bitwig und die meisten anderen laufen schon seit Jahren nativ. Das Problem liegt bei den Plugins, besonders bei kleineren Entwicklern, die entweder aufgehört haben zu entwickeln oder ihre Software einfach nie aktualisiert haben.

Was ihr jetzt tun solltet

Der wichtigste Schritt ist herauszufinden, welche eurer Plugins überhaupt noch Intel-only sind. Das Tool Rosetta Check scannt das gesamte System nach betroffenen Audio-Plugins, also AU, VST3, AAX und CLAP, und gibt eine klare Übersicht aus. Das spart stundenlanges manuelles Durchsuchen.

Danach gilt: Für jeden Plugin-Entwickler, dessen Software noch Intel-only ist, prüfen, ob es ein aktuelles Update gibt oder ob eines angekündigt ist. Viele Entwickler haben Apple-Silicon-Versionen bereits kostenlos nachgeliefert, manche verlangen eine Upgrade-Gebühr, und bei einigen wird es schlicht nie ein Update geben. Letztere Versionen solltet ihr im Anschluss löschen. Das ist auch die Gelegenheit, endlich einmal das System aufzuräumen. Denn wer benötigt denn 1.000 Plugins auf dem Rechner?

Wer auf Plugins angewiesen ist, die nicht mehr weiterentwickelt werden, hat zwei Optionen: entweder auf macOS 27 bleiben und nicht auf macOS 28 upgraden, oder rechtzeitig eine funktionierende Alternative finden.

Weitere Informationen

ANZEIGE

Die Kommentare sind geschlossen.