Gitarren-Boutique: MUSE Rig Rundown
Diesmal in der Gitarren-Boutique: Cory Wong lässt den StingRay-Rochen in günstigeren Gewässern schwimmen, Neil Peart (RUSH) bekommt posthum die filmische Würdigung, die seinem außergewöhnlichen Schaffen gerecht wird, und bei MUSE dürfen wir einmal tief in die Racks einer der größten Livebands unserer Zeit schauen. Viel Spaß!
MUSE Rig Rundown und mehr: Diese Woche in der Gitarren-Boutique
Sterling by Music Man Cory Wong StingRay II
Erinnert ihr euch an die Einführung der Music Man StingRay II? Damals rätselte man noch, ob es ein Bass wäre. Ab jetzt schwimmt der Rochen in flacheren Preisgewässern: Sterling by Music Man bringt Wongs Signature für 749 US-Dollar in die Läden.
Mehr Fülle für den Funk
Wong ist vor allem für seinen knackigen Single-Coil-Sound von Fender bekannt. Wer sein Spiel kennt, weiß allerdings: Der Mann ist ein echter Allrounder. Und somit war klar, dass er zur Abrundung seines Klangarsenals auch eine Humbucker-Gitarre benötigt. Als Music Man ohnehin über eine Neuauflage der StingRay nachdachte, holte man ihn einfach direkt in die Entwicklung. So entstand ein Instrument für schnelles Rhythmusspiel mit kräftigem Bassfundament, ohne Wongs Anspruch an klare, perkussive Sounds aus den Augen zu verlieren.
Die Ausstattung
- Erlekorpus mit Doppelkontur, ovales Schlagbrett, große Kopfplatte
- Gerösteter Ahornhals mit Satin-Finish und C-Profil
- Griffbrett aus echtem Palisander
- 25,5″-Mensur, 12″-Radius, 22 Medium-Bünde
- Zwei Keramik-Humbucker, Dreiwegeschalter, je ein Regler für Volume und Tone
- Locking-Mechaniken und Vintage-Tremolo
- Farben: Blue Pearl und Silver
Original und Sterling im Vergleich
Die US-Version gibt es aktuell ab 3199 Euro. Dafür bekommt man einen exquisiten Hals aus geflammtem und geröstetem Ahorn mit handgeriebenem Öl-Wachs-Finish, Edelstahlbünde, speziell entwickelte Cory Wong HT-Humbucker und goldene Hardware. Die Sterling muss sich dagegen mit einem Satin-Finish, konventionellen Bünden und Keramik-Pickups begnügen. Auch bei der Fertigung wird gespart: Während die Music Man in den USA entsteht, wird die Sterling in Übersee gefertigt. Genau diese Unterschiede erklären den gewaltigen Preisabstand – ohne das grundlegende Konzept zu verwässern.
Fazit
Die Sterling StingRay II ist ein rundes Paket: markantes Design, durchdachte Ausstattung und ein äußerst fairer Preis. Einziger Wermutstropfen ist das fehlende Gigbag. Wer Corys typischen Strat-Sound sucht, sollte eher bei Fender schauen. Demnächst im Handel erhältlich.
Respect the Drummer: „Neil Peart – No One’s Disciple“
Sechs Jahre nach Neil Pearts Tod bekommt der Professor endlich das Denkmal, das er verdient. „Neil Peart – No One’s Disciple“ erzählt von Pearts mühsamem Start als junger Musiker, seinem rasanten Aufstieg mit Rush und den persönlichen Tragödien, die sein Leben prägten: dem Tod seiner Tochter und seiner Frau Ende der Neunziger sowie seinem lange verschwiegenen Kampf gegen den Hirntumor, an dem er im Januar 2020 starb.
Besonders gelungen ist, wie die Doku immer wieder ins Hier und Jetzt zurückkehrt: Geddy Lee und Alex Lifeson jammen gemeinsam mit einigen von Pearts illustren Freunden und Weggefährten Rush-Klassiker. Stewart Copeland, Danny Carey, Chad Smith und Gavin Harrison zollen dem Professor ihren Tribut – und liefern zwischen den Songs jede Menge großartige Anekdoten.
Lifeson gesteht beispielsweise, er habe anfangs bezweifelt, ob Peart überhaupt cool genug für Rush sei. Lee schwärmt von dessen Triolen, während Copeland wissen will, wie Peart es geschafft hat, ganze Arenen in synchronisierte Luftschlagzeuger zu verwandeln.
