NAM A2: Der große Neural Amp Modeler Guide 2026
Alles über das das kostenlose Gitarren-Plugin und NAM-Pedale!
Vier Jahre nach dem Durchbruch hat das Open-Source-Amp-Modeling-Format Neural Amp Modeler kürzlich den nächsten Sprung gemacht: Seit dem 2. Juni 2026 gilt Architecture 2 (A2) als der neue Standard. NAM-A2-Captures klingen weitaus realistischer, brauchen dabei weniger Rechenleistung. Damit kann A2 auch auf günstigen Multieffekten nativ laufen! Was A2 kann, wie ihr umsteigt, welche Software und Hardware es unterstützt und wie ihr eigene Profile erstellt: alles in diesem Guide.
Das Wichtigste in Kürze
- Neural Amp Modeler ist Open Source und kostenlos: Plugin und Trainingscode stehen unter MIT-Lizenz auf GitHub,
- NAM-Captures kostenlos: Auf TONE3000 gibt es gratis von der Community erstellt tausende Profiles
- A2 ist seit Juni 2026 der neue Standard. Entwickelt von TONE3000 zusammen mit NAM-Erfinder Steve Atkinson
- Ein Modell, zwei Ausführungen: A2-Full für die DAW und leistungsfähige Multieffekte, A2-Lite für Pedale und Mini-Amps
Alles über Neural Amp Modeler
Was ist der Neural Amp Modeler?
NAM steht für Neural Amp Modeler. Grundsätzlich haben wir hier einfach ein weiteres Format zur digitalen Emulation von Amps (vereinfacht gesagt). Sprich, zum einen könnt ihr so Amp-Sounds spielen, von alten Marshall- oder Fender-Verstärkern zum Beispiel, die ihr euch zu Hause nie leisten könntet. Zum anderen seid ihr mobiler und müsst mit entsprechenden Captures eure Amps nicht mitschleppen.
Technisch geht es dabei weniger um Amp Modeling im engeren Sinn als um Capturing: Aufgenommen wird genau ein akustischer Abdruck einer konkreten Amp- oder Pedal-Einstellung, nicht die virtuelle Nachbildung ganzer Bauteile, was man bei Neural DSP oder Kemper häufig sieht.
Dazu sind das Format und auch die Software Open Source, also kostenlos und, wer die entsprechenden Kenntnisse und Motivation mitbringt, kann direkt auch zum Mitentwickeln. Neben dem offiziellen Gateway-Plugin als kostenloser VST-Lösung für DAWs gibt es eine wachsende Zahl an Hardware mit NAM-Unterstützung.
Wie NAM entstand
Die vollständige Geschichte findet ihr auf der offiziellen Website. Kurzfassung: Steven Atkinson, KI-Forscher und ebenso leidenschaftlicher Gitarrist, entwickelte das Format bereits 2019 und stellte es auf GitHub bereit. Was als Feierabendprojekt begann, klang so gut, dass er nicht mehr davon loskam. Doch dann lag das Ganze drei Jahre brach.
2022 programmierte Atkinson die erste Plugin-Version, mit der man NAM-Captures direkt in der DAW laden konnte. Dadurch wurde der Neural Amp Modeler auch für Gitarristen ohne Python-Kenntnisse überhaupt erst benutzbar.
Atkinson veröffentlichte in der Folge eine Reihe von Vergleichsvideos, in denen Kemper, Quad Cortex und ToneX gegenüber NAM zunehmend blass aussahen. Weitere Verbesserungen folgten 2023, vor allem wurde das Plugin überarbeitet, samt EQ und IR-Loader. Und Steven verbesserte den Workflow zum Erstellen eigener Amp-Profile.
Währenddessen wuchs die Popularität des Open-Source-Modelings dramatisch. Wo es anfangs in der offiziellen Facebook-Gruppe einige Hundert Mitglieder gab, waren es Ende 2023 bereits über 15 000! Heute sind wir bei (Stand 4. August 2026) fast 27 000.
Was ist NAM A2?
Am 2. Juni 2026 stellten Atkinson und die Macher von TONE3000 die neue Generation des Neural Amp Modeler vor: A2. Damit einhergehend bekamen alle alten Captures zur besseren Unterscheidung die Bezeichnung A1. A2 brachte eine Vielzahl an Neuerungen mit:
- Full und Lite. Eine einzige NAM-Datei enthält gleichzeitig A2-Full (maximale Genauigkeit, für DAW und leistungsfähige Hardware) und A2-Lite (dasselbe Capture in kleinerer Auflösung, für Pedale und Mini-Amps). Ihr müsst nichts doppelt herunterladen, das Pedal nutzt automatisch, was es verarbeiten kann.
