Floyd Rose Tremolo: Fluch und Segen
Es gibt zwei Arten von Gitarristen: Die einen sehen ein Floyd Rose Tremolo und denken sich „Geil, Divebombs!“. Die anderen sehen ein Floyd Rose und denken sich „Bitte nicht…“. Mal wieder ist also die Gitarristenlandschaft geteilt. Und das aus gutem Grunde. Denn das Floyd Rose ist vermutlich eines der meist überschätzten und gleichzeitig meist missverstandenen Bauteile der Gitarrenwelt.
Floyd Rose Tremolo: Inhalt
Was das Floyd Rose eigentlich kann und warum es alle wollen
Die Idee ist simpel: maximale Stimmstabilität, egal wie brutal du am Tremolohebel ziehst. Dazu die Möglichkeit, die krassesten Van-Halen-Sounds aus der Gitarre (vermutlich Superstrat) herauszuholen.
Durch das Double-Locking-System, also Klemmsattel am Hals und Feinstimmer an der Bridge, bleibt die Stimmung selbst bei extremen Aktionen (und den damit verbundenen, manchmal etwas nervigen Soundeffekten) stabil. Genau deshalb sieht man Floyd-Rose-Systeme so häufig bei 80er Jahre Superstrats oder in ganzen Genres wie Metal und Co.
Kurz gesagt: Wenn du Divebombs, Flutters oder wilde Vibrato-Orgien spielen willst, führt kaum ein Weg am Floyd Rose vorbei. Aber jetzt kommt das große Aber.
Die unbequeme Wahrheit: 90 % der Gitarristen brauchen kein Floyd Rose Tremolo

Hand aufs Herz: Wie oft nutzt du dein Tremolo wirklich? Nicht das klassische „könnte-ich-mal-gebrauchen-also-besser-haben-als-wollen“, sondern wirklich.
Für viele Gitarristen ist das Floyd Rose am Ende genau das, was auch komplexe Pickup-Schaltungen oft sind: eine Option, die man selten nutzt, aber ständig mitschleppt.
Und, anders vielleicht als bei den Elektronik-Mods, dafür zahlt man einen Preis:
- Saitenwechsel wird zur Geduldsprobe
- Setup ist komplex und fehleranfällig
- Stimmungen wechseln? Viel Spaß.
- Sustain und Ton verändern sich spürbar
Das Floyd Rose ist an sich eigentlich kein Feature mehr, es ist eher ein System, das dein gesamtes Instrument beeinflusst.
Der größte Denkfehler: „Mehr Technik = besserer Sound“
Viele verbinden ein Floyd Rose Tremolo automatisch mit „High-End“ oder „Pro-Level“. Das ist aber ein klassischer Trugschluss. Denn: Das System selbst macht deinen Sound nicht besser, nur anders.
Ein feststehender Steg (ja, Les Paul Fanboy, ich weiß) liefert oft:
- mehr Direktheit
- mehr Sustain
- mehr Stabilität im Alltag
Und genau deshalb sieht man bei vielen klassischen Rock-Gitarristen: kein Floyd Rose Tremolo.
Feste Bridges können zwar keine Dive-Bombs. Gute Gitarristen damit aber dennoch Ausdruck über Spielweise, Dynamik und Tonformung generieren. Nur halt eben nicht über Mechanik…
Wann das Floyd Rose Tremolo wirklich Sinn macht

Jetzt der wichtige Punkt: Das Floyd Rose Tremolo ist nicht per se schlecht. Es gleicht vielmehr einem extrem spezialisierten Werkzeug. Und wie jedes spezialisierte Werkzeug (man denke an diesen einen, großen Drehmomentschlüssel, der noch in der Originalverpackung darauf wartet, die Hinterachse des Motorrads zu lösen…) hat es seine Momente. Es macht dann Sinn, wenn:
- dein Stil aktiv mit dem Tremolo arbeitet
- du Metal, Shred oder moderne Lead-Gitarren spielst
- du Stimmstabilität bei extremem Einsatz brauchst
Dann ist es sogar unschlagbar, ein klassisches Zwei-Punkt-Tremolo stinkt da ab. Kein Wunder, dass Jackson und Co. ihre Pro Modelle mit den Teilen ausstatten.
Aber: Wenn du hauptsächlich Rhythmus spielst, im Studio arbeitest oder flexibel zwischen Tunings wechseln möchtest, ist es oft eher ein Hindernis als ein Vorteil.
Fazit: Das Floyd Rose Tremolo ist genial – aber nur für die Richtigen
Das Floyd Rose Tremolo ist ein bisschen wie ein Rennwagen: Unglaublich leistungsfähig, aber völlig unnötig im Alltag.
Und genau hier liegt der Punkt. Du brauchst kein Floyd Rose Tremolo, um ein guter Gitarrist zu sein. Aber du musst ein guter Gitarrist sein, wenn du es nutzen willst. Und wenn du es dann wirklich nutzt, gibt es kaum etwas Besseres.
Die Frage ist also nicht:
„Ist ein Floyd Rose Tremolo gut?“
Sondern:
„Brauchst du es wirklich – oder willst du es nur haben?“
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Ein Kommentar zu “Floyd Rose Tremolo: Fluch und Segen”
Ich finde den Saitenwechsel bei einem Floyd und einem normalen Trem gleich schwierig, bzw. leicht. Vielleicht bin ich ja ein Banause.
Als Anfänger hatte ich nur das Problem, dass ich bei schwebenden Floyds die Gitarre beim Auflegen der rechten Hand verstimmt habe. Das war das Einzige, was mich gestört hat.
Wenn es nur um die Stimmstabilität geht und man Trems eigentlich nicht mag, würde ich heute zum Evertune greifen. Das sieht m.E. auch genauso cool aus, wie ein Floyd Rose.