Egal, ob Rush-Fan oder nicht: Diese Doku ist eine klare Empfehlung. Besonders beeindruckend ist zu sehen, wie selbst gestandene Weltklasse-Drummer an Pearts Parts zu knabbern haben. Und genau darin liegt eine der großen Erkenntnisse des Films: Pearts Schlagzeugspiel war nie Selbstzweck. Als Texter wusste er genau, wie seine Rhythmen mit der Melodie funktionieren – und vor allem, wo eine Pause den Raum für das nächste komplexe Fill schafft.
Der Professor war eben nicht nur schnell. Er wusste, warum.
MUSE Rig Rundown
Auf dieses Video haben Fans lange gewartet. Die Herrschaften von Premier Guitar haben mal wieder einen erstklassigen Einblick in das Equipment einer der größten Livebands dieses Planeten bekommen: MUSE. Ganze 51 Minuten gibt es jede Menge Details zu den aktuellen Rigs von Matt Bellamy und Chris Wolstenholme zu bewundern – und gerade Letzterer dürfte bei tieftönenden Gear-Nerds für leuchtende Augen sorgen.
Vorbei sind die Zeiten großer Verstärkerstapel. Internationales Touren ist schlicht wahnsinnig teuer geworden, und so ist es deutlich praktischer, ein paar Fractal Axe-FX III ins Rack zu schrauben, statt schwere Vollröhrenboliden um die halbe Welt zu fliegen. Von der Stange klingt bei MUSE allerdings trotzdem wenig: Statt auf Presets oder fertige Amp-Modelle zurückzugreifen, wurde der eigene Sound akribisch eingefangen. 63 Tage lang, acht Stunden täglich. Uff!
In den Kommentaren meldet sich der unglaublich freundliche Roadie erneut zu Wort und beschreibt den Vorgang:
„All Matt’s Amp sounds were “Tone Matched” which ends up as a Cab.. in (User cab bank) then when you make a preset you can have multiple cabs per amp.. so for each amp we’ve made multiple gain and microphone combinations. So each “Amp” preset is a combination of two amps with multiple cabs. We use NO FACTORY CABS.. We were in Covid lockdown when we did the shootout between the Fractal, Kemper and the Quad cortex. We had all the time in the world so we dove deep. All were great but the Fractal won. Matt uses 53 amp combination presets of 93 different Amp ( Matches). The RJM controller has 546 presets 7 pages deep ..usually 6 per song. I’ve probably put a bunch of you to sleep already. Some stuff in the rack isn’t used anymore as Matt is always trying stuff and programming and sometimes it’s easier to use a fractal effect. The Delays aren’t better than the fractal ones but we have to use them when Matt wants delay or reverb to follow from one preset to the next.“
Ganz ohne echte Amps geht es dann aber doch nicht: Ein einzelner, feuerroter Marshall samt passender Box darf mit auf die Reise. Nicht unbedingt für den kompletten Sound, sondern um Matt Bellamy ordentlich einzuheizen – und natürlich für die obligatorischen Feedback-Spielereien.
Darkglass Anagram sorgt für Bass-Sound
Für mich als Bassisten ist allerdings Chris Wolstenholmes Setup besonders spannend. Nachdem die Bassmanufaktur Status in den Ruhestand gegangen ist, machte sich Chris auf die Suche nach einem neuen Hersteller und landete bei Alusonic aus Italien. Bewusst bei einer kleinen Custom-Schmiede, die möglichst viel im eigenen Haus fertigt. Ein feiner Zug, wie ich finde.
Für seine Sounds sorgt neben dem Axe-FX III neuerdings auch ein Darkglass Anagram im Rack. Das zeigt eindrucksvoll, wie weit sich Darkglass mit seinem ersten digitalen Multi-Effekt entwickelt hat. Die kontinuierlichen Updates wissen zu überzeugen – sogar mich, obwohl ich einst den immer gleichen Distortion-Pedalen aus diesem Hause lange eher kritisch gegenüberstand.
Und spätestens nach diesem Rig Rundown steht für mich fest: Ich muss dringend mal zu einem MUSE-Konzert. Der FoH-Sound der Band wird mir schließlich schon seit Jahren als einer der besten empfohlen, die man live erlebt haben sollte. Zeit, das endlich selbst zu überprüfen.
Weitere Informationen
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