- CPU-Effizienz Schon A2-Full läuft rund 30 bis 40 Prozent sparsamer als das alte A1-Standard, und klingt dabei viel besser. Und A2-Lite läuft mit 50 Prozent Auslastung auf einem ARM Cortex-M7 mit 600 MHz. Diese extrem kostengünstige CPU steckt in vielen Budget-Modelern, wodurch wurde native NAM A2 auf einen Schlag auf einer Vieltahl an Multieffekten möglich wurde.
- Keine Abwärtskompatibilität. A2 ist nicht abwärtskompatibel. Ältere Plugin- und Firmware-Versionen können A2-Dateien nicht verarbeiten. Umgekehrt gilt das nicht: Eure alten A1-Profile funktionieren überall auch mit A2-Loadern weiter. TONE3000 hat fast die komplette Bibliothek bereits auf A2 nachtrainiert.
Und binnen weniger Wochen nach der Ankündigung wuchs die Zahl der Hersteller (siehe unten), die ankündigten, dass ihre Amp-Modeler und Multieffekte durch Firmware-Updates ebenfalls A2-kompatibel werden würden. Hier noch einmal ein Vergleich der drei NAM-Versionen:
| A1-Standard | A2-Full | A2-Lite | |
| Status | Legacy, weiter nutzbar | Neuer Standard | Neuer Standard für Hardware |
| Wo nutzbar? | DAW, Computer, wenige Pedale oder komprimiert | DAW, leistungsfähige Hardware | Multieffekt-Pedale, Mini-Amps |
| CPU-Bedarf | Referenz | ca. 30–40 % geringer | Bruchteil von A1 |
| Capture-Format | eigene Datei | gemeinsam mit A2-Lite in einer Datei | gemeinsam mit A2-Full in einer Datei |
Wie gut klingt A2 wirklich?
TONE3000 hat A2 im Vorfeld in der Beta-Phase gegen Neural DSP Neural Capture V1 und V2, IK Multimedia ToneX V2 und Line 6 Proxy, jeweils in den aktuellen Versionen, antreten lassen. Im Blindtest haben über 1.000 Teilnehmer und Teilnehmerinnen in der Testphase mehr als 100.000 Bewertungen abgegeben, nach der sogenannten MUSHRA-Methodik, wie sie auch BBC und EBU für Audioqualität verwenden. Die Teilnehmer hörten zuerst die echte Aufnahme und bewerteten dann anonymisierte Modellversionen auf einer Skala von 0 bis 100.
Ergebnis auf TONE3000: A2-Full schlägt alle kommerziellen Modeler im Test deutlich. A2-Lite ebenfalls. Das klingt natürlich erstmal grandios, vor allem, weil wir es hier ja mit einem kostenlosen Format zu tun haben. Allerdings sind die Ergebnisse aus wissenschaftlicher Sicht mit Vorsicht zu genießen.
Denn der Test stammt vom Anbieter der getesteten Technologie selbst. Allerdings hat TONE3000 sowohl den Testcode als auch die Rohdaten veröffentlicht und ausdrücklich zur Replikation aufgerufen. Damit ist der großangelegte Hörtest nicht komplett ungültig und nur Marketing, die Behauptung, dass das Format seine Konkurrenz schlägt, aber am Ende nicht wissenschaftlich belegt.
Software und Amp-Profile
Der Einstieg ist software-seitig weiterhin komplett kostenlos. Das offizielle Plugin heißt Gateway, kostenlos als AU und VST3 auf der Website von Neural Amp Modeler für Windows und Mac zum Herunterladen verfügbar. Gateway verarbeitet sowohl A1- als auch A2-Captures. Falls ihr noch die ältere Version des Plugins nutzt: Diese kann A2 nicht laden, da müsstet ihr auf Gateway umstellen.
Dann geht es zu Tone3000 (früher ToneHunt), dem größten Hub für NAM-Profile. Über 10.000 NAM-Profile gibt es hier, von Fender Reverb über Marshall JCM800 bis Vox AC15 oder Roland JC 120B. Auch einzelne Distortion-Pedale wurden per NAM nachgebildet, wie die ProCo Rat oder der Boss Blues Driver.
Auf der Webseite eines einzelnen Profiles seht ihr am A2-Badge, welche Version vorliegt; über die Filter der Suche (Technical → „A1 – Legacy“) kommt ihr weiterhin an die alten Modelle. In Gateway wählt ihr dann über „Select model directory…“ den Download-Ordner aus, wohin ihr die NAM-Profile geladen und entpackt habt. Gitarre in den Hi-Z-Eingang des Interfaces, Amp und Cab laden, fertig.
Wie erzeugt man eigene NAM-Profile?
Ob man an der Community teilhaben oder einfach nur sein teures Gear nicht aus dem Proberaum nach Hause schleppen möchte, eigene Profile lassen sich relativ einfach erzeugen. Ganz so zugänglich wie bei ToneX oder Kemper ist der Workflow nicht, aber mit etwas Geduld bekommen das auch technologieferne Amp-Fans hin. Grundsätzlich gibt es zwei (-einhalb) Wege zum eigenen Profil.
Der simpelste Weg geht über Tone3000. Dort geht man oben rechts auf „Create Tone“ und dann auf „Capture“. Hier lädt man eine Wav-Datei eines Sinus-Sweeps herunter. Dann heißt es Amp mikrofonieren, alles verkabeln (also Ausgang vom Interface in Eingang von Amp, dann Mikrofon vor den Amp, dann Mikrofonkabel in den Eingang des Interfaces) und schließlich Setup in der DAW.
- In der DAW ladet ihr den Sinus-Sweep auf eine Audiospur
- Dann müsst ihr das Routing so einstellen, dass das Audiosignal des Sinus-Sweeps direkt an den Amp ausgespielt wird.
- Jetzt erzeugt ihr eine zweite Audiospur, zu der ihr das Mikrofonsignal routet.
- ACHTUNG: Achtet auf die Lautstärke eurer Monitorboxen oder deaktiviert am besten die Audioausgabe am Stereo-Master für den Modeling-Vorgang, sonst kommt es zu Feedback!
- Startet die Aufnahme in der DAW.
- Exportiert die Spur mit der Aufnahme des Mikrofonsignals (am besten mono, 24 Bit, 48 kHz). Achtet darauf, dass die neue Audiodatei die exakt gleiche Länge, wie der Sinus-Sweep hat.
Jetzt ladet ihr diese Audiodatei bei Tone3000 im Capture-Bereich hoch. Alternativ zum Sinus-Sweep könnt ihr auch ein Dry/Wet-Paar hochladen. Sprich, ihr splittet das Signal eurer Gitarre über eine DI-Box und nehmt gleichzeitig vor und nach dem Amp in der DAW auf. Dann ladet ihr dort das Amp-Profil hoch.
Kostenlos und sogar Offline: Amp Modeling auch ohne Tone3000
Im alten Guide stand hier noch eine Anleitung, mit der man NAM-Profiles auch ohne den Workflow von Tone3000 direkt über Google Collab erzeugen kann. Das geht zwar auch immer noch, ist aber ein ziemlich technischer und komplizierter Weg.

Und zumindest sieht es so auf der Oberfläche aus: Man ist hier direkt abhängig von Google Colab, bei Tone3000 nicht. Ein sehr einfacher Weg ist die kostenlose Software Capture Studio von Two Notes – noch. Ob sie dauerhaft kostenlos bleibt, wird man sehen müssen, deswegen ladet sie euch schnell, nur ein Account bei Two Notes ist nötig.
Und dann leitet euch die Software, sobald ihr euer Audiointerface angeschlossen und alles entsprechend verkabelt habt, durch den Capture-Prozess. Nicht nur ist die Software kostenlos, sie läuft auch noch lokal! So könnt ihr auch im Proberaum ohne WLAN und Tone3000 eigene NAM-Profiles erstellen
Hardware für NAM
Der Neural Amp Modeler ist nicht nur wegen seiner herausragenden Modeling-Qualität so beliebt oder weil ihn kostenlos als Software gibt. Auch wächst die Zahl der Gitarren-Hardware, auf der sich NAM-Profile laden lassen. Allen voran wäre da der NAM Player der deutschen Firma Dimehead zu nennen, mit das erste NAM-Pedal auf dem Markt. Und auch eine der ersten, die NAM A2-Full anbieten.

Dann hat Darkglass mit dem Anagram einen Bass-Multi-Effekt vorgestellt, der NAM-Profile laden kann und nach einem Update auch A2 Full! Dazu beherrscht auch der winzige Valeton GP-5 das Laden von NAM-Profilen, allerdings mit qualitativen Abstrichen, da die CPU des kompakten ToneX-One-Konkurrenten nicht die volle NAM-Auflösung schafft. Auch gab es kürzlich ein Firmware-Update für den GP-200, der diesen ebenfalls NAM-tauglich machte.
Welche Pedale und Multieffekte sind A2-fähig?
Seit der Vorstellung von A2 vergeht fast keine Woche, in der nicht ein Hersteller von Budget-Modeling-Multieffekten ein Firmware-Update für A2-Kompatibilität ankündigt. So reihte sich neben Darkglass und Dimehead kürzlich Headrush in die Riege der A2-Full-Pedals ein, alle drei Floorboards sind jetzt NAM-kompatibel.
Bei Mooer gab es gerade dieser Tage A2-Updates für ihre Produkte GS1000, GE1000, GE300 und GE300 lite. Spannend wird, ob der Hersteller auch noch entsprechende Updates für ihre beliebten GE1XX und GE2XX liefern wird, hoffen wir drauf!
Ähnlich scheint es bei Konkurrent Hotone auszusehen. Hier gab es ein Update, mit dem die Ampero-Serie A2-kompatibel wurde. Bei weiteren Modellen spricht der Hersteller von einer „Conversion„, sprich hier werden die Captures noch in ein eigenes Format heruntergerechnet.
Auch bei Nux gab es ein Update, hier sind diese Modelle dabei.
Valeton wiederum hat bereits im Juli 2026 angekündigt, dass man mit Hochdruck an einem Update arbeite. Wann das kommt und welche Modeler und Multieffekte A2-fähig werden, ist noch nicht bekannt. Auch von Amp-Modeler-Lösungen wie denen von Positive Grid und Blackstar oder den Multieffekten von Harley Benton wissen wir noch nichts Konkretes.
Die Zukunft von Neural Amp Modeler
Man muss sich das mal vorstellen. 2022 erst hat Neural Amp Modeler so richtig die Welt erblickt. Vor vier Jahren. Und jetzt sind wir schon bei Pedalen, riesigen Communitys und einer wachsenden Zahl von Konvertiten von Kemper, QuadCore und ToneX.
Durch diesen gewaltigen Schub, sowohl bei Qualität, als auch beim vereinfachten Capture-Prozess und die extrem schnell erfolgten Updates dürften mindestens ToneX (IK Multimedia), Proxy/Helix (Line 6) und Tone Master Pro (Fender) ordentlich unter Zugzwang geraten. Ich wage einen Blick in die Kristallkugel und vermute, dass beim nächsten Update dieses Guides mindestens einer dieser großen Hersteller entsprechende Updates geliefert haben dürfte.
Und dann? So wie ich die Möglichkeiten hinter NAM verstehe, gibt es hier zum einen noch großes Potential bei Pedalen. Stellt euch vor ein Pedal mit 6-8 Slots, in denen man sich Captures einer Achtziger-Rat, eines Big Muff aus der ersten Generation, einen Klon und vielleicht noch einen 1073-Preamp lädt!
Dazu ist der parametrische Teil noch nicht ausgeschöpft, wo es darum geht, nicht nur eine Einstellung, einen Sound zu capturen, sondern quasi die Bauteile. Wie sie auf unterschieliche Signalstärken und Einstellungen eben reagieren. Es wird spannend!
Fazit
Und jetzt seid ihr gefragt! Was sind eure Erfahrungen mit NAM? Klingt es in euren Ohren besser oder schlechter als andere Modeling-Formate? Schreibt es uns in die Kommentare!
FAQ: Neural Amp Modeler und NAM A2
Was ist Neural Amp Modeler?
Neural Amp Modeler (NAM) ist ein quelloffenes Format zur digitalen Nachbildung von Amps, Pedalen und sogar kompletten Signalketten. Das Ergebnis nennt sich Capture oder Profil und lässt sich sowohl in Software als auch zunehmend in Gitarren-Hardware nutzen.
Was ist der Unterschied zwischen NAM und A2?
NAM ist das Gesamtsystem aus Trainings- und Wiedergabe-Werkzeugen. A2 ist eine bestimmte Architektur innerhalb dieses Systems – seit Juni 2026 die neue Standardarchitektur. Vorher war A1 der Standard.
Funktionieren meine alten A1-Profile weiter?
Ja, überall dort, wo A1 unterstützt wird. Gateway spielt beide Architekturen ab. TONE3000 hat die bestehende Bibliothek zusätzlich auf A2 nachtrainiert, ihr könnt eure Sounds also auch in der neuen Fassung herunterladen.
Was ist der Unterschied zwischen A2-Full und A2-Lite?
Beides sind zwei Größen desselben Modells, gespeichert in einer Datei. A2-Full ist die genauere Variante für DAW und leistungsfähige Geräte, A2-Lite die sparsame Variante für Pedale und Mini-Amps. Das Abspielgerät wählt in der Regel automatisch.
Infos über Neural Amp Modeling